Auf die Semesterferien

Es ist fast ein bisschen unwirklich, aber jetzt ist es tatsächlich geschafft, jetzt starten wirklich die Semesterferien. Nach den letzten Wochen, in denen ich so viel Zeit am Schreibtisch verbracht habe, wirkt das für mich noch ein bisschen wie ein Traum. So viel Zeit, in der ich versucht habe, den Inhalt zu verstehen, so viel Zeit, in der ich geübt habe und manchmal ein bisschen verzweifelt war. Erst nachdem ich die Bögen der letzten Klausur abgegeben habe, habe ich gemerkt, wie viel Druck da eigentlich auf mir gelastet hat, wie viel Druck ich mir selbst gemacht habe. Irgendwie fühlt es sich sehr befreiend an, dass diese Phase jetzt wieder vorbei ist, dass ich weiß, dass ich es erst einmal geschafft habe.



Gleichzeitig bedeutet das auch, dass es jetzt bald nach Hause geht. Das ist für mich irgendwie noch ein komischer Gedanke, denn die letzten Wochen sind so schnell verflogen, dass ich das Gefühl habe, ich bin gar nicht lang hier gewesen. Es bedeutet gewissermaßen Abschied nehmen, wenn auch nur für anderthalb Monate. Abschied von meinem Zuhause hier, Abschied von all den vertrauten Dingen, Abschied von München und von meinen Freunden hier. Mein Kopf hat irgendwie noch nicht so recht verstanden, was das genau bedeutet. Dass ich die anderen nicht nächste Woche in der Uni wiedersehe, sondern erst nach Ostern. Dass es danach nicht einfach mit denselben Vorlesungen weitergeht, sondern dass dann etwas Neues beginnt. Dass jetzt erstmal eine ganz andere Zeit beginnt.


Denn jetzt in den Semesterferien geht es für mich ziemlich bald los mit meinem ersten Praktikum. Das schien die ganze Zeit noch so weit weg und jetzt ist es nächste Woche schon soweit. Und irgendwie fühle ich mich noch nicht so richtig vorbereitet. Ich bin aufgeregt, weiß nicht, was mich erwartet. Ob die Kollegen wohl nett sind? Und ob ich wirklich in der Lage bin, mit psychisch erkrankten Menschen zu arbeiten? Ob ich das aushalte? Ob es mir irgendwie Spaß macht? Es sind einfach so viele offene Fragen in meinem Kopf, so viel Ungewissheit.


Gleichzeitig freue ich mich auch, endlich einen praktischen Bezug zu meinem Studienfach zu bekommen. So viel Spaß, wie mir das Studium macht, manchmal fehlt mir einfach, zu sehen, wo ich das Wissen einmal gebrauchen kann. Deshalb liegt in all der Ungewissheit auch ein Funken Vorfreude. Ich freue mich auf die neue Herausforderung und darauf, etwas Neues zu lernen. Und ich bin gespannt, was diese Semesterferien wohl alles bringen.

Unverbunden

Nach der ersten Woche in der Uni hatte ich eigentlich das Gefühl, mich ganz gut eingelebt zu haben, alles ein bisschen unter Kontrolle zu haben. Ich habe mich mit einigen Leuten unterhalten, alles geschafft, was ich gern wollte, und mich sogar getraut, allein zu einer Fachschaftssitzung zu gehen. 

Und doch wurde ich am Wochenende von einer Welle an Gefühlen umgehauen, die ich so nicht erwartet hatte. Denn trotz der eigentlich erfolgreichen Woche habe ich mich plötzlich einfach so unwohl gefühlt, so einsam. 

Es bedrückt mich ziemlich, dass ich merke, dass ich die Verbindung mit meinen Freunden Zuhause verliere, dass ich aufgrund der Entfernung, die uns trennt, so gut wie nie dabei sein kann. Gleichzeitig habe ich hier so viele nette Leute kennengelernt und doch zu keinem eine tiefere Verbindung. Ich bin tagtäglich mit so vielen Menschen in Kontakt, in einer so großen Menge an Menschen unterwegs und trotzdem fühle ich mich unverstanden und einsam. Es fühlt sich für mich einfach so an, als wäre ich völlig allein, als wäre da niemand, den ich einfach mal anrufen kann, den es wirklich kümmert, wie es mir geht. Das ganze Wochenende und auch bis jetzt begleitet mich deshalb eine immer wiederkehrende Traurigkeit, ein bedrücktes Gefühl. Als wollte ich in die Welt rausschreien, wie ich mich fühle, aber niemand kann mich hören, niemand ist da, dem ich erzählen könnte, wie’s mir geht, der mich versteht.

Und ganz ehrlich, das fühlt sich einfach beschissen an, weil ich einfach nichts dagegen tun kann. Ich fühle mich hilflos, kann nicht zurück nach Hause, in mein altes Leben, wo ich ein sicheres soziales Netzwerk hatte. Stattdessen muss ich jetzt Energie in neue Kontakte investieren, neue Bindung aufbauen. Davon fühle ich mich zutiefst erschöpft, als könnte ich wochenlang nur schlafen.

Trotzdem habe ich Hoffnung. Hoffnung, durch all die tollen Leute hier, mit denen durchaus eine Freundschaft entstehen könnte. Das gibt mir Energie, wenigstens ein bisschen und ich bin guter Dinge, dass es demnächst besser geht.

Neustart

Die erste Uniwoche ist gestartet. Noch ist alles spannend und neu. Bei jeder Vorlesung, jeder Veranstaltung, frage ich mich, was mich wohl erwartet, wie es wohl sein wird. Manche Dinge klingen wirklich spannend und ich freue mich schon darauf, mehr darüber zu lernen. Manches ist eher langweilig und ich weiß nicht, wie ich da allein die Vorlesungen durchhalten, geschweige denn eine Klausur schreiben soll.

Aber das ist ja zum Glück alles noch ein bisschen entfernt, auch wenn ich es nicht allzu weit wegschieben möchte. Doch zuallererst versuche ich erstmal mich einzuleben, neue Leute kennenzulernen, auszuprobieren, was mir eigentlich Spaß macht. Neben der Uni habe ich mich für zwei Sportkurse angemeldet und war bei einem Fachschaftstreffen. Eigentlich würde ich auch gern im Orchester spielen, aber das ist momentan einfach nicht mehr drin.

Natürlich ist das ganze Ausprobieren auch ziemlich anstrengend, jedes Mal treffe ich auf neue Leute, muss mich vorstellen und versuchen mir zu merken, wer die anderen sind. Deshalb ist meine soziale Batterie momentan sehr erschöpft. Trotzdem macht es irgendwie auch Spaß und ich weiß, dass es, nachdem man etwas ein paar Mal gemacht hat, auch entspannter wird. Es wird nicht lange dauern, bis das alles normal für mich wird, bis ich einige Menschen kennengelernt habe, vielleicht sogar irgendwo dazu gehöre, auch wenn ich mir das gerade nun wirklich nur schwer vorstellen kann.

Aber genau deshalb machen diese ersten Wochen auch Spaß. Ich bin sehr flexibel, an niemanden gebunden, kann mir aussuchen, wen ich in meinem Leben möchte und wen eben nicht. Ich kann mir aussuchen, wer ich sein möchte, bin nicht in eine feste Rolle gedrängt, denn all die Menschen hier kennen mich nicht. Klar ist das anspruchsvoll, ich muss mir ja erstmal überlegen, was ich überhaupt selbst möchte. Aber es birgt eben auch viele Möglichkeiten und das macht wirklich Spaß.

Nach den ersten Tagen bin ich jedenfalls sehr neugierig, wie sich alles entwickeln wird, wie ich die Herausforderungen hier meistern kann, wer mich wohl hier begleiten wird, wie ich mich weiterentwickeln kann. Und ich freue mich auf die nächste Zeit, mit allen schönen und weniger schönen Tagen, die nun kommen.

Die Ruhe vor dem Sturm


Die Zeit zwischen Freiwilligendienst und Studium fühlt sich für mich irgendwie seltsam an, so ein bisschen wie eine Schwebe, in der ich nirgends so richtig dazugehöre, nicht so recht weiß wohin mit mir. Ich gehöre nicht mehr in meine Einsatzstelle meines Freiwilligendienstes, denn dort geht das Leben ohne mich natürlich normal weiter. Eine Studentin bin ich aber auch nicht so wirklich, wenngleich sich viele meiner Gedanken um mein neues Studentenleben drehen. Denn obwohl ich momentan eigentlich keine wirkliche Aufgabe habe, denke ich oft an Herausforderungen, die mir in den nächsten Wochen und Monaten begegnen werden.


In meinem Kopf sind einfach unendlich viele Fragen und eine Mischung aus Unsicherheit, Angst und Vorfreude. Auch wenn ich weiß, dass es bestimmt vielen anderen auch so geht, so habe ich doch Angst, all die Menschen zu treffen und mich doch nirgends zugehörig zu fühlen, ausgeschlossen zu sein. Ich habe Angst, dass mir mein Studienfach nicht gefällt, dass ich es vielleicht nicht schaffe, nicht gut genug bin. Ich habe Angst, dass ich die Herausforderungen von Studium und Alltag nicht bewältigen kann, dass ich mich allein und verloren fühle in einer so großen neuen Stadt.


Gleichzeitig freue ich mich aber auch auf die neuen Herausforderungen, darauf, etwas Neues zu lernen, denn das macht mir wirklich Spaß. Ich freue mich auf neue Menschen und neue Freunde in meinem Leben, auf neue Abenteuer und Geschichten. Auf das Leben allein und auch auf die Möglichkeit eines neuen Ortes. Ich freue mich, meine Zukunft weiter bestimmen zu können und auf die Freiheit, die ein Studium bringt. Und eigentlich weiß ich auch tief in meinem Herzen, dass irgendwie schon alles gut werden wird. Dass es Menschen geben wird, mit denen ich mich gut verstehe. Dass ich Herausforderungen bewältigen kann. Dass es zwar auch Zeiten gibt, in denen nicht alles so gut verläuft, aber dass auch wieder andere Zeiten kommen. Dass ich mich auf mich und mein Bauchgefühl verlassen kann. Das alles sorgt dafür, dass dieses Kribbeln in meinem Bauch zumindest zum größten Teil aus Vorfreude und Neugierde besteht und nicht zu sehr auch Angst oder Ungewissheit. Und gewissermaßen gehört ein wenig Aufregung ja auch zu einem neuen Abschnitt dazu und macht ihn erst so spannend.

Interrail – The End

Interrail. Viereinhalb Wochen Abenteuer. Über 5000 Kilometer nur im Zug. Etliche Busfahrten. Viele neue Orte und Erfahrungen. Freude. Mut. Erfüllung. Das alles haben wir auf unserer Reise erlebt. Die Zeit war unfassbar wertvoll, einfach magisch und trotzdem ist das nicht alles.


Denn zu so einer Reise gehören auch nicht so schöne Erfahrungen dazu. Das Gefühl, nicht willkommen zu sein. Erschöpfung von all dem Reisen. Streit als Paar über scheinbar belanglose Dinge. Genervt sein voneinander, da man jede Minute zusammen ist. Stundenlanges Warten an Bahnhöfen. Ewig weite Fußwege mit dem Rucksack. Viel zu warmes Wetter. Ungewissheit. Zweifel. Unruhige Nächte. Ekelhafte Badezimmer. Laute Mitbewohner. Zu wenig Schlaf. Krankheit. Stress. Ärger…
Es gab Momente, da habe ich mich gefragt, was das alles soll. Wenn es nachts 27 Grad im Zelt sind, man von einem ziemlich kleinen billigen Ventilator angepustet wird, bloß darauf bedacht, den Partner nicht zu berühren, weil es sonst zu heiß ist. Wenn der Mitbewohner im Hostel bei jedem Toilettengang nachts die Deckenlampe anmacht, anstatt einfach die Handytaschenlampe zu benutzen. Wenn es mal wieder über 40 Grad ist und man sich trotz der vielen Litern Wasser, die man trinkt, dauerhaft so fühlt, als würde man verdursten. Wenn man nach stundenlangem Warten am Bahnhof doch nicht am Ziel ankommt. Dann macht Reisen keinen Spaß. Überhaupt nicht.


Aber zum Glück ist das bei weitem nicht alles. Die Reise hatte so viele schöne Dinge zu bieten. Wunderschöne Städte und tolle Natur. Baden im klaren Meer und wandern über hohe Berge. Entspannen in Parks und das Bestaunen architektonischer Meisterwerke. Das Schlendern durch enge Gassen und weite Ausblicke über viele Orte. Viel Kultur und Geschichte. Pures Wissen und Erkenntnisse.
So viele schöne Sonnenuntergänge. Malerische Kulissen. Nette, hilfsbereite Menschen. Gutes Essen. Erfüllte Momente. Das Gefühl des vollkommenen Glücks…
Das alles und so viel mehr durften wir erleben. In unseren vierunddreißig Tagen unterwegs, haben wir unfassbar viel gesehen. Wir sind gewachsen, alleine und als Paar. Gewachsen an jeder Herausforderung, durch Gespräche und die Zeit zu zweit. Wir haben weniger Geld als vorher und doch sind wir so viel reicher, reicher an märchenhaften Bildern in unserem Kopf. Es war eine unvergessliche Zeit, für die ich endlos dankbar bin. Dankbar, dass es mir möglich war, die Reise zu machen. Dankbar, dass ich mich getraut habe. Dankbar für meinen Partner, für die schönen Momente, dass er mich gehalten, meine Sachen getragen und mich manchmal auch ertragen hat. Dankbar für meine Familie und all die, die mich unterstützen.
Danke, dass ich diese Zeit erleben durfte. Es war wunderschön.

Gefühle im Umbruch

Momentan ist irgendwie eine seltsame Zeit. Mein Bundesfreiwilligendienst ist vorbei, die nächsten Wochen reise ich mit meinem Freund durch Spanien, wir ziehen um und mein Studium fängt an. So viele Dinge passieren in so kurzer Zeit und ich kann nicht fassen, was gerade eigentlich alles in meinem Leben passiert.



Der Abschied von meinem Bundesfreiwilligendienst, von meinen Kollegen und allen, die mir dort ans Herz gewachsen sind, ist noch nicht so wirklich bei mir angekommen. Ich habe mich dort richtig gut eingelebt und mein Kopf versteht noch nicht so ganz, dass ich dort nicht wieder zurückkehren werde.



Und dennoch geht es schon sehr bald weiter. Ich weiß, dass sich mein Leben in den nächsten Monaten komplett verändern wird und ich weiß ehrlich nicht, ob ich dafür bereit bin. Ich fühle mich noch so jung, als wäre es noch gar nicht an der Zeit auszuziehen und mein Leben zu leben. Verantwortung zu tragen. Oft denke ich, dass ich einfach gern Zuhause bleiben würde, denn dort fühle ich mich wohl. Ich kenne meine Menschen, habe meinen Alltag hier.


Das alles lasse ich gewissermaßen zurück. Dazu muss ich vielleicht noch ergänzen, dass ich aus dem Sauerland in die Nähe von München ziehe und so zwar natürlich immer noch nicht aus der Welt bin, aber trotzdem irgendwie weit weg von Zuhause. Das macht mir Angst. Ich weiß, dass mir der Abschied von meiner Familie sehr schwer fallen wird und eigentlich möchte ich nicht mit diesen Gefühlen konfrontiert werden.


Deshalb fühlt es sich für mich gerade noch sehr seltsam an, diesen Weg zu gehen, obwohl ich weiß, dass es mir wahrscheinlich im Endeffekt gut tun wird, mal etwas anderes zu sehen und andere Menschen kennenzulernen. Es wird nicht so schlimm sein, wie ich es mir momentan noch ausmale. Es wird irgendwie gehen. Vermutlich sogar ganz gut. Das schenkt mir Zuversicht in dieser Schwebe, in der ich mich in der Zeit dazwischen so befinde. Ich weiß, dass es am Ende gut sein wird. Ich weiß, dass die nächste Zeit zwar herausfordernd sein wird, aber trotzdem wunderschön. Darauf freue ich mich.

Was wirklich wichtig ist

Was willst du denn nach deinem Bundesfreiwilligendienst machen? Weißt du schon wie es weitergeht? Hast du denn noch keinen genauen Plan? Diese Fragen begegnen mir momentan immer öfter. Mein Bundesfreiwilligendienst neigt sich dem Ende zu und bald ist es an der Zeit, mich zu entscheiden, was ich danach machen möchte.



Bei all den Möglichkeiten fällt es mir nicht leicht zu wählen und so bin ich mir immer noch unsicher, wie es genau für mich weitergeht. Zwar bin ich mir ziemlich sicher, dass es ein Studiengang in Richtung Umweltschutz wird, aber ich habe mich da noch nicht genau entschieden. Deshalb werde ich jedes Mal nervös, wenn mich jemand nach meiner Zukunft fragt, denn die Ungewissheit, die auf mich zukommt, wird mir dann immer wieder vor Augen geführt. Das macht mir irgendwie Angst. Bisher wusste ich immer ungefähr, wie das nächste Jahr aussieht, doch nun ist alles ungewiss. Mir stehen alle Türen offen.


Ich habe die freie Wahl, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Die Freiheit, die in dieser Entscheidung liegt, ist irgendwie aufregend aber auch beängstigend. Niemand kann mir sagen, was ich mit meiner Zeit und meinem Leben machen soll. Das kann nur ich allein entscheiden.


Deshalb liegt auch eine gewisse Last auf meiner Seele, denn ich weiß, dass die Zeit in meinem Leben begrenzt ist. Ich kann nicht alle Pläne verwirklichen und möchte meine Energie in Dinge investieren, die mir wirklich am Herzen liegen. In einer Zeit voll von Konsum und Dingen, die meine Aufmerksamkeit wollen, fällt es mir aber schwer zu sagen, was mir eigentlich wichtig ist. Was mir wirklich Spaß macht. Oft fühle ich mich überfordert von all dem, was vermeintlich Spaß machen soll. Ich weiß einfach nicht mehr so richtig, was mir eigentlich wichtig ist und womit ich mein Leben füllen möchte.


In meinem Freiwilligendienst habe ich gelernt, dass es nicht wichtig ist, was andere von mir denken und von dem, was ich so mache. Was eigentlich wichtig ist, ist, dass ich selbst am Ende des Tages zufrieden bin mit mir und meinem Leben. Dabei spielt es nur eben auch eine bedeutende Rolle, was ich als Erwachsene mache.




Daher habe ich mir die nächsten Wochen vorgenommen, herauszufinden, was mir eigentlich etwas bedeutet. Was ich gerne mache. Denn nur so kann ich herausfinden, was ich mit meinem Leben machen möchte.

Ein Teil meines Herzens

Mit jedem Abschied blutet mein Herz ein bisschen. Hätte mir am Anfang der Woche jemand gesagt, dass ich traurig zurück nach Hause zu müssen, hätte ich es nicht geglaubt.


Jetzt am Ende meiner Woche bin ich traurig zu gehen, traurig, dass mein Abenteuer wieder vorbei ist. Ich konnte wahnsinnig tolle Orte sehen, Dinge erleben und einzigartige Menschen kennenlernen. Und auch wenn es vielleicht kein Abschied für immer ist, so fühlt es sich doch wie einer an. Ich weiß nicht, ob ich diesen Ort je wieder sehen werde. Ob ich nochmal im Morgengrauen aufstehe, um hunderte Heißluftballons bei Sonnenaufgang zu beobachten. Ob ich noch einmal durch diese wunderschönen Felsformationen klettern kann. Nochmal mit den Menschen Wein bei Sonnenuntergang trinken kann. Mit ihnen lachen kann.


Das Tolle am Reisen allein ist, dass ich anderen Menschen viel näher komme. Ich kann mich nicht so leicht abkapseln, wie mit meiner Familie oder als Paar. Ich öffne mich viel mehr, in viel kürzerer Zeit. Ich zeige mich verletzlicher, ehrlicher. Und am Ende kann ich selbst nicht glauben, die Leute erst seit ein paar Tagen zu kennen. Es ist, als würde die gemeinsame Erfahrung ein Band knüpfen, was nicht vergleichbar ist mit etwas anderem. Und deshalb tut es auch besonders weh, die Leute ziehen zu lassen, in dem Wissen, dass man sich wahrscheinlich nie wieder sieht.


Es ist wie so oft im Leben. Dinge kommen und gehen. Nichts ist für immer, natürlich nicht. Und trotzdem wünsche ich mir zumindest für ein paar Minuten, dass es anders wäre. Dass ich die Zeit einmal kurz anhalten kann. Auf den Stopp-Knopf drücken kann, um einfach mal innezuhalten.


Denn dann wird mir klar, dass ich nicht nur einen Teil meins Herzen hier lasse, sondern dass ich auch einen Teil mitnehme. Ich habe einmal gelesen, dass selbst wenn ein Mensch nicht mehr Teil meines Lebens ist, ich trotzdem einige seiner Angewohnheiten in mein Leben übernehme. Wenn ich so darüber nachdenke, stimmt das. Ich trage meine Tshirts noch genauso, wie es mir eine Freundin in Costa Rica gezeigt hat. Ich liebe immer noch die Bücher, die mir meine Schulfreundin empfohlen hat. Ich spreche manche Worte immer noch so aus, wie zwei meiner Bekannten es mir im Urlaub erklärt haben. Denn auch wenn ich nun kaum noch Kontakt zu diese Menschen habe, so haben sie mich doch geprägt.


Genauso ist es mit meiner Zeit hier. Die Erfahrungen haben mich verändert, selbst wenn es nur eine Woche war. Ich habe keine Angst mehr alleine zu verreisen, weil ich weiß, dass ich mich auf mich selbst verlassen kann. Dass es immer wundervolle Menschen gibt. Dass nach jedem Tief auch ein Hoch kommt. Deshalb macht mich jeder Abschied unfassbar dankbar, für das, was ich erleben durfte. Und dafür, dass ich wachsen konnte. Ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, hier zu sein und dass ich mich getraut habe. Denn das ist nicht selbstverständlich.

Angst vorm Scheitern

Am Anfang dieses Jahres habe ich mich gefragt, was ich dieses Jahr gerne erleben und machen möchte. Was ich bis zum Ende des Jahres erreichen möchte. Wie ich schon im letzten Blog angesprochen habe, war es mir dabei besonders wichtig, mal über mich hinauszuwachsen. Dinge zu tun, die mich Überwindung kosten.



Neben vielen kleinen Dingen, habe ich entschieden, auch eine etwas größere neue Sache zu probieren. Ich möchte alleine verreisen. Und zwar nicht wie letztes Jahr nach Costa Rica mit einer Organisation, sondern so richtig alleine. Um das Ganze etwas leichter zu machen, habe ich mich erstmal nur für einen Zeitraum von einer Woche entschieden. Denn ganz ehrlich, ich weiß überhaupt nicht, was mich erwartet, auf was ich achten muss und was ich dann wirklich mit meiner Zeit dort mache. Ich bin völlig ahnungslos und das macht mir dann doch ziemlich Angst, auch wenn das Reiseziel echt traumhaft ist.


Als ich mit einigen meiner Bekannten darüber gesprochen habe, kam dann oft die Reaktion „wow, wie cool, das würde ich mich nie trauen“. Aber warum eigentlich nicht? So oft habe ich mich schon gefragt, warum sie so eine Reise eigentlich nicht selbst machen. Vielen würde das bestimmt ungeheurer viel Spaß machen und sie würden viel lernen.


Am Geld liegt es bei ihnen nicht, denn ganz ehrlich, besonders teuer wird mein Urlaub auch nicht, denn das könnte ich mir überhaupt nicht leisten. An der Zeit ebenfalls nicht, denn so eine Woche kann jeder von ihnen im Jahr entbehren. Und trotzdem trauen sie sich nicht.


Oft denke ich dann, dass das etwas mit dem Grundvertrauen der Menschen in sich selbst zu tun haben muss und damit wie sehr sie nur in ihrer Komfortzone leben.
Von klein auf ist mir vermittelt worden, dass mir alle Türen offen stehen. Dass ich selbst entscheiden darf, wohin mein Weg führt. Und dass, egal welche Entscheidung ich fälle, meine Familie hinter mir steht und mich, sofern es eben möglich ist, unterstützt. Daher konnte ich immer viel ausprobieren und habe ein relativ gutes Selbstvertrauen. Ich weiß, dass ich mich auf mich selbst und meine Familie verlassen kann. Ich bin nie allein. Und selbst wenn meiner Familie manche meiner Träume zunächst fremd waren, so haben sie mich doch immer unterstützt. Sie haben mir beigebracht, neugierig zu sein, die Welt sehen zu wollen. Und dass es wichtig ist, Neues auszuprobieren und seine Angst zu überwinden.


Das war für mich immer selbstverständlich. Ich kannte es nie anders. Erst viel später ist mir bewusst geworden, wie viel Glück ich damit hatte. Einige meiner Freunde haben das so nicht erfahren. Ihre Eltern waren nicht so offen für neue Ideen und haben selbst ihre Komfortzone, ihr Dorf, ihr Land, kaum verlassen. Wenn solche Menschen dann neugierig werden und gerne mal etwas anders sehen wollen, dann wissen sie oft garnicht wo sie anfangen sollen. Schon einige Male habe ich erlebt, dass Bekannte von mir daher keine Unterstützung von ihrer Familie erhalten haben. Das macht es für sie umso schwerer. Für mich wirkt es so, als würde sich die Angst ihrer Eltern auf sie selbst übertragen.


Bei meiner Arbeit mit Senioren höre ich oft, dass manche von ihnen ähnliche Träume hatten, wie wir jungen Menschen heute. Doch so manch einem von ihnen ist es passiert, dass sie in ihrer Jugend von der Welt geträumt haben, sie aber doch nie gesehen haben. Aus Angst. Weil es immer hieß, wenn ich dies oder jenes erreicht habe, dann traue ich mich. Dann ist der Moment. Und am Ende, wenn ich sie heute frage, was aus ihren Träumen geworden ist, sagen sie, es wäre nicht so wichtig gewesen. Und insgeheim ist doch so manch einer traurig darüber.


Deshalb versuche ich, meine Freunde zu ermutigen, ihre Träume zu verwirklichen. Mir ist bewusst, dass nicht alles immer sofort geht, dass manche Dinge schlicht unmöglich sind, aber irgendwann ist der Punkt gekommen, da muss man sein Glück selbst in die Hand nehmen und es nicht länger aufschieben. Denn selbst wenn man vielleicht nie im Leben ein Millionär wird oder die ganze Welt verbessert, so wird es vom Nichtstun auch nicht besser. Je länger ich selbst mit etwas warte, desto schwieriger wird es für mich. Um das zu vermeiden, versuche ich, Dinge immer direkt anzugehen, was mir auch nicht immer gelingt. Aber bis jetzt kann ich sagen, dass ich mich besser gefühlt habe, wenn ich etwas versucht habe, anstatt es ganz zu lassen. Selbst wenn es nicht funktioniert hat.
Denn Angst und Scheitern gehören dazu, wenn man wachsen will. Und das ist nicht schlimm. Und das ist etwas, was ich mir dieses Jahr nochmal bewusst machen möchte.

Die Komfortzone verlassen


Meine Komfortzone verlassen. Das ist eines der wenigen Dinge, die ich mir dieses Jahr vorgenommen habe. Meistens bin ich eher zurückgezogen und lebe in einem Rhythmus, der sich Woche für Woche, Tag für Tag wiederholt. Das funktioniert für mich wirklich gut, gibt mir Sicherheit und die Kraft, alles zu schaffen, was ich mir vorgenommen habe.



Trotz aller guten Routinen habe ich aber auch gemerkt, wie wichtig es für mich ist, diesen Rhythmus, diese Komfortzone mal zu verlassen.
Und das klingt definitiv einfacher als es ist. Es bedeutet für jeden einzelnen etwas anderes und muss nicht immer etwas Großes sein.
Bei mir ist es zum Beispiel immer schon ein großer Schritt, wenn ich auf Menschen zugehen muss. Deshalb habe ich mir zuerst vorgenommen, das öfter mal aktiv zu machen.


Mein erster Schritt war, dass ich hinterfragt habe, warum mich die verschiedenen Situationen, in denen ich mit anderen Menschen in Kontakt komme, eigentlich so nervös machen.
Interessanterweise ist mir dabei aufgefallen, dass es mir auf der Arbeit wesentlich leichter fällt, mich zu öffnen als privat. Dort fühle ich mich sicher und geschützt. Dort habe ich eine feste Rolle, die ich erfülle. Diese Rolle gibt mir Sicherheit, weshalb ich dann viel offener sein kann.

Wenn ich hingegen privat auf Leute zugehen muss, fällt es mir jedes Mal unfassbar schwer und manchmal verstehe ich gar nicht warum.


Bei längerem Nachdenken musste ich dann an etwas denken, was eine Bekannte von mir gesagt hat: In jeder Gruppe erfüllen wir eine Rolle, der bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen zugeschrieben werden. In meiner Stufe zum Beispiel habe ich viel organisiert, weshalb auch nach meinem Abi noch viele Mitschüler eher distanziert von mir sind und mich nie so richtig an sich ranlassen. Für die meisten werde ich immer die strenge Organisatorin sein, egal wie sehr ich mich auch bemühe, zu zeigen, dass ich auch anders sein kann. Sobald ich wieder in diese soziale Gruppe komme, erwarten die meisten von mir, dass ich die Rolle der Organisatorin erfülle. Und mir passiert es immer wieder, dass ich auch in genau die Rolle schlüpfe, ohne es bewusst zu wollen. Dadurch, dass sowohl meine Mitschüler als auch ich selbst davon ausgehen, dass ich eben diese bestimmte Rolle erfülle, ist es ziemlich schwierig, anders zu handeln.


Wenn ich darüber nachdenke, hat jeder von uns sehr viele verschiedene Rollen. Mal bin ich ältere Schwester, die um Rat gefragt wird, mal eine langjährige Freundin und mal eine Mitarbeiterin in einem Betrieb.

Das erklärt auch, warum es mir in neuen Gruppen besonders schwerfällt. Dort gibt es noch keine festen Rollen. Das macht mich nervös, denn ich weiß dann nicht, was mich erwartet, wie ich mich verhalten soll. Ich weiß nicht, ob mich die anderen mögen und wie sie sich mir gegenüber verhalten. Das macht mir Angst. Denn das Gefühl in einer Gruppe nicht angenommen zu werden ist einfach schlimm, obwohl es ja klar ist, dass man es nicht allen recht machen kann. Ohne eine Rolle fühle ich mich oft verloren


Da merke ich, dass diese Rollen den Vorteil haben, dass sie Sicherheit schenken und Struktur geben. Außerdem wäre es ja auch irgendwie anstrengend, immer darüber nachzudenken, wie man sich wo verhalten soll.
Der Nachteil ist eben nur, dass man schlecht aus seiner Rolle rauskommt und oft auch vergisst, sich selbst mal zu fragen, inwiefern die verschiedenen Rollen einem selbst überhaupt entsprechen.


Und genau deshalb war das mein erstes Ziel für dieses Jahr. Einerseits, mal die Komfortzone verlassen und andererseits mich auch fragen, wo ich vielleicht so sehr in meiner Komfortzone bin, dass es mir gar nicht mehr entspricht. Denn so sinnvoll die Rollen auch sind, manchmal lohnt es sich doch, sich selbst mal zu fragen, ob sie wirklich gut sind oder man sie nur aus Bequemlichkeit übernimmt. Und außerdem bringt so ein Sprung aus der Komfortzone, so viel Mut und Überwindung er auch erfordert, auch Selbstbewusstsein mit sich. Allein deshalb lohnt es sich schon.