kleine große Träume

Als Kind träumt man oft von großen Dingen. Zum Beispie vonl einem bestimmten Beruf oder etwas anderem, das man gerne erreichen möchte. Ich wollte zum Beispiel immer mal die Malediven sehen, weil das blaue, klare Wasser dort immer so schön aussah. Schon damals sagte mein Papa, dass ich mir das besser aus dem Kopf schlagen soll. So eine Reise können wir uns überhaupt nicht leisten. Obwohl ich weiß, dass mein Vater mich nur vor Enttäuschung schützen wollte, haben mich seine Worte damals sehr traurig gemacht und ich war unfassbar frustriert.



Je erwachsener ich wurde, desto weniger träumte ich. Ich hatte zwar immer wieder Momente, in denen ich dachte, dass ich eine Vision habe, von dem was ich möchte, aber schnell verblasste diese auch wieder. Die Gesellschaft vermittelte mir, dass meine Träume sowieso nie funktionieren werden.
Dabei klingen mein beiden großen Träume ganz simpel. Ich möchte die Welt entdecken, erkunden und kennenlernen. Und ich möchte sie ein kleines bisschen besser machen.


Trotzdem erscheinen mir diese beiden Ziele oft unerreichbar. Denn ich bin recht ehrgeizig und wenn ich etwas angehe, dann auch richtig. Auch wenn mir bewusst ist, dass ich nie alles erkunden kann und auch nicht alles in der Welt zum Guten wenden kann, würde ich am liebsten alles auf einmal machen und kann nur schwer akzeptieren, dass ich nicht auf alles Einfluss haben kann.


Mittlerweile habe ich das zum Glück so mehr oder weniger akzeptiert, denn in unserer Welt gibt es schon so viele tolle Menschen, die etwas verändern möchten, dass ich weiß dass ich damit nicht allein bin. Sie alle träumen von einer besseren Welt und haben Visionen, die unsere Welt verändern können.


Und obwohl ich weiß, dass es da draußen so viele Menschen gibt, die ihre großen Visionen leben, spreche ich nur sehr selten über meine eigenen. Ich habe Angst, dass ich mir selbst zu viel erhoffe und dann am Ende erklären muss, warum es nicht geklappt hat. Ich habe Angst, dass jemand versucht, mir meine Träume auszureden. Ich habe Angst, dass meine Träume nicht ernst genommen werden. Dass mir gesagt wird, dass es unmöglich sei. Dass mich keiner unterstützen wird. Und trotzdem möchte ich weiter an meine kleinen großen Träume glauben. Sie treiben mich an. Spenden meine Energie. Durch sie hat mein Leben einen Sinn.


Und es tut unfassbar gut, darüber mit jemandem zu sprechen, dem es ähnlich geht. Leider gibt es allerdings nur wenige, die mich hundertprozentig verstehen. Die mich ermutigen und mich unterstützen, genauso wie ich sie. Die mich groß träumen lassen.


Ich weiß, dass ich nicht alles verändern kann. Ich weiß, dass ich allein nicht alles bewältigen kann. Und trotzdem denke ich, dass wir alle größer träumen sollten, nicht direkt jede abwegige Idee verwerfen sollten.
Das kann zu Enttäuschung führen. Das ist gewiss. Aber daraus kann eben auch so viel mehr entstehen.
Genau aus diesem Grund finde ich es immer so toll, mit Kindern über meine Visionen zu sprechen. Sie sagen nicht, dass etwas nicht geht, sondern fragen viel mehr, wann es endlich losgehen kann. Aus erwachsener Perspektive versuche ich zwar, es etwas realistischer anzugehen, merke aber oft, dass ich zu viele Zweifel habe.


Mittlerweile habe ich gemerkt, dass es eindeutig besser ist, ein Ziel zu verfolgen und zu merken, dass es nicht klappt oder nichts für mich ist, als es nicht zu probieren und es zu bereuen. Genau deshalb finde ich große Träume so wichtig. Sie sind unser Lebenselixier. Sie können Großes mit uns machen. Sie wecken eine ungeahnte Energie und helfen mir, zu entdecken, was ich wirklich möchte

Echter Reichtum

Einen Millionär – das ist das, was sich eine Kollegin von mir oft scherzhaft zu Weihnachten wünscht. Alternativ wäre auch ein Lottogewinn ganz nett


Als sie das zum wiederholten Male sagt, erwidert einer unserer Gäste in der Tagespflege nur, dass das ganze Geld auch nicht glücklich macht. Diese gegenteiligen Ansichten haben mich irgendwie nachdenklich gemacht. Tief im Herzen weiß ich, dass Geld allein ganz sicher nicht glücklich macht. Andererseits wird momentan vieles teurer und immer mehr Menschen können sich ihren Lebensstandard nicht mehr leisten. Das ist ganz sicher kein schönes Gefühl. Braucht man Geld also heutzutage wirklich zum Glücklichsein?


Wenn meine Kollegin so davon spricht, dass sie gern wohlhabend wäre, finde auch ich es durchaus verlockend, so viel Geld zu besitzen. Ich müsste mir nie wieder Sorgen um Geld machen, ich wäre abgesichert. Ich könnte die Welt entdecken und alles tun, was ich gern möchte. Ich könnte den Job machen, der mir Spaß macht, ohne darauf zu achten, dass ich damit auch genug verdiene. Ich bräuchte mir keine Sorgen zu machen, ob ich meine laufenden Kosten bezahlen kann und ob ich im Alter überhaupt genug zum Leben habe. Ich könnte etwas unternehmen, ohne Sorge zu haben, dass das Geld dann anderswo fehlt. Denn obwohl es mir definitiv nicht schlecht geht und ich alles zum Leben habe, spare ich meinen ganzen Lohn während meines Bundesfreiwilligendienstes für mein Studium, aus Angst, dass es sonst nicht reicht. Da bleibt dann am Ende nicht viel für Unternehmungen über.


Obwohl Geld wohl so einiges leichter macht, würde ich trotzdem sagen, dass das Geld allein auch nicht glücklich macht, es schenkt nur gewisse Möglichkeiten. Auch wer wenig hat, kann durchaus glücklich werden, denn das, was mich persönlich wirklich glücklich macht, ist Zeit in Gemeinschaft, mit meiner Familie und meinen Freunden. Mich erfüllt es, die kleinen Momente zu erleben. Ob es dann das Meeresrauschen vorm Sonnenuntergang in Costa Rica ist oder ein gemütlicher Filmabend Zuhause spielt dabei keine so große Rolle. Die Atmosphäre muss stimmen und es muss nicht unbedingt teuer sein.


Außerdem kann ich mir von keinem Geld der Welt Zufriedenheit kaufen. So manch einer kann sich auch an den schönsten Dingen nicht mehr erfreuen, da sie so alltäglich geworden sind. Dann ist dann auch ein Konzertbesuch oder eine teure Reise nichts besonderes mehr.
Wenn ich aber etwas dafür sparen muss, dann weiß ich viel mehr zu schätzen, was ich habe.


Ich finde es insgesamt schwer zu sagen, was ich von der Vorstellung, wohlhabend zu sein, halten soll. Es beschert ein sorgenfreieres Leben und man ist besser abgesichert in unserer Gesellschaft. Andererseits ist es ganz sicher nicht das, was erfüllend ist, sondern nur einer von vielen Bausteinen, der zu Erfüllung führen kann. Denn solange ich genug zum Leben habe, zwar nicht so viel, dass ich alles machen kann, was ich möchte, aber soviel, dass es sich gut überleben lässt, brauche ich keinen Reichtum, um glücklich zu sein.


Manchmal denke ich zwar, wie schön es wäre, viel Geld zu besitzen , aber dann fällt mir ein, dass ich alles habe, was mich zu einem wirklich reichen Menschen macht, denn nicht jeder, den wir reich nennen, ist auch wirklich reich. Ich bin gesund, ich habe ein tolles soziales Umfeld und eine liebevolle Familie. Das ist eine Art von Reichtum, der sich nicht durch Geld herstellen lässt. Und auch wenn jedes Geld der Welt noch so schön erscheint, würde ich meinen Reichtum an Leben nie dagegen tauschen wollen.

Zeitfresser Social Media

Die Tage werden kürzer und besonders nach der Zeitumstellung ist es abends schon ziemlich früh dunkel. Es ist dunkel, wenn ich morgens aus dem Haus gehe und so gut wie dunkel, wenn ich die Haustür nachmittags wieder aufschließe.



Oft fühlt es sich so an, als würde der ganze Tag nur aus arbeiten bestehen. Nichts anderes hat so richtig Platz, denn nach der Arbeit bin ich meistens müde und unkonzentriert. Und ehe ich mich versehe, ist der Tag schon wieder vorbei und ich habe nicht so richtig das geschafft, was ich eigentlich machen wollte. Am Anfang fand ich das ziemlich deprimierend und habe mich gefragt, wo all die Zeit immer hin ist.



Nachdem ich das Ganze ein paar Tage beobachtet habe, ist mir schnell klar geworden, woran das liegt. Wenn ich nach Hause komme, verbringe ich zunächst Zeit auf Social Media und scrolle durch das, was mir so angezeigt wird. Oft verbringe ich mehr Zeit als geplant dabei und schaue mir im Endeffekt Dinge an, die mich nicht wirklich interessieren. Und zugegebenermaßen ist das auch nicht gerade sonderlich entspannend. Danach fühle ich mich, als würde ich aus einer ganz anderen Welt auftauchen und merke oft erst spät, wie viel Zeit eigentlich schon vergangen ist.



Deshalb habe ich dann einige Apps gelöscht und mir vorgenommen, mir wirklich Zeit zu nehmen, mich zu erholen, wenn ich müde bin. Die nun freie Zeit zu nutzen, um mal etwas zu lesen oder mich mit meiner Familie zu unterhalten.



Und es hat erstaunlich gut funktioniert. Unter der Woche habe ich so wesentlich mehr Zeit und bin gleichzeitig noch erholter.
Nur am Wochenende schaue ich manchmal rein, um zu sehen, was so passiert ist unter der Woche. Dann mal bei den Leuten vorbeizuschauen, die mich wirklich interessieren macht einfach Spaß. Denn einfach durch alles durchzuscrollen und nichts wirklich mitzunehmen, ist auch nicht schön. Wenn ich mir bewusst die Zeit für Social Media nehme, ende ich nicht in einer ewigem Dauerschleife, sondern schaue nur das an, was ich sehen möchte. Danach kann ich wieder gut abschalten ohne das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen.



So bin ich auch motiviert, wenn ich im Dunkeln nach Hause komme. Wenn ich erst einmal nach der Arbeit online rumhänge, habe ich danach kein Lust mehr, etwas zu unternehmen. Wenn ich hingegen kurz eine Pause mache, mit meiner Familie quatsche und dann loslege, geht es viel besser und ich kann noch einige Sachen machen, die mir Spaß machen und habe wieder neue Energie. Außerdem muss ich mich nicht über verlorene Zeit ärgern und kann die dunkle Jahreszeit für das nutzen, was wirklich wichtig ist – Ruhe, Entspannung und Zeit mit meiner Familie.

Aus der Vergangenheit lernen

In meinem Bufdi komme ich mit verschiedenen Themen in Kontakt. Im Gespräch erzählen unsere Gäste oft von ihrer Vergangenheit – ihrer Kindheit, ihrer Jugend und ihrer Arbeit. Und eben auch vom Krieg. So gut wie jeder hat den Zweiten Weltkrieg miterlebt und die Folgen des Ersten Weltkrieges gespührt. Die Geschichte, die sie erzählen sind für mich oft unvorstellbar – mehr wie irgendwelche uralten Quellentexte aus einem Geschichtsbuch als die Erlebnisse eines lebenden Menschens.

Flucht, das Zurücklassen von allem was sie kannten. Angst und das ewige Ausharren in Bunkern. Verlust von Familie und Freunden. Gewalt und Grausamkeit. Feindseligkeit im Kalten Krieg.



Ich bekomme oft Gänsehaut, wenn die Gäste solche Geschichten erzählen. Mir selbst macht es aber auch Angst, die Parallelen aus der Zeit vom damals und heute zu sehen. Mir vorzustellen, was diese Menschen erlebt haben in einem so jungen Alter ist für mich kaum möglich. Aber zu wissen, dass es auch heute noch Menschen gibt, die solch ein Leid ertragen müssen, ist einfach nur fürchterlich.


Wir Menschen von behaupten von uns, die intelligenteste Art der Erde zu sein, doch wenn ich von all der Gewalt höre, kann das nur eine Lüge sein. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass diese intelligenteste Art nur Macht, Habgier und Gewalt im Sinn hat. Mir ist bewusst, dass das nicht für alle Menschen gilt, sondern vielleicht nur für einen Bruchteil. Dieser Bruchteil brüllt aber so laut, dass alle anderen eingeschüchtert sind und die wenigen so ihr grausames Handeln durchsetzten können.


Auch ich habe Angst und gebe der Ungerechtigkeit in der Welt damit Platz. Ich träume nachts von Krieg und Gewalt, dass ich oft morgens nicht weiß, was Traum oder Wirklichkeit ist.
Und das alles, ohne je etwas davon wirklich erlebt zu haben. Allein die Vorstellung und das Wissen, dass es Krieg auf der Erde gibt, löst in mir die egoistische Angst aus, dass es auch mir eines Tages auch so ergehen könnte.


Wenn ich dann die Menschen sehe, die es wirklich erlebt habe, merke ich erst wie viel unser Frieden eigentlich wert ist. Ich habe es für selbstverständlich gehalten, immer in Frieden zu leben, so wie Luft zum Atmen zu haben. Aber das ist es nicht. Und auch Angst macht es nicht besser, auch wenn es die erste natürliche Reaktion ist. Aber in all der Angst und Sorge um sich selbst sollte man nicht vergessen, dass es auch andere Menschen gibt, die jetzt unsere Hilfe brauchen.
Dass das Zuhören und verstehen unserer Vergangenheit der einzige Weg ist, die Gegenwart zu verstehen und auch zu beeinflussen. Und dass wir nur als eine Einheit den Frieden bewahren können.

Dabei sind ältere Menschen, wie ich sie nun kennenlerne die besten Zeitzeugen, die uns zeigen, warum ein friedlicher Umgang miteinander so wichtig ist. Auf deren Erfahrung zu hören und zu verstehen, könnte viel Unheil bewahren.

Bufdi – Bereicherung oder Verschwendung?

Diese Woche habe ich meinen Freiwilligendienst in einer Seniorentagespflege begonnen. Ich muss ehrlich sagen, bevor ich angefangen habe, war ich unsicher, ob es wirklich das Richtige für mich ist.



Mir sind tausend Fragen durch den Kopf geschwirrt. Gefällt mir die Einrichtung und macht mir die Arbeit wirklich Spaß? Sind die Kollegen nett? Vergeude ich gerade ein Jahr meines Lebens und wäre es nicht besser gewesen, direkt zu studieren? Was ist, wenn ich mich nicht wohlfühle?



Denn obwohl ich letztes Jahr ein Mal probeweise dort gearbeitet habe, war ich mir plötzlich nicht mehr so sicher, ob meine Entscheidung wirklich die richtige war. In der Nacht vor meinem ersten Tag war ich sehr aufgeregt und konnte kaum schlafen.



Nach gut einer Woche kann ich aber sagen, dass ich mir kaum hätte Sorgen machen müssen. Die Arbeit macht wirklich Spaß und oft habe ich die Gelegenheit die Gäste kennenzulernen und ein Weilchen mit ihnen zu reden. Besonders viel Spaß machen die Gespräche zur Mittagsruhe, wenn nur wenige Gäste wach sind und man in kleiner Runde spielen kann. Dabei erzählt der ein oder andere mal Geschichten aus der Vergangenheit oder holt so manchen Schummeltrick heraus, der in jahrelangem Training geübt wurde. Dagegen haben wir jungen Leute häufig keine Chance, sodass wir im Spiel häufig gnadenlos unterlegen sind.



Andere Gespräche hingegen bringen mich zu grübeln. Auch wenn es immer interessant ist, über die Vergangenheit zu sprechen, finde ich es erschreckend, wieviel die meisten erlebt und erlitten haben. Ob im Krieg, durch Verluste oder durch Krankheit – jeder Einzelne trägt seine Sorgen oft auch im Verborgenen mit sich. Für mich ist es ein bisschen wie das Erkunden eines verwinkelten Labyrinths. Am Anfang weiß ich nie, wer mich erwartet und was derjenige wohl schon erlebt hat. Mit der Zeit darf ich aber manche Gäste näher kennenlernen. Sie zeigen mir die schönen Ecken in ihrem Labyrith, aber auch die düsteren, die oft weit in der Vergangenheit liegen und fast vergessen überwuchert sind. Oder die offen klaffenden Löcher in der Außenwand ihres Labyrinths, die dort von einschneidenen Erlebnissen hineingerissem wurden. Während manche Wunden heilen, werden andere wohl immer tot und offen bleiben.



Jedes Mal, wenn ich mehr über einen Gast erfahre, öffnen sich neue Wege und ich verstehe den Kern dieses Menschen etwas besser, wenn auch nie vollkommen. Denn so hat wohl jeder seine Ecken, die nur für ihm bestimmt sind und die ich niemals erkunden werde.



Nach dieser einen Woche freue ich mich auf das nächste Jahr. Es wird hart werden. Es wird gute und auch schlechte Tage geben. Aber ich werde lernen, besser zu verstehen. Lernen, das zu schätze, was ich habe. Lernen, was in den Menschen vorgeht. Und das wird zweifellos ein Abenteuer.

„Ich weiß, dass ich nichts weiß“

Vor etwa einem Jahr hatte ich die Möglichkeit, an der DSA (Deutsche Schülerakademie) teilzunehmen, einem Förderungsprogramm, bei dem man jeden Sommer Kurse zu verschiedenen Themen belegen kann.

Eine Woche lang haben wir coronabedingt online zusammengesessen und über die Ideen Kierkegaards und Gott und die Welt philosophiert. Dieses Wochenende, rund ein Jahr später, haben wir uns endlich getroffen und uns ganz real kennengelernt. Dazu hat uns Christine, unsere Kursleiterin, zu sich nach Hause nach Bonn eingeladen.



Abends saßen wir dann nach einem wunderschönen gemeinsamen Tag bei ihr Zuhause zusammen mit Christine und ihrem Mann auf der Terrasse. Die beiden im Doppelpack sind echt ein Erlebnis. Sie ist Philosophie- und Deutschlehrerin und liest in ihrer Freizeit gern Bücher über philosophische und gesellschaftliche Themen und er ist Geschichtslehrer mit Vorliebe für Eisenbahnen. Beide lieben es, Geschichten zu erzählen und Dinge zu erklären und haben ein unendlich erscheinendes Allgemeinwissen.

Dementsprechend war die ganze abendliche Unterhaltung ein Dialog der beiden über die Weltgeschichte, griechische Mythologie, Krieg und Frieden sowie den Sinn des Lebens. Annika, die ich bei der DSA kennengelernt habe, und ich saßen nur da, haben zugehört und über das Gesagte nachgedacht. Es war oft schon eine große Herausforderung, den beiden zu folgen und deshalb war es mir schlicht nicht möglich, etwas zur Diskussion beizutragen.



Dafür finde ich es unfassbar faszinierend Christines Geschichten zu lauschen und von ihrer Erfahrung und ihrem Wissensschatz zu lernen. Jedes Mal, wenn ich ihr zuhöre, merke ich wie oberflächlich ich selbst denke und vor allem, wie wenig ich eigentlich weiß. Über die Gesellschaft, Politik und die Welt. Wenn ich so darüber nachdenke, weiß ich nichts. Ich habe kein Recht über andere oder die Gesellschaft zu urteilen, denn ich weiß nichts über sie oder ihre Perspektive. Ich bin jung und unerfahren und werde wohl Zeit meines Lebens nur einen ganz kleinen Teil der Welt verstehen. Denn nicht einmal mich selbst verstehe ich, geschweige denn die Komplexität der Welt.



Das ist meines Erachtens eine sehr wichtige persönliche Erkenntnis, die sehr stark an Sokrates‘ „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ erinnert. Und wenn ich mir zumindest dessen bewusst bin, habe ich vielleicht die Chance, die Welt ganz anders zu betrachten. Zu sehen, dass ich klein und unbedeutend bin gegenüber dem Universum. Zuzuhören, zu beobachten und zu lernen, anstatt belanglose Dinge und Halbwissen in die Welt rauszuschreien. Mir bewusst zu sein, dass ich stets alles aus meiner Perspektive sehe und deshalb wohl nie die Wahrheit, sofern es diese überhaupt gibt, erkennen werde.



Dieses Wochenende hat mir wieder bewusst gemacht, wie viel es noch zu lernen und zu entdecken gibt. Denn auch wenn ich am Ende meines Lebens vermutlich immer noch nicht sonderlich viel weiß, so kann ich doch ein paar Dinge lernen und mit einem offenen Herz und Geist in die Welt schauen.