Gefühle im Umbruch

Momentan ist irgendwie eine seltsame Zeit. Mein Bundesfreiwilligendienst ist vorbei, die nächsten Wochen reise ich mit meinem Freund durch Spanien, wir ziehen um und mein Studium fängt an. So viele Dinge passieren in so kurzer Zeit und ich kann nicht fassen, was gerade eigentlich alles in meinem Leben passiert.



Der Abschied von meinem Bundesfreiwilligendienst, von meinen Kollegen und allen, die mir dort ans Herz gewachsen sind, ist noch nicht so wirklich bei mir angekommen. Ich habe mich dort richtig gut eingelebt und mein Kopf versteht noch nicht so ganz, dass ich dort nicht wieder zurückkehren werde.



Und dennoch geht es schon sehr bald weiter. Ich weiß, dass sich mein Leben in den nächsten Monaten komplett verändern wird und ich weiß ehrlich nicht, ob ich dafür bereit bin. Ich fühle mich noch so jung, als wäre es noch gar nicht an der Zeit auszuziehen und mein Leben zu leben. Verantwortung zu tragen. Oft denke ich, dass ich einfach gern Zuhause bleiben würde, denn dort fühle ich mich wohl. Ich kenne meine Menschen, habe meinen Alltag hier.


Das alles lasse ich gewissermaßen zurück. Dazu muss ich vielleicht noch ergänzen, dass ich aus dem Sauerland in die Nähe von München ziehe und so zwar natürlich immer noch nicht aus der Welt bin, aber trotzdem irgendwie weit weg von Zuhause. Das macht mir Angst. Ich weiß, dass mir der Abschied von meiner Familie sehr schwer fallen wird und eigentlich möchte ich nicht mit diesen Gefühlen konfrontiert werden.


Deshalb fühlt es sich für mich gerade noch sehr seltsam an, diesen Weg zu gehen, obwohl ich weiß, dass es mir wahrscheinlich im Endeffekt gut tun wird, mal etwas anderes zu sehen und andere Menschen kennenzulernen. Es wird nicht so schlimm sein, wie ich es mir momentan noch ausmale. Es wird irgendwie gehen. Vermutlich sogar ganz gut. Das schenkt mir Zuversicht in dieser Schwebe, in der ich mich in der Zeit dazwischen so befinde. Ich weiß, dass es am Ende gut sein wird. Ich weiß, dass die nächste Zeit zwar herausfordernd sein wird, aber trotzdem wunderschön. Darauf freue ich mich.

Alt werden

Das Älterwerden – das ist wohl eine Sache, über die die wenigsten jungen Menschen gerne ernsthaft nachdenken. Und doch betrifft sie uns alle. Um ehrlich zu sein, denke ich auch selbst nicht gern darüber nach. Denn auch ich habe eine schöne Illusion dazu im Kopf, dass ich bis zum Ende fit bin, mit Freunden und Familie alt werde und einfach ein tolles Leben habe. Dass das natürlich nicht immer so der Fall ist, ist mir eigentlich auch klar, aber so richtig glauben will ich das einfach nicht.


Trotzdem finde ich es wichtig, sich auch mal damit zu beschäftigen, was eigentlich passiert, wenn man älter wird. Bei mir persönlich kommen dann oft Ängste und Unsicherheit auf. Ich habe Angst vor dem, was sein könnte, Angst, dass es mir nicht gut ergeht. Denn ich weiß, dass das nicht in meiner Hand liegt. Zumindest nicht ganz. Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Ängste auch mit meinen Erfahrungen während meines Bufdis zusammenhängen. Hier sehe ich natürlich oft kranke Menschen, Menschen, die das Schicksal hart getroffen hat. Und da habe ich Angst, dass es mir auch mal so ergeht.


Auf den zweiten Blick kann man aber sehen, dass diese Menschen nicht alle gebrochen sind. Sie sind trotzdem dankbar und auf gewisse Art auch zufrieden. Vielleicht ist ihre jetzige Situation zwar nicht rosig und in ihrem Leben ist nicht immer alles gut verlaufen, aber sie haben es trotzdem geschafft. Sie haben ihr Leben bis zu diesem Punkt gemeistert, das Beste daraus gemacht und darauf sind sie zurecht stolz.

Für mich war es schwer anzunehmen, dass sich auch mein Leben irgendwann verändern wird. Dass ich irgendwann nicht mehr so unbeschwert sein kann. Dass ich irgendwann Abschied nehmen muss, von so vielem. Von verschiedenen Lebensabschnitten, von einem fitten Körper, von geliebten Menschen und vielleicht auch einmal von meiner Freiheit.
Natürlich weiß man nie genau, was das Leben bringt, aber ein Teil dieser Dinge wird vermutlich auch auf mich zukommen.


Wie schon gesagt, hatte ich zuerst Angst davor. Aber mittlerweile weiß ich, dass ich es einfach auf mich zukommen lassen kann. Vieles kann ich nicht beeinflussen. Ich kann nur mein Bestes geben, damit ich am Ende nicht unzufrieden bin mit dem, wie ich mein Leben gestaltet habe. Ein gehörige Portion Respekt werde ich vor dem Altwerden wohl immer haben, aber ich bin zuversichtlich. Die Menschen aus meinem Bufdi schenken mir Hoffnung, dass auch ich schwere Situationen meistern kann. Sie haben mir gezeigt, dass das Alter zwar schmerzhaft sein kann, aber dass es auch nicht hilft, in tiefer Trauer zu versinken. Und auch wenn ich ganz sicher nicht ständig darüber nachdenke, wie es ist alt zu werden, so bin ich nun doch ein bisschen beruhigter, wenn ich mal damit konfrontiert werde. Ich weiß es gehört zum Leben dazu, aber ich weiß auch, dass es deswegen umso wichtiger ist, jeden Lebensabschnitt in vollen Zügen zu genießen. Alles hat seine Zeit und endet einmal. Und nun weiß ich auch, dass ich davor keine Angst mehr haben brauche.

Verbundenheit

Momentan bin ich auf meinem letzten Seminar während meines Bundesfreiwilligendienstes, dem Abschlussseminar. Das Seminar ist das letzte von fünf und dient vor allem zur Reflexion und dazu einmal Danke zu sagen an uns Freiwillige. Das wirkt sich auch auf unsere Atmosphäre aus. Alle sind ziemlich entspannt und locker.



Außerdem ist es mein erstes Seminar, bei dem ich echt viele andere Freiwillige von anderen Seminaren kenne. Und ganz ehrlich, es fühlt sich an wie nach Hause kommen. Normalerweise brauche ich immer etwas Zeit um aufzutauen, aber das fällt dieses Mal einfach weg.


Wir sind eine richtig schöne Truppe und es ist einfach toll, von allen anderen Seminaren noch einmal Freunde und Bekannte wiederzutreffen und zu sehen, wie sich alle so in diesem Jahr entwickelt haben. Als ich heute morgen in den Raum gekommen bin und so viele bekannte Gesichter gesehen habe, wusste ich sofort, dass die Woche schön wird. Auch wenn das Seminar gerade erst angefangen hat, fühlt es sich jetzt schon nach Urlaub an, einfach vertraut und entspannt.


Gleichzeitig ist es irgendwie schade, da ich weiß, dass ich nach diesem Seminar wahrscheinlich keinen der anderen je wieder sehen werde. Dafür sind wir zu viele und wohnen zu weit auseinander. Trotzdem werde ich viele von ihnen in meinem Herzen behalten. Denn auch wenn wir uns alle nur so kurz kennen, so ist unsere Verbindung zueinander doch besonders. Die freiwillige Arbeit verbindet uns alle einfach, die gemeinsame Erfahrung, aber vor allem die ähnliche Werte, die die meisten vertreten, so unterschiedlich wir alle auch sind.


Und trotz der Trauer bin ich auch dankbar, dass ich sie alle kennenlernen durfte, denn sie haben mich sehr bereichert. Mit ihnen konnte ich mich über meine Erfahrungen austauschen und gleichzeitig wundervolle Menschen kennenlernen. Die einzelnen Menschen mit ihren Lebensgeschichten und ihrem zukünftigen Weg kennenzulernen, war einfach einzigartig. Und auch wenn ganz sicher nicht jedes Seminar immer schön war, so bin ich insgesamt doch froh, dass es sie gibt. Die Menschen, die ich hier getroffen habe, haben dieses Jahr geprägt und das Leben irgendwie bunt gemacht und das ist ganz ehrlich wunderschön.

Oder doch ein Pflichtjahr

Freiwilligendienst als Pflicht? Ganz bestimmt nicht. Oder etwa doch? Eigentlich dachte ich, das Thema sei für mich durch. Ich war fest entschlossen, dass es zwar schön wäre, wenn mehr Leute einen Freiwilligendienst machen, aber Pflicht sollte es niemals sein.



In einem Gespräch mit meiner Chefin ging es zufällig um genau die Frage und sie war da ganz anderer Meinung. Sie meint, dass es in ein paar Jahren vielleicht gar nicht mehr anders geht. Pflegekräfte werden weniger und das System scheint schon heute zu ausgelastet zu sein. Die Angestellten im sozialen Bereich laufen vielerorts auf dem Zahnfleisch, sind erschöpft und verlieren durch den Stress den Spaß an ihrer Arbeit. Ohne viele helfende Hände kann es auf kurz oder lang nicht funktionieren. Müsste sich jeder junge Mensch ein Jahr lang in der Gesellschaft engagieren, könnte das System wenigstens etwas entlastet werden.


Aber ist es fair, die Mängel eines Systems an einer Generation rauszulassen, die das System nicht einmal gemacht hat? Ist es fair, dass sie die Fehler der Gesundheitspolitik ausbügeln sollen? Nein! Fair ist das wohl nicht.


Aber manchmal frage ich mich, ob es nicht trotzdem ein richtiger Weg wäre. Wir sind zwar nicht für die Fehler verantwortlich und es scheint fast dreist, unsere Generation zu verpflichten, ein ganzes System zu retten, aber gleichzeitig liegt es auch in unserer Verantwortung es besser zu machen. Zu zeigen, dass es auch anders sein kann.


Und selbst wenn ein solcher Dienst vorgeschrieben wird, besteht er ja nicht ausschließlich aus Verpflichtungen, sondern junge Menschen, wie auch ich selbst, können viel aus der Arbeit mitnehmen und für ihr Leben lernen. Auch wenn nicht alle Tage schön sind, macht es mir persönlich doch meistens Spaß. Es ist einfach schön, etwas Sinnvolles zu tun. Das Jahr wird mich vermutlich für immer prägen. So wird es auch anderen gehen. Dem ein oder anderen gefällt es vielleicht sogar so gut, dass er weiterhin in dem Bereich tätig sein möchte. Das wäre dann für alle Seiten schön.


Trotzdem wäre es eine Lüge zu behaupten, dass das die perfekte Lösung ist. Am System selbst muss in den nächsten Jahren viel gemacht werden. Angefangen bei mehr Bezahlung bis hin zu einer flächendeckenden Infrastruktur. Aber dennoch könnte ein solcher Dienst jungen Menschen zeigen, wie schön es ist, in einem solchen Beruf zu arbeiten. Wie schön es ist, Teil des Lebens anderer Menschen zu sein.


Und auch wenn dieses Gedankenspiel immer wieder für viel Aufregung und Empörung bei meiner Generation sorgt, so glaube ich trotzdem, dass wir uns daran gewöhnen könnten. Nach ein paar Jahren wäre es selbstverständlich, dass jeder einen Beitrag leisten muss. Es wäre normal. Und jeder Mensch hätte auch die Möglichkeit, mal einen Einblick in einen Bereich zu bekommen, den er sonst vielleicht nie gesehen hätte. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ein freiwilliger Dienst freiwillig bleiben soll. Ich weiß es einfach nicht, wie so viele andere auch. Aber gerade deshalb wäre es schön, offen darüber zu diskutieren. Bewusstsein zu schaffen. Denn nur so können auch die betroffenen Menschen sich eine Meinung bilden und mitentscheiden.

Kindheitserinnerungen

Heute hatten wir in der Tagespflege Besuch von einem Kindergärten. Die Kooperation besteht schon einige Jahre, ist aber wegen Corona die letzten Jahre kaum möglich gewesen. Deshalb war es für mich das erste Mal, dass ich den Besuch miterlebt habe.


Zu Beginn haben wir den Kindern unsere Einrichtung vorgestellt und die Räumlichkeiten gezeigt. Sie durften mal mit einem Rollator und einem Rollstuhl fahren, sich in einen Sessel legen und im Pflegebett hoch und runter fahren. Für mich war es spannend zu sehen, mit welcher Neugier die Kinder alles ausprobierten und kennenlernten. Sie lachten ganz ausgelassen und waren sichtlich begeistert.


Danach ging es zu unseren Gästen. Die Kinder waren sehr aufgeregt, doch die meisten Senioren haben sich gefreut. Man konnte wirklich beobachten, wie Leben in unser Haus einkehrt und sich die Kinder mehr und mehr getraut haben, auf die Senioren zuzugehen und umgekehrt. Am Anfang waren alle eher verhalten, doch mit der Zeit schien der Altersunterschied nichts mehr auszumachen.


Von außen betrachtet, ist es eine tolle Erfahrung, diese Menschen zusammen zu beobachten. Unsere Gäste stehen am Ende ihres Lebens, haben viel erlebt und sind geprägt davon. Die Kinder stehen erst am Anfang ihres Weges und erträumen sich, wie ihr Leben wohl mal werden wird. Sie wissen noch nicht, was sie erleben werden und was sie erwartet. Dabei musste ich auch daran denken, wie oft ich vergesse, dass unsere Gäste auch mal Kinder waren. Auch sie waren mal so jung und unbeschwert, doch nicht alle konnten ihr inneres Kind bewahren vor den Schrecken, die das Leben manchmal bringt.


Gleichzeitig werden auch die Kinder irgendwann alt sein. Sie haben noch viel vor sich und auch sie werden geprägt sein, von dem, was sich in ihrem Leben ereignet. Auch sie werden vielleicht eines Tages vergessen, wie es war, als sie ein Kind waren.


Umso wichtiger finde ich es, dass ich mir selbst immer öfter bewusst erlaube, mal wieder ein Kind zu sein. Irgendwie ist es genau das, was das Leben ausmacht, wie ich an dem Tag gemerkt habe. Kinder schauen einfach anders auf die Welt, sind offener und direkter und irgendwie neugieriger. Sie freuen sich einfacher. Das alles sind Eigenschaften, die ich nie so ganz ablegen möchte und die das Leben bunt machen. Denn auch wenn der Körper altert, so kann die Seele doch jung bleiben. Und genau das ist es, was mir am meisten Spaß macht an meiner Arbeit hier und wobei der Besuch der Kinder hilft. Wenn die Sorgen mal einen Moment zur Seite geschoben werden und einfach mal nur herumgealbert wird. Wenn nur das hier und jetzt wichtig ist. Denn da kommt dann doch mal das Kind in den Gästen zum Vorschein und das ist einfach ansteckend und bereitet eine Menge Freude.

Was wirklich wichtig ist

Was willst du denn nach deinem Bundesfreiwilligendienst machen? Weißt du schon wie es weitergeht? Hast du denn noch keinen genauen Plan? Diese Fragen begegnen mir momentan immer öfter. Mein Bundesfreiwilligendienst neigt sich dem Ende zu und bald ist es an der Zeit, mich zu entscheiden, was ich danach machen möchte.



Bei all den Möglichkeiten fällt es mir nicht leicht zu wählen und so bin ich mir immer noch unsicher, wie es genau für mich weitergeht. Zwar bin ich mir ziemlich sicher, dass es ein Studiengang in Richtung Umweltschutz wird, aber ich habe mich da noch nicht genau entschieden. Deshalb werde ich jedes Mal nervös, wenn mich jemand nach meiner Zukunft fragt, denn die Ungewissheit, die auf mich zukommt, wird mir dann immer wieder vor Augen geführt. Das macht mir irgendwie Angst. Bisher wusste ich immer ungefähr, wie das nächste Jahr aussieht, doch nun ist alles ungewiss. Mir stehen alle Türen offen.


Ich habe die freie Wahl, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Die Freiheit, die in dieser Entscheidung liegt, ist irgendwie aufregend aber auch beängstigend. Niemand kann mir sagen, was ich mit meiner Zeit und meinem Leben machen soll. Das kann nur ich allein entscheiden.


Deshalb liegt auch eine gewisse Last auf meiner Seele, denn ich weiß, dass die Zeit in meinem Leben begrenzt ist. Ich kann nicht alle Pläne verwirklichen und möchte meine Energie in Dinge investieren, die mir wirklich am Herzen liegen. In einer Zeit voll von Konsum und Dingen, die meine Aufmerksamkeit wollen, fällt es mir aber schwer zu sagen, was mir eigentlich wichtig ist. Was mir wirklich Spaß macht. Oft fühle ich mich überfordert von all dem, was vermeintlich Spaß machen soll. Ich weiß einfach nicht mehr so richtig, was mir eigentlich wichtig ist und womit ich mein Leben füllen möchte.


In meinem Freiwilligendienst habe ich gelernt, dass es nicht wichtig ist, was andere von mir denken und von dem, was ich so mache. Was eigentlich wichtig ist, ist, dass ich selbst am Ende des Tages zufrieden bin mit mir und meinem Leben. Dabei spielt es nur eben auch eine bedeutende Rolle, was ich als Erwachsene mache.




Daher habe ich mir die nächsten Wochen vorgenommen, herauszufinden, was mir eigentlich etwas bedeutet. Was ich gerne mache. Denn nur so kann ich herausfinden, was ich mit meinem Leben machen möchte.

Ein unfreiwilliges Jahr

Während meines Bundesfreiwilligendienstes bin ich häufig mit der Diskussion in Kontakt gekommen, ob ein Freiwilligendienst nach der Schule zur Pflicht werden soll, so wie früher der Wehrdienst. Wir als Freiwillige wurden immer wieder gefragt, was wir selbst davon halten und haben das Für und Wider schon oft abgewogen.



Interessanterweise sind wir uns recht schnell einig geworden. So gut es uns allen gefällt, finden wie eine Pflicht nicht den richtigen Weg. Ich persönlich finde es schön, dass ich selbst entscheiden konnte, was ich nach der Schule mache und diese Freiheit sollte meiner Meinung nach auch für die nächsten Jahrgänge bestehen bleiben.
Auf der anderen Seite bringt ein Freiwilligendienst aber natürlich auch positive Aspekte mit sich. Sowohl für die Freiwilligen als auch für die Gesellschaft. Man selbst profitiert in den meisten Fällen von den Erfahrungen in dieser Zeit und kann einiges für sein späteres Leben mitnehmen. Die Gesellschaft hat auch etwas davon, denn einerseits bekommen auf diese Weise junge Menschen Einblicke in Tätigkeiten, die die Gesellschaft zusammenhalten, andererseits können einige Institutionen entlastet werden. Als Freiwilliger ist man zwar keine volle Arbeitskraft, kann aber dennoch eine gute Unterstützung sein.


Wenn ein Freiwilligendienst aber Pflicht werden würde, dann müsste jeder sich engagieren. Auch Menschen, die das überhaupt nicht möchten. Bestimmt würde es einigen trotzdem gefallen. Anderen aber eben nicht. Und egal wie engagiert man ist, wenn man keine Lust auf seinen Job hat, wirkt sich das auch schnell auf das Umfeld aus. Das bringt dann weder den Einrichtungen noch den jungen Menschen etwas. Insbesondere dann, wenn jemand bereits einen festen Plan hat, was er beruflich machen möchte, finde ich es gut, dass das auch ohne Unterbrechung möglich ist.


Nichtsdestotrotz fände ich es toll, wenn sich mehr Menschen für einen Freiwilligendienst entscheiden würden. Denn wie eben schon gesagt, bringt das für beide Seiten viele Vorteile mit sich. Ich selbst würde meine Zeit in der Tagespflege nicht missen wollen. Trotz meiner anfänglichen Skepsis liebe ich es, Momente mit unseren Gästen zu teilen und meinen Teil dazu beizutragen, dass sie eine schöne Zeit haben. Und solche Erfahrungen würde ich jedem wünschen. Trotzdem kann ich verstehen, dass der Großteil keine Lust auf einen Freiwilligendienst hat. Die Bezahlung ist für einen Vollzeitjob selbst als Hilfskraft nunmal schlecht und in einigen Einrichtungen werden die Freiwilligen wirklich schlecht behandelt. Das rückt das Jahr in ein schlechtes Bild, was einfach schade und ungerechtfertigt ist. Deshalb würde ich mir wünschen, das zum einen die Bedingungen für ein freiwilliges Jahr verbessert werden und zum anderen, dass mehr Werbung dafür gemacht wird. Dann würden sich vielleicht mehr Leute dafür entscheiden und das wäre für alle ein Gewinn.

Ein fairer Lohn?

Während eines Bufdis wird man, wie auch bei anderen Freiwilligendiensten, nicht bezahlt, sondern bekommt ein Taschengeld. Dieses fällt je nach Einrichtung unterschiedlich hoch aus und ich liege mit meinen 420€ Taschengeld im Monat gut im Schnitt.



Um mein Studium demnächst finanzieren zu können, kann ich davon keinen Cent ausgeben, sonst wird es echt knapp, eine Wohnung mit allen Kosten zu bezahlen. Das heißt für Freizeit oder Ähnliches ist manchmal nicht viel über und das, obwohl ich vierzig Stunden in der Woche arbeite.



Natürlich bin ich keine ausgebildete Fachkraft und mache den Dienst freiwillig. Es geht ja auch darum, der Gesellschaft etwas zu geben und etwas Gutes zu tun.
Deshalb ist es auch angemessen, dass ich eben nur einen gewissen Betrag als Taschengeld bekomme. Trotzdem arbeite ich Vollzeit, bekomme dementsprechend am Tag alles mit und bin voll eingeplant . Ich bin Teil des Teams und kann die anderen gut unterstützen, da ich mittlerweile mit den Abläufen vertraut bin.



Und deshalb frage ich mich manchmal, ob es fair ist, dass ich mir vor meinem Bufdi überlegen musste, ob ich mir das überhaupt leisten kann. Kann ich ein Jahr so überhaupt überbrücken? Kann ich es mir leisten, andere zu unterstützen? Etwas für den guten Zweck zu tun? Mir ein Jahr mal etwas anderes anzuschauen? Weil wenn ich ganz ehrlich bin, wäre mein halbes Geld schon alleine für den Sprit weg, den ich jeden Tag verbrauche. Ich würde mit dem Geld zwar alles bezahlen können, aber eben nur, weil ich Zuhause wohne und Unterstützung von meiner Mutter bekomme.



Wenn ich so darüber nachdenke, fände ich es unfassbar schwer, dieses Jahr mit diesen Hintergedanken zu genießen, wenn mich die Arbeit selbst nicht entlohnen würde. Ich kann hier unfassbar viel lernen und merke, dass meine Arbeit wirklich eine Hilfe ist. Ich erfahre Wertschätzung und Dankbarkeit. Das allein ist viel mehr wert als das Geld, das ich bekomme. Ich kann hier Erfahrungen sammeln, die ich mit keinem Geld der Welt bezahlen kann, aber das eben auch nur, weil wir uns das leisten können. Denn trotzdem geht es eben auch nicht ganz ohne Geld. Von aller Dankbarkeit der Welt zahlt sich eben auch kein Sprit.


Insgesamt finde ich es schade, dass so viele von einem Freiwilligendienst abgeschreckt werden. Besonders für die interessanten Stellen muss man oft umziehen und selbst wenn man vor Ort etwas findet, bleibt am Ende nicht viel über für alles andere, was junge Menschen so machen. Deshalb rückt häufig in den Hintergrund, was so ein Freiwilliges Jahr noch alles zu bieten hat, da es so viele scheinbar attraktivere Möglichkeiten gibt, ein Jahr zu gestalten. Nach etwa vier Monaten kann ich aber sagen, dass es sich durchaus lohnt, die Zeit zu investieren. An manchen stressigen Tagen kann die Entlohnung zwar frustrierend sein, wenn man das mit dem vergleicht, was man mit einem Jahr arbeiten bekommt, aber dafür bekomme ich die Möglichkeit, wirklich fürs Leben zu lernen.



Trotzdem würde ich mir für die nächsten Jahre wünschen, dass die Freiwilligendienste etwas attraktiver werden und dass es auch jedem möglich ist, so einen Dienst überhaupt anzutreten. Denn das bietet nicht nur den jungen Menschen selbst, sondern der ganzen Gesellschaft einen großen Mehrwert.

Zeitfresser Social Media

Die Tage werden kürzer und besonders nach der Zeitumstellung ist es abends schon ziemlich früh dunkel. Es ist dunkel, wenn ich morgens aus dem Haus gehe und so gut wie dunkel, wenn ich die Haustür nachmittags wieder aufschließe.



Oft fühlt es sich so an, als würde der ganze Tag nur aus arbeiten bestehen. Nichts anderes hat so richtig Platz, denn nach der Arbeit bin ich meistens müde und unkonzentriert. Und ehe ich mich versehe, ist der Tag schon wieder vorbei und ich habe nicht so richtig das geschafft, was ich eigentlich machen wollte. Am Anfang fand ich das ziemlich deprimierend und habe mich gefragt, wo all die Zeit immer hin ist.



Nachdem ich das Ganze ein paar Tage beobachtet habe, ist mir schnell klar geworden, woran das liegt. Wenn ich nach Hause komme, verbringe ich zunächst Zeit auf Social Media und scrolle durch das, was mir so angezeigt wird. Oft verbringe ich mehr Zeit als geplant dabei und schaue mir im Endeffekt Dinge an, die mich nicht wirklich interessieren. Und zugegebenermaßen ist das auch nicht gerade sonderlich entspannend. Danach fühle ich mich, als würde ich aus einer ganz anderen Welt auftauchen und merke oft erst spät, wie viel Zeit eigentlich schon vergangen ist.



Deshalb habe ich dann einige Apps gelöscht und mir vorgenommen, mir wirklich Zeit zu nehmen, mich zu erholen, wenn ich müde bin. Die nun freie Zeit zu nutzen, um mal etwas zu lesen oder mich mit meiner Familie zu unterhalten.



Und es hat erstaunlich gut funktioniert. Unter der Woche habe ich so wesentlich mehr Zeit und bin gleichzeitig noch erholter.
Nur am Wochenende schaue ich manchmal rein, um zu sehen, was so passiert ist unter der Woche. Dann mal bei den Leuten vorbeizuschauen, die mich wirklich interessieren macht einfach Spaß. Denn einfach durch alles durchzuscrollen und nichts wirklich mitzunehmen, ist auch nicht schön. Wenn ich mir bewusst die Zeit für Social Media nehme, ende ich nicht in einer ewigem Dauerschleife, sondern schaue nur das an, was ich sehen möchte. Danach kann ich wieder gut abschalten ohne das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen.



So bin ich auch motiviert, wenn ich im Dunkeln nach Hause komme. Wenn ich erst einmal nach der Arbeit online rumhänge, habe ich danach kein Lust mehr, etwas zu unternehmen. Wenn ich hingegen kurz eine Pause mache, mit meiner Familie quatsche und dann loslege, geht es viel besser und ich kann noch einige Sachen machen, die mir Spaß machen und habe wieder neue Energie. Außerdem muss ich mich nicht über verlorene Zeit ärgern und kann die dunkle Jahreszeit für das nutzen, was wirklich wichtig ist – Ruhe, Entspannung und Zeit mit meiner Familie.

Zwischen Klassenfahrt und Begegnung

Erwachsenenbildung. Wie oft ich dieses Wort in den letzten 24 Stunden gehört habe, kann ich gar nicht mehr zählen. Ich bin diese Woche wieder auf einem Seminar für meinen Bundesfreiwilligendienst – und fühle mich, um ehrlich zu sein, etwas wie auf Klassenfahrt. 6-Bett Zimmer , strenge Ermahnung bei Unpünktlichkeit von einer Minute und vom Gelände dürfen wir nur zu dritt und vor 22 Uhr.



Obwohl ich es super interessant finde, mich mit den anderen auszutauschen, hat es einen seltsamen Beigeschmack. Auch wenn es mir persönlich nicht so viel ausmacht, mein Zimmer zu teilen, da man so in viel näheren Kontakt kommt, ist es mit so vielen Leuten auf Dauer sehr anstrengend, insbesondere, wenn man schon den ganzen Tag gemeinsam verbracht hat. Morgens müssen insgesamt alle früher raus und nachts ist es immer unruhig, sodass ich nicht so gut einschlafen kann. Das macht mich noch erschöpfter und ich kann meine soziale Batterie kaum aufladen.


Besonders unangenehm ist es aber, wie unentspannt die Gruppenleiter sind. Es geht hier nicht darum, dass es für uns bestimmte Regeln gibt. Das ist verständlich und auch sinnvoll, damit alle Spaß am Seminar haben. Aber hier macht eindeutig der Ton die Musik. Auch Regeln kann man gescheit vermitteln, wir sind alle volljährig und können nachvollziehen, wenn jemand seine Beweggründe erläutert. Aber stumpfes Verbieten von Dingen von jemandem, der kaum älter ist als wir selbst, wirkt irgendwie unangemessen.


In diesem Zusammenhang haben sich gestern auch einige Teilnehmer beschwert. Das Wort Erwachsenenbildung fiel dabei sehr oft und auch wenn es mir mittlerweile zu den Ohren raushängt, habe ich mich gefragt, was uns eigentlich als jungen Erwachsenen zusteht auf so einem Seminar. Denn auch wenn so manche Kritik vielleicht übertrieben ist, ist auch ein bisschen was dran.


Geht man auf Dienstreise, so bekommt jeder ein Einzelzimmer oder Doppelzimmer. Das ist in vielen Bildungshäusern fast unmöglich und auch nicht unbedingt sinnvoll, da so kaum Austausch stattfindet. Andererseits wäre es schön, wenn die Zimmergrößen etwas kleiner wären. Zwei Mitbewohner hätten auch gereicht, ich bin ja nicht im Abenteuer- und Backpacking-Urlaub.


Außerdem finde ich einen Kontakt und eine Kommunikation auf Augenhöhe mit den Kursleitern wichtig. Klar, sie planen das Ganze und tragen eine große Verantwortung, andererseits sind wir auch alle eigenständige Menschen, die sich gerne einbringen möchten, wenn man sie nur lässt.


Insgesamt muss ich sagen, dass ich bisher eher gemischte Gefühle habe. Die Leute sind einerseits total nett und ich mag den Austausch, andererseits ist es anstrengend und kräfteraubend und das finde ich schade.
Meiner Meinung nach wird die Freude, die es mir beschert, mit tollen Menschen zusammen zu sein, von all dem Stress überschattet. Trotzdem versuche ich, das Beste daraus zu machen. Ich bin jetzt nunmal hier, das gehört dazu. Menschen werden sich innerhalb von einer Woche wohl kaum ändern. Aber deprimiert dazusitzen und vor sich hin zu schmollen, nützt ja eben auch nichts.