PsyFaKo – Was wirklich zählt (5/5)

Ein Nachwort

Die letzten Stunden der PsyFaKo sind vorbei, auch die Teilnehmenden sind abgereist – aber fertig mit diesem Event sind wir und auch ich noch lange nicht. Das ist der Satz, mit dem ich diesen Blogartikel eigentlich beginnen wollte. Gerne hätte ich all das, was danach kommt, im Detail erzählt, aber schnell ist mir klar geworden, dass das zu viel ist – und es auch gar nicht nötig ist, alles im Detail zu erzählen, um die Botschaft rüberzubringen. Deshalb hier die Kurzfassung:

Die Nachbereitungen

Nach der Konferenz waren wir alle richtig platt. Emotional und physisch völlig ausgelaugt. Trotzdem haben wir in den kommenden Tagen und Wochen noch einmal alle Energiereserven ausgeschöpft, aufgeräumt, Material sortiert, Gespräche geführt und (oh Wunder) tausende von Kisten geschleppt. Auch die Finanzen habe ich abgewickelt, Rechnungen sortiert, mich mit meinem alten Laptop und Google-Sheets rumgeschlagen, alles, was das BMBF haben möchte fein säuberlich dokumentiert und dabei auch einige Stunden mit der Vereinsfinanzerin gequatscht. Schnell war klar: Konferenz fertig ≠ Arbeit fertig. Das geht in keinem Universum zusammen.

Über Verbundenheit und Nostalgie

Und auch wenn das jetzt alles nach viel Arbeit klingt, war die Zeit nach der Konferenz auf eine ganz eigene Art wundervoll. Diese Verbundenheit, die ich durch all die gemeinsamen Erinnerungen mit den anderen empfunden habe, war und ist etwas ganz besonderes. Oft saßen wir zusammen, mal um die Liebespost zu lesen, die uns auf der Konferenz geschrieben wurde, mal, um alles nachzubesprechen, mal um mit unseren Helfis zu nachzufeiern und zuletzt sind wir mit einer Gruppe auch nach Greifswald gefahren, um der kommenden AFS zu helfen. Alle diese Treffen hatten gemein, dass wir ewig viele Geschichten erzählten, gemeinsam lachten, uns erinnerten an das was war, ausnahmslos leckeres Essen bestellten und dabei jedes Mal auch ein wenig nostalgisch wurden – denn eins war klar: unsere gemeinsame Zeit neigt sich dem Ende zu – und dazu war ich noch nicht bereit.

Was das Leben noch so gebracht hat

Zum Glück hatte ich damals aber auch nicht besonders viel Zeit, über diesen Abschied nachzudenken. Denn in der Zeit ist neben den ganzen PsyFaKo-Events noch so viel anderes passiert, dass ich nie so ganz zur Ruhe kommen konnte und all das verarbeiten konnte. So ging es für einen Teil der Fachschaft Ende Juni zur Psycholympia – einem Festival für Psychologie-Studis, auf dem wir ein Wochenende lang Spaß hatten – und endlich frei von Verpflichtung die Zeit genießen konnten. Und zwischen Geburtstagen, vielen langen Abenden im Fachschaftszimmer mit Snacks und Döner, Mimis Verabschiedung aus München, Gedanken über die Liebe, einem spontanen Piercing und einem Besuch von Freunden aus der PsyFaKo gab es schließlich auch noch den Ernst des Lebens – mit Sorgen um meine Beziehung, Klausuren, Abgaben und dem Antrag auf Weiterförderung bei meinem Stipendium, für den ich dringend gute Noten brauchte. Rückblickend betrachtet, grenzt es an ein Wunder, dass das alles so gut geklappt hat – bis auf die Beziehung, aber das ist ein Thema für ein anderes Mal – denn auch das ist eine Geschichte mit Happy End, wenn auch der etwas anderen Art. Wie auch immer – viel für die Klausuren gelernt habe ich in der Zeit ganz sicher nicht – dafür war ich viel zu sehr damit beschäftigt, mein Leben zu leben. Die Zeit hat sich einfach so intensiv angefühlt – meine Erinnerungen daran sind noch heute so bunt und lebhaft wie für kaum eine andere Zeit – da war für langweilige Karteikarten kein Platz in meinem Kopf. Und doch hat am Ende alles geklappt – auch wenn ich gemerkt habe, dass das nicht immer zwingend das ist, was wirklich zählt.

Was wirklich zählt

Die PsyFaKo hat mein Leben ins Wanken gebracht. Was als kleine, naive Idee in unserer Fachschaft angefangen hat und aus der Ferne aussehen mag, wie eine blöde kleine Tagung, hat mein Leben sehr bewegt – und das hätte ich in dem Ausmaß nie erwartet. In der ganzen Zeit konnte ich eine Menge lernen, einerseits offensichtlich etwas über die Organisation von Konferenzen (und darüber wie ich mit absoluter Überforderung umgehen kann), andererseits aber auch eine Menge über uns Menschen und über mich. Ich habe gelernt, wie wichtig Teamarbeit ist, wie viel man gemeinsam schaffen kann und wie schön es ist, an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten und an Herausforderungen zu wachsen. Ich habe gelernt, dass ich deutlich belastbarer bin, als ich gedacht habe, dass ich auf mich selbst vertrauen kann und dass es wichtig ist, auf mich zu hören, auch wenn das manchmal schmerzhaft ist. Außerdem habe ich germerkt, wie wichtig es ist, nicht alles im Leben immer so ernst zu nehmen und die Dinge so zu nehmen, wie sie eben kommen. Vieles kann ich sowieso nicht beeinflussen und muss das vielleicht auch gar nicht. Denn ganz oft kommen die schönsten Momente im Leben erst dann, wenn ich es schaffe, ein Stück weit loszulassen und mich auf das Leben einzulassen, anstatt alles kontrollieren zu wollen. 

Zu guter Letzt habe ich aber vor allem eines mitgenommen: Erinnerungen an eine unvergessliche Zeit und tolle neue Menschen, die mein Leben bis heute bereichern und die mittlerweile zu Freunden geworden sind, ohne die ich mir mein Leben hier gar nicht mehr vorstellen möchte. Und gerade deshalb bin ich mir so sicher, dass ich mich ohne die Konferenz heute hier in München nur halb so sehr Zuhause fühlen würde. Und dieses Gefühl, hier Zuhause zu sein und so tolle Menschen um mich herum zu haben, die mein Leben bunt machen, auf die ich mich verlassen kann und bei denen ich ganz ich selbst sein kann, das ist wirklich das allergrößte Geschenk.

PsyFaKo – die heiße Phase (3/5)

Die Konferenz in Bonn war vorbei – das heißt, wir sind die nächsten. Die nächsten, die die PsyFaKo ausrichten werden. Das heißt, jetzt geht es wirklich richtig los.

Und das ging es auch. Ab Januar haben wir uns jede Woche getroffen und besprochen was ansteht. Und da war zwischen verworrenen Ablaufplänen, Veranstaltungsgenehmigungen, Ärger mit der Raumverwaltung, Koordination des Grußwortes, der verzweifelten Suche nach Schlafplätzen und natürlich auch etwas Gossip wirklich alles dabei. Neben den wöchentlichen Treffen kamen noch monatliche Meetings mit Vereinsvertretern dazu sowie regelmäßige Treffen mit der Vereinsfinanzerin, mit der wir abstimmmen mussten, wie wir finanzielle Entscheidungen treffen können und wie wir das Geld am besten mit dem Verein abrechnen können. Denn Konferenzfinanzen sind vieles – aber nicht unabhängig. Alle Konten, die wir nutzen konnte, liefen über den Verein und so mussten wir uns immer wieder abstimmen, wie das am besten für alle Beteiligten funktionieren kann. Das war am Anfang nervig, aber irgendwann fand ich die Zusammenarbeit und den Austausch auch schön – so musste ich nicht alle finanzielle ganz allein überlegen und entscheiden.

Neben all den regelmäßigen Treffen haben wir bis zum Sommersemester auch drei Mal am Wochenende getroffen, um gemeinsam auch mit anderen Vereinsgremien an Konzepten für unsere Konferenz zu arbeiten. So hatten wir in Februar zum Beispiel Besuch von den anderen AFSen. Sowohl die Bonnies, die die letzte Konferenz ausgerichtet haben, als auch der L‘Ostblock, der die Konferenz nach uns ausrichtet waren da (& ja die hießen wirklich so), um mit uns noch einmal das Raumkonzept und den Ablauf durchzusprechen und alle offenen Fragen zu beantworten. Im März waren dann der Vereinsvorstand und der KonRat, die Außenvertretung des Vereins, da um die wichtigen Abläufe von ihrer Seite zu besprechen und auch nochmal über grundlegende Fragen zu klären, die zum Beispiel die Geschäftsordnung des Vereins betrafen. Bei einem weiteren Treffen nur unter uns haben wir dann noch eine Videoreihe für Social Media gedreht.

Kurz gesagt – wir haben uns in der Zeit wirklich oft getroffen und das war manchmal auch anstrengend. Aber je länger ich dabei war und je länger wir alle zusammenarbeiten konnten, desto mehr sind mir die Menschen auch ans Herz gewachsen und ich habe die gemeinsame Zeit sehr genossen. Es gab immer etws zum Lachen und die Arbeit an der Konferenz hat uns als Gruppe echt zusammengeschweißt. Und so verging die Zeit & viel schneller als gedacht stand schon das Sommersemester vor der Tür – und damit war auch unsere Konferenz nicht mehr weit.

Zum Glück hatten wir die Semesterferien genutzt und endlich unseren Sponsorenbrief verschickt, was bedeutet, dass wir pünktlich zu Semesterstart endlich nicht nur einen Finanzplan hatten, sondern auch erstes Geld, um all die Pläne umzusetzen. Aber Geld haben bedeutet eben auch, Geld zu verwalten und auszugeben. Und so schön das klingt, Spaß macht das ganz sicher nicht immer. Denn das bedeutet auch das man überlegen muss, was gerade am wichtigsten ist, wer für was als erstes Geld bekommt. Es bedeutet, dass man coole Ideen vertrösten muss, darauf achten muss, dass alles ins Budget passt. Dass man Rechnungen verwalten und dokumentieren muss (und das dauert deeeutlich länger als man denkt). Und dass man entscheiden muss, welches Material bestellt werden kann, welche Produkte gut sind und wenn man sie dann bestellt auch wo man sie die nächsten Monate lagern kann. Weil München bleibt leider München – fast niemand hat Platz Material für eine Konferenz mit 250 Teilnehmenden einzulagern. 

Mein Mood während der Planung von Bestellungen

Und spätestens an dem Zeitpunkt, als ich nach viel hin und her zu dem Schluss gekommen bin, dass es am einfachsten ist, vieles erstmal bei mir zu lagern (ich habe Platz, ein Auto, um alles in die Uni zu transportieren und Zugang zu Geld), wusste ich, dass das kein Spaß wird. Es ist zwar (zum Glück) nicht alles bei mir gelandet, aber eben doch ein beträchtlicher Teil. Und so war es immer wieder schön die Pakete alle die 60 Stufen zu meiner Wohnung hochzuschleppen, mich mit Online-Händlern über fehlende Rechnungen und gesperrte Konten zu streiten (& da hat Amazon leider einen äußerst inkompenten Kundendienst, die haben mir den allerletzten Nerv geraubt) und dann auch nach alle Materialien auf die wildesten Arten vor der Konferenz nach München zu bringen. Ich habe stundenlang im Auto gesessen, Material bei den anderen abgeholt und bin durch München gekurvt (aber hei – ich weiß jetzt, warum ÖPNV so sinnvoll ist). An anderen Tagen ging es bewaffnet mit einem Rollbrett in die S-Bahn und U-Bahn nur um festzustellen, dass es alles andere als einfach ist, den riesigen Berg an Kisten den man da so draufstapeln kann auch alleine bei allen Umstiegen zu manövrieren. Außerdem kam es immer wieder zu unschönen Überraschungen – mal kam die Slushmaschine um 9 Uhr morgens an der Uni an, während ich noch im Bett lag, mal wurden die Pakte an falsche Adressen geliefert (nach fucking Lübeck zum Geschäftssitz vom Verein), mal kamen Pakete beschädigt oder in der allerletzten Paketbox in ganz München an.

Regelmäßiges Workout beim Materialtransport

Und trotzdem war es irgendwie cool. Es hat Spaß gemacht, all das Material herauszusuchen, die Materialliste zu verwalten und mit den anderen zu überlegen, was wir alles mit dem Geld anstellen können – und dann die Pakete zu öffnen, als wäre es jeden Tag Weihnachten. Es war richtig schön, Geld für coole Sachen auszugeben, an denen wir und die Teilnehmenden Spaß haben würden. Und durch so mach einen Materialtranport habe ich sogar nette Begegnungen gehabt. Immer wieder haben mir wildfremde Menschen geholfen. Beim Einladen und Tragen, der SEV hat auf mich gewartet – und der Busfahrer hat mit mir mein Rollbrett entladen – und einmal wurde ich sogar mit meinem ganzen Krempel ein Stück im Auto mitgenommen. Richtig cool war auch unser Einkauf im Ikea, bei dem wir endlich Geld für Zeug ausgeben konnten, das wir uns so nie selbst kaufen würden und dann mit einem Auto voller Lagerkisten, Deko und vorallem Pflanzen (für Dankesgeschenke) zurückgefahren sind. 

Unser Ikea-Einkauf

Und so stand ich eine Woche vor der Konferenz „nur noch“ zwei Aufgaben gegenüber: der Metroeinkauf und das Sortieren aller Materialien in der Uni. Und das war beides – oh Wunder – ein absoluter Pain. Aber erstmal zum Metroeinkauf. Am Mittwoch vor der Konferenz ging es zu dritt ganz früh am Morgen los. „Das wird bestimmt cool und sooo lang dauert es bestimmt nicht“ – so unsere Einstellung zu Beginn. Turns out wenn man Material UND Früstückssachen UND Snacks für 250 Menschen für vier Tage kauft, ist das alles, aber NICHT entspannt. Die ersten zwei Stunden waren noch cool. Wir sind durch die Gänge gefahren und haben philosophiert, welches Zeug wir brauchen könnten und jede Menge nice Sachen in den Einkaufswagen eingeladen. Die nächsten zwei Stunden waren auch noch okay. Wir haben Snacks für unsere Helfenden gekauft und Alkohol für das Freizeitprogramm – das hat noch Spaß gemacht. Die letzten zwei Stunden aber waren die Hölle. Wir mussten OHNE Einkaufsliste Snacks für 250 Menschen einkaufen. Wir waren alle schon völlig durch. Gleichzeitig hatten wir mittlerweile VIER Einkaufswägen für DREI Personen, die alle völlig überladen waren und waren zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal fertig. Und so mussten wir erstmal bezahlen. An der Kasse hat es ewig gedauert – wir mussten alles ausladen und wieder einladen – aber immerhin war die Kassiererin freundlich und geduldig. Und als wir endlich fertig waren und ich zu dem Zeitpunkt schon mehrere tausend Euro ärmer – ging es nochmal rein für 80kg Bananen und viel zu viele Liter Hafermilcv. Nachdem auch das geschafft war kam die nächste Herausforderung – denn so viel Material, wie auf fünf große Metroeinkaufswägen passt, passt auch mit den besten Tetris-Fähigkeiten nicht in einen Ford Kuga. Und so sind wir mit einem völlig überladenen Auto (Egal was man aufgemacht hat, es ist erwas herausgefallen) Richtung Uni gefahren – und haben eine von uns zurückgelassen, um mit den restlichen Einkäufen auf unseren Transporter zu warten. 

Nach ewigem Hin und Her war aber immerhin eines klar – ich darf in der Prof-Tiefgarage direkt an der Uni parken. Dort angekommen waren wir nur noch genervt, eigentlich wollten wir längst in der Uni sein, wir hatten noch Veranstaltungen, in die wir gehen wollten, aber es hatte ja niemand ahnen können, dass der Einkauf geschlagene SECHS Stunden dauern würde – und so haben wir das Auto vollbeladen in der Tiefgarage stehen lassen und sind erstmal in unsere Vorlesungen gegangen. 

Einkaufswagen 1/5

Und nach der Vorlesung war es (leider) noch lange nicht vorbei. Immerhin hatte in der Zwischenzeit jemand das Auto ausgeladen, das war eine Erleichterung. Aber jetzt stand ein kompletter Raum voller Essen und Material – und das war völlig unsortiert und das reinste Chaos. Die nächsten anderthalb Tage habe ich also in unserem Lagerraum verbracht, bis alles umgeräumt, sortiert und beschriftet war. Das war mit Abstand die überfordernste Aufgabe in der gesamten Vorbereitung der Konferenz, denn man konnte sich in dem kleinen Raum so oder so kaum bewegen, musste ständig über Kisten steigen und alles hin – und herschieben. Umso stolzer war ich, als der Raum am Vormittag vor der Konferenz dann endlich fertig sortiert war. Währenddessen waren die Vorbereitungen und der Aufbau schon in vollem Gange. Denn in wenigen Stunden war es soweit – die ersten Teilnehmenden würden kommen.

PsyFaKo – die ersten Vorbereitungen (2/5)

Nachdem wir in Bochum als nächste AFS gewählt wurden – mehr dazu im letzten Beitrag – wurde mir erst so richtig bewusst, was das eigentlich bedeutet. Wir – eine Gruppe aus 10 Psychologie-Studis – würden eine Konferenz in München organisieren, auf der sich vier Tage lang 250 Fachschaftler treffen werden. Und eine Konferenz organisieren bedeutet eben viel mehr als nur einen Konferenzplan erstellen. Es bedeutet auch Sponsoren finden, Schlafplätze suchen, Essen und Getränke organisieren, Helfer anwerben, Räume buchen, ein Freizeitprogramm gestalten, sich auf ein Logo einigen, tausende Materialien bestellen, einen Antrag beim BMBF (damals noch Bundesministerium für Bildung und Forschung) betreuen, sich im dahinterstehenden Verein zu engagieren, Mails zu beantworten und und und… Kurz gesagt – es ist seeeehr viel Arbeit. Aber das Gute ist: es haben schon andere vor uns geschafft – also ist es nicht unmöglich.

Um nicht völlig den Überblick zu verlieren, haben wir uns schon ganz zu Beginn nach Themengebieten in Ressorts aufgeteilt und uns damit an vergangenen Konferenzen organisiert. Ich selbst war zuständig für „Ressourcen“ – also Finanzplanung, BMBF und Materialien, gemeinsam mit Mimi, die sich um Sponsoren gekümmert hat. Daneben gab es noch sechs andere Ressorts: Konferenzstruktur (für den Ablauf, Vortragende und Räume), Kost & Logis (für Verpflegung und Unterkünfte), Freizeit (für das Freizeitprogramm und die Party), Kommunikation (für Social Media, die Website, alle Dokumente, Mails und die Anmeldung), Vor Ort (für die Helfenden und jeglichen Kleinkram für die Konferenz) und den Konrat (für die Kommunikation mit dem Verein). 

Da unsere Wahl zur AFS kurz vor den Semesterferien und den Klausuren stattfand, haben wir uns darauf geeinigt, dass sich über die Semesterferien über seinen Bereich informiert und wir mit unserer Arbeit erst im Wintersemester so richtig loslegen. Und so war eines unserer ersten Treffen das AFS-Vernetzungstreffen in Bonn. Neben der Konferenz richtet nämlich jede AFS auch ein sogenanntes Vernetzungstreffen aus, bei dem die vorherige AFS, die aktuelle AFS und die darauffolgende AFS sich treffen, um Fragen zu klären und gemeinsam an Bereichen zu arbeiten, die aktuell noch problematisch sind. 

Vor Bonn war es nun also meine Aufgabe, alle Vereinsdokumente (des PsyFaKo e.V.s, der Verein, der hinter der Ausrichtung der Konferenz steht) zu durchstöbern, die ich zu AFS-Finanzen finden konnte. Leider sind viele Dokumente maßlos veraltet, sodass ich am Ende fast noch mehr verwirrt war als vorher. Das hat in mir ein ungutes Gefühl des Kontrollverlustes ausgelöst. Ich hatte eine Aufgabe – unsere Finanzen verwalten – und gleichzeitig keine Ahnung, was ich dafür genau tun sollte. Zum Glück konnte ich in Bonn jede Menge meiner Fragen stellen. Die Studis aus den anderen AFSen auf Bochum und Bonn waren total freundlich und ich habe mich sofort viel besser aufgehoben gefühlt, als ein Teil eines größeren Ganzen. Das hat mir für den Moment ein wenig die Sorge genommen und das Wochenende hat sogar richtig Spaß gemacht. Wir konnten eine Menge von den anderen lernen und gleichzeitig das allererste Mal ein Gefühl für den Zusammenhalt bekommen, der hinter den ganzen Konferenzen steht. Das war das erste Mal seit langem richtig schön.

Im neuen Semester ging es dann langsam „so richtig los“. Nachdem ich in den Ferien wegen Unklarheiten in unserem BMBF-Antrag schon erste sehr große Zweifel an meiner Entscheidung hatte – ich hatte bis dato kaum Ahnung von BMBF-Anträgen und Amtssprache und da wurde mir mit Zeitdruck alles auf einmal um die Ohren gehauen – es ging schließlich um über 20000€ – habe ich mich gefreut endlich wieder mit den anderen zusammenzuarbeiten. Und so sind wir dann tatsächlich in unsere eigenen Konferenzplanung gestartet. Jeder hat sich zunehmend mit den eigenen Aufgaben vertraut gemacht, wir haben stundenlang über unser Logo diskutiert (& jaaaa das ist für alles seeehr relevant), versucht, einen Termin zu finden und gemeinsame Pläne geschmiedet. Ich habe unseren Finanzplan erstellt – das war sogar richtig cool – und mich informiert, wann ich was am besten mache. So langsam hatte ich das Gefühl, besser in meiner Aufgabe anzukommen und wenigstens nicht die ganze Zeit überfordert zu sein, sondern nur zwischendurch, wenn ich wieder auf etwas gestoßen bin, was ich noch nie gehört habe, was aber unfassbar wichtig sein musste. Aber obwohl ich langsam besser wusste, was ich genau machen muss, habe ich mich immer mehr gefragt, wofür ich das alles eigentlich mache. Ich war selbst nie auf einer Konferenz und konnte mir nicht so richtig vorstellen, dass das wirklich richtig cool wird und dass sich all der Aufwand lohnen würde. Denn aufwendig war es auf jeden Fall – und ich war mir nicht hundertprozentig sicher, ob das nicht alles eine massive Zeitverschwendung war. 

Um diese Frage zu beantworten (& auch weil sieben von zehn Menschen aus unserer AFS noch nie auf einer Konferenz waren – wir also die ganze Zeit Ideen aus dem leeren Raum sammeln) ging es im November 2024 dann los zu meiner allerersten PsyFaKo nach Bonn – der letzten Konferenz vor unserer eigenen im Juni 2025. Und um es kurz zu sagen: es war richtig richtig toll. Wir konnten dort eine Menge darüber lernen, wie eine Konferenz abläuft. Wir konnten uns als Team nochmal besser finden und Fragen klären. Wir konnten Kontakte zu anderen Fachschaften knüpfen. Und vor allem habe ich so richtig gemerkt, was für eine tolle Gemeinschaft auf einer Konferenz eigentlich entstehen kann und wie schön es sich anfühlen kann, ein Teil davon zu sein. Natürlich besteht eine solche Konferenz zu großen Teilen aus Plenas, Fachvorträgen oder anderen inhaltlichen Angeboten. Aber es ist für viele Menschen dort eben noch so viel mehr als nur eine inhaltliche Veranstaltung. Es bedeutet Freundschaften knüpfen und einander wiedersehen und vor allem Gemeinschaft – und das hat mir wirklich gut gefallen. 

Und wenn ich eins aus Bonn mitgenommen habe, dann ist es das folgende: uns wird im nächsten halben Jahr vor unserer Konferenz scheiße viel Arbeit erwarten – das kann man nicht schöner sagen – aber es wird sich lohnen, für all die Menschen, die dorthin kommen und sich darauf freuen – für das Gefühl dahinter. Und das allererste Mal habe ich mich tatsächlich und aus vollem Herzen auf die Konferenz gefreut.

Abschluss auf der PsyFaKo in Bonn

PsyFaKo – Die Bewerbung (1/5)

PsyFaKo – Hääää was ist denn das? Das ist so ungefähr das, was ich gedacht habe, als die PsyFaKo in meinem ersten Semester das erste Mal bei uns in der Fachschaft erwähnt wurde. Kurz gesagt – die PsyFaKo ist die Psychologie Fachschaften Konferenz, bei der sich einmal im Semester Vertreter aller Fachschaften aus dem Deutschsprachigen Raum für vier Tage treffen und über verschiedenste hochschulpolitische Themen sprechen und sich miteinander vernetzen. So kurz, so gut – aber was soll ich denn bitte da? Das war so ziemlich die nächste Frage, die ich mir nach der kurzen Erklärung gestellt habe. Ich konnte mir sehr viel Schöneres vorstellen, als ein Wochenende mit mir komplett fremden Fachschaftlern zu chillen und über irgendwelche Dinge zu sprechen, von denen ich überhaupt keine Ahnung hatte – die Entscheidung war schnell klar – da will ich nicht hin. 

Und so vergingen ein paar Wochen, die PsyFaKo hatte ich schon längst wieder vergessen, bis zu der Fachschaftsitzung, in der ein -„ ja, wenn sich niemand anderes findet“ – einen deutlich größeren Einfluss auf mein Leben hatte, als ich es jemals für möglich gehalten hätte. Es war die Woche vor der PsyFaKo im Wintersemester 2023 in Ulm in der ein Fachschaftler – offensichtlich großer Fan der Konferenz – gefragt hat, ob wir uns nicht in dem Fall, dass sich keine Fachschaft findet, die die nächste Konferenz ausrichtet, dazu bereit erklären würden, die Konferenz zu organisieren. Es ist nämlich so: die PsyFaKo findet jedes Mal an einem anderen Ort statt und wird dort von einer ausrichtenden Fachschaft (AFS) organisiert. Aber dafür muss sich eben immer auch eine Fachschaft finden, die dazu bereit ist. Und so sagte ich (& noch einige andere): ja, wenn sich niemand anders findet, machen wir das zur Not. 

Zum Glück hat sich damals auf der PsyFaKo in Ulm eine andere Fachschaft, die Bonner, gefunden, die die Konferenz ausrichten würde. Aber nachdem sich unsere Fachschaft mit so vielen Menschen bereit erklärt hatte, die Konferenz „zur Not“ auszurichten, kam bei dem besagten Fachschaftler die Idee auf, uns auf die Ausrichtung der Konferenz für den Sommer 2025 zu bewerben. Und so hat er eine Gruppe für ein erstes „ganz unverbindliches Treffen“ erstellt, in der jeder gelandet ist, der gesagt hat „ja, wenn sich kein anderer findet, bin ich dabei“. Und als ahnungslose und Kontakte suchende Ersti war es damit um mich geschehen. Ehe ich mich versah, war ich Teil einer Gruppe, die sich tatsächlich freiwillig darauf bewirbt eine Konferenz in München auszurichten. Wie weitreichend diese Entscheidung sein würde, war mir damals noch nicht klar, denn was die PsyFaKo überhaupt ist, wusste ich nur aus Erzählungen, gesehen hatte ich das selbst noch nie. 

Trotzdem war es vor der Bewerbung irgendwie eine lustige Gruppe – wir bekamen erste Zahlen und Fakten (eine Konferenz hat 250 Teilnehmer, geht vier Tage lang, findet seit 20 Jahren statt und wird getragen vom PsyFaKo e.V.), haben uns hin und wieder getroffen und ein Bewerbungsvideo vorbereitet, mit dem wir uns dann auf der nächsten Sommerkonferenz in Bochum im Juni 2024 bewerben wollten. Der Videodreh war sogar richtig cool, wir haben uns mehrfach getroffen, an verschiedenen Orten in München gedreht und Pläne geschmiedet, wie das dann wohl sein würde. Ich habe tolle neue Kontakte geknüpft – das Leben war gut. Je näher die Konferenz in Bochum dann aber rückte, desto unsicherer wurde ich mir – mir graute zunehmend, wie aufwendig dieses ganze Unterfangen eigentlich werden würde und ich war mir nicht sicher, ob ich das wirklich wollte.

Am Tag der Abstimmung war ich dann Zuhause – ich war nicht mit nach Bochum auf die PsyFaKo gefahren, weil ich an dem Wochenende bereits verplant war. Je näher die Abstimmung kam, desto nervöser wurde ich. So schön die Zeit der Bewerbung auch war, hoffte doch ein zunehmend großer Teil von mir, dass wir einfach nicht gewählt werden. Und dann gegen Nachmittag kam ein Bild in unsere Gruppe: Vorne steht meine Fachschaft in Tracht, darüber die Abstimmung, auf der man klar erkennen konnte, dass wir gegen die Fachschaft aus Bamberg gewonnen hatten. Und so sehr sich die Menschen auf dem Foto darüber freuten, konnte ich diese Freude nicht mitempfinden. In mir war ein großes Unwohlsein und eine Stimme, die sich fragte, wie eine Gruppe, wie wir – bestehende aus fast nur Erstis und noch mehr Menschen, die noch nie eine PsyFaKo gesehen haben – es jemals schaffen soll, auch nur ansatzweise eine Konferenz zu organisieren.

Sechs Wochen Sucht

Im März habe ich mich kurzfristig entschlossen, mein zweites Praktikum schon in den Semesterferien im Sommer zu machen, damit ich im Winter genug Zeit für meine Bachelorarbeit habe. Als ich dann nach Praktikumsplätzen geschaut habe, war mir der Schwerpunkt der Klinik egal, da ich so spät dran war und froh sein konnte, wenn ich überhaupt noch einen Platz finden würde. Dementsprechend habe ich mich bei jeder Klinik im Sauerland, meiner Heimat, beworben und dabei wenig darauf geachtet, was für eine Art von Klinik es eigentlich ist. Als ich dann im April die Zusage für einen Praktikumsplatz in einer Rehaklinik für Suchterkrankte bekommen habe, war ich erstmal erleichtert, einen Platz gefunden zu haben.

Als das Praktikum dann im August losging und ich der Station für „Drogenabhängige“ zugeteilt wurde, merkte ich aber schnell, dass ich an einem besonderen Ort gelandet war. Zum einen werden Suchtpatienten in der Reha relativ lange behandelt, zwischen 12 und 22 Wochen, was bedeutet, dass man die Möglichkeit hat, die Patienten und ihre Geschichte in dieser Zeit sehr intensiv kennenzulernen und gleichzeitig auch ihre Entwicklung beobachten kann. Andererseits sind Suchtpatienten, besonders bei Drogensucht, auch Menschen mit einem vielfältigen Hintergrund. Viele leiden zusätzlich an anderen psychischen Erkrankungen, haben eine bewegende Vergangenheit, einige stammen schon aus Familien mit Suchterkrankungen, manche kämpfen schon sehr lange mit ihrer Erkrankung, andere erkennen sie noch nicht richtig an und wieder anderen fehlt die Motivation, tatsächlich etwas bei sich zu verändern. Kurz gesagt: obwohl all diese Menschen eines verbindet – ihre Suchterkrankung – könnten sie oft nicht verschiedener sein. Das hat die Arbeit dort spannend gemacht, da man sehr individuell auf die einzelnen Patienten schauen musste und so gut wie jeder eine bewegende Lebensgeschichte mitgebracht hat.

Gleichzeitig war ich am Anfang sehr verunsichert. Mit den meisten Drogen war ich in meinem Leben noch nie in Kontakt gekommen. Außer Alkohol habe ich selbst keine Substanzen konsumiert und selbst den Konsum von Tabak und Cannabis habe ich nur bei anderen beobachtet. Wenn ich an Drogenabhängige gedacht habe, waren das für mich irgendwelche finsteren, zum Teil auch gefährlichen Typen, die am Bahnhof in der Ecke lauern und dabei vielleicht sogar noch kriminell sind. Und einige dieser Klischees haben sich zumindest nicht als komplett unbegründet erwiesen. Der Großteil der Patienten war männlich und zwischen 20 und 40 Jahre alt. Einige von ihnen waren sehr impulsiv, unter Drogenkonsum auch aggressiv und sind durch ihre Abhängigkeit auch in die kriminelle Szene gerutscht. Aber etwas, was ich hinter all meinem Klischee-Denken davor oft vergessen habe und in meiner Zeit dort lernen konnte, ist, dass all das auch Menschen sind. Menschen mit einer Geschichte, mit Gefühlen, Gedanken und Sorgen. Menschen, denen schlechte Dinge widerfahren sind, die Entscheidungen getroffen haben, die im Nachhinein verheerende Konsequenzen gehabt haben, in dem Moment selbst aber vielleicht als der einzige Ausweg erschienen sind. Und vor allem sind das Menschen, die noch so viel mehr sind als „nur“ ihre Erkrankung. Natürlich wird die Erkrankung immer ein Teil von ihnen bleiben. Das Tragische an Suchterkrankungen ist nunmal, dass sie chronisch sind und nie vollends verschwinden. Gleichzeitig sind sie aber nicht das einzige, was diese Menschen ausmacht. Das war eine wirklich wertvolle Erkenntnis. In den sechs Wochen, in denen ich da war, konnte ich viele spannende Menschen kennenlernen. Ich konnte auch von den Patienten noch eine Menge lernen und mitnehmen und bin dankbar, dass sie mich an ihrer Geschichte und ihrem Leben haben teilhaben lassen und mir eindrucksvoll gezeigt haben, dass noch so viel mehr in ihnen stecken kann. 

Eine Sache, die ich allerdings auch gelernt habe, ist es, wie wichtig es ist, die Patienten ihren eigenen Weg gehen zu lassen. Oft ist es von außen (& aus therapeutischer Sicht) scheinbar einfach, den vermeintlich richtigen Weg – in diesem Fall ohne Drogen – zu sehen, den die Patienten gehen können. Allerdings können Therapeuten diese Entscheidungen nicht treffen, sondern die Patienten lediglich auf ihrem Weg begleiten. Denn welchen Weg sie gehen möchten, das liegt allein bei ihnen. Es mag von außen betrachtet dann nicht immer „der beste Weg“ sein, aber es liegt nicht nur in meiner Macht, Entscheidungen gegen den Willen dieser Erwachsenen zu treffen und sie zu bevormunden, solange sie noch in der Lage sind, eigene Entscheidungen zu treffen. Sie sind ein Stück weit verantwortlich dafür, was mit ihrem Leben passiert und wenn sie Hilfe benötigen und auch annehmen wollen, dann gebe ich mein Bestes, sie dabei zu unterstützen. Möchten sie das allerdings nicht, so ist das auch in Ordnung und sogar ihr gutes Recht. Es ist ihre Entscheidung und vielleicht ist der ein oder andere einfach noch nicht so weit, die Hilfe wirklich anzunehmen und das Leben zu verändern. Ich kann ihnen dann meinen Rat und meine Unterstützung anbieten und muss lernen zu akzeptieren, dass es auch Menschen geben wird, die sich nie für einen Weg aus der Suchterkrankung entscheiden werden. Das ist mir immer wieder schwer gefallen, weil ich in diesen oft noch jungen Menschen so viel Potential für ein „normales“ und glücklicheres Leben gesehen habe, sich diese Menschen aber nicht immer für ein Leben ohne Drogen entscheiden konnten und wollten. Das zu sehen, war manchmal sehr schmerzhaft.

Trotzdem hat mich das Praktikum viel weiter gebracht. Es hat mir eine wirkliche Freude bereitet mich den Patienten dort zusammenzuarbeiten. Viele von ihnen sind ganz sicher nicht das, was man als „leichte Patienten“ bezeichnen würde und das kann frustrierend sein. Auf der anderen Seite ist es dann umso schöner zu sehen, wenn die Menschen dort Fortschritte machen und das, obwohl sie zum Teil wirklich ziemlich unvorteilhafte Startbedingungen hatten und zu Beginn nicht motiviert waren, ihr Leben zu verändern. Besonders schön fand ich es auch, so viele Menschen und ihre oft auch berührenden Geschichten kennenzulernen und sie ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten zu dürfen. Dadurch durfte ich mal wieder lernen, dass diese Menschen so viel mehr sind als ihre Erkrankungen und das dahinter so viel mehr steht als einfach nur „Schwäche“ und „Faulheit“.

Wenn ich heute an Menschen mit Suchterkrankungen denke, denke ich nicht mehr nur an finstere Typen am Bahnhof. Vielmehr denke ich an all die Menschen, mit ihren verschiedenen Schicksalen und frage mich, was bei dem einzelnen wohl der ausschlaggebende Punkt war, zu einem Suchtmittel zu greifen. Neben meiner Vorsicht ist da nun auch eine stärker werdende Neugier und der Wunsch, diesen Menschen eine helfende Hand zu reichen, wenn sie dafür bereit sind. & damit meine ich nicht nur Hilfe im Sinne von therapeutischer Hilfe zur Abstinenz, sondern auch für die Menschen, die dafür noch nicht bereit sind. Dieses Gefühl, dass ich dann empfinde, zeigt mir auch wieder, dass ich vielleicht doch den klinischen Weg in meinem Master einschlagen möchte, um irgendwann wirklich eine Person zu sein, die Menschen wie diesen auch therapeutisch helfen kann. Und das ist ein Gefühl, was mir Kraft und Mut für meinen weiteren (noch sehr langen) Weg bis dahin gibt.

Zweitausendvierundzwanzig

2024 war ein Jahr voller Erinnerungen, voller schöner und manchmal auch trauriger Momente. Voller Emotion und voller toller Menschen. Deshalb möchte ich in diesem Jahr einen kurzen Rückblick wagen und das vergangene Jahr Revue passieren lassen.

Das Jahr ist ruhig und dunkel gestartet. Im Januar und Februar standen Klausuren an und das dunkle regnerische Wetter haben es wirklich schwer gemacht, mich zu irgendetwas zu motivieren. Nichtsdestotrotz haben einige tolle Ausflüge meinen Alltag versüßt so habe ich gemeinsam mit meiner Familie die Harry Potter Ausstellung in Köln besucht und war (wie so viele andere auch) auf Demos für unsere Demokratie in München.

Demo in München

Als die ersten Klausuren dann endlich geschafft und bestanden waren, konnte ich auf einem Städtetrip nach Wien und Prag ein wenig entspannen und endlich wieder Gedanken fassen, die ganz weit weg waren von Psychologie und Klausuren. Der Trip hat mir sehr gut getan und es war schön, wenn auch nur kurz, ein bisschen Reisefieber zu bekommen und einen völlig neuen Ort zu erkunden.

Blick über Wien

Im Anschluss an den Urlaub habe ich dann mein erstes Praktikum absolviert. Am Anfang hatte ich große Angst und war unsicher, wie ich mit dem Menschen auf einer psychatrischen Station umgehen soll, habe aber nach und nach gelernt, wie wichtig es ist, die Menschen dort zu sehen, wie sie sind – nämlich als Menschen. Das Praktikum hat mir wirklich geholfen, ein besseres Bild von der Arbeit als Psychotherapeut zu bekommen, obwohl die Arbeit im Krankenhaus natürlich nur eine von vielen ist.

Als das Praktikum dann vorüber war, hatte ich noch ein wenig Zeit, Zeit mit Freunden zu verbringen und wieder in München anzukommen, bevor das Sommersemster so richtig losgeht.

Gasometer in Oberhausen

Das Sommersemester selbst verging dann wie im Flug und brachte viele schöne Momente mit sich. Wir hatten Besuch aus der Heimat, waren in der Sonne unterwegs, waren in der Heimat und konnten München endlich von seiner besten Seite kennenlernen. Meine Highlights des Semesters habe ich hier mal mitgebracht:

Besuch in München
Schützenfest in der Heimat
Entspannungsurlaub in Niedersachsen
Abiturfeier von Alexa

Nach einem wirklich schönen Sommersemester folgte eine (wirklich nicht so schöne) Prüfungsphase. Neben vier umfangreichen Klausuren standen noch ein Forschungsbericht und ein Portfolio mit Postern und Podcasts an. Dementsprechend viel saß ich am Schreibtisch und dementsprechend wenig haben ich in der Zeit die Sonne verbracht.

Deshalb war es umso schöner, als dann Mitte August endlich frei war und all der Stress und die Last abfallen konnte. Nach all den Monaten im Stress und Lernen hatte ich beinahe vergessen, wie schön es ist, einfach in der Sonne zu schmökern und das gute Wetter zu genießen. Dementsprechend glücklich hat es mich gemacht, bei strahlender Sonne in der Schweiz zu wandern und endlich ein bisschen die Zeit mit Familie und Freunden auch von Zuhause zu genießen.

Zu Besuch in der Harry Potter Ausstellung im Olympiapark
Coldplay Konzert im Olympiastadion
Wandern in der Schweiz

Im September ging es dann auf zu einem ganz besonderen Abenteuer in die Türkei. Über die Stiftung meines Stipendiums werden in den Semesterferien verschiedene Sprachkurse angeboten und ich hatte das Glück, für einen Türkischkurs drei Wochen nach Istanbul zu reisen. Die Zeit dort war wirklich richtig schön und auch wenn ich nur ein paar Worte Türkisch gelernt habe, so konnte ich richtig in die Stadt eintauchen und tolle neue Menschen kennenlernen.

Blick über den Bosporus
Bosporusbrücke am Abend
Sultan Ahmet Moschee
Camlica Moschee
Blick von den Prinzeninseln

Nach dem Sprachkurs ging es dann noch über verschiedene Stationen weiter durch die Türkei. Zuerst haben wir einen Zwischenstopp in Kappadokien gemacht und sind dann mit einem Mietwagen an der Südküste bei Antalya verschiedene Stopps in den Bergen und am Meer angefahren. Die Natur in der Türkei hat mich wirklich beeindruckt und auch die Tage am Meer waren traumhaft.

Blick auf das Red Valley
Kappadokien
Tazi Kanyon
Küste bei Antalya

Nach unserem verlängerten Sommer ging es dann zurück ins regnerische München und das Wintersemester startete. Insgesamt war es vor allem nebelig und zunehmend dunkel, was ziemlich deprimierend war, aber trotzdem gab es auch ein paar schöne Momente. Besonders gefallen haben mir die vielen Fachschaftsaktivitäten, wie die Ersti-Tage und die PsyFaKo (Psychologie Fachschaften Konferenz), einige Besuche von Freunden und meine Geburtsfeier im November.

PsyFaKo in Bonn mit unseren Maskottchen
Häkeln in der Sonne

Im Dezember kam dann ein bisschen Weihnachtstimmung auf und mit Weihnachtsmarktbesuchen, Plätzchen backen und Weihnachtsfilmen wurde die Adventszeit eingeläutet. Besonders schön waren dort das gemeinsame Weihnachtssingen im LMU Hauptgebäude, ein Weihnachtsmusical, das wir besucht haben und natürlich das Probewochenende unseres Orchesters.

Weihnachtsmusical im Deutschen Theater
Plätzchen dekorieren
Weihnachten Zuhause

2024 war für mich ein Jahr voller Bewegung und schöner Momente. Sicherlich gab es zwischendurch auch viele stressige traurige Tage, aber alles in allem bin ich sehr dankbar für die Zeit in diesem Jahr. Ich konnte über mich hinauswachsen, so unfassbar schöne Dinge erleben und viel über mich und andere lernen. Besonders dankbar bin ich aber für all die Menschen, die mich wieder mal begleitet haben. Für meine Familie, die mich immer unterstützt, für meine Freunde im Sauerland, die sich für mich immer wie Heimat anfühlen, für meine neuen Menschen hier in München, die dafür sorgen, dass ich mich hier so wohl fühle, für alle anderen Menschen, die mit tollen Gesprächen und Perspektiven mein Leben bereichert haben und natürlich auch ganz besonders für Marius, der mich jetzt schon so lange begleitet und ohne den ich mir mein Leben gar nicht mehr vorstellen kann. Vielen Dank an euch alle, ihr macht mein Leben bunt! In diesem Sinne ein gutes neues Jahr – auf viele schöne neue Erfahrungen und Momente!

Von Demokratie und Verantwortung

Letzte Woche war die Europawahl, ein Thema, was bestimmt den ein oder anderen genauso beschäftigt wie mich. Vorneweg sei gesagt, dass ich in diesem Artikel nicht über eine spezifische politische Meinung oder die Ergebnisse der Wahl schreiben möchte, sondern vielmehr meine Gedanken teilen möchte, wie es mir mit der Wahl an sich so ergeht.

Politik spielt in meinem Leben keine besonders große Rolle, die langen Diskussionen und all die verschiedenen Themen, mit denen sich die Politiker auseinandersetzen, fühlen sich für mich oft abstrakt an, so fernab von meinem Leben. Bei den allermeisten Themen habe ich das Gefühl, dass ich mir nicht einmal eine Meinung bilden kann, weil ich einfach viel zu wenig Ahnung von der Materie habe. Deshalb ist es für mich auch immer eine Überwindung, mich überhaupt damit auseinanderzusetzen. Dennoch ist mir klar, wie wichtig es ist, sich mit der Politik und all den Entscheidungen dort zu beschäftigen. Besonders deutlich geworden ist mir das, als ich letztes Jahr das Europäische Parlament in Brüssel besucht habe, sowie die dazugehörige Ausstellung im Parlamentarium, die die EU von Grund auf erklärt.  Auch wenn Politik kompliziert ist, wahrscheinlich umso komplizierter, je mehr Menschen und verschiedene Meinungen vertreten sind, ist es ein tolles Privileg, dass wir alle dabei mitentscheiden können.

Umso trauriger hat es mich gemacht, als ich mich mit Teilen meines Umfelds unterhalten habe, die keine Lust haben zu wählen, denen es egal ist, was dabei herauskommt, weil sie nur noch die Dinge sehen, die in der Politik nicht so laufen, wie sie sich das vorstellen und das Gefühl haben, dass ihre Stimme nicht so wichtig ist und so oder so keinen Unterschied macht. In diesen Gesprächen habe ich beobachtet, dass wir uns oftmals eine Meinung bilden, ohne den Hintergrund zu kennen und die Meinung dann so behandeln, als wäre sie die einzig wahre, ohne in den Austausch mit anderen zu gehen, zu versuchen, auch die anderen Seiten zu verstehen. Es kommt mir so vor, als sieht jeder nur sich selbst, seine Meinung und den eigenen Nachteil, ohne zu merken, dass da noch so viel mehr ist, so viele schöne Sachen. Und von diesem Denken kann ich mich selbst leider nicht ausnehmen. Auch ich erwische mich immer wieder dabei, genau wie meine Gesprächspartner zu argumentieren und zu denken.

Grundsätzlich will ich damit gar nicht sagen, dass alles gut läuft, es gibt ganz sicher Verbesserungsbedarf in vielen Bereichen und am Ende wird es vermutlich auch immer jemanden geben, der mit etwas unzufrieden ist. Trotzdem haben mich die Wahl und meine Beobachtungen sehr nachdenklich gestimmt. Auch wenn einzelne Gespräche natürlich nicht repräsentativ für eine ganze Gesellschaft sind, so habe ich das Gefühl, dass die Stimmung allgemein sehr aufgeheizt ist, dass etwas im Gange ist. Und die Gleichgültigkeit und das egoistisches Denken, das ich immer wieder bei mir und auch bei anderen beobachte, macht mir Angst. Angst, was so wohl aus uns werden wird, aus unserer Demokratie, aus der Gesellschaft.


Ich würde mir so sehr wünschen, dass insbesondere wir jungen Menschen nicht vergessen, wie wertvoll unsere Demokratie ist und dass wir alle ein Teil davon sind und unfassbar davon profitieren, auch wenn es nicht immer Spaß macht, sich dort einzufinden. Ich wünsche mir, dass wir alle wieder mehr miteinander sprechen, einander zuhören, versuchen zu verstehen, ohne einander mit den immer selben Argumenten überschütten. Ich würde mir wünschen, dass wir uns alle ein klein wenig mehr verantwortlich fühlen, für das, was in unserem Land und in Europa passiert, wie das alles funktioniert. Denn wir alle sind ein Teil davon, das hat mir diese Wahl wieder deutlich gemacht.

Die schönste Zeit

Als ich in der Tagespflege gearbeitet habe, haben mir die Senioren oft gesagt, dass ich jetzt gerade das schönste Alter habe. Das Alter, an das sie sich selbst am liebsten zurückerinnern. Am Anfang ist es mir schwer gefallen, zu verstehen, was sie damit meinen. Was soll da schon so besonders sein, an dem wie mein Leben gerade ist, so ist es nun mal eben, das ist doch normal, oder?



Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr habe ich gemerkt, wie besonders die Lebensphase eigentlich ist, in der ich gerade bin. Es ist eine Lebensphase mit scheinbar unendlich vielen Möglichkeiten, mit vielen Aufs und Abs, mit wichtigen Entscheidungen, die so endgültig erscheinen. Eine Phase, in der ich ständig im Kontakt mit neuen Menschen bin, neue Dinge erleben und lernen darf. Eine Phase, in der ich mich ausprobieren kann und mich so frei und gleichzeitig so verloren fühle. In der ich in einem Moment singen und tanzen will und mir im nächsten wünsche, einfach nur zu wissen, was ich hier eigentlich tue. Eine Lebensphase voller Vielfalt, voller Leben.
In so vielen Momenten denke ich darüber nach, wie dankbar ich dafür bin, wie es gerade ist. Auch wenn natürlich nicht immer alles nur schön ist, so macht es einfach total viel Spaß, so viel Energie zu haben und die Welt zu entdecken. So viel zu fühlen und so sehr zu sein. Ich find’s einfach richtig cool, so frei zu sein in meinen Entscheidungen, irgendwie spontan und ungebunden.


Manchmal habe ich dann aber auch ein bisschen Angst, wie es wohl sein wird, diese Lebensphase wieder zu verlassen. Wie wird es sich anfühlen? Wird es schlimm? Werde ich es überhaupt merken? Werde ich es vermissen? Oder bin ich vielleicht sogar froh, wenn es irgendwann mal anders ist? Und wer entscheidet eigentlich, dass das alles irgendwann aufhören muss? Stimmt es, was die Senioren sagen und es kommt von nun an nichts besseres mehr? Ich weiß es nicht.


Aber um ehrlich zu sein, finde ich das auch nicht schlimm. Was in meiner Zukunft liegt ist ungewiss, aber eines haben mir die Senioren doch mitgegeben: es ist eine besondere Lebensphase und zwischen all den Emotionen, Unsicherheiten und Zweifeln, die zu dieser Phase genauso dazugehören, wie all die schönen Dinge, versuche ich immer wieder daran zu denken wie unfassbar toll sich das Leben momentan oft anfühlt, wie ungezwungen. Es wird vermutlich nicht für immer so sein, aber ich hoffe, dass ich diese Freiheit der Jugend doch immer ein bisschen in meinem Herzen bewahren kann, sodass ich irgendwann hoffentlich noch genauso lebensfroh sein kann wie die Senioren, die mir das alles mitgegeben haben.

Ein buntes Bild von Freundschaft

Lange bin ich davon ausgegangen, dass ich genau weiß, was Freundschaft eigentlich bedeutet. Das Bild, das die Gesellschaft und Social Media von Freundschaft zeichnet, ist geprägt von vielen Idealen, von denen ich gedacht habe, dass sie eine gute Freundschaft ausmachen. Ideale wie Vertrautheit, viele spannende Unternehmungen, eine stets gute Bindung, dass man sich immer alles erzählt. Ich habe geglaubt, dass jede meiner Freundschaften unfassbar tiefgreifend und harmonisch sein sollte und gleichzeitig ein Leben lang hält, dass meine Freunde am besten zu jedem Zeitpunkt im Leben perfekt zu mir passen sollten.

Dass dieses Wunschdenken im Endeffekt nie erfüllt werden kann, war mir eigentlich klar. Trotzdem habe ich meine Freundschaften an diesem Ideal gemessen und versucht, sie in dieses „perfekte“ Muster zu zwängen, von denen ich gedacht habe, dass sie gut und normal sind, was manchmal sehr frustrierend war.

Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass nicht meine Freundschaften an sich, sondern vielmehr mein unrealistisches Bild davon das eigentliche Problem sind. Bis ich verstanden habe, wie viel Unrecht ich den Menschen getan habe, die mir so wichtig sind, indem ich versucht habe, unsere Freundschaft an einem gesellschaftlichen Idealbild zu messen, was ich nicht einmal selbst als Freundin erfüllen kann.

Mittlerweile verstehe ich, dass nicht jede Freundschaft alle „Kriterien“ erfüllen muss, dass die einzelnen Freundschaften, genau wie meine Freunde auch, unterschiedlich sein dürfen. Da ist die eine Freundin, die ich nur selten sehe, mit der ich aber stundenlang über die Welt philosophieren kann. Da ist die Freundesgruppe aus meiner Heimat, mit der ich ausgelassene, lustige Abende verbringen kann und stundenlang singe und tanze. Da sind die Freunde in meiner Studienstadt, die mit mir in der Vorlesung sitzen, mit denen ich mich über meinen Alltag austausche und die kleinen Momente hier genieße.

Ich bin ohne es zu merken von so vielen Menschen umgeben, die mich an ihrem Leben teilhaben lassen, die mir ihre Zeit und ihr Interesse schenken. Menschen, die mir auf ihre Art und Weise zeigen, dass ich ihnen wichtig bin. Und das habe ich in meinem Alltag oft übersehen. In vielen Momenten war ich wie blind für das, was ich hatte und habe immer nur das gesehen, was mir vermeintlich fehlt. Dabei habe ich vergessen, dass es in einer Freundschaft nicht darum geht, dass immer alles wie im Bilderbuch ist, sondern vielmehr um die gemeinsame Zeit, das füreinander da sein, die gemeinsame Freude.

Mittlerweile weiß ich, dass es normal ist, dass all meine Freundschaften so verschieden sind. Dass das Bild auf Social Media oft nicht der Realität entspricht.  Ich weiß, dass es okay ist, dass ich manche Menschen oft, andere nur selten sehe, dass einige Freundschaften eng und andere eher distanzierter sind, dass ich mit einigen Freunden lieber feiern gehe, während ich mit anderen stundenlang am Lagerfeuer sitzen kann. Ich weiß, dass es normal ist, dass sich Freundschaften verändern, dass man in der einen Lebensphase sehr viel Zeit geteilt hat und in der nächsten vielleicht kaum noch Kontakt hat. Freundschaften verlaufen nun einmal eben nicht linear, die Bindung zueinander verändert sich stetig, wie wir Menschen auch. Das kann manchmal schmerzhaft sein, birgt aber auch eine Menge Freude.

Seitdem ich das für mich erkannt habe, habe ich ein ganz neues Bild von Freundschaft, ein viel bunteres und vielfältigeres, bewegteres Bild, als das starre Bild, von dem ich geglaubt habe, es wäre normal. Mit diesem bunten Bild fühlt sich all das viel leichter an, viel natürlicher. Und gerade deshalb kann ich mittlerweile wertschätzen, dass all meine Freundschaften so unterschiedlich sind. Ich mache mir weniger Druck, die perfekte Freundschaft zu finden, denn die gibt es vermutlich überhaupt nicht. Gleichzeitig weiß ich, was für ein besonderes Geschenk es ist, dass sich diese Menschen entschieden haben, dass ich Teil ihres Lebens sein darf. Das erfüllt mich jedes Mal, wenn ich daran denke, mit Freude. Ich bin dankbar für die Momente, die wir teilen, die verschiedenen Erfahrungen, für die Hochs und Tiefs. Dankbar, dass ich so viele tolle Menschen habe, die mein Leben begleiten und begleitet haben und das, egal, ob wir in ein Ideal passen oder nicht.

Vier Wochen zu Besuch in der Psychiatrie

Nach vier Wochen in der Psychiatrie ist mein Praktikum nun vorbei. Zu Beginn des Praktikums war ich ziemlich aufgeregt, da ich nicht wusste, ob ich mir überhaupt vorstellen kann, in diesem Bereich zu arbeiten oder ob es vielleicht gar nichts für mich ist. Diese Frage hat mich davor schon das ganze erste Semester beschäftigt, sodass ich mir unsicher war, ob Psychologie wirklich das richtige Studienfach für mich ist. Obwohl ich durch einen Freiwilligendienst weiß, dass mir die Arbeit mit Menschen Freude bereitet und es mir gut gelingt, eine Bindung zu verschiedenen Menschen aufzubauen, habe ich immer wieder Zweifel gehabt. Zweifel, ob mir die Arbeit mit psychisch Erkrankten wirklich liegt. Zweifel, ob ich überhaupt in der Lage bin, eine Bindung zu diesen Menschen aufzubauen, ein Gefühl für sie zu entwickeln. Zweifel, ob ich dem Druck gewachsen bin, Menschen in Situationen zu helfen, die für sie hoffnungslos scheinen.



Durch all meine Zweifel war ich in den ersten Wochen meines Praktikums unsicher, wie ich mit den Patienten umgehen soll. Ich wusste nicht, was ich sagen kann und was lieber nicht. Immerzu hatte ich Angst, etwas falsch zu machen und so den Leidensdruck versehentlich sogar noch schlimmer zu machen. Es hat eine Weile gedauert, bis es mir leichter gefallen ist, mit den Patienten in Kontakt zu kommen. Die ersten Wochen habe ich viel beobachtet und geschaut, wie die anderen auf meiner Station mit den Patienten umgegangen sind, aber auch wie die Patienten sich untereinander verhielten. Nach und nach habe ich gemerkt, dass ich gar keine Angst haben muss, mit den Patienten zu sprechen, dass ich mir mit meinen vielen Gedanken zu viel Druck mache. Natürlich gibt es, je nach Erkrankung, Themen, die für die Patienten schwierig oder unangenehm sind, aber sobald ich einen Patienten näher kennengelernt habe, ist mir der Umgang zunehmend leichter gefallen.

Während der vier Wochen habe ich zunehmend ein besseres Gefühl für die einzelnen Patienten, für bestimmte Krankheitsbilder, aber auch für die grundsätzliche Stimmung in Gesprächen entwickelt. Je öfter ich bei einem Gespräch zusehen durfte, desto besser ist es mir gelungen, die Situation richtig einzuschätzen, das Krankheitsbild zu erkennen und zu verstehen, wie sich ein Mensch mir gegenüber verhält, ob er ehrlich ist oder nicht.


Eine wichtige Erkenntnis für mich war dabei, dass die einzelnen Menschen so viel mehr sind als nur ihre Erkrankung. Sie alle haben ihre eigene Geschichte, ihren eigenen Charakter, ihre Eigenarten, die sie ausmachen, wie jeder andere Mensch auch. Die Erkrankung ist ein Teil von ihnen, der mal mehr und mal weniger sichtbar ist , aber es ist nicht das, was sie ausmacht. Es gibt zwar Momente, in denen die Erkrankung das Steuer im Leben der Menschen übernimmt, aber hinter dieser Erkrankung steht eben immer noch ein Mensch. Die Patienten schildern immer wieder die Erfahrung, dass sie von ihrem Umfeld auf ihre Krankheit reduziert werden. Das ist bestimmt nicht böse gemeint, kann aber manchmal dafür sorgen, dass derjenige vergisst, dass er so viel mehr ist als seine Krankheit. Durch diese Erkenntnis habe ich gemerkt, wie essentiell es ist, eine Bindung zu dem Menschen hinter der Erkrankung aufzubauen und zu verstehen, was ihn ausmacht. Nur so kann ich wirklich verstehen, was die Erkrankung für ihn bedeutet und was ich tun kann, dass sein Leidensdruck verringert wird.

In den letzten vier Wochen habe ich so gemerkt, wie bemerkenswert dieses Berufsfeld ist. Für mich ist es jedes Mal besonders, wenn mir ein Mensch so viel Vertrauen schenkt, dass er mir von den dunkelsten Zeiten seines Lebens erzählt. Es bereitet mir große Freude, die Menschen zu begleiten und ihnen helfen zu können. Durch das Praktikum konnte ich erkennen, wofür ich mein Studium eigentlich mache, was am Ende meines Weges sein könnte.  Das gibt mir Sicherheit und Vorfreude auf das, was vielleicht einmal sein wird.