Der Countdown läuft. Noch etwas weniger als einen Monat, dann geht es los. Auf in die weite Welt. Nur ich, mit mir selbst und meinem Rucksack.
Bis jetzt habe ich mir wenige Gedanken gemacht. Bis vor ein paar Tagen war ich so sehr mit dem Abschluss meines Bachelors beschäftigt, dass die Reise ganz weit weg schien. Als wäre es ein Traum in weiter Ferne, der vielleicht in einem anderen Leben, aber ganz sicher nicht in diesem wahr werden würde.
Aber jetzt, wo nach den letzten Abgaben plötzlich so viel Raum für andere Gedanken ist, kann ich es nicht mehr wegschieben. Die Reise und vor allem der Abschied von allen und allem, was ich kenne, fühlt sich jetzt so viel näher und greifbarer an. Es gibt Momente, in denen ich mich freue, auf die neuen Erfahrungen, auf das Abenteuer. Aber in ganz vielen Menschen spüre ich nur Angst und Trauer. Angst vor der Ungewissheit, vor der Einsamkeit, vor dem Unbekannten. Die letzten Monate haben bereits viel Energie gekostet. Und eine Reise ganz allein mit so vielen neuen Herausforderungen, Eindrücken und Menschen fühlt sich oft so unschaffbar an.
In solchen Momenten frage ich mich, was ich mir eigentlich dabei gedacht habe, wie ich darauf gekommen bin, dass das eine gute Idee ist, dass das wirklich das ist, was ich will. In solchen Momenten will alles in mir nur hier bleiben, in meinem Leben im hier und jetzt. Denn hier habe ich alles, was ich brauche, Menschen, die ich liebe, Orte, an denen ich mich wohl fühle, ein Leben, dass ich gerne lebe. Ich bin glücklich hier.
Und doch werde ich bald gehen, all das zurücklassen. Und das fühlt sich so falsch an. Zu wissen, dass ich in wenigen Wochen so weit weg sein werde, macht mich unfassbar traurig. Der Abschied von den Menschen hier, von meiner Heimat fällt mir so so schwer. Und ich weiß jetzt schon, dass mich dieser Abschied auch auf der Reise noch wochenlang begleiten wird. Dass es viele Stunden geben wird, in denen ich das Gefühl habe, das Heimweh nicht mehr aushalten zu können, dass es viele Tage geben wird, in denen ich mich in den Schlaf weinen werde, weil ich all das vermisse und mich so einsam und so weit weg fühle. Schon jetzt weine ich jeden Tag in den Momenten, in denen es mal kurz ruhig ist. Weil sich dieser Abschied so einnehmend und erdrückend anfühlt.
Dennoch gehe ich. Weil ich weiß, dass ich es schaffen kann, auch in schweren Situationen, genauso wie schon so viele Menschen vor mir. Dass ich nicht allein bin und ganz viele tolle Menschen in meinem Leben habe, die auf mich warten, die mich immer unterstützen. Weil ich weiß, dass eine ganz besondere Zeit auf mich wartet, an die ich mich auch noch in vielen Jahren zurückerinnern werde, die mich prägen wird, an der ich wachsen werde. Und vor allem weiß ich, dass ich mich niemals vor mir selbst rechtfertigen möchte, dass ich aus Angst nicht gegangen bin. Ich werde Angst haben, ziemlich große sogar, ich werde mich einsam fühlen und mein Herz wird vor Heimweh unfassbar wehtun. Wahrscheinlich werde ich auf meinem Weg literweise Tränen zurücklassen. Da bin ich mir 100% sicher. Das gehört dazu und ist genauso Teil von großen Abenteuern. Aber ich möchte mich nicht von davon leiten lassen, mich einnehmen, meinen Weg bestimmen lassen. Denn ansonsten verpasse ich auch all die schönen Seiten des Abenteuers, das Gefühl von Freiheit, die Möglichkeit, Neues zu lernen über mich und die Welt, über mich hinauszuwachsen, neue Perspektiven zu gewinnen und so viele Menschen und Orte kennenzulernen. All das will ich mir nicht nehmen lassen. Auf keinen Fall.
Deshalb gehe ich, obwohl es mir schwerfällt, obwohl ich Angst habe und mein Zuhause so sehr vermissen werde. Deshalb möchte ich mutig sein, für mich selbst und den Menschen, der ich einmal sein werde. Und allein der Gedanke macht mein inneres Kind glücklich und gibt mir Zuversicht, auch in Momenten voller Zweifel.
No risk, no fun, denke ich dann. Und muss ein bisschen lächeln, darüber, dass ich diesen Spruch etwas ernster genommen habe, als ich es jemals für möglich gehalten hätte. Und freue mich dann doch ein bisschen, auf all das, was kommen wird. Denn ich bin mir sicher, dass es gut werden wird. Irgendwie.
