Zweitausendvierundzwanzig

2024 war ein Jahr voller Erinnerungen, voller schöner und manchmal auch trauriger Momente. Voller Emotion und voller toller Menschen. Deshalb möchte ich in diesem Jahr einen kurzen Rückblick wagen und das vergangene Jahr Revue passieren lassen.

Das Jahr ist ruhig und dunkel gestartet. Im Januar und Februar standen Klausuren an und das dunkle regnerische Wetter haben es wirklich schwer gemacht, mich zu irgendetwas zu motivieren. Nichtsdestotrotz haben einige tolle Ausflüge meinen Alltag versüßt so habe ich gemeinsam mit meiner Familie die Harry Potter Ausstellung in Köln besucht und war (wie so viele andere auch) auf Demos für unsere Demokratie in München.

Demo in München

Als die ersten Klausuren dann endlich geschafft und bestanden waren, konnte ich auf einem Städtetrip nach Wien und Prag ein wenig entspannen und endlich wieder Gedanken fassen, die ganz weit weg waren von Psychologie und Klausuren. Der Trip hat mir sehr gut getan und es war schön, wenn auch nur kurz, ein bisschen Reisefieber zu bekommen und einen völlig neuen Ort zu erkunden.

Blick über Wien

Im Anschluss an den Urlaub habe ich dann mein erstes Praktikum absolviert. Am Anfang hatte ich große Angst und war unsicher, wie ich mit dem Menschen auf einer psychatrischen Station umgehen soll, habe aber nach und nach gelernt, wie wichtig es ist, die Menschen dort zu sehen, wie sie sind – nämlich als Menschen. Das Praktikum hat mir wirklich geholfen, ein besseres Bild von der Arbeit als Psychotherapeut zu bekommen, obwohl die Arbeit im Krankenhaus natürlich nur eine von vielen ist.

Als das Praktikum dann vorüber war, hatte ich noch ein wenig Zeit, Zeit mit Freunden zu verbringen und wieder in München anzukommen, bevor das Sommersemster so richtig losgeht.

Gasometer in Oberhausen

Das Sommersemester selbst verging dann wie im Flug und brachte viele schöne Momente mit sich. Wir hatten Besuch aus der Heimat, waren in der Sonne unterwegs, waren in der Heimat und konnten München endlich von seiner besten Seite kennenlernen. Meine Highlights des Semesters habe ich hier mal mitgebracht:

Besuch in München
Schützenfest in der Heimat
Entspannungsurlaub in Niedersachsen
Abiturfeier von Alexa

Nach einem wirklich schönen Sommersemester folgte eine (wirklich nicht so schöne) Prüfungsphase. Neben vier umfangreichen Klausuren standen noch ein Forschungsbericht und ein Portfolio mit Postern und Podcasts an. Dementsprechend viel saß ich am Schreibtisch und dementsprechend wenig haben ich in der Zeit die Sonne verbracht.

Deshalb war es umso schöner, als dann Mitte August endlich frei war und all der Stress und die Last abfallen konnte. Nach all den Monaten im Stress und Lernen hatte ich beinahe vergessen, wie schön es ist, einfach in der Sonne zu schmökern und das gute Wetter zu genießen. Dementsprechend glücklich hat es mich gemacht, bei strahlender Sonne in der Schweiz zu wandern und endlich ein bisschen die Zeit mit Familie und Freunden auch von Zuhause zu genießen.

Zu Besuch in der Harry Potter Ausstellung im Olympiapark
Coldplay Konzert im Olympiastadion
Wandern in der Schweiz

Im September ging es dann auf zu einem ganz besonderen Abenteuer in die Türkei. Über die Stiftung meines Stipendiums werden in den Semesterferien verschiedene Sprachkurse angeboten und ich hatte das Glück, für einen Türkischkurs drei Wochen nach Istanbul zu reisen. Die Zeit dort war wirklich richtig schön und auch wenn ich nur ein paar Worte Türkisch gelernt habe, so konnte ich richtig in die Stadt eintauchen und tolle neue Menschen kennenlernen.

Blick über den Bosporus
Bosporusbrücke am Abend
Sultan Ahmet Moschee
Camlica Moschee
Blick von den Prinzeninseln

Nach dem Sprachkurs ging es dann noch über verschiedene Stationen weiter durch die Türkei. Zuerst haben wir einen Zwischenstopp in Kappadokien gemacht und sind dann mit einem Mietwagen an der Südküste bei Antalya verschiedene Stopps in den Bergen und am Meer angefahren. Die Natur in der Türkei hat mich wirklich beeindruckt und auch die Tage am Meer waren traumhaft.

Blick auf das Red Valley
Kappadokien
Tazi Kanyon
Küste bei Antalya

Nach unserem verlängerten Sommer ging es dann zurück ins regnerische München und das Wintersemester startete. Insgesamt war es vor allem nebelig und zunehmend dunkel, was ziemlich deprimierend war, aber trotzdem gab es auch ein paar schöne Momente. Besonders gefallen haben mir die vielen Fachschaftsaktivitäten, wie die Ersti-Tage und die PsyFaKo (Psychologie Fachschaften Konferenz), einige Besuche von Freunden und meine Geburtsfeier im November.

PsyFaKo in Bonn mit unseren Maskottchen
Häkeln in der Sonne

Im Dezember kam dann ein bisschen Weihnachtstimmung auf und mit Weihnachtsmarktbesuchen, Plätzchen backen und Weihnachtsfilmen wurde die Adventszeit eingeläutet. Besonders schön waren dort das gemeinsame Weihnachtssingen im LMU Hauptgebäude, ein Weihnachtsmusical, das wir besucht haben und natürlich das Probewochenende unseres Orchesters.

Weihnachtsmusical im Deutschen Theater
Plätzchen dekorieren
Weihnachten Zuhause

2024 war für mich ein Jahr voller Bewegung und schöner Momente. Sicherlich gab es zwischendurch auch viele stressige traurige Tage, aber alles in allem bin ich sehr dankbar für die Zeit in diesem Jahr. Ich konnte über mich hinauswachsen, so unfassbar schöne Dinge erleben und viel über mich und andere lernen. Besonders dankbar bin ich aber für all die Menschen, die mich wieder mal begleitet haben. Für meine Familie, die mich immer unterstützt, für meine Freunde im Sauerland, die sich für mich immer wie Heimat anfühlen, für meine neuen Menschen hier in München, die dafür sorgen, dass ich mich hier so wohl fühle, für alle anderen Menschen, die mit tollen Gesprächen und Perspektiven mein Leben bereichert haben und natürlich auch ganz besonders für Marius, der mich jetzt schon so lange begleitet und ohne den ich mir mein Leben gar nicht mehr vorstellen kann. Vielen Dank an euch alle, ihr macht mein Leben bunt! In diesem Sinne ein gutes neues Jahr – auf viele schöne neue Erfahrungen und Momente!

Interrail – The End

Interrail. Viereinhalb Wochen Abenteuer. Über 5000 Kilometer nur im Zug. Etliche Busfahrten. Viele neue Orte und Erfahrungen. Freude. Mut. Erfüllung. Das alles haben wir auf unserer Reise erlebt. Die Zeit war unfassbar wertvoll, einfach magisch und trotzdem ist das nicht alles.


Denn zu so einer Reise gehören auch nicht so schöne Erfahrungen dazu. Das Gefühl, nicht willkommen zu sein. Erschöpfung von all dem Reisen. Streit als Paar über scheinbar belanglose Dinge. Genervt sein voneinander, da man jede Minute zusammen ist. Stundenlanges Warten an Bahnhöfen. Ewig weite Fußwege mit dem Rucksack. Viel zu warmes Wetter. Ungewissheit. Zweifel. Unruhige Nächte. Ekelhafte Badezimmer. Laute Mitbewohner. Zu wenig Schlaf. Krankheit. Stress. Ärger…
Es gab Momente, da habe ich mich gefragt, was das alles soll. Wenn es nachts 27 Grad im Zelt sind, man von einem ziemlich kleinen billigen Ventilator angepustet wird, bloß darauf bedacht, den Partner nicht zu berühren, weil es sonst zu heiß ist. Wenn der Mitbewohner im Hostel bei jedem Toilettengang nachts die Deckenlampe anmacht, anstatt einfach die Handytaschenlampe zu benutzen. Wenn es mal wieder über 40 Grad ist und man sich trotz der vielen Litern Wasser, die man trinkt, dauerhaft so fühlt, als würde man verdursten. Wenn man nach stundenlangem Warten am Bahnhof doch nicht am Ziel ankommt. Dann macht Reisen keinen Spaß. Überhaupt nicht.


Aber zum Glück ist das bei weitem nicht alles. Die Reise hatte so viele schöne Dinge zu bieten. Wunderschöne Städte und tolle Natur. Baden im klaren Meer und wandern über hohe Berge. Entspannen in Parks und das Bestaunen architektonischer Meisterwerke. Das Schlendern durch enge Gassen und weite Ausblicke über viele Orte. Viel Kultur und Geschichte. Pures Wissen und Erkenntnisse.
So viele schöne Sonnenuntergänge. Malerische Kulissen. Nette, hilfsbereite Menschen. Gutes Essen. Erfüllte Momente. Das Gefühl des vollkommenen Glücks…
Das alles und so viel mehr durften wir erleben. In unseren vierunddreißig Tagen unterwegs, haben wir unfassbar viel gesehen. Wir sind gewachsen, alleine und als Paar. Gewachsen an jeder Herausforderung, durch Gespräche und die Zeit zu zweit. Wir haben weniger Geld als vorher und doch sind wir so viel reicher, reicher an märchenhaften Bildern in unserem Kopf. Es war eine unvergessliche Zeit, für die ich endlos dankbar bin. Dankbar, dass es mir möglich war, die Reise zu machen. Dankbar, dass ich mich getraut habe. Dankbar für meinen Partner, für die schönen Momente, dass er mich gehalten, meine Sachen getragen und mich manchmal auch ertragen hat. Dankbar für meine Familie und all die, die mich unterstützen.
Danke, dass ich diese Zeit erleben durfte. Es war wunderschön.

Letzter Halt

Nach fast vier Wochen unterwegs ist es schwer zu glauben, dass unsere Reise auch irgendwann vorbei ist. Trotzdem nähern wir uns mit großen Schritten dem Ende. Unsere letzten Stopps während unserer Interrailreise sind Barcelona und Lyon.



Erst einmal zu Barcelona. Barcelona ist wirklich eine tolle Stadt mit total vielen Facetten. Angefangen bei den vielen historischen Gebäuden und Vierteln bis hin zum Stadtstrand, hat die Stadt viel zu bieten. Eines unserer absoluten Highlights sind die Gebäude des spanischen Architekten Antoni Gaudi. Dazu zählen die Sagrada Familia, das Casa Battló, der Park Güell und einige weitere Gebäude. Alle sind geprägt von natürlichen runden Formen, bunten Farben und sehr viel Liebe zum Detail. Die Gebäude wirken wie aus einer Fantasiewelt, irgendwie fremd und doch unfassbar schön.
Ein weiteres Highlight ist der Strand von Barcelona am Morgen. Ist man früh dran, ist der Strand fast leer und man kann die Wellen und den Strand fast für sich genießen, ohne zu viele Touristen und Strandverkäufer. Neben all den Sehenswürdigkeiten war aber besonders die Stimmung in der Stadt toll. Es war viel los, alle waren freundlich, wir haben uns überall willkommen gefühlt, was leider nicht selbstverständlich ist. Deshalb wird uns Barcelona wohl noch länger in guter Erinnerung bleiben.



Von Barcelona aus sind wir dann nach Lyon gefahren, der drittgrößten Stadt in Frankreich. Ehrlich gesagt haben wir dort nur angehalten, weil die Fahrt von Barcelona nach Hause zu lang gewesen wäre. Deshalb haben wir uns nicht auf die Stadt vorbereitet, nichts recherchiert. Wir sind ohne jegliche Erwartungen dort angekommen, etwas traurig, dass es jetzt schon nach Hause geht.
Und mal wieder wurden wir positiv überrascht. Lyon war ein malerischer letzter Stopp, mit so vielen verschiedenen Gesichtern. Die Altstadt mit den engen Gassen und den bunten Häusern, die Ufer der beiden Flüsse, der Ausblick vom Viertel Fourvière aus, die römischen Theater, die großen Kirchen… Wir waren erstaunt, was es alles zu entdecken gibt und haben den letzten Tag unserer Reise noch einmal richtig genossen. Im Nachhinein bin ich froh, hier noch einmal angehalten zu haben, denn so haben wir Frankreich aus einer völlig anderen Perspektive kennengelernt. Frankreich ist nämlich so viel mehr als nur Paris und das hätten wir sonst nie gesehen.

Ab in die Natur

Neben einigen Städten in Spanien durfte natürlich auch die Natur nicht zu kurz kommen. Schnell haben wir gemerkt, dass das mit dem Zug und so ganz ohne Auto nicht so leicht ist . Deshalb haben wir uns für drei Stopps entschieden, die zumindest mit dem Bus und einigen Umstiegen irgendwie zu erreichen sind.



Als erstes ging es deshalb für uns nach Villanueva de la Conception, wahrhaftig ins Nichts. In der Nähe dieses kleinen Ortes befindet sich eine große Felswand mit einem Plateau oben drauf, von dem man einen tollen Blick hat und auf dem man super wandern kann. So heißt es zumindest im Internet. Denn auf dem Plateau waren wir tatsächlich nicht. Eigentlich hatten wir eine schöne Wanderung dort hoch geplant, aber angesichts der prallen Sonne und 35 Grad, haben wir uns gegen diese dreißig Kilometer entschieden. Anstatt dessen haben wir uns dann etwas erholt, mal einen Film geschaut und einfach den Ausblick von weiter unten genossen. Das war, um ehrlich zu sein, auch nicht schlecht.


Danach sind wir weiter an die Südküste Spaniens gefahren, in den Naturpark Cabo de Gata. In der Hitze dort haben wir viel Zeit in den Wellen und in verschiedenen Buchten verbracht. Wir haben in den Tag hinein gelebt und uns treiben lassen. Ein besonderes Highlight war ein Schnorcheltrip an der Küste. Wir konnten viele Fische, Seesterne und sogar einen Rochen sehen. Das war ziemlich faszinierend, obwohl ich zugeben muss, dass ich ohne meine Brille tatsächlich vieles nicht so erkennen konnte, was sehr schade war. Trotzdem war die Zeit dort ein echtes Highlight, auch um die Batterien wieder aufzuladen.


Unser letzter Halt in der Natur waren die Pyrenäen. Unser Zelt stand dort auf einem Campingplatz mitten in den Bergen mit einem wirklich schönen Blick. Nachts konnten wir die Kuhglocken im Zelt hören und tagsüber die Sicht auf die Berge genießen. Während unserer Zeit dort haben wir dann noch zwei Ausflüge unternommen, sind ein bisschen gewandert und haben die Natur genossen. Leider waren wir in den paar Tagen dort, in denen es im Norden Spaniens deutlich abgekühlt ist. So hatten wir nachts anstatt der erwarteten 15 Grad nur noch 8 Grad und hoch in den Bergen war es sogar noch kälter. Dafür waren wir nicht ausgestattet und haben ordentlich gefroren. Nichtsdestotrotz hat uns der Aufenthalt echt gut gefallen, denn es hat noch eine ganz andere Seite Spaniens gezeigt.
Und obwohl wir so nur wenige Stopps in der Natur hatten, bin ich trotzdem froh, dass wir sie gemacht haben. Die Anreise, die Schlepperei der Rucksäcke in die letzten Winkel Spaniens und jeder Schweiß hat sich definitiv gelohnt. Viele tolle Erlebnisse hätten wir sonst nie erlebt, deshalb bin ich sehr dankbar, für die tolle Zeit, die wir dort hatten.

Spaniens Städte

Die nächsten Stopps unserer Reise waren drei verschiedene Städte in Spanien, Madrid, Sevilla und Ronda.



Zuerst waren wir für zwei Tage in der Hauptstadt Spaniens und haben uns bei über vierzig Grad die wichtigsten Sehenswürdigkeiten angeschaut. Angefangen beim Königspalast bis hin zum Retiro Park, gibt es in Madrid viele schöne Ecken zu entdecken. Dabei kam uns besonders die zentrale Lage unseres Hostels mitten in der Einkaufsstraße zugute. Wir konnten bis spät abends auf einem belebten Platz sitzen, waren nah an allen Orten, die wir besuchen wollten und konnten uns zwischendurch mal ausruhen. So konnten wir die Zeit dort selbst bei der Hitze genießen, die sich selbst in den Abendstunden noch wie ein heißer Schwimmbadföhn angefühlt hat. Insgesamt war Madrid wirklich schön und bunt, mit viel Kultur, Architektur und Trubel. Definitiv einen Besuch wert.



Danach ging es weiter nach Sevilla, einer Stadt im Südwesten des Landes. Obwohl Sevilla über 600.000 Einwohner hat, wirkt die Stadt irgendwie gesellig und hat ein schönes Flair. Alles ist irgendwie gemütlich dort. Abends kann man sich gut durch die Gassen treiben lassen und all die Menschen dort beobachten. Neben den Setas de Sevilla, der Kathedrale und den vielen Parks, war besonders der Plaza der España ein Highlight, auf das wir uns sehr gefreut haben, da dort ein Ausschnitt aus Star Wars gedreht wurde. Leider war der Platz allerdings wegen eines Konzerts gesperrt, sodass ich nach wie vor etwas enttäuscht bin, den Platz nur von Weitem gesehen zu haben. Nichtsdestotrotz war der Besuch in der Stadt toll und wer weiß, vielleicht sehe ich den Platz ja irgendwann mal ohne Absperrungen.


Als nächstes ging es nach Ronda, einer Kleinstadt ebenfalls im Süden Spaniens, gelegen an einer steilen Felskante. Bekannt ist die Stadt vor allem wegen einer Schlucht, die die Stadt in zwei Teile spaltet, die nur über einige Brücken verbunden sind. Neben den Brücken und den engen Gassen war ich auch hier mal wieder überrascht von der Natur. Ronda liegt in einer hügeligen, trockenen Landschaft, welche irgendwie einfach malerisch aussieht. Insbesondere bei Sonnenuntergang hat sich die Aussicht auf die Berge, die Olivenbäume und die Schafe wie ein Traum angefühlt.


Nachdem wir jetzt schon so einige Orte in Spanien angeschaut haben, muss ich sagen, dass tatsächlich jeder Ort für sich ein Highlight war. Deshalb freue ich mich nach dem Schwall an Eindrücken trotzdem noch sehr auf die verbleibende Zeit und alles, was kommt. Mal sehen, was die Reise noch für uns bereithält.

Nicht so wie geplant

Eigentlich mag ich es gerne, wenn alles vorher organisiert ist. Deshalb habe ich auch für unsere Reise nach Spanien viel recherchiert und mich wirklich lange auf die Zeit hier vorbereitet. Und trotzdem kann ich natürlich nicht alles kontrollieren und vorher organisieren, weshalb immer unsicher ist, ob wirklich alles funktioniert.


Bis Bilbao hat das meiste gut geklappt. Danach wollten wir eigentlich über Madrid weiter nach Santiago de Compostela. Das Problem ist nur, dass es mit den verpflichtenden Zugreservierungen in Spanien so eine Sache ist. Mit einem Interrailticket kann man nämlich nur am Schalter oder telefonisch eine Reservierung bestellen. Und so standen wir dann in Madrid ohne Reservierung nach Santiago de Compostela in der Warteschlange zum Schalter. Nach 45 Minuten Wartezeit kam dann die ernüchternde Nachricht: Alle Züge für die nächsten vier Tage sind voll. Auch alle anderen Züge, die irgendwie in diese Richtung gingen.


Ziemlich ratlos und verzweifelt standen wir dann dort, ohne Unterkunft und Ziel. Wir wussten nicht wohin mit uns, wir wollten nur gern weg aus Madrid. Am liebsten irgendwo ans Meer. Und so haben wir dann am Automaten alle Zugverbindung angeschaut, die noch verfügbar waren. Neben vielen kleineren Städten im Inland kam nur Malaga in Frage. Also sind wir zum zweiten Bahnhof am anderen Ende von Madrid gefahren, um uns dort am Schalter anzustellen. Nach viel hin und her, drei Stunden Wartezeit und endlos vielen Nerven haben wir dann aufgegeben und das Ticket für satte 200€ online gekauft, anstatt nur 13€ für eine Reservierung zu bezahlen. Denn ansonsten wären wir an diesem Tag nirgends mehr hingefahren.


Erschöpft und entnervt ging es dann also endlich nach Malaga ans Meer. Um ehrlich zu sein, war es kein guter Ersatz für Santiago de Compostela. Wir hatten uns so sehr darauf gefreut, dass es schwer war, jetzt bei 40 Grad an einem völlig überfüllten Strand zu sitzen, bei viel zu heißen Temperaturen im Zelt zu schlafen und von Moskitos verfolgt zu werden. Trotzdem haben wir das Beste daraus gemacht, uns die Stadt angeschaut, am Strand gesessen und entspannt. Wir haben sogar echt schöne Orte, wie das Castillo der Colomares entdeckt, die wir sonst wahrscheinlich nie gesehen hätten.


Insgesamt war es trotz allen Umständen ganz schön in Malaga. Natürlich war es nicht das, was wir uns vorgestellt hatten, aber es war irgendwie doch ein Erlebnis, an dem wir gewachsen sind und bei dem ich gemerkt habe, dass etwas Spontanität manchmal gar nicht so schlecht ist. Denn trotz aller Organisation, passieren die schönsten Dinge oft einfach so.

Castillo der Colomares

Ab nach Spanien

Nächster Stopp unserer Interrailreise: Die Nordküste Spaniens. Als wir die Reise geplant haben, war ich um ehrlich zu sein nicht gerade ein Fan der Nordküste. Wenn es nach mir gegangen wären, hätten wir sie einfach weggelassen. Mittlerweile bin ich froh, dass sich mein Freund in dieser Hinsicht durchgesetzt hat.



Die Natur im Norden Spaniens hat mich total überrascht. Hier ist alles grün und bergig, es gibt viele kleine Dörfer, eine tolle Steilküste, aber auch Strände zum Baden mit kristallklarem Wasser – der totale Kontrast zu Paris. Unsere erste Unterkunft war ein Campingplatz nahe Mutriku. Von dort aus hatte man einen richtig tollen Blick auf das Meer und konnte nach einem kurzen Fußmarsch entlang der Steilküste an einem wunderschönen Strand entspannen. Wir haben die Zeit dort wirklich genossen und unsere Batterien wieder aufgeladen.



Als nächstes sind wir dann Bilbao gefahren, einer Großstadt, ebenfalls an der Nordküste gelegen. Besonders beeindruckend fand ich die Architektur dort. Neben vielen alten Häusern gibt es ein paar moderne Gebäude, wie das Guggenheim Museum oder die Zubizuri Brücke, die das Stadtbild wirklich besonders machen. Die vielen Parks, der Hafen und die Lage am Meer bilden den perfekten Kontrast zur Stadt zum Ausruhen und Entspannen.



Von Bilbao aus ging es dann noch für einen Tag nach Gaztelugatxe, einem ehemaligen Kloster auf einer Insel an der Küste, das man über einen gewundenen Aufgang erreichen kann. Bekannt ist die Insel vor allem durch Game of Thrones geworden, hier wurden die Szenen für die Insel Dragonstone gedreht. Aber auch ohne diesen Hintergrund war die Insel wirklich schön und man hatte nach einem ziemlich steilen Auf- und Abgang einen tollen Blick auf das Meer und die Küste. Zur Abkühlung ging es für uns danach noch an den Strand von Bakio, einem kleinen Küstenort ganz in der Nähe, wo wir das klare Wasser und den Strand noch einmal richtig genießen konnten.



Abschließend kann ich nach nur ein paar Tagen an der Nordküste sagen, dass ich echt angetan bin von der Region. Die Natur dort ist einfach beeindruckend und die vielen kleinen Orte nicht ganz so überfüllt. Für mich steht schon jetzt fest, dass ich noch einmal wiederkommen werde, um noch mehr von dort zu sehen.

Erster Halt

Brüssel. Paris. Unsere beiden ersten Stopps während unserer Interrail Reise. Zwei durchaus bedeutende Städte, die wohl doch sehr unterschiedlich sind.


Zuerst einmal zu Brüssel. Erster Eindruck: Es ist windig, die Straßen sind irgendwie rutschig und die alles ist eher klein und übersichtlich. Eine hübsche Stadt, die doch einiges zu bieten hat. Eine schöne Altstadt, Kultur, Politik, Menschen aus aller Welt und natürlich belgische Waffeln.


Was bei mir aus Brüssel nachhaltig hängen geblieben ist, ist das Europaviertel. Dort ist alles schön und glamourös, aber wenn man so hinter die Fassaden schaut, merkt man, wie sehr dieser Ort und die Menschen dort uns als Europäer eigentlich beeinflusst. Es ist spannend in diese Welt einzutauchen, zu verstehen, wie die Politik dort funktioniert und sich irgendwie als ein Teil dieses europäischen Gedankens zu fühlen. Ich habe von dort mitgenommen, wie wichtig es für uns als Bürger der EU ist, sich zu beteiligen und zu verstehen, worum es beim europäischen Gedanken eigentlich geht. Die Geschichte zu verstehen und teilzunehmen.


Insgesamt hat mir Brüssel als Start gut gefallen. Es war eine besucherfreundliche Stadt, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe und die ich gerne noch einmal besuchen möchte.


Nach zwei Tagen Brüssel ging’s dann weiter nach Paris. Erster Eindruck: einfach riesig, an jeder Ecke steht ein imposantes Gebäude und in vielen Orten stinkt es. Paris hat mich persönlich einfach überwältigt. Die Fülle an Kultur und Menschen dort war der Wahnsinn. Wir haben uns vieles angeschaut und doch habe ich das Gefühl, nur einen Bruchteil der Stadt gesehen zu haben. An vielen Orten dort war es echt schön, während andere bekannte Orte eher langweilig waren. Besonders gut gefallen hat es mir, einfach diese ganzen verschiedenen Menschen zu beobachten, zu schauen, was sie so machen. Und dabei ganz nebenbei die ganzen Orte zu besuchen, die man aus den Medien kennt. Den Eiffelturm, Versailles, Montmartre…


Auch Paris fand ich alles in allem toll. Die Stadt hat unglaublich viel zu bieten und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Wir haben dort unglaublich viel gesehen und erlebt und mein Kopf ist voller neuer Eindrücke. Ich freue mich schon auf das, was die nächsten Wochen noch bereithalten.

Von Glück getroffen

Die schönsten Dinge passieren oft, wenn man sie am wenigsten erwartet.

Am Flughafen in Istanbul hat mir eine junge Frau geholfen, mich zu orientieren, nachdem ich im Getümmel ziemlich verloren war. Sie hat mich nach einem kurzen Gespräch für meinen letzten Tag in der Türkei zu sich nach Hause eingeladen. Lange war ich unsicher, ob das Angebot wohl ernst gemeint war und ob das eine gute Idee ist, es anzunehmen. Deshalb habe ich mich nicht getraut, sie danach zu fragen. Zum Glück habe ich mich dann einen Tag vorher doch noch überwunden, denn was hatte ich schon zu verlieren. Im schlimmsten Fall wird sie mich halt entführen und umbringen, aber davon ging ich jetzt mal nicht aus, denn ich bin ja noch jung, neugierig, abenteuerlustig und vielleicht ein bisschen gutgläubig.


So kam es, dass ich am Samstagmorgen im Bus nach Kayseri saß, völlig ahnungslos, wohin die Reise ging und was mich erwartet. Bisher war ich nur an sehr touristischen Orten in der Türkei gewesen und es gewohnt, dass die meisten Türken etwas Englisch konnten. Als ich dann aus dem Bus stieg, etwa acht Kilometer von meinem Ziel entfernt, war ich in einer ganz anderen Welt gelandet. Niemand sprach Englisch, ich war der einzige Tourist. Ich bin mir so fremd und falsch vorgekommen wie selten zuvor. Denn ich hatte keine Ahnung, wie ich ins Stadtzentrum kommen sollte oder wie der ÖPNV funktioniert. Nach einigem Hin und Her, großer Verzweiflung und ganz viel Hilfe meiner Freundin und einiger Passanten, hat es dann doch alles geklappt und ich bin gut im Stadtzentrum angekommen.


Dort hat mich meine Bekannte dann abgeholt und mir die wichtigsten Dinge in der Stadt gezeigt. Es war wirklich eine besondere Erfahrung. Nicht nur, dass ich natürlich viel mehr sehen konnte, mit jemandem, der sich auskennt. Besonders schön war einfach, wie offen und freundlich alle Leute plötzlich waren, nachdem sie mich als ihre deutsche Freundin vorgestellt hatte. Viele wollten mir ihre Kultur zeigen und die Sprachbarriere war wie weggewischt, denn sie hat mir alles übersetzt. Dadurch habe ich mich mehr wie ein Teil der Gemeinschaft gefühlt und nicht wie ein Fremdkörper, den alle anstarren. Natürlich habe ich immer noch das Aufsehen einiger Passanten erregt, das war aber jetzt nur noch halb so schlimm.


Nachdem sie mir die Stadt gezeigt hatte, mit allen Moscheen, schönen Ecken und der Kultur, sind wir zu ihr nach Hause gefahren. Ihre ganze Familie war extra gekommen, um mich kennenzulernen und mit mir das tägliche Fastenbrechen im Ramadan zu feiern. Es gab viele traditionelle Speisen und natürlich türkischen Tee. Auch wenn nur einer von ihnen Englisch sprach, waren alle sehr bemüht mit mir zu sprechen und wollten mich unbedingt kennenlernen. Ich habe nicht immer alles verstanden, worüber diskutiert wurde und trotzdem hatte ich das Gefühl, dazuzugehören. Es war überhaupt nicht schlimm, nicht alles zu verstehen. Jeder wollte mich an ihrer Kultur teilhaben lassen, ich durfte mit zum Beten in die Moschee, konnte sämtliche türkische Getränke probieren und alle Traditionen miterleben. Noch nie in meinem Leben habe ich mich derart willkommen an einem Ort gefühlt, wie dort. Nach wenigen Minuten war es wie Zuhause. Als ob ich diesen Ort und die Menschen schon jahrelang kennen würde. Ich hatte das Gefühl auch als Fremde dazuzugehören. Ein solches Erlebnis hatte ich noch nie. Kaum vorstellbar, dass ich vor wenigen Stunden noch einen Gedanken daran verschwenden habe, dass diese Leute gefährlich sein könnten. Denn jetzt fühlte ich mich sicher und geborgen, einfach gut aufgehoben und behütet. Ich war einfach glücklich.


Nur wie das an solchen Abenden immer so ist, verging die Zeit natürlich viel zu schnell. Wir haben gelacht, getanzt und gespielt und ehe ich mich versah, war es Zeit zu gehen. Nach vielen Umarmungen, Geschenken und Abschiedsworten musste ich dann doch in den Flieger steigen. Und so schnell, wie ich in diese Gemeinschaft hineingeraten bin, so schnell wurde ich auch wieder aus ihr herausgerissen. Dafür war ich nicht bereit. Nach diesem Abend voller Eindrücke und neuer Freunde wollte ich nicht einfach nach Hause, wo alles so gewöhnlich war. Das war zu früh, zu wenig Zeit, um alles zu verarbeiten, anzukommen.


Und so hatte ich Zuhause doch mal wieder Heimweh und das war so ehrlich nicht gedacht. Meine Gedanken hängen sehr an diesem Abend und bei den Menschen, insbesondere bei meiner Freundin, die mich so herzlich mitgenommen hat. Die mir alles gezeigt hat. Bei der ich mich so Zuhause gefühlt habe.


Vor meiner Reise hatte ich Angst, wie die Leute und das Land wohl sein würden. Ob sie mir freundlich begegnen würden, als Fremde. Doch jetzt, nur eine Woche später, bin ich begeistert von den Menschen, von ihrer Freundlichkeit, ihrer Gemeinschaft. Eine Begegnung am Flughafen begleitet von etwas Neugier und Mut hat meine ganze Reise verändert. Hat mich verändert. In dem Moment, als mich eine Fremde angesprochen hat, war ich verzweifelt und allein. Aus diesem Moment sind viele Momente des Glücks entstanden. Momente der Erfüllung. Und neue Freunde. So im Nachhinein betrachtet, hat mich das Glück tatsächlich unerwartet getroffen. So unerwartet, dass ich bis jetzt noch nicht ganz verarbeitet habe, wie prägend der Tag war. Denn eins ist klar, es war einer der schönsten Tage meines Lebens.

Ein Teil meines Herzens

Mit jedem Abschied blutet mein Herz ein bisschen. Hätte mir am Anfang der Woche jemand gesagt, dass ich traurig zurück nach Hause zu müssen, hätte ich es nicht geglaubt.


Jetzt am Ende meiner Woche bin ich traurig zu gehen, traurig, dass mein Abenteuer wieder vorbei ist. Ich konnte wahnsinnig tolle Orte sehen, Dinge erleben und einzigartige Menschen kennenlernen. Und auch wenn es vielleicht kein Abschied für immer ist, so fühlt es sich doch wie einer an. Ich weiß nicht, ob ich diesen Ort je wieder sehen werde. Ob ich nochmal im Morgengrauen aufstehe, um hunderte Heißluftballons bei Sonnenaufgang zu beobachten. Ob ich noch einmal durch diese wunderschönen Felsformationen klettern kann. Nochmal mit den Menschen Wein bei Sonnenuntergang trinken kann. Mit ihnen lachen kann.


Das Tolle am Reisen allein ist, dass ich anderen Menschen viel näher komme. Ich kann mich nicht so leicht abkapseln, wie mit meiner Familie oder als Paar. Ich öffne mich viel mehr, in viel kürzerer Zeit. Ich zeige mich verletzlicher, ehrlicher. Und am Ende kann ich selbst nicht glauben, die Leute erst seit ein paar Tagen zu kennen. Es ist, als würde die gemeinsame Erfahrung ein Band knüpfen, was nicht vergleichbar ist mit etwas anderem. Und deshalb tut es auch besonders weh, die Leute ziehen zu lassen, in dem Wissen, dass man sich wahrscheinlich nie wieder sieht.


Es ist wie so oft im Leben. Dinge kommen und gehen. Nichts ist für immer, natürlich nicht. Und trotzdem wünsche ich mir zumindest für ein paar Minuten, dass es anders wäre. Dass ich die Zeit einmal kurz anhalten kann. Auf den Stopp-Knopf drücken kann, um einfach mal innezuhalten.


Denn dann wird mir klar, dass ich nicht nur einen Teil meins Herzen hier lasse, sondern dass ich auch einen Teil mitnehme. Ich habe einmal gelesen, dass selbst wenn ein Mensch nicht mehr Teil meines Lebens ist, ich trotzdem einige seiner Angewohnheiten in mein Leben übernehme. Wenn ich so darüber nachdenke, stimmt das. Ich trage meine Tshirts noch genauso, wie es mir eine Freundin in Costa Rica gezeigt hat. Ich liebe immer noch die Bücher, die mir meine Schulfreundin empfohlen hat. Ich spreche manche Worte immer noch so aus, wie zwei meiner Bekannten es mir im Urlaub erklärt haben. Denn auch wenn ich nun kaum noch Kontakt zu diese Menschen habe, so haben sie mich doch geprägt.


Genauso ist es mit meiner Zeit hier. Die Erfahrungen haben mich verändert, selbst wenn es nur eine Woche war. Ich habe keine Angst mehr alleine zu verreisen, weil ich weiß, dass ich mich auf mich selbst verlassen kann. Dass es immer wundervolle Menschen gibt. Dass nach jedem Tief auch ein Hoch kommt. Deshalb macht mich jeder Abschied unfassbar dankbar, für das, was ich erleben durfte. Und dafür, dass ich wachsen konnte. Ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, hier zu sein und dass ich mich getraut habe. Denn das ist nicht selbstverständlich.