Unverhoffte Menschlichkeit

Istanbul. Ich bin komplett allein am Flughafen. Mein erster Flug in die Türkei war ganz okay, aber dann musste ich umsteigen. Der Flughafen ist groß und super unübersichtlich. Ich muss ein zweites Mal durch den Sicherheitscheck. Das kam irgendwie unerwartet. Diesmal werden andere Sachen kontrolliert als in Deutschland und ich muss meine Tasche umräumen. Ich bin gestresst. Ich habe Angst. Ich bin überfordert.



Endlich am Gate angekommen, hat der Flug Verspätung, aber die Durchsagen kommen immer erst auf türkisch, sodass danach das aufgeregte Gerede der anderen bei den englischen Durchsagen so laut ist, dass ich nichts verstehen kann.. Ich bin total am Ende. Müde. Erschöpft. Allein. Ich weiß nicht wohin mit mir. Ich weiß nicht, wann es weitergeht.


In diesem Moment spricht mich eine junge Türkin an, die offensichtlich meine Verzweiflung gesehen hat. Sie übersetzt mir, was in den Durchsagen gesagt wurde und verwickelt mich in ein Gespräch, das mich gut von meiner Erschöpfung ablenkt. Sie erzählt mir, dass sie weiß wie ich mich fühle. Sie hat letztes Jahr Erasmus in Rumänien gemacht und kennt dieses Gefühl der Überforderung. Sie hat mir meine Gefühle nicht abgesprochen, sondern mir das Gefühl gegeben, dass es okay ist. Dass es jetzt gerade zwar beschissen ist, aber wieder besser wird.


Ich bin ihr sehr dankbar für das, was sie für mich getan hat. Es mag wie eine Kleinigkeit erscheinen, aber für mich war es die Welt in dem Moment. Sie hat mich beruhigt und danach war ich tatsächlich recht entspannt, auch wenn ich müde war. Ich wusste, dass da jemand ist, den ich ansprechen konnte. Das hat mir Sicherheit gegeben.


An diesem Abend wurde ich wieder einmal überrascht von der Menschlichkeit, die oft so unerwartet kommt. Viel zu oft habe ich erlebt, dass es mir offensichtlich schlecht ging und mir niemand geholfen hat. Das war hier ganz anders. Viele Menschen haben mir geholfen. Und das macht mich froh. Ich finde es schön, dass es Menschen gibt, denen es nicht egal ist. Die nicht wegschauen. Vor meiner Reise waren mir die Menschen und die Kultur hier fremd. Jetzt weiß ich, dass die Türkei tatsächlich ein Ort voller Menschlichkeit ist, voller Leben, voller Schönheit. Allein deshalb schon hat sich die Reise gelohnt.

Angst vorm Unbekannten

Da ist sie wieder. Die Angst davor, allein zu verreisen. Und der Gedanke, was ich mir eigentlich dabei gedacht habe. Wie dumm das alles ist. Dass ich am liebsten Zuhause bleiben würde.


Am Sonntag geht es für mich los in die Türkei für eine Woche. Eigentlich ein echtes Traumziel, denn auch wenn es dort momentan Winter ist, ist die Landschaft in Kappadokien einfach faszinierend und wunderschön. Als ich den Urlaub gebucht habe, habe ich mich sehr gefreut und war zuversichtlich, dass ich mich dieses Mal sehr darauf freuen kann, alleine wegzufahren, weil ich das Gefühl ja jetzt schon kenne.


Und trotzdem würde ich momentan am liebsten hier bleiben. Das Unbekannte macht mir Angst. Ich weiß nicht, was auf mich zukommt, ob alles gut verläuft. Das Einzige, was ich weiß ist, dass ich alle Herausforderungen allein bewältigen muss. Ich kann mich nicht erst mit jemandem beraten, sondern muss das meiste alleine entscheiden. Das bringt natürlich auf der anderen Seite auch eine gewisse Freiheit mit sich. Ich kann tun und lassen, was immer ich möchte, was ja irgendwie auch schön ist. Sich nach niemandem richten zu müssen, ist einfach sehr selten und vielleicht ist es auch genau das, was mir Angst macht. Diese Verantwortung, selbst zu entscheiden, ist neu, ganz ungewohnt. Insbesondere weil ich mich ja in einem fremden Land nicht auskenne, die Sprache nicht spreche und niemanden kenne.


So merke ich doch mal wieder, dass das Reisen nicht immer einfach ist. Es gibt eben auch Schattenseiten, wie meine Angst, die mir jegliche Vorfreude raubt. Leider vergessen das die meisten. Andererseits gibt es bereits so viele andere Menschen vor mir, die das alles schon gemacht und geschafft haben. Die sicher auch Angst hatten, die sie aber nicht aufgehalten hat. Allein Reisen ist ja kein unschaffbares Mysterium, sondern eine durchaus machbare Herausforderung. Meine Angst ist durchaus normal und ich bin damit nicht allein. Das versuche ich mir immer wieder vor Augen zu führen, auch wenn das gar nicht so leicht ist. Um meiner Angst etwas entgegenzuwirken, versuche ich außerdem, alles schon etwas zu planen, damit ich nicht ganz ohne Plan da stehe. Das macht die Angst etwas kleiner, auch wenn sie nicht ganz weggehen wird. Das weiß ich ganz sicher. Aber ich bin auch fest entschlossen, mir nicht alle Vorfreude nehmen zu lassen. Denn ganz ehrlich, dann würde ich mir das Schönste der Reise schon wegnehmen lassen.

Angst vorm Scheitern

Am Anfang dieses Jahres habe ich mich gefragt, was ich dieses Jahr gerne erleben und machen möchte. Was ich bis zum Ende des Jahres erreichen möchte. Wie ich schon im letzten Blog angesprochen habe, war es mir dabei besonders wichtig, mal über mich hinauszuwachsen. Dinge zu tun, die mich Überwindung kosten.



Neben vielen kleinen Dingen, habe ich entschieden, auch eine etwas größere neue Sache zu probieren. Ich möchte alleine verreisen. Und zwar nicht wie letztes Jahr nach Costa Rica mit einer Organisation, sondern so richtig alleine. Um das Ganze etwas leichter zu machen, habe ich mich erstmal nur für einen Zeitraum von einer Woche entschieden. Denn ganz ehrlich, ich weiß überhaupt nicht, was mich erwartet, auf was ich achten muss und was ich dann wirklich mit meiner Zeit dort mache. Ich bin völlig ahnungslos und das macht mir dann doch ziemlich Angst, auch wenn das Reiseziel echt traumhaft ist.


Als ich mit einigen meiner Bekannten darüber gesprochen habe, kam dann oft die Reaktion „wow, wie cool, das würde ich mich nie trauen“. Aber warum eigentlich nicht? So oft habe ich mich schon gefragt, warum sie so eine Reise eigentlich nicht selbst machen. Vielen würde das bestimmt ungeheurer viel Spaß machen und sie würden viel lernen.


Am Geld liegt es bei ihnen nicht, denn ganz ehrlich, besonders teuer wird mein Urlaub auch nicht, denn das könnte ich mir überhaupt nicht leisten. An der Zeit ebenfalls nicht, denn so eine Woche kann jeder von ihnen im Jahr entbehren. Und trotzdem trauen sie sich nicht.


Oft denke ich dann, dass das etwas mit dem Grundvertrauen der Menschen in sich selbst zu tun haben muss und damit wie sehr sie nur in ihrer Komfortzone leben.
Von klein auf ist mir vermittelt worden, dass mir alle Türen offen stehen. Dass ich selbst entscheiden darf, wohin mein Weg führt. Und dass, egal welche Entscheidung ich fälle, meine Familie hinter mir steht und mich, sofern es eben möglich ist, unterstützt. Daher konnte ich immer viel ausprobieren und habe ein relativ gutes Selbstvertrauen. Ich weiß, dass ich mich auf mich selbst und meine Familie verlassen kann. Ich bin nie allein. Und selbst wenn meiner Familie manche meiner Träume zunächst fremd waren, so haben sie mich doch immer unterstützt. Sie haben mir beigebracht, neugierig zu sein, die Welt sehen zu wollen. Und dass es wichtig ist, Neues auszuprobieren und seine Angst zu überwinden.


Das war für mich immer selbstverständlich. Ich kannte es nie anders. Erst viel später ist mir bewusst geworden, wie viel Glück ich damit hatte. Einige meiner Freunde haben das so nicht erfahren. Ihre Eltern waren nicht so offen für neue Ideen und haben selbst ihre Komfortzone, ihr Dorf, ihr Land, kaum verlassen. Wenn solche Menschen dann neugierig werden und gerne mal etwas anders sehen wollen, dann wissen sie oft garnicht wo sie anfangen sollen. Schon einige Male habe ich erlebt, dass Bekannte von mir daher keine Unterstützung von ihrer Familie erhalten haben. Das macht es für sie umso schwerer. Für mich wirkt es so, als würde sich die Angst ihrer Eltern auf sie selbst übertragen.


Bei meiner Arbeit mit Senioren höre ich oft, dass manche von ihnen ähnliche Träume hatten, wie wir jungen Menschen heute. Doch so manch einem von ihnen ist es passiert, dass sie in ihrer Jugend von der Welt geträumt haben, sie aber doch nie gesehen haben. Aus Angst. Weil es immer hieß, wenn ich dies oder jenes erreicht habe, dann traue ich mich. Dann ist der Moment. Und am Ende, wenn ich sie heute frage, was aus ihren Träumen geworden ist, sagen sie, es wäre nicht so wichtig gewesen. Und insgeheim ist doch so manch einer traurig darüber.


Deshalb versuche ich, meine Freunde zu ermutigen, ihre Träume zu verwirklichen. Mir ist bewusst, dass nicht alles immer sofort geht, dass manche Dinge schlicht unmöglich sind, aber irgendwann ist der Punkt gekommen, da muss man sein Glück selbst in die Hand nehmen und es nicht länger aufschieben. Denn selbst wenn man vielleicht nie im Leben ein Millionär wird oder die ganze Welt verbessert, so wird es vom Nichtstun auch nicht besser. Je länger ich selbst mit etwas warte, desto schwieriger wird es für mich. Um das zu vermeiden, versuche ich, Dinge immer direkt anzugehen, was mir auch nicht immer gelingt. Aber bis jetzt kann ich sagen, dass ich mich besser gefühlt habe, wenn ich etwas versucht habe, anstatt es ganz zu lassen. Selbst wenn es nicht funktioniert hat.
Denn Angst und Scheitern gehören dazu, wenn man wachsen will. Und das ist nicht schlimm. Und das ist etwas, was ich mir dieses Jahr nochmal bewusst machen möchte.

Etwas mehr Pura Vida

Seit ein paar Tagen bin ich zurück in Deutschland. Es fühlt sich an, als wäre ich nie weg gewesen, alles ist so wie immer, nur ich nicht mehr. Mir fallen hier Dinge auf, die ich vorher nie so gesehen habe. Besonders das Verhalten und die Laune der Menschen ist so anders. Schon auf meinem Rückflug, bei dem sehr viele Deutsche mitgeflogen sind, war die Stimmung irgendwie negativ und gestresst. Ja gut, habe ich mir gesagt, liegt bestimmt daran, dass der Urlaub für alle vorbei ist und für die meisten so eine lange Reise ganz sicher nicht angenehm ist.

Aber auch zurück in Deutschland, ist mir vermehrt aufgefallen, wie schlecht gelaunt, gestresst und irgendwie unzufrieden die Menschen hier scheinen. Diejenigen, die auf der Straße lächeln, freundlich aussehen und schlendern, anstatt von einem Termin zum nächsten zu rennen sind rar.

Mich hat es traurig gemacht, so viele scheinbar unglückliche Menschen zu sehen, die irgendwie nie richtig zufrieden scheinen. Gleichzeitig habe ich mich aber auch gefragt, warum das so ist. Was ist hier so anders als in Costa Rica (abgesehen von offensichtlichen Dingen, wie der Landschaft und der Sprache)? Wir haben hier alles, was wir zum Leben brauchen. Die meisten von uns leben im Überfluss und können sich einfach nehmen, was sie haben wollen. Wir haben Essen, Kleidung, ein Haus über dem Kopf. Bildung und ein gutes Gesundheitssystem, jede Menge Freizeitangebote. Ein Sozialsystem, wenn es auch nicht perfekt ist.

Mir ist bewusst, dass es auch in Deutschland genug Menschen gibt, die arm sind, denen es an Geld für ein normales Leben fehlt. Trotzdem würde ich sagen, dass unser Lebensstandard hier recht hoch ist und sich so gut wie niemand wirklich um sein Überleben sorgen muss.


Deshalb kann ich einfach nicht verstehen, wieso so viele Menschen so unglücklich ausschauen. Sind wir zu sehr an den Luxus gewöhnt? Werden wir von all unseren Sachen erdrückt? Sind wir es so gewohnt, immer alles zu bekommen, dass das Beste nicht genug ist? Dass wir immer mehr wollen?

Wenn ich eines gelernt habe, ist es, dass dieses „mehr“ mich nicht glücklich macht. Ich kann nicht alles schaffen, nicht alles perfekt machen, nicht alles haben. Und das ist gut so. Denn nur so kann ich mich wirklich an dem erfreuen, was ich habe.



Zusätzlich habe ich das Gefühl, dass sich viele Menschen, ich selbst eingeschlossen, über Kleinigkeiten ärgern, als wäre es der Weltuntergang. Das Warten im Wartezimmer dauert länger? Klar, das ist ärgerlich und ganz sicher keine schöne Situation, aber eben auch keine Katastrophe. Von meinem Ärger warte ich auch nicht kürzer, sondern habe lediglich schlechte Laune und übertrage diese damit auch noch andere Leute.

Und genau das finde ich persönlich noch am schlimmsten. Wenn jemand seine schlechte Laune an seinem Umfeld rauslässt und so unbedingt der Welt zeigen möchte, wie sehr ihn die Situation gerade nervt. Denn zum einen möchte ich, um ganz ehrlich zu sein, gar nicht wissen, ob sich jemand über so eine Kleinigkeit ärgert und bekomme so ungefragt eine ganze Portion schlechte Laune ab, zum anderen werde ich, obwohl ich recht resistent geworden bin, nach einer gewissen Zeit ebenfalls schlecht gelaunt von dem Genörgel.


Damit möchte ich nicht sagen, dass ich nie schlechte Laune habe und dass das nicht dazugehört. Jeder hat mal einen schlechten Tag und das ist auch okay. Nur manchmal versuche ich zumindest den Grund für seinen Ärger zu hinterfragen, bevor ich all meine Energie dort hinein investiere. Denn oft überdeckt der Ärger all das schöne im Leben, was einfach schade ist. Das Leben ist zu kurz, um sich über alles zu ärgern.

Und um nochmal zurück auf die Wartezimmersituation zu kommen: Anstatt sich gleich zu ärgern, könnte man die Zeit, die man dann eben hat, nutzen, um mal etwas zu lesen, sich zu unterhalten oder einfach um ein paar Leute zu beobachten. Denn genau solche Pausen tun oft auch gut.

Ich selbst habe mir vorgenommen, das „Pura Vida“ etwas mehr in mein Leben mitzunehmen. Entspannter zu sein und mich mehr zu freuen. Denn ich vermisse den lockeren Lebenstil, die Unordnung, die nicht perfekten Umstände. Die Wildheit des Landes. Und möchte sie in meinem Herzen bewahren. Und das geht nur, wenn ich vor lauter Stress und Ärger das Leben und die Freude darin nicht vergesse.

Eine Reise meines Lebens

Nach sieben Wochen in Costa Rica ist es nun an der Zeit Abschied zu nehmen. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass es mir so schwer fallen würde.


Aber nach dieser Zeit ist die Casa Caribe und Puerto Viejo mein Zuhause geworden und die anderen Freiwilligen meine Familie. Wir haben so viel Zeit gemeinsam verbracht und sowohl wunderschöne als auch weniger schöne Momente geteilt. Die Vorstellung, dass ich sie alle vielleicht nie wieder sehe fühlt sich fremd an und macht mich traurig. Ich möchte mich an dieser Stelle bei einigen meiner Freunde persönlich bedanken. Bei Luise, die in den ersten Wochen mein rettender Anker war. Bei Paul, der mit seinem Humor jede Stimmung aufgelockert hat. Bei Annika, die immer für mich da war. Bei Carina, die mich ermutigt hat, zu machen was ich möchte. Bei Jules, unserer Österreicherin, mit der ich jedes ernste, aber auch jedes lustige Thema besprechen konnte. Bei Christin, die mir all die Zeit eine tolle Zimmergenossin war und bei der ich mich immer wohl gefühlt habe. Und bei Kathi, ohne die unsere Reise wohl nie geklappt hätte.



All diese Menschen haben diese Reise für mich zu etwas ganz besonderem gemacht und ich vermisse sie jetzt schon so sehr. Die Stimmung hier war einfach so entspannt. Es gab keine Konkurrenz und Lästereien, wir waren Gleichgesinnte mit ähnlichen Ambitionen. Und das war ein besonderes Erlebnis.



Auch das Land hat seine Spuren hinterlassen. Ich liebe das entspannte Lebensgefühl, die Menschen und die Kultur hier.
Die Vielfalt der Natur, die Geräusche des Waldes, das Rauschen des Meeres und das Brüllen der Howlermonkeys aind einfach einzigartig.
Das Klima, die gleichbleibende Wärme und das starke Prasseln des Regens auf dem Dach sind vertraute Bekannte. Ich kann mir nicht vorstellen das alles hier zurückzulassen und zurück nach Hause ins geordnete Deutschland zu gehen.


Mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher einen gewaltigen Kulturschock zu erleben. Vor dem nach Hause kommen habe ich deshalb Angst. Ich habe Angst vor meinem Alltag, der mich erwartet. Angst die Leichtigkeit zu verlieren, Angst zu vergessen, wie sich Freiheit anfühlt. Angst, vom Ernst des Lebens überrollt zu werden, von all den Entscheidungen, die ich treffen muss. Angst davor, dass meine Träume verblassen und ich das wirklich Wichtige vergesse.


Denn ich habe so vieles gelernt auf meiner Reise. Insbesondere Dankbarkeit und wie schön das Leben eigentlich ist. Oft habe ich mich gefragt, ob das jetzt „die Reise meines Lebens“ ist. Mir ist hier klar geworden, dass ich möchte, dass es vielmehr „eine Reise meines Lebens“ ist. Es gibt so viel, was ich noch sehen und erleben möchte. Diese Reise war nicht die eine besondere Reise, sondern nur ein Vorgeschmack auf das, was die Welt mir noch zu bieten hat. Ich fahre mit einem positiven Gefühl nach Hause und mit der Gewissheit, dass die Welt noch so viel mehr zu bieten hat. Und das stimmt mich zuversichtlich. Ich freue mich auf die Zukunft und das was noch kommt.



Auf einem anderen Planeten

Puerto Viejo, Dienstag der 02.08.2022, 06:59 Uhr.
Je länger ich vom Zuhause fort bin, desto mehr kann ich mein eigenes Leben von außen betrachten. Nach fünf Wochen Costa Rica sehen ich mein Leben Zuhause anders und es kommt mir fast unmöglich vor, dieses Leben je wieder zu leben wie vorher.

Wenn ich mit meiner Familie Zuhause rede, kommt es mir vor wie auf einem anderen Planeten. Einem Ort, den ich mal gekannt habe, aber der jetzt so unfassbar weit weg ist, dass er unerreichbar scheint.

Wenn ich so darüber nachdenke, was ich aus meinem Leben machen möchte, weiß ich, dass es so viel mehr ist, als das was ich Zuhause mache. Ich möchte Vielfalt erleben und neue Orte sehen, ich möchte die Natur jeden einzelnen Tag neu entdecken, ich möchte tief eintauchen in alles, was die Welt zu bieten hat. Mir ist es wichtig meinen Horizont zu erweitern, nie nur von einer Seite zu schauen, um das Beste rauszuholen.

Eine der wichtigsten Lektionen, die ich hier gelernt habe ist, dass alles eine Frage der Perspektive ist. Nicht alles läuft so, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber ich kann versuchen aus jeder Situation das Beste zu machen und sie hinzunehmen wie sie ist.
Als wir zum Beispiel im Tortuguero Nationalpark waren, haben wir morgens um 5:30 Uhr eine Bootstour gemacht. Es hat natürlich in Strömen geregnet und wir waren klatschnass, aber trotzdem haben wir unfassbar viele Tiere gesehen und der Blick von den Mangroven auf den Wald war einfach der absolute Wahnsinn. Eines der Mädels, die mit mir da war hatte wegen dem Regen und dadurch, dass wir vorher nicht gefrühstückt hatten extrem schlechte Laune und wollte die ganze Zeit nur zurück. Anstatt den Ausblick zu genießen, hat sie nur noch von ihren warmen Klamotten Zuhause geredet. Dabei hatten wir trotz Regen einen umfassbaren Blick auf den Regenwald. Wir haben Affen in den Bäumen und Kaimane im Fluss gesehen. Das ist eine einzigartige Chance, die wir hier haben
Es gibt so viele Menschen, die gern in unserer Situation wären und ich bin immer wieder dankbar, das hier alles erleben zu dürfen.

Auch mir fällt es nicht immer leicht, das alles so zu sehen. Nach einer Zeit wird der Urwald zum Alltag und ich ärgere mich über die Affen, die Mandeln auf mich und meine Sachen werfen.
Und ja es gibt manchmal Situationen, die nicht angenehm oder schön sind. Es wäre eine Lüge zu behaupten, dass ich beispielsweise arbeiten im strömenden Regen toll finde. Es ändert aber nichts an der Situation, wenn ich mich ärgere. Das zieht die Stimmung nur noch mehr herunter. Der Regen hört ja schließlich nicht auf, nur weil ich es kacke finde, dass alles nass ist.
Deshalb kann ich entweder versuchen, meine Situation zu ändern  oder sie hinzunehmen wie sie ist. Entweder ich bleibe an dem Tag Zuhause im Bett und bleibe trocken oder gehe eben in Regenjacke arbeiten. Ich muss mir nicht von einer Sache alles andere vermiesen lassen. Denn sonst gerät am Ende der schönste Anblick in Vergessenheit.

Wenn ich meine Zeit hier rückblickend betrachte, habe ich viel zu oft vergessen, wie einmalig mein Aufenthalt hier ist. Am Anfang habe ich mir oft gewünscht, nach Hause zu können. Heute bin ich mir nicht sicher, ob ich mich auf Zuhause freue. Klar, ich vermisse meine Freunde und meine Familie und auch einige Dinge, wie trockene Klamotten, Musik machen, jegliche Hygiene und Privatsphäre und natürlich mein Bett, aber ich werde auch so viel von hier vermissen.
Das unbeschwerte Lebensgefühl, das Abenteuer, die Offenheit der Menschen, das warme Wetter, die Vielfalt der Natur, die Nähe zum Meer und einfach all die exotischen Erlebnisse, die jetzt mein Alltag sind. Jeden Tag Action, jeden Tag so viel Neues. Die neuen Perspektiven, fremde Lebensgeschichten und die unendlich scheinenden Möglichkeiten.

Für mich war es eine der besten Entscheidungen hierher zu kommen. Dieses vollkommen andere Leben hat mich nachdenklich gemacht. Ich bin dankbarer und bewusster geworden. Ich weiß zwar noch nicht, wo mein Weg danach genau hingeht, ich weiß aber in welche Richtung ich gehen möchte. Die ewige Schleife aus was wäre wenns und was will ich mit meinem Leben machen ist hier etwas in den Hintergrund gerückt. Ich konnte neue Kraft tanken, um mich auf die vielen Entscheidungen und Aufgaben vorzubereiten, die Zuhause anstehen. Die Frage nach der Zukunft, nach dem was will ich machen, scheint nicht mehr so kompliziert. Mittlerweile freue ich mich sogar schon, eine der vielen Möglichkeiten zu wählen, etwas Neues zu lernen und endlich meinen Weg Richtung erwachsen werden einzuschlagen.

Tierschutz – Zwischen Arbeit und Faszination

Puerto Viejo, 23.07.2022, 08:52 Uhr
Nun arbeite ich schon eine Woche freiwillig im Jaguar Rescue Center, einem Center, in dem alle möglichen kranken oder verletzten Tiere behandelt und versorgt werden.


In der einen Woche habe ich viel erlebt und hart gearbeitet. Jeden Tag heißt es achteinhalb Stunden Käfige putzen, Wäsche machen oder im der Küche helfen. Nach der Arbeit bin ich sehr erledigt und müde. Außerdem ist der Tag nach vier Uhr meistens leider schon fast vorbei, da die Sonne schon so früh untergeht und ich von der Dunkelheit so schnell müde werde. Deshalb bekomme ich nicht mehr viel vom sozialen Leben und den anderen, die nicht im Center arbeiten mit. Manchmal fühlt es sich einfach blöd an, erst so spät von der Arbeit zu kommen, die einerseits anstrengend ist und mich andererseits einen ganzen Haufen Geld gekostet hat, für den ich jetzt hier arbeiten darf. Ich habe oft das Gefühl wegen meiner freiwilligen Arbeit das Leben zu verpassen, während die anderen am Strand entspannen und etwas unternehmen. Denn auch am Wochenende haben wir nicht frei, können uns aber immerhin zwei Tage die Woche freinehmen, die nicht unbedingt am Wochenende liegen, da die Tiere logischerweise die ganze Woche lang versorgt werden müssen.


Das führt dazu, dass wir an den Ausflügen und beim Feiern am Wochenede nur dann teilnehmen können, wenn nicht schon zu viele andere Freiwillige frei haben, was mich am Anfang ziemlich frustriert hat.


Leider hat auch das Wetter nicht mitgespielt und es hat zwei Tage lang durchgeregnet, sodass meine Kleidung vollkommen nass geworden ist und seitdem nicht mehr trocken wird. Besonders meine Schuhe bleiben trotz Zeitung und Sonne feucht und lösen sich langsam auf.


Trotzdem versuche ich das Beste daraus zu machen. Obwohl ich müde bin, fahre ich fast jeden Tag zum Strand, genieße die Wellen und entspanne. Ich nehme abends an allen Aktivitäten teil, auch wenn ich müde bin, einfach weil ich mich nicht von meiner Müdigkeit einschränken lassen möchte.


Außerdem weiß ich, dass ich mit meiner Arbeit wirklich etwas bewirke. Ohne die Unterstützung der Freiwilligen wäre es für das Center niemals möglich so viele Tiere zu versorgen und zu retten. Die Tiere sind auf unsere Hilfe angewiesen und mir bricht es das Herz, dass wir Menschen oft an den Verletzung der Tiere Schuld sind. Dass Tiere gewildert werden, nur wegen ihrem Fell, dass sie als Haustiere angekettet gequält werden, als Unterhaltung für irgendeinen Menschen, dass sie rücksichtlos behandelt werden.


Umso glücklicher macht es mich zu wissen, wie viele Menschen es gibt, die hart dafür arbeiten, dass es den Tieren besser geht. Die sich Tag und Nacht kümmern und ihr bestes geben, die andere Menschen aufklären und für eine bessere Welt arbeiten.


Aus genau diesem Grund bin ich so dankbar, Teil davon sein zu können. Wir sind ein großes, internationales Team, das sich die harte Arbeit teilt. Jeder muss jede Aufgabe mal machen, sodass auch jeder mal das Babyfaultier und die Babyaffen betreuen darf oder die Vögel und Faultiere füttern darf. Das sind Momente, in denen sich die Arbeit auszahlt.


Besonders magisch war für mich das Auswildern von zwei riesigen Meeresschildkröten an meinem ersten Tag. Es war besser als jede Doku und jede Aufnahme, als die beiden ins Meer gerobbt und untergetaucht sind. Diese gewaltigen Tiere so nah zu sehen war einfach nur Wahnsinn und wirklich einer der bewegensten und schönsten Momente meines ganzen Lebens.


In dieser Woche habe ich eindeutig gelernt, wie Schützenswert dieser Planet und sie Natur sind. Es ist harte Arbeit, die nicht immer Spaß macht, aber es lohnt sich und ist toll, Teil davon zu sein.

„Freundschaft im Schnelldurchlauf“

Samstag, der 16.07.2022, 20:56 Uhr. In meiner Zeit in Costa Rica habe ich die Möglichkeiten viele neue Menschen kennenzulernen. Während meines Sprachkursea und des Praktikums lebe ich in einem Haus mit mehreren anderen Freiwilligen in Vierbettzimmern. Momentan sind wir hier zu zehnt im Haus und auf unserem Zimmer zu dritt.



Auf diese Weise hat man die Möglichkeit Freundschaften zu knüpfen. Luise, eine Freiwillige hier, hat es liebevoll als „Freundschaft im Schnelldurchlauf“ bezeichnet. Eine ziemlich passende Beschreibung für die Bindungen, die man hier eingeht. Man verbringt nur wenige Wochen mit einem Menschen, aber lernt ihn viel intensiver kennen. Wir sind hier aufeinander angewiesen, denn wir sind die direkten Ansprechpartner für alles, wenn die eigene Familie zu Hause schon schläft oder noch arbeiten ist. Wir helfen uns untereinander, sind füreinander da und machen das Leben hier erst so fröhlich. Ohne meine Freunde hier wäre es nicht halb so schön.



Da wir hier auf engem Raum zusammenleben öffne ich mich viel mehr und erzähle nach wenigen Tagen Dinge von mir selbst, die ich Freunden Zuhause wohl erst nach Jahren erzählen würde. Wir sind offen und ehrlich zueinander und versuchen Rücksicht aufeinander zu nehmen. So sind wir schon nach kurzer Zeit ziemlich vertraut miteinander.



Besonders cool ist, dass man hier Menschen fast ohne Vorurteile begegnen kann. Ich kenne keine Vorgeschichte zu jemanden, sondern nur das, was er mir erzählen möchte. So kann ich Menschen ganz anders und viel aufgeschlossener wahrnehmen.


Gleichzeitig merke ich, dass es unheimlich viel Energie kostet, so viele neue Menschen kennenzulernen. Im unserem Haus gibt es so gut wie keine Rückzugsmöglichkeit, sodass ich dauerhaft mit allen anderen zusammen bin. Wir sind, so gut wir uns auch verstehen, alle unterschiedlich, haben verschiedene Meinungen und Herangehensweisen. Damit es nicht so Konflikten kommt muss sich jeder zwingend mal zurücknehmen. Oft gibt es Dinge, die mich in dem Moment ärgern, die ich dann aber erstmal runterschlucke, weil ich weiß, dass es in dem Moment nur zu Ärger führen würde. Dann fehlt mir einfach eine wirklich vertraute Person, mit der ich mich austauschen kann und einen Ort, an den ich mich zurückziehen kann.



Deshalb habe ich die letzten Tage wirklich gemerkt, wie müde mich das alles macht. Ich bin mental so erledigt, dass ich froh bin, mal etwas Zeit allein zu verbringen und meine Batterien wieder aufzuladen.
Etwas nur mit mir zu machen gibt mir Kraft und genau diese Ruhe ist für mich wichtig, damit ich meine Zeit hier genießen kann.



So hat das Miteinander hier seine Vor- und Nachteile, genauso wie mein Aufenthalt hier. Es gibt Aufs und Abs. Nicht jeder Tag ist so paradiesisch wie der andere. An einem Tag läuft nichts, die Organisation ist alles andere als organisiert, ich sehe dass mein Gepäck, meine Jacke und Schuhe schimmeln und mein Fahrrad geht kaputt. Die Stimmung ist gereizt, insbesondere an Regentagen, wenn wir noch näher aufeinander sitzen. Am nächsten Tag bin ich dann wieder am Strand und sehe die Wellen und all die Surfer, den Urwald und die Tiere und genieße die Sonne. Oft kann ich mich gar nicht sattsehen, an all den Details der Wellen und des Dschungels. Es gibt so viel zu sehen und zu beobachten, dass ich oft stundenlang am Strand sitze, Hörbücher höre und einfach nur in die Natur gucke. Die Stimmung ist dann entspannt und fröhlich. Wir lachen zusammen und genießen unsere Zeit hier.


Ich bin unfassbar froh, dass diese guten Tage und Momente die negativen Gefühle und Erfahrungen überwiegen. Aber dennoch ist es nun einmal nicht immer nur so, wie es auf den Bildern aussieht. Es ist nicht nur Sommer, Sonne, Sonnenschein und Entspannung, sondern eben so viel mehr Situationen und Emotionen, die dazugehören. Ich bin genauso dankbar für die guten, als auch für die nicht so guten Momente, denn so kann ich die schöne Zeit hier insgesamt wertschätzen. Denn ja, es gibt Momente, in denen ich nur nach Hause möchte und in denen ich erschöpft bin. Es gibt aber eben auch so viele Momente voller Zufriedenheit und Vokommenheit, die mir neue Kraft geben auch die schweren Tage zu überstehen.

Die Kraft der Wellen

Puerto Viejo, Samstag, den 09.07.2022, 15:32 Uhr. An der Karibikküste gibt es einige tolle Surfspots. Deshalb war für mich von Anfang an klar, dass ich in meiner Zeit in Costa Rica gerne surfen lernen möchte.

Nach meinen ersten drei Surfstunden habe ich für mich vier Dinge festgestellt.



Erstens: Es ist unfassbar anstrengend Surfen zu lernen. Einerseits ist das Surfen an sich und besonders das Paddeln anstrengend. Aber auch mental ist es eine Herausforderung, alle Schritte zu kombinieren und immer aufmerksam zu sein.



Zweitens: Fehler sind okay und Grundvorraussetzung dafür etwas Neues zu lernen. Niemand wurde als Profi geboren und wenn es den einen Tag nicht gut läuft wird es trotzdem mit langer Übung irgendwann besser.


Drittens: Es macht unfassbar Spaß wenn es klappt. Die Kraft der Welle und der Flow machen alle Anstrengung wieder gut. Es gibt kaum ein besseres Gefühl als mit den Wellen.


Viertens: Respekt anstatt Angst vor der Kraft des Wassers macht alles einfacher. Nach meiner zweiten Stunde hatte ich extreme Angst noch einmal ins Wasser zu gehen. Die Wellen waren an diesem Tag recht „hoch“. In der Bucht, in der wir surfen, muss man außerdem recht weit rauspaddeln, um zum Ort zu kommen, an dem die Wellen brechen. Das bedeutet, man kann dort nicht stehen und das Wasser ist einige Meter tief.
Davor habe ich schon immer Angst gehabt und bin daher an dem Tag mit einem unguten Gefühl ins Wasser gegangen.


Und natürlich kam es wie es kommen musste. Meine erste Welle habe ich nicht richtig bekommen und bin vom Bord gefallen. Als ich mich umschaute kamen zwei größtere Wellen auf mich zu. Für mich der blanke Horror. Panisch habe ich versucht aufs Bord zu kommen, wurde dann aber zweimal von den Wellen erfasst und unter Wasser gezogen, bevor ich zurück auf dem Bord war. Danach war der Tag für mich gelaufen. Jeder neue Anlauf war für mich mit Angst verbunden.


Auch wenn ich mit der Zeit lernte, wie man große Wellen so durchschwimmt, dass man nicht direkt untergeht, macht mir die Vorstellung schwimmend im Wasser zwischen den Wellen zu sein große Angst.


So startete ich auch die nächste Stunde mit Unwohlsein und hatte eigentlich keine Lust surfen zu gehen.
Als wir dann rauspaddelten wollte ich nicht mehr in die Wellen, sondern einfach zurück an den Strand.
Das einzige was mein Surflehrer darauf sagte war: „Entweder du bekommst deine Angst in den Griff oder du wirst nie ein Surfer. Du musst dich einfach nur beruhigen.“
Das war definitiv nicht das, was mir in dem Moment Mut gemacht hat und ich war kurz davor einfach aufzugeben. Mein Ehrgeiz und meine Sturheit war dann aber doch größer.


Als wir dann kurz vor meiner ersten Welle waren, hat mein Lehrer mir dann erklärt, dass wenn ich ruhig bleibe, alles nicht so schlimm ist, sondern dass meine Angst die Situation nur noch schlimmer gemacht hat. Sie hat mich sogar gefährdet, denn meine panischen Bewegungen haben keinenfalls dafür gesorgt, dass ich über Wasser bleibe und irgendetwas sinnvolles tue.

Wichtig ist, dass ich Ruhe beware, die großen Wellen durchtauche und dann das Bord suche. Wenn ich einmal auf dem Bord bin ist alles okay.



Das hat mir dann doch geholfen, meine Angst zu überwinden und es zu probieren. Und es hat geklappt, zumindest einige Wellen konnte ich bekommen und meine Angst etwas beiseiteschieben, indem ich mir vor Augen geführt habe, dass meine Angst mir nicht weiterhilft.



Auch wenn ich meine Panik nach wie vor nicht ganz abschalten kann, so bin ich doch ruhiger geworden. Ja, ich habe Salzwasser geschluckt und das auch nicht zu wenig. Ich bin immer noch nervös in den Wellen. Der Ozean ist stark und hinter jeder Welle steckt viel Kraft. Das gehört dazu und macht es ja gerade erst spannend. Deshalb ist es so wichtig mit und nicht gegen den Ozean zu arbeiten, denn gegen diese Kraft komme ich einfach nicht an.



Und wenn man dann hinter den brechenden Wellen sitzt und einfacg auf den Strand schaut ist die Welt einfach toll. Man kann so viele Sachen beobachten. Als es angefangen hat zu regnen sind die Regentropfen immer erst einen kleinen Moment auf der Oberfläche geschwommen, bevor sie sich mit dem Salzwasser vermischen. Das sieht einfach magisch aus. Oder wenn ein anderer Surfer eine Welle reitet. Das ist so faszinierend und sieht einfach toll aus.



Für mich hat es sich auf jeden Fall gelohnt, das Surfen auszuprobieren. Mit den Wellen im Einklang zu sein, meine Angst zu überwinden und in eine neue Welt einzutauchen, sind Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.

Tukane und der Anfang der Welt

Puerto Viejo, Mittwoch der 06.07.2022, 21:32 Uhr. Heute waren wir im Urwald Ziplinen. Dafür ging es zwischen den insgesamt dreizehn Ziplines immer wieder durch den Wald auf schmalen Wegen zum nächsten Absprungpunkt. Dabei konnten wir alles mögliche sehen.



Riesenameisen, die den schmerzhaftesten Insektenbiss der Welt haben, der fünf Stunden lang weh tut. Wandernde Bäume, die ihre Wurzeln so umbauen, dass sie pro Jahr bis zu vier Meter der Sonne entgegen wandern können. Brüllaffen mit Babys, die einfach in den Bäumen über uns sitzen. Die verschiedensten bunten Schmetterlinge. 500 Jahre alte Bäume, die nie von Menschen angerührt wurden.



Und ganz nebenbei konnten wir dann noch durch den Wald „fliegen“ und den wunderschönsten Blick über den Wald genießen.



Besonders berührt haben mich allerdings die Tukane. Von einer der Platformen hatten wir einen tollen Blick in den Wald hinein. Allein dieser Blick über die uralten Bäumen, die Lianen und all die anderen Pflanzen in Kombination mit der Geräuschkulisse aus Vögeln und Grillen war einfach unglaublich und rührt mich auch jetzt noch. Aber als dann ein Tukan zwischen zwei besonders hohen Bäumen durch den Wald geflogen ist war das Bild einfach perfekt und besser als jedes Bild oder jede Doku es je zeigen könnte.



Noch nie in meinem Leben hat mich die Schönheit der Natur so dermaßen umgeworfen wie in diesem Moment. Tukane waren für mich Vögel, die nur in Zoos oder auf Bildern existieren. Zu sehen, wie sie frei fliegen war für mich einfach umwerfend.



Ich empfinde eine so große Dankbarkeit, diesen Moment erlebt zu haben und die Schönheit dieser Erde sehen zu dürfen. Für mich ist ein großer Traum in Erfüllung gegangen und das habe ich erst heute realisiert. Der Tukan hat für mich das Unfassbare fassbar gemacht und Bekanntes und Unbekanntes vereint.
Wenn dies mein letzter Moment gewesen wäre, wäre ich zutiefst geerdet und zufrieden gewesen.



Ich verstehe nun zumindest ein kleines bisschen besser, was Vollkommenheit und Einklang bedeuten kann.