Die Kraft der Wellen

Puerto Viejo, Samstag, den 09.07.2022, 15:32 Uhr. An der Karibikküste gibt es einige tolle Surfspots. Deshalb war für mich von Anfang an klar, dass ich in meiner Zeit in Costa Rica gerne surfen lernen möchte.

Nach meinen ersten drei Surfstunden habe ich für mich vier Dinge festgestellt.



Erstens: Es ist unfassbar anstrengend Surfen zu lernen. Einerseits ist das Surfen an sich und besonders das Paddeln anstrengend. Aber auch mental ist es eine Herausforderung, alle Schritte zu kombinieren und immer aufmerksam zu sein.



Zweitens: Fehler sind okay und Grundvorraussetzung dafür etwas Neues zu lernen. Niemand wurde als Profi geboren und wenn es den einen Tag nicht gut läuft wird es trotzdem mit langer Übung irgendwann besser.


Drittens: Es macht unfassbar Spaß wenn es klappt. Die Kraft der Welle und der Flow machen alle Anstrengung wieder gut. Es gibt kaum ein besseres Gefühl als mit den Wellen.


Viertens: Respekt anstatt Angst vor der Kraft des Wassers macht alles einfacher. Nach meiner zweiten Stunde hatte ich extreme Angst noch einmal ins Wasser zu gehen. Die Wellen waren an diesem Tag recht „hoch“. In der Bucht, in der wir surfen, muss man außerdem recht weit rauspaddeln, um zum Ort zu kommen, an dem die Wellen brechen. Das bedeutet, man kann dort nicht stehen und das Wasser ist einige Meter tief.
Davor habe ich schon immer Angst gehabt und bin daher an dem Tag mit einem unguten Gefühl ins Wasser gegangen.


Und natürlich kam es wie es kommen musste. Meine erste Welle habe ich nicht richtig bekommen und bin vom Bord gefallen. Als ich mich umschaute kamen zwei größtere Wellen auf mich zu. Für mich der blanke Horror. Panisch habe ich versucht aufs Bord zu kommen, wurde dann aber zweimal von den Wellen erfasst und unter Wasser gezogen, bevor ich zurück auf dem Bord war. Danach war der Tag für mich gelaufen. Jeder neue Anlauf war für mich mit Angst verbunden.


Auch wenn ich mit der Zeit lernte, wie man große Wellen so durchschwimmt, dass man nicht direkt untergeht, macht mir die Vorstellung schwimmend im Wasser zwischen den Wellen zu sein große Angst.


So startete ich auch die nächste Stunde mit Unwohlsein und hatte eigentlich keine Lust surfen zu gehen.
Als wir dann rauspaddelten wollte ich nicht mehr in die Wellen, sondern einfach zurück an den Strand.
Das einzige was mein Surflehrer darauf sagte war: „Entweder du bekommst deine Angst in den Griff oder du wirst nie ein Surfer. Du musst dich einfach nur beruhigen.“
Das war definitiv nicht das, was mir in dem Moment Mut gemacht hat und ich war kurz davor einfach aufzugeben. Mein Ehrgeiz und meine Sturheit war dann aber doch größer.


Als wir dann kurz vor meiner ersten Welle waren, hat mein Lehrer mir dann erklärt, dass wenn ich ruhig bleibe, alles nicht so schlimm ist, sondern dass meine Angst die Situation nur noch schlimmer gemacht hat. Sie hat mich sogar gefährdet, denn meine panischen Bewegungen haben keinenfalls dafür gesorgt, dass ich über Wasser bleibe und irgendetwas sinnvolles tue.

Wichtig ist, dass ich Ruhe beware, die großen Wellen durchtauche und dann das Bord suche. Wenn ich einmal auf dem Bord bin ist alles okay.



Das hat mir dann doch geholfen, meine Angst zu überwinden und es zu probieren. Und es hat geklappt, zumindest einige Wellen konnte ich bekommen und meine Angst etwas beiseiteschieben, indem ich mir vor Augen geführt habe, dass meine Angst mir nicht weiterhilft.



Auch wenn ich meine Panik nach wie vor nicht ganz abschalten kann, so bin ich doch ruhiger geworden. Ja, ich habe Salzwasser geschluckt und das auch nicht zu wenig. Ich bin immer noch nervös in den Wellen. Der Ozean ist stark und hinter jeder Welle steckt viel Kraft. Das gehört dazu und macht es ja gerade erst spannend. Deshalb ist es so wichtig mit und nicht gegen den Ozean zu arbeiten, denn gegen diese Kraft komme ich einfach nicht an.



Und wenn man dann hinter den brechenden Wellen sitzt und einfacg auf den Strand schaut ist die Welt einfach toll. Man kann so viele Sachen beobachten. Als es angefangen hat zu regnen sind die Regentropfen immer erst einen kleinen Moment auf der Oberfläche geschwommen, bevor sie sich mit dem Salzwasser vermischen. Das sieht einfach magisch aus. Oder wenn ein anderer Surfer eine Welle reitet. Das ist so faszinierend und sieht einfach toll aus.



Für mich hat es sich auf jeden Fall gelohnt, das Surfen auszuprobieren. Mit den Wellen im Einklang zu sein, meine Angst zu überwinden und in eine neue Welt einzutauchen, sind Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.

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