PsyFaKo – die heiße Phase (3/5)

Die Konferenz in Bonn war vorbei – das heißt, wir sind die nächsten. Die nächsten, die die PsyFaKo ausrichten werden. Das heißt, jetzt geht es wirklich richtig los.

Und das ging es auch. Ab Januar haben wir uns jede Woche getroffen und besprochen was ansteht. Und da war zwischen verworrenen Ablaufplänen, Veranstaltungsgenehmigungen, Ärger mit der Raumverwaltung, Koordination des Grußwortes, der verzweifelten Suche nach Schlafplätzen und natürlich auch etwas Gossip wirklich alles dabei. Neben den wöchentlichen Treffen kamen noch monatliche Meetings mit Vereinsvertretern dazu sowie regelmäßige Treffen mit der Vereinsfinanzerin, mit der wir abstimmmen mussten, wie wir finanzielle Entscheidungen treffen können und wie wir das Geld am besten mit dem Verein abrechnen können. Denn Konferenzfinanzen sind vieles – aber nicht unabhängig. Alle Konten, die wir nutzen konnte, liefen über den Verein und so mussten wir uns immer wieder abstimmen, wie das am besten für alle Beteiligten funktionieren kann. Das war am Anfang nervig, aber irgendwann fand ich die Zusammenarbeit und den Austausch auch schön – so musste ich nicht alle finanzielle ganz allein überlegen und entscheiden.

Neben all den regelmäßigen Treffen haben wir bis zum Sommersemester auch drei Mal am Wochenende getroffen, um gemeinsam auch mit anderen Vereinsgremien an Konzepten für unsere Konferenz zu arbeiten. So hatten wir in Februar zum Beispiel Besuch von den anderen AFSen. Sowohl die Bonnies, die die letzte Konferenz ausgerichtet haben, als auch der L‘Ostblock, der die Konferenz nach uns ausrichtet waren da (& ja die hießen wirklich so), um mit uns noch einmal das Raumkonzept und den Ablauf durchzusprechen und alle offenen Fragen zu beantworten. Im März waren dann der Vereinsvorstand und der KonRat, die Außenvertretung des Vereins, da um die wichtigen Abläufe von ihrer Seite zu besprechen und auch nochmal über grundlegende Fragen zu klären, die zum Beispiel die Geschäftsordnung des Vereins betrafen. Bei einem weiteren Treffen nur unter uns haben wir dann noch eine Videoreihe für Social Media gedreht.

Kurz gesagt – wir haben uns in der Zeit wirklich oft getroffen und das war manchmal auch anstrengend. Aber je länger ich dabei war und je länger wir alle zusammenarbeiten konnten, desto mehr sind mir die Menschen auch ans Herz gewachsen und ich habe die gemeinsame Zeit sehr genossen. Es gab immer etws zum Lachen und die Arbeit an der Konferenz hat uns als Gruppe echt zusammengeschweißt. Und so verging die Zeit & viel schneller als gedacht stand schon das Sommersemester vor der Tür – und damit war auch unsere Konferenz nicht mehr weit.

Zum Glück hatten wir die Semesterferien genutzt und endlich unseren Sponsorenbrief verschickt, was bedeutet, dass wir pünktlich zu Semesterstart endlich nicht nur einen Finanzplan hatten, sondern auch erstes Geld, um all die Pläne umzusetzen. Aber Geld haben bedeutet eben auch, Geld zu verwalten und auszugeben. Und so schön das klingt, Spaß macht das ganz sicher nicht immer. Denn das bedeutet auch das man überlegen muss, was gerade am wichtigsten ist, wer für was als erstes Geld bekommt. Es bedeutet, dass man coole Ideen vertrösten muss, darauf achten muss, dass alles ins Budget passt. Dass man Rechnungen verwalten und dokumentieren muss (und das dauert deeeutlich länger als man denkt). Und dass man entscheiden muss, welches Material bestellt werden kann, welche Produkte gut sind und wenn man sie dann bestellt auch wo man sie die nächsten Monate lagern kann. Weil München bleibt leider München – fast niemand hat Platz Material für eine Konferenz mit 250 Teilnehmenden einzulagern. 

Mein Mood während der Planung von Bestellungen

Und spätestens an dem Zeitpunkt, als ich nach viel hin und her zu dem Schluss gekommen bin, dass es am einfachsten ist, vieles erstmal bei mir zu lagern (ich habe Platz, ein Auto, um alles in die Uni zu transportieren und Zugang zu Geld), wusste ich, dass das kein Spaß wird. Es ist zwar (zum Glück) nicht alles bei mir gelandet, aber eben doch ein beträchtlicher Teil. Und so war es immer wieder schön die Pakete alle die 60 Stufen zu meiner Wohnung hochzuschleppen, mich mit Online-Händlern über fehlende Rechnungen und gesperrte Konten zu streiten (& da hat Amazon leider einen äußerst inkompenten Kundendienst, die haben mir den allerletzten Nerv geraubt) und dann auch nach alle Materialien auf die wildesten Arten vor der Konferenz nach München zu bringen. Ich habe stundenlang im Auto gesessen, Material bei den anderen abgeholt und bin durch München gekurvt (aber hei – ich weiß jetzt, warum ÖPNV so sinnvoll ist). An anderen Tagen ging es bewaffnet mit einem Rollbrett in die S-Bahn und U-Bahn nur um festzustellen, dass es alles andere als einfach ist, den riesigen Berg an Kisten den man da so draufstapeln kann auch alleine bei allen Umstiegen zu manövrieren. Außerdem kam es immer wieder zu unschönen Überraschungen – mal kam die Slushmaschine um 9 Uhr morgens an der Uni an, während ich noch im Bett lag, mal wurden die Pakte an falsche Adressen geliefert (nach fucking Lübeck zum Geschäftssitz vom Verein), mal kamen Pakete beschädigt oder in der allerletzten Paketbox in ganz München an.

Regelmäßiges Workout beim Materialtransport

Und trotzdem war es irgendwie cool. Es hat Spaß gemacht, all das Material herauszusuchen, die Materialliste zu verwalten und mit den anderen zu überlegen, was wir alles mit dem Geld anstellen können – und dann die Pakete zu öffnen, als wäre es jeden Tag Weihnachten. Es war richtig schön, Geld für coole Sachen auszugeben, an denen wir und die Teilnehmenden Spaß haben würden. Und durch so mach einen Materialtranport habe ich sogar nette Begegnungen gehabt. Immer wieder haben mir wildfremde Menschen geholfen. Beim Einladen und Tragen, der SEV hat auf mich gewartet – und der Busfahrer hat mit mir mein Rollbrett entladen – und einmal wurde ich sogar mit meinem ganzen Krempel ein Stück im Auto mitgenommen. Richtig cool war auch unser Einkauf im Ikea, bei dem wir endlich Geld für Zeug ausgeben konnten, das wir uns so nie selbst kaufen würden und dann mit einem Auto voller Lagerkisten, Deko und vorallem Pflanzen (für Dankesgeschenke) zurückgefahren sind. 

Unser Ikea-Einkauf

Und so stand ich eine Woche vor der Konferenz „nur noch“ zwei Aufgaben gegenüber: der Metroeinkauf und das Sortieren aller Materialien in der Uni. Und das war beides – oh Wunder – ein absoluter Pain. Aber erstmal zum Metroeinkauf. Am Mittwoch vor der Konferenz ging es zu dritt ganz früh am Morgen los. „Das wird bestimmt cool und sooo lang dauert es bestimmt nicht“ – so unsere Einstellung zu Beginn. Turns out wenn man Material UND Früstückssachen UND Snacks für 250 Menschen für vier Tage kauft, ist das alles, aber NICHT entspannt. Die ersten zwei Stunden waren noch cool. Wir sind durch die Gänge gefahren und haben philosophiert, welches Zeug wir brauchen könnten und jede Menge nice Sachen in den Einkaufswagen eingeladen. Die nächsten zwei Stunden waren auch noch okay. Wir haben Snacks für unsere Helfenden gekauft und Alkohol für das Freizeitprogramm – das hat noch Spaß gemacht. Die letzten zwei Stunden aber waren die Hölle. Wir mussten OHNE Einkaufsliste Snacks für 250 Menschen einkaufen. Wir waren alle schon völlig durch. Gleichzeitig hatten wir mittlerweile VIER Einkaufswägen für DREI Personen, die alle völlig überladen waren und waren zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal fertig. Und so mussten wir erstmal bezahlen. An der Kasse hat es ewig gedauert – wir mussten alles ausladen und wieder einladen – aber immerhin war die Kassiererin freundlich und geduldig. Und als wir endlich fertig waren und ich zu dem Zeitpunkt schon mehrere tausend Euro ärmer – ging es nochmal rein für 80kg Bananen und viel zu viele Liter Hafermilcv. Nachdem auch das geschafft war kam die nächste Herausforderung – denn so viel Material, wie auf fünf große Metroeinkaufswägen passt, passt auch mit den besten Tetris-Fähigkeiten nicht in einen Ford Kuga. Und so sind wir mit einem völlig überladenen Auto (Egal was man aufgemacht hat, es ist erwas herausgefallen) Richtung Uni gefahren – und haben eine von uns zurückgelassen, um mit den restlichen Einkäufen auf unseren Transporter zu warten. 

Nach ewigem Hin und Her war aber immerhin eines klar – ich darf in der Prof-Tiefgarage direkt an der Uni parken. Dort angekommen waren wir nur noch genervt, eigentlich wollten wir längst in der Uni sein, wir hatten noch Veranstaltungen, in die wir gehen wollten, aber es hatte ja niemand ahnen können, dass der Einkauf geschlagene SECHS Stunden dauern würde – und so haben wir das Auto vollbeladen in der Tiefgarage stehen lassen und sind erstmal in unsere Vorlesungen gegangen. 

Einkaufswagen 1/5

Und nach der Vorlesung war es (leider) noch lange nicht vorbei. Immerhin hatte in der Zwischenzeit jemand das Auto ausgeladen, das war eine Erleichterung. Aber jetzt stand ein kompletter Raum voller Essen und Material – und das war völlig unsortiert und das reinste Chaos. Die nächsten anderthalb Tage habe ich also in unserem Lagerraum verbracht, bis alles umgeräumt, sortiert und beschriftet war. Das war mit Abstand die überfordernste Aufgabe in der gesamten Vorbereitung der Konferenz, denn man konnte sich in dem kleinen Raum so oder so kaum bewegen, musste ständig über Kisten steigen und alles hin – und herschieben. Umso stolzer war ich, als der Raum am Vormittag vor der Konferenz dann endlich fertig sortiert war. Währenddessen waren die Vorbereitungen und der Aufbau schon in vollem Gange. Denn in wenigen Stunden war es soweit – die ersten Teilnehmenden würden kommen.

PsyFaKo – die ersten Vorbereitungen (2/5)

Nachdem wir in Bochum als nächste AFS gewählt wurden – mehr dazu im letzten Beitrag – wurde mir erst so richtig bewusst, was das eigentlich bedeutet. Wir – eine Gruppe aus 10 Psychologie-Studis – würden eine Konferenz in München organisieren, auf der sich vier Tage lang 250 Fachschaftler treffen werden. Und eine Konferenz organisieren bedeutet eben viel mehr als nur einen Konferenzplan erstellen. Es bedeutet auch Sponsoren finden, Schlafplätze suchen, Essen und Getränke organisieren, Helfer anwerben, Räume buchen, ein Freizeitprogramm gestalten, sich auf ein Logo einigen, tausende Materialien bestellen, einen Antrag beim BMBF (damals noch Bundesministerium für Bildung und Forschung) betreuen, sich im dahinterstehenden Verein zu engagieren, Mails zu beantworten und und und… Kurz gesagt – es ist seeeehr viel Arbeit. Aber das Gute ist: es haben schon andere vor uns geschafft – also ist es nicht unmöglich.

Um nicht völlig den Überblick zu verlieren, haben wir uns schon ganz zu Beginn nach Themengebieten in Ressorts aufgeteilt und uns damit an vergangenen Konferenzen organisiert. Ich selbst war zuständig für „Ressourcen“ – also Finanzplanung, BMBF und Materialien, gemeinsam mit Mimi, die sich um Sponsoren gekümmert hat. Daneben gab es noch sechs andere Ressorts: Konferenzstruktur (für den Ablauf, Vortragende und Räume), Kost & Logis (für Verpflegung und Unterkünfte), Freizeit (für das Freizeitprogramm und die Party), Kommunikation (für Social Media, die Website, alle Dokumente, Mails und die Anmeldung), Vor Ort (für die Helfenden und jeglichen Kleinkram für die Konferenz) und den Konrat (für die Kommunikation mit dem Verein). 

Da unsere Wahl zur AFS kurz vor den Semesterferien und den Klausuren stattfand, haben wir uns darauf geeinigt, dass sich über die Semesterferien über seinen Bereich informiert und wir mit unserer Arbeit erst im Wintersemester so richtig loslegen. Und so war eines unserer ersten Treffen das AFS-Vernetzungstreffen in Bonn. Neben der Konferenz richtet nämlich jede AFS auch ein sogenanntes Vernetzungstreffen aus, bei dem die vorherige AFS, die aktuelle AFS und die darauffolgende AFS sich treffen, um Fragen zu klären und gemeinsam an Bereichen zu arbeiten, die aktuell noch problematisch sind. 

Vor Bonn war es nun also meine Aufgabe, alle Vereinsdokumente (des PsyFaKo e.V.s, der Verein, der hinter der Ausrichtung der Konferenz steht) zu durchstöbern, die ich zu AFS-Finanzen finden konnte. Leider sind viele Dokumente maßlos veraltet, sodass ich am Ende fast noch mehr verwirrt war als vorher. Das hat in mir ein ungutes Gefühl des Kontrollverlustes ausgelöst. Ich hatte eine Aufgabe – unsere Finanzen verwalten – und gleichzeitig keine Ahnung, was ich dafür genau tun sollte. Zum Glück konnte ich in Bonn jede Menge meiner Fragen stellen. Die Studis aus den anderen AFSen auf Bochum und Bonn waren total freundlich und ich habe mich sofort viel besser aufgehoben gefühlt, als ein Teil eines größeren Ganzen. Das hat mir für den Moment ein wenig die Sorge genommen und das Wochenende hat sogar richtig Spaß gemacht. Wir konnten eine Menge von den anderen lernen und gleichzeitig das allererste Mal ein Gefühl für den Zusammenhalt bekommen, der hinter den ganzen Konferenzen steht. Das war das erste Mal seit langem richtig schön.

Im neuen Semester ging es dann langsam „so richtig los“. Nachdem ich in den Ferien wegen Unklarheiten in unserem BMBF-Antrag schon erste sehr große Zweifel an meiner Entscheidung hatte – ich hatte bis dato kaum Ahnung von BMBF-Anträgen und Amtssprache und da wurde mir mit Zeitdruck alles auf einmal um die Ohren gehauen – es ging schließlich um über 20000€ – habe ich mich gefreut endlich wieder mit den anderen zusammenzuarbeiten. Und so sind wir dann tatsächlich in unsere eigenen Konferenzplanung gestartet. Jeder hat sich zunehmend mit den eigenen Aufgaben vertraut gemacht, wir haben stundenlang über unser Logo diskutiert (& jaaaa das ist für alles seeehr relevant), versucht, einen Termin zu finden und gemeinsame Pläne geschmiedet. Ich habe unseren Finanzplan erstellt – das war sogar richtig cool – und mich informiert, wann ich was am besten mache. So langsam hatte ich das Gefühl, besser in meiner Aufgabe anzukommen und wenigstens nicht die ganze Zeit überfordert zu sein, sondern nur zwischendurch, wenn ich wieder auf etwas gestoßen bin, was ich noch nie gehört habe, was aber unfassbar wichtig sein musste. Aber obwohl ich langsam besser wusste, was ich genau machen muss, habe ich mich immer mehr gefragt, wofür ich das alles eigentlich mache. Ich war selbst nie auf einer Konferenz und konnte mir nicht so richtig vorstellen, dass das wirklich richtig cool wird und dass sich all der Aufwand lohnen würde. Denn aufwendig war es auf jeden Fall – und ich war mir nicht hundertprozentig sicher, ob das nicht alles eine massive Zeitverschwendung war. 

Um diese Frage zu beantworten (& auch weil sieben von zehn Menschen aus unserer AFS noch nie auf einer Konferenz waren – wir also die ganze Zeit Ideen aus dem leeren Raum sammeln) ging es im November 2024 dann los zu meiner allerersten PsyFaKo nach Bonn – der letzten Konferenz vor unserer eigenen im Juni 2025. Und um es kurz zu sagen: es war richtig richtig toll. Wir konnten dort eine Menge darüber lernen, wie eine Konferenz abläuft. Wir konnten uns als Team nochmal besser finden und Fragen klären. Wir konnten Kontakte zu anderen Fachschaften knüpfen. Und vor allem habe ich so richtig gemerkt, was für eine tolle Gemeinschaft auf einer Konferenz eigentlich entstehen kann und wie schön es sich anfühlen kann, ein Teil davon zu sein. Natürlich besteht eine solche Konferenz zu großen Teilen aus Plenas, Fachvorträgen oder anderen inhaltlichen Angeboten. Aber es ist für viele Menschen dort eben noch so viel mehr als nur eine inhaltliche Veranstaltung. Es bedeutet Freundschaften knüpfen und einander wiedersehen und vor allem Gemeinschaft – und das hat mir wirklich gut gefallen. 

Und wenn ich eins aus Bonn mitgenommen habe, dann ist es das folgende: uns wird im nächsten halben Jahr vor unserer Konferenz scheiße viel Arbeit erwarten – das kann man nicht schöner sagen – aber es wird sich lohnen, für all die Menschen, die dorthin kommen und sich darauf freuen – für das Gefühl dahinter. Und das allererste Mal habe ich mich tatsächlich und aus vollem Herzen auf die Konferenz gefreut.

Abschluss auf der PsyFaKo in Bonn

PsyFaKo – Die Bewerbung (1/5)

PsyFaKo – Hääää was ist denn das? Das ist so ungefähr das, was ich gedacht habe, als die PsyFaKo in meinem ersten Semester das erste Mal bei uns in der Fachschaft erwähnt wurde. Kurz gesagt – die PsyFaKo ist die Psychologie Fachschaften Konferenz, bei der sich einmal im Semester Vertreter aller Fachschaften aus dem Deutschsprachigen Raum für vier Tage treffen und über verschiedenste hochschulpolitische Themen sprechen und sich miteinander vernetzen. So kurz, so gut – aber was soll ich denn bitte da? Das war so ziemlich die nächste Frage, die ich mir nach der kurzen Erklärung gestellt habe. Ich konnte mir sehr viel Schöneres vorstellen, als ein Wochenende mit mir komplett fremden Fachschaftlern zu chillen und über irgendwelche Dinge zu sprechen, von denen ich überhaupt keine Ahnung hatte – die Entscheidung war schnell klar – da will ich nicht hin. 

Und so vergingen ein paar Wochen, die PsyFaKo hatte ich schon längst wieder vergessen, bis zu der Fachschaftsitzung, in der ein -„ ja, wenn sich niemand anderes findet“ – einen deutlich größeren Einfluss auf mein Leben hatte, als ich es jemals für möglich gehalten hätte. Es war die Woche vor der PsyFaKo im Wintersemester 2023 in Ulm in der ein Fachschaftler – offensichtlich großer Fan der Konferenz – gefragt hat, ob wir uns nicht in dem Fall, dass sich keine Fachschaft findet, die die nächste Konferenz ausrichtet, dazu bereit erklären würden, die Konferenz zu organisieren. Es ist nämlich so: die PsyFaKo findet jedes Mal an einem anderen Ort statt und wird dort von einer ausrichtenden Fachschaft (AFS) organisiert. Aber dafür muss sich eben immer auch eine Fachschaft finden, die dazu bereit ist. Und so sagte ich (& noch einige andere): ja, wenn sich niemand anders findet, machen wir das zur Not. 

Zum Glück hat sich damals auf der PsyFaKo in Ulm eine andere Fachschaft, die Bonner, gefunden, die die Konferenz ausrichten würde. Aber nachdem sich unsere Fachschaft mit so vielen Menschen bereit erklärt hatte, die Konferenz „zur Not“ auszurichten, kam bei dem besagten Fachschaftler die Idee auf, uns auf die Ausrichtung der Konferenz für den Sommer 2025 zu bewerben. Und so hat er eine Gruppe für ein erstes „ganz unverbindliches Treffen“ erstellt, in der jeder gelandet ist, der gesagt hat „ja, wenn sich kein anderer findet, bin ich dabei“. Und als ahnungslose und Kontakte suchende Ersti war es damit um mich geschehen. Ehe ich mich versah, war ich Teil einer Gruppe, die sich tatsächlich freiwillig darauf bewirbt eine Konferenz in München auszurichten. Wie weitreichend diese Entscheidung sein würde, war mir damals noch nicht klar, denn was die PsyFaKo überhaupt ist, wusste ich nur aus Erzählungen, gesehen hatte ich das selbst noch nie. 

Trotzdem war es vor der Bewerbung irgendwie eine lustige Gruppe – wir bekamen erste Zahlen und Fakten (eine Konferenz hat 250 Teilnehmer, geht vier Tage lang, findet seit 20 Jahren statt und wird getragen vom PsyFaKo e.V.), haben uns hin und wieder getroffen und ein Bewerbungsvideo vorbereitet, mit dem wir uns dann auf der nächsten Sommerkonferenz in Bochum im Juni 2024 bewerben wollten. Der Videodreh war sogar richtig cool, wir haben uns mehrfach getroffen, an verschiedenen Orten in München gedreht und Pläne geschmiedet, wie das dann wohl sein würde. Ich habe tolle neue Kontakte geknüpft – das Leben war gut. Je näher die Konferenz in Bochum dann aber rückte, desto unsicherer wurde ich mir – mir graute zunehmend, wie aufwendig dieses ganze Unterfangen eigentlich werden würde und ich war mir nicht sicher, ob ich das wirklich wollte.

Am Tag der Abstimmung war ich dann Zuhause – ich war nicht mit nach Bochum auf die PsyFaKo gefahren, weil ich an dem Wochenende bereits verplant war. Je näher die Abstimmung kam, desto nervöser wurde ich. So schön die Zeit der Bewerbung auch war, hoffte doch ein zunehmend großer Teil von mir, dass wir einfach nicht gewählt werden. Und dann gegen Nachmittag kam ein Bild in unsere Gruppe: Vorne steht meine Fachschaft in Tracht, darüber die Abstimmung, auf der man klar erkennen konnte, dass wir gegen die Fachschaft aus Bamberg gewonnen hatten. Und so sehr sich die Menschen auf dem Foto darüber freuten, konnte ich diese Freude nicht mitempfinden. In mir war ein großes Unwohlsein und eine Stimme, die sich fragte, wie eine Gruppe, wie wir – bestehende aus fast nur Erstis und noch mehr Menschen, die noch nie eine PsyFaKo gesehen haben – es jemals schaffen soll, auch nur ansatzweise eine Konferenz zu organisieren.

Sechs Wochen Sucht

Im März habe ich mich kurzfristig entschlossen, mein zweites Praktikum schon in den Semesterferien im Sommer zu machen, damit ich im Winter genug Zeit für meine Bachelorarbeit habe. Als ich dann nach Praktikumsplätzen geschaut habe, war mir der Schwerpunkt der Klinik egal, da ich so spät dran war und froh sein konnte, wenn ich überhaupt noch einen Platz finden würde. Dementsprechend habe ich mich bei jeder Klinik im Sauerland, meiner Heimat, beworben und dabei wenig darauf geachtet, was für eine Art von Klinik es eigentlich ist. Als ich dann im April die Zusage für einen Praktikumsplatz in einer Rehaklinik für Suchterkrankte bekommen habe, war ich erstmal erleichtert, einen Platz gefunden zu haben.

Als das Praktikum dann im August losging und ich der Station für „Drogenabhängige“ zugeteilt wurde, merkte ich aber schnell, dass ich an einem besonderen Ort gelandet war. Zum einen werden Suchtpatienten in der Reha relativ lange behandelt, zwischen 12 und 22 Wochen, was bedeutet, dass man die Möglichkeit hat, die Patienten und ihre Geschichte in dieser Zeit sehr intensiv kennenzulernen und gleichzeitig auch ihre Entwicklung beobachten kann. Andererseits sind Suchtpatienten, besonders bei Drogensucht, auch Menschen mit einem vielfältigen Hintergrund. Viele leiden zusätzlich an anderen psychischen Erkrankungen, haben eine bewegende Vergangenheit, einige stammen schon aus Familien mit Suchterkrankungen, manche kämpfen schon sehr lange mit ihrer Erkrankung, andere erkennen sie noch nicht richtig an und wieder anderen fehlt die Motivation, tatsächlich etwas bei sich zu verändern. Kurz gesagt: obwohl all diese Menschen eines verbindet – ihre Suchterkrankung – könnten sie oft nicht verschiedener sein. Das hat die Arbeit dort spannend gemacht, da man sehr individuell auf die einzelnen Patienten schauen musste und so gut wie jeder eine bewegende Lebensgeschichte mitgebracht hat.

Gleichzeitig war ich am Anfang sehr verunsichert. Mit den meisten Drogen war ich in meinem Leben noch nie in Kontakt gekommen. Außer Alkohol habe ich selbst keine Substanzen konsumiert und selbst den Konsum von Tabak und Cannabis habe ich nur bei anderen beobachtet. Wenn ich an Drogenabhängige gedacht habe, waren das für mich irgendwelche finsteren, zum Teil auch gefährlichen Typen, die am Bahnhof in der Ecke lauern und dabei vielleicht sogar noch kriminell sind. Und einige dieser Klischees haben sich zumindest nicht als komplett unbegründet erwiesen. Der Großteil der Patienten war männlich und zwischen 20 und 40 Jahre alt. Einige von ihnen waren sehr impulsiv, unter Drogenkonsum auch aggressiv und sind durch ihre Abhängigkeit auch in die kriminelle Szene gerutscht. Aber etwas, was ich hinter all meinem Klischee-Denken davor oft vergessen habe und in meiner Zeit dort lernen konnte, ist, dass all das auch Menschen sind. Menschen mit einer Geschichte, mit Gefühlen, Gedanken und Sorgen. Menschen, denen schlechte Dinge widerfahren sind, die Entscheidungen getroffen haben, die im Nachhinein verheerende Konsequenzen gehabt haben, in dem Moment selbst aber vielleicht als der einzige Ausweg erschienen sind. Und vor allem sind das Menschen, die noch so viel mehr sind als „nur“ ihre Erkrankung. Natürlich wird die Erkrankung immer ein Teil von ihnen bleiben. Das Tragische an Suchterkrankungen ist nunmal, dass sie chronisch sind und nie vollends verschwinden. Gleichzeitig sind sie aber nicht das einzige, was diese Menschen ausmacht. Das war eine wirklich wertvolle Erkenntnis. In den sechs Wochen, in denen ich da war, konnte ich viele spannende Menschen kennenlernen. Ich konnte auch von den Patienten noch eine Menge lernen und mitnehmen und bin dankbar, dass sie mich an ihrer Geschichte und ihrem Leben haben teilhaben lassen und mir eindrucksvoll gezeigt haben, dass noch so viel mehr in ihnen stecken kann. 

Eine Sache, die ich allerdings auch gelernt habe, ist es, wie wichtig es ist, die Patienten ihren eigenen Weg gehen zu lassen. Oft ist es von außen (& aus therapeutischer Sicht) scheinbar einfach, den vermeintlich richtigen Weg – in diesem Fall ohne Drogen – zu sehen, den die Patienten gehen können. Allerdings können Therapeuten diese Entscheidungen nicht treffen, sondern die Patienten lediglich auf ihrem Weg begleiten. Denn welchen Weg sie gehen möchten, das liegt allein bei ihnen. Es mag von außen betrachtet dann nicht immer „der beste Weg“ sein, aber es liegt nicht nur in meiner Macht, Entscheidungen gegen den Willen dieser Erwachsenen zu treffen und sie zu bevormunden, solange sie noch in der Lage sind, eigene Entscheidungen zu treffen. Sie sind ein Stück weit verantwortlich dafür, was mit ihrem Leben passiert und wenn sie Hilfe benötigen und auch annehmen wollen, dann gebe ich mein Bestes, sie dabei zu unterstützen. Möchten sie das allerdings nicht, so ist das auch in Ordnung und sogar ihr gutes Recht. Es ist ihre Entscheidung und vielleicht ist der ein oder andere einfach noch nicht so weit, die Hilfe wirklich anzunehmen und das Leben zu verändern. Ich kann ihnen dann meinen Rat und meine Unterstützung anbieten und muss lernen zu akzeptieren, dass es auch Menschen geben wird, die sich nie für einen Weg aus der Suchterkrankung entscheiden werden. Das ist mir immer wieder schwer gefallen, weil ich in diesen oft noch jungen Menschen so viel Potential für ein „normales“ und glücklicheres Leben gesehen habe, sich diese Menschen aber nicht immer für ein Leben ohne Drogen entscheiden konnten und wollten. Das zu sehen, war manchmal sehr schmerzhaft.

Trotzdem hat mich das Praktikum viel weiter gebracht. Es hat mir eine wirkliche Freude bereitet mich den Patienten dort zusammenzuarbeiten. Viele von ihnen sind ganz sicher nicht das, was man als „leichte Patienten“ bezeichnen würde und das kann frustrierend sein. Auf der anderen Seite ist es dann umso schöner zu sehen, wenn die Menschen dort Fortschritte machen und das, obwohl sie zum Teil wirklich ziemlich unvorteilhafte Startbedingungen hatten und zu Beginn nicht motiviert waren, ihr Leben zu verändern. Besonders schön fand ich es auch, so viele Menschen und ihre oft auch berührenden Geschichten kennenzulernen und sie ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten zu dürfen. Dadurch durfte ich mal wieder lernen, dass diese Menschen so viel mehr sind als ihre Erkrankungen und das dahinter so viel mehr steht als einfach nur „Schwäche“ und „Faulheit“.

Wenn ich heute an Menschen mit Suchterkrankungen denke, denke ich nicht mehr nur an finstere Typen am Bahnhof. Vielmehr denke ich an all die Menschen, mit ihren verschiedenen Schicksalen und frage mich, was bei dem einzelnen wohl der ausschlaggebende Punkt war, zu einem Suchtmittel zu greifen. Neben meiner Vorsicht ist da nun auch eine stärker werdende Neugier und der Wunsch, diesen Menschen eine helfende Hand zu reichen, wenn sie dafür bereit sind. & damit meine ich nicht nur Hilfe im Sinne von therapeutischer Hilfe zur Abstinenz, sondern auch für die Menschen, die dafür noch nicht bereit sind. Dieses Gefühl, dass ich dann empfinde, zeigt mir auch wieder, dass ich vielleicht doch den klinischen Weg in meinem Master einschlagen möchte, um irgendwann wirklich eine Person zu sein, die Menschen wie diesen auch therapeutisch helfen kann. Und das ist ein Gefühl, was mir Kraft und Mut für meinen weiteren (noch sehr langen) Weg bis dahin gibt.