Die Zeit zwischen Freiwilligendienst und Studium fühlt sich für mich irgendwie seltsam an, so ein bisschen wie eine Schwebe, in der ich nirgends so richtig dazugehöre, nicht so recht weiß wohin mit mir. Ich gehöre nicht mehr in meine Einsatzstelle meines Freiwilligendienstes, denn dort geht das Leben ohne mich natürlich normal weiter. Eine Studentin bin ich aber auch nicht so wirklich, wenngleich sich viele meiner Gedanken um mein neues Studentenleben drehen. Denn obwohl ich momentan eigentlich keine wirkliche Aufgabe habe, denke ich oft an Herausforderungen, die mir in den nächsten Wochen und Monaten begegnen werden.
In meinem Kopf sind einfach unendlich viele Fragen und eine Mischung aus Unsicherheit, Angst und Vorfreude. Auch wenn ich weiß, dass es bestimmt vielen anderen auch so geht, so habe ich doch Angst, all die Menschen zu treffen und mich doch nirgends zugehörig zu fühlen, ausgeschlossen zu sein. Ich habe Angst, dass mir mein Studienfach nicht gefällt, dass ich es vielleicht nicht schaffe, nicht gut genug bin. Ich habe Angst, dass ich die Herausforderungen von Studium und Alltag nicht bewältigen kann, dass ich mich allein und verloren fühle in einer so großen neuen Stadt.
Gleichzeitig freue ich mich aber auch auf die neuen Herausforderungen, darauf, etwas Neues zu lernen, denn das macht mir wirklich Spaß. Ich freue mich auf neue Menschen und neue Freunde in meinem Leben, auf neue Abenteuer und Geschichten. Auf das Leben allein und auch auf die Möglichkeit eines neuen Ortes. Ich freue mich, meine Zukunft weiter bestimmen zu können und auf die Freiheit, die ein Studium bringt. Und eigentlich weiß ich auch tief in meinem Herzen, dass irgendwie schon alles gut werden wird. Dass es Menschen geben wird, mit denen ich mich gut verstehe. Dass ich Herausforderungen bewältigen kann. Dass es zwar auch Zeiten gibt, in denen nicht alles so gut verläuft, aber dass auch wieder andere Zeiten kommen. Dass ich mich auf mich und mein Bauchgefühl verlassen kann. Das alles sorgt dafür, dass dieses Kribbeln in meinem Bauch zumindest zum größten Teil aus Vorfreude und Neugierde besteht und nicht zu sehr auch Angst oder Ungewissheit. Und gewissermaßen gehört ein wenig Aufregung ja auch zu einem neuen Abschnitt dazu und macht ihn erst so spannend.
Momentan ist irgendwie eine seltsame Zeit. Mein Bundesfreiwilligendienst ist vorbei, die nächsten Wochen reise ich mit meinem Freund durch Spanien, wir ziehen um und mein Studium fängt an. So viele Dinge passieren in so kurzer Zeit und ich kann nicht fassen, was gerade eigentlich alles in meinem Leben passiert.
Der Abschied von meinem Bundesfreiwilligendienst, von meinen Kollegen und allen, die mir dort ans Herz gewachsen sind, ist noch nicht so wirklich bei mir angekommen. Ich habe mich dort richtig gut eingelebt und mein Kopf versteht noch nicht so ganz, dass ich dort nicht wieder zurückkehren werde.
Und dennoch geht es schon sehr bald weiter. Ich weiß, dass sich mein Leben in den nächsten Monaten komplett verändern wird und ich weiß ehrlich nicht, ob ich dafür bereit bin. Ich fühle mich noch so jung, als wäre es noch gar nicht an der Zeit auszuziehen und mein Leben zu leben. Verantwortung zu tragen. Oft denke ich, dass ich einfach gern Zuhause bleiben würde, denn dort fühle ich mich wohl. Ich kenne meine Menschen, habe meinen Alltag hier.
Das alles lasse ich gewissermaßen zurück. Dazu muss ich vielleicht noch ergänzen, dass ich aus dem Sauerland in die Nähe von München ziehe und so zwar natürlich immer noch nicht aus der Welt bin, aber trotzdem irgendwie weit weg von Zuhause. Das macht mir Angst. Ich weiß, dass mir der Abschied von meiner Familie sehr schwer fallen wird und eigentlich möchte ich nicht mit diesen Gefühlen konfrontiert werden.
Deshalb fühlt es sich für mich gerade noch sehr seltsam an, diesen Weg zu gehen, obwohl ich weiß, dass es mir wahrscheinlich im Endeffekt gut tun wird, mal etwas anderes zu sehen und andere Menschen kennenzulernen. Es wird nicht so schlimm sein, wie ich es mir momentan noch ausmale. Es wird irgendwie gehen. Vermutlich sogar ganz gut. Das schenkt mir Zuversicht in dieser Schwebe, in der ich mich in der Zeit dazwischen so befinde. Ich weiß, dass es am Ende gut sein wird. Ich weiß, dass die nächste Zeit zwar herausfordernd sein wird, aber trotzdem wunderschön. Darauf freue ich mich.
Momentan bin ich auf meinem letzten Seminar während meines Bundesfreiwilligendienstes, dem Abschlussseminar. Das Seminar ist das letzte von fünf und dient vor allem zur Reflexion und dazu einmal Danke zu sagen an uns Freiwillige. Das wirkt sich auch auf unsere Atmosphäre aus. Alle sind ziemlich entspannt und locker.
Außerdem ist es mein erstes Seminar, bei dem ich echt viele andere Freiwillige von anderen Seminaren kenne. Und ganz ehrlich, es fühlt sich an wie nach Hause kommen. Normalerweise brauche ich immer etwas Zeit um aufzutauen, aber das fällt dieses Mal einfach weg.
Wir sind eine richtig schöne Truppe und es ist einfach toll, von allen anderen Seminaren noch einmal Freunde und Bekannte wiederzutreffen und zu sehen, wie sich alle so in diesem Jahr entwickelt haben. Als ich heute morgen in den Raum gekommen bin und so viele bekannte Gesichter gesehen habe, wusste ich sofort, dass die Woche schön wird. Auch wenn das Seminar gerade erst angefangen hat, fühlt es sich jetzt schon nach Urlaub an, einfach vertraut und entspannt.
Gleichzeitig ist es irgendwie schade, da ich weiß, dass ich nach diesem Seminar wahrscheinlich keinen der anderen je wieder sehen werde. Dafür sind wir zu viele und wohnen zu weit auseinander. Trotzdem werde ich viele von ihnen in meinem Herzen behalten. Denn auch wenn wir uns alle nur so kurz kennen, so ist unsere Verbindung zueinander doch besonders. Die freiwillige Arbeit verbindet uns alle einfach, die gemeinsame Erfahrung, aber vor allem die ähnliche Werte, die die meisten vertreten, so unterschiedlich wir alle auch sind.
Und trotz der Trauer bin ich auch dankbar, dass ich sie alle kennenlernen durfte, denn sie haben mich sehr bereichert. Mit ihnen konnte ich mich über meine Erfahrungen austauschen und gleichzeitig wundervolle Menschen kennenlernen. Die einzelnen Menschen mit ihren Lebensgeschichten und ihrem zukünftigen Weg kennenzulernen, war einfach einzigartig. Und auch wenn ganz sicher nicht jedes Seminar immer schön war, so bin ich insgesamt doch froh, dass es sie gibt. Die Menschen, die ich hier getroffen habe, haben dieses Jahr geprägt und das Leben irgendwie bunt gemacht und das ist ganz ehrlich wunderschön.
Was willst du denn nach deinem Bundesfreiwilligendienst machen? Weißt du schon wie es weitergeht? Hast du denn noch keinen genauen Plan? Diese Fragen begegnen mir momentan immer öfter. Mein Bundesfreiwilligendienst neigt sich dem Ende zu und bald ist es an der Zeit, mich zu entscheiden, was ich danach machen möchte.
Bei all den Möglichkeiten fällt es mir nicht leicht zu wählen und so bin ich mir immer noch unsicher, wie es genau für mich weitergeht. Zwar bin ich mir ziemlich sicher, dass es ein Studiengang in Richtung Umweltschutz wird, aber ich habe mich da noch nicht genau entschieden. Deshalb werde ich jedes Mal nervös, wenn mich jemand nach meiner Zukunft fragt, denn die Ungewissheit, die auf mich zukommt, wird mir dann immer wieder vor Augen geführt. Das macht mir irgendwie Angst. Bisher wusste ich immer ungefähr, wie das nächste Jahr aussieht, doch nun ist alles ungewiss. Mir stehen alle Türen offen.
Ich habe die freie Wahl, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Die Freiheit, die in dieser Entscheidung liegt, ist irgendwie aufregend aber auch beängstigend. Niemand kann mir sagen, was ich mit meiner Zeit und meinem Leben machen soll. Das kann nur ich allein entscheiden.
Deshalb liegt auch eine gewisse Last auf meiner Seele, denn ich weiß, dass die Zeit in meinem Leben begrenzt ist. Ich kann nicht alle Pläne verwirklichen und möchte meine Energie in Dinge investieren, die mir wirklich am Herzen liegen. In einer Zeit voll von Konsum und Dingen, die meine Aufmerksamkeit wollen, fällt es mir aber schwer zu sagen, was mir eigentlich wichtig ist. Was mir wirklich Spaß macht. Oft fühle ich mich überfordert von all dem, was vermeintlich Spaß machen soll. Ich weiß einfach nicht mehr so richtig, was mir eigentlich wichtig ist und womit ich mein Leben füllen möchte.
In meinem Freiwilligendienst habe ich gelernt, dass es nicht wichtig ist, was andere von mir denken und von dem, was ich so mache. Was eigentlich wichtig ist, ist, dass ich selbst am Ende des Tages zufrieden bin mit mir und meinem Leben. Dabei spielt es nur eben auch eine bedeutende Rolle, was ich als Erwachsene mache.
Daher habe ich mir die nächsten Wochen vorgenommen, herauszufinden, was mir eigentlich etwas bedeutet. Was ich gerne mache. Denn nur so kann ich herausfinden, was ich mit meinem Leben machen möchte.
Die schönsten Dinge passieren oft, wenn man sie am wenigsten erwartet.
Am Flughafen in Istanbul hat mir eine junge Frau geholfen, mich zu orientieren, nachdem ich im Getümmel ziemlich verloren war. Sie hat mich nach einem kurzen Gespräch für meinen letzten Tag in der Türkei zu sich nach Hause eingeladen. Lange war ich unsicher, ob das Angebot wohl ernst gemeint war und ob das eine gute Idee ist, es anzunehmen. Deshalb habe ich mich nicht getraut, sie danach zu fragen. Zum Glück habe ich mich dann einen Tag vorher doch noch überwunden, denn was hatte ich schon zu verlieren. Im schlimmsten Fall wird sie mich halt entführen und umbringen, aber davon ging ich jetzt mal nicht aus, denn ich bin ja noch jung, neugierig, abenteuerlustig und vielleicht ein bisschen gutgläubig.
So kam es, dass ich am Samstagmorgen im Bus nach Kayseri saß, völlig ahnungslos, wohin die Reise ging und was mich erwartet. Bisher war ich nur an sehr touristischen Orten in der Türkei gewesen und es gewohnt, dass die meisten Türken etwas Englisch konnten. Als ich dann aus dem Bus stieg, etwa acht Kilometer von meinem Ziel entfernt, war ich in einer ganz anderen Welt gelandet. Niemand sprach Englisch, ich war der einzige Tourist. Ich bin mir so fremd und falsch vorgekommen wie selten zuvor. Denn ich hatte keine Ahnung, wie ich ins Stadtzentrum kommen sollte oder wie der ÖPNV funktioniert. Nach einigem Hin und Her, großer Verzweiflung und ganz viel Hilfe meiner Freundin und einiger Passanten, hat es dann doch alles geklappt und ich bin gut im Stadtzentrum angekommen.
Dort hat mich meine Bekannte dann abgeholt und mir die wichtigsten Dinge in der Stadt gezeigt. Es war wirklich eine besondere Erfahrung. Nicht nur, dass ich natürlich viel mehr sehen konnte, mit jemandem, der sich auskennt. Besonders schön war einfach, wie offen und freundlich alle Leute plötzlich waren, nachdem sie mich als ihre deutsche Freundin vorgestellt hatte. Viele wollten mir ihre Kultur zeigen und die Sprachbarriere war wie weggewischt, denn sie hat mir alles übersetzt. Dadurch habe ich mich mehr wie ein Teil der Gemeinschaft gefühlt und nicht wie ein Fremdkörper, den alle anstarren. Natürlich habe ich immer noch das Aufsehen einiger Passanten erregt, das war aber jetzt nur noch halb so schlimm.
Nachdem sie mir die Stadt gezeigt hatte, mit allen Moscheen, schönen Ecken und der Kultur, sind wir zu ihr nach Hause gefahren. Ihre ganze Familie war extra gekommen, um mich kennenzulernen und mit mir das tägliche Fastenbrechen im Ramadan zu feiern. Es gab viele traditionelle Speisen und natürlich türkischen Tee. Auch wenn nur einer von ihnen Englisch sprach, waren alle sehr bemüht mit mir zu sprechen und wollten mich unbedingt kennenlernen. Ich habe nicht immer alles verstanden, worüber diskutiert wurde und trotzdem hatte ich das Gefühl, dazuzugehören. Es war überhaupt nicht schlimm, nicht alles zu verstehen. Jeder wollte mich an ihrer Kultur teilhaben lassen, ich durfte mit zum Beten in die Moschee, konnte sämtliche türkische Getränke probieren und alle Traditionen miterleben. Noch nie in meinem Leben habe ich mich derart willkommen an einem Ort gefühlt, wie dort. Nach wenigen Minuten war es wie Zuhause. Als ob ich diesen Ort und die Menschen schon jahrelang kennen würde. Ich hatte das Gefühl auch als Fremde dazuzugehören. Ein solches Erlebnis hatte ich noch nie. Kaum vorstellbar, dass ich vor wenigen Stunden noch einen Gedanken daran verschwenden habe, dass diese Leute gefährlich sein könnten. Denn jetzt fühlte ich mich sicher und geborgen, einfach gut aufgehoben und behütet. Ich war einfach glücklich.
Nur wie das an solchen Abenden immer so ist, verging die Zeit natürlich viel zu schnell. Wir haben gelacht, getanzt und gespielt und ehe ich mich versah, war es Zeit zu gehen. Nach vielen Umarmungen, Geschenken und Abschiedsworten musste ich dann doch in den Flieger steigen. Und so schnell, wie ich in diese Gemeinschaft hineingeraten bin, so schnell wurde ich auch wieder aus ihr herausgerissen. Dafür war ich nicht bereit. Nach diesem Abend voller Eindrücke und neuer Freunde wollte ich nicht einfach nach Hause, wo alles so gewöhnlich war. Das war zu früh, zu wenig Zeit, um alles zu verarbeiten, anzukommen.
Und so hatte ich Zuhause doch mal wieder Heimweh und das war so ehrlich nicht gedacht. Meine Gedanken hängen sehr an diesem Abend und bei den Menschen, insbesondere bei meiner Freundin, die mich so herzlich mitgenommen hat. Die mir alles gezeigt hat. Bei der ich mich so Zuhause gefühlt habe.
Vor meiner Reise hatte ich Angst, wie die Leute und das Land wohl sein würden. Ob sie mir freundlich begegnen würden, als Fremde. Doch jetzt, nur eine Woche später, bin ich begeistert von den Menschen, von ihrer Freundlichkeit, ihrer Gemeinschaft. Eine Begegnung am Flughafen begleitet von etwas Neugier und Mut hat meine ganze Reise verändert. Hat mich verändert. In dem Moment, als mich eine Fremde angesprochen hat, war ich verzweifelt und allein. Aus diesem Moment sind viele Momente des Glücks entstanden. Momente der Erfüllung. Und neue Freunde. So im Nachhinein betrachtet, hat mich das Glück tatsächlich unerwartet getroffen. So unerwartet, dass ich bis jetzt noch nicht ganz verarbeitet habe, wie prägend der Tag war. Denn eins ist klar, es war einer der schönsten Tage meines Lebens.
Mit jedem Abschied blutet mein Herz ein bisschen. Hätte mir am Anfang der Woche jemand gesagt, dass ich traurig zurück nach Hause zu müssen, hätte ich es nicht geglaubt.
Jetzt am Ende meiner Woche bin ich traurig zu gehen, traurig, dass mein Abenteuer wieder vorbei ist. Ich konnte wahnsinnig tolle Orte sehen, Dinge erleben und einzigartige Menschen kennenlernen. Und auch wenn es vielleicht kein Abschied für immer ist, so fühlt es sich doch wie einer an. Ich weiß nicht, ob ich diesen Ort je wieder sehen werde. Ob ich nochmal im Morgengrauen aufstehe, um hunderte Heißluftballons bei Sonnenaufgang zu beobachten. Ob ich noch einmal durch diese wunderschönen Felsformationen klettern kann. Nochmal mit den Menschen Wein bei Sonnenuntergang trinken kann. Mit ihnen lachen kann.
Das Tolle am Reisen allein ist, dass ich anderen Menschen viel näher komme. Ich kann mich nicht so leicht abkapseln, wie mit meiner Familie oder als Paar. Ich öffne mich viel mehr, in viel kürzerer Zeit. Ich zeige mich verletzlicher, ehrlicher. Und am Ende kann ich selbst nicht glauben, die Leute erst seit ein paar Tagen zu kennen. Es ist, als würde die gemeinsame Erfahrung ein Band knüpfen, was nicht vergleichbar ist mit etwas anderem. Und deshalb tut es auch besonders weh, die Leute ziehen zu lassen, in dem Wissen, dass man sich wahrscheinlich nie wieder sieht.
Es ist wie so oft im Leben. Dinge kommen und gehen. Nichts ist für immer, natürlich nicht. Und trotzdem wünsche ich mir zumindest für ein paar Minuten, dass es anders wäre. Dass ich die Zeit einmal kurz anhalten kann. Auf den Stopp-Knopf drücken kann, um einfach mal innezuhalten.
Denn dann wird mir klar, dass ich nicht nur einen Teil meins Herzen hier lasse, sondern dass ich auch einen Teil mitnehme. Ich habe einmal gelesen, dass selbst wenn ein Mensch nicht mehr Teil meines Lebens ist, ich trotzdem einige seiner Angewohnheiten in mein Leben übernehme. Wenn ich so darüber nachdenke, stimmt das. Ich trage meine Tshirts noch genauso, wie es mir eine Freundin in Costa Rica gezeigt hat. Ich liebe immer noch die Bücher, die mir meine Schulfreundin empfohlen hat. Ich spreche manche Worte immer noch so aus, wie zwei meiner Bekannten es mir im Urlaub erklärt haben. Denn auch wenn ich nun kaum noch Kontakt zu diese Menschen habe, so haben sie mich doch geprägt.
Genauso ist es mit meiner Zeit hier. Die Erfahrungen haben mich verändert, selbst wenn es nur eine Woche war. Ich habe keine Angst mehr alleine zu verreisen, weil ich weiß, dass ich mich auf mich selbst verlassen kann. Dass es immer wundervolle Menschen gibt. Dass nach jedem Tief auch ein Hoch kommt. Deshalb macht mich jeder Abschied unfassbar dankbar, für das, was ich erleben durfte. Und dafür, dass ich wachsen konnte. Ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, hier zu sein und dass ich mich getraut habe. Denn das ist nicht selbstverständlich.
Jedes Jahr machen die Kinder unserer Familie gemeinsam Weihnachtsgestecke. Auch dieses Jahr haben wir uns dafür einen Nachmittag zum Basteln getroffen und danach wie immer noch zusammen gesessen. Es war ein wunderschöner Abend, der wie im Flug verging.
Auf dem Rückweg nach Hause ist mir das erste Mal bewusst geworden, dass ich das alles zum letzten Mal mache. Nächstes Jahr bin ich ausgezogen und wohne wahrscheinlich nicht gerade in der Nähe. Dann kann ich nicht einfach für solch besondere Dinge nach Hause fahren.
Dieser Gedanke macht mich nach wie vor traurig. Auch wenn ich mich eigentlich auf meinen Auszug und den neuen Lebensabschnitt freue, trübt das meine Vorfreude. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie das ist, die Adventszeit an einem anderen Ort zu verbringen, Familienfeiern zu verpassen und mein Zuhause so weit hinter mir zu lassen. Auch Treffen mit Freunden sind dann noch schwieriger zu organisieren, als es ohnehin schon ist.
Als ich mich für einen Studienort für nächstes Jahr entschieden habe, war mir zwar klar, dass ich weiter weg ziehe, aber ich habe nie bewusst wahrgenommen, dass ich nun alles zum letzten Mal so erlebe, wie es jetzt ist. Danach wird es unweigerlich anders sein, was ja auch nicht unbedingt schlecht ist.
Ich weiß jetzt schon, dass mir der Abschied unfassbar schwerfallen wird, denn ich erlebe bereits dieses Jahr viele letzte Male und somit viele kleine Abschiede.
Ein letzter Geburtstag Zuhause, das letzte Weihnachtskonzert, das letzte Mal gemeinsamen Urlaub und eben auch das letzte Mal Gestecke machen. Das sind alles Dinge, die mir Freude bereiten und die ich eigentlich nicht aufgeben möchte, obwohl ich weiß, dass es sein muss und zum Erwachsenwerden dazugehört.
Denn jede schöne Zeit hat ein Ende. Nichts ist für immer. Und trotzdem kann ein Ende auch ein neuer Anfang sein. Ein Anfang von großartigen, neuen Dingen. Neuen Traditionen und neuen Denkweisen.
Und auch wenn es mir schwerfällt, das zu glauben, bin ich doch zuversichtlich, dass auch die Neuen Dinge gut werden. Ich bin umgeben von wunderbaren Menschen, die mich unterstützen und in diesem Fall meines eigenen Glückes Schmied. Ich kann aus dem Abschied etwas Schönes machen, dafür muss ich die bisherigen Dinge nur loslassen. Ihnen nicht hinterher trauern, sondern froh darüber sein, sie erlebt zu haben und gleichzeitig das Beste aus dem Jetzt machen.