PsyFaKo – Was wirklich zählt (5/5)

Ein Nachwort

Die letzten Stunden der PsyFaKo sind vorbei, auch die Teilnehmenden sind abgereist – aber fertig mit diesem Event sind wir und auch ich noch lange nicht. Das ist der Satz, mit dem ich diesen Blogartikel eigentlich beginnen wollte. Gerne hätte ich all das, was danach kommt, im Detail erzählt, aber schnell ist mir klar geworden, dass das zu viel ist – und es auch gar nicht nötig ist, alles im Detail zu erzählen, um die Botschaft rüberzubringen. Deshalb hier die Kurzfassung:

Die Nachbereitungen

Nach der Konferenz waren wir alle richtig platt. Emotional und physisch völlig ausgelaugt. Trotzdem haben wir in den kommenden Tagen und Wochen noch einmal alle Energiereserven ausgeschöpft, aufgeräumt, Material sortiert, Gespräche geführt und (oh Wunder) tausende von Kisten geschleppt. Auch die Finanzen habe ich abgewickelt, Rechnungen sortiert, mich mit meinem alten Laptop und Google-Sheets rumgeschlagen, alles, was das BMBF haben möchte fein säuberlich dokumentiert und dabei auch einige Stunden mit der Vereinsfinanzerin gequatscht. Schnell war klar: Konferenz fertig ≠ Arbeit fertig. Das geht in keinem Universum zusammen.

Über Verbundenheit und Nostalgie

Und auch wenn das jetzt alles nach viel Arbeit klingt, war die Zeit nach der Konferenz auf eine ganz eigene Art wundervoll. Diese Verbundenheit, die ich durch all die gemeinsamen Erinnerungen mit den anderen empfunden habe, war und ist etwas ganz besonderes. Oft saßen wir zusammen, mal um die Liebespost zu lesen, die uns auf der Konferenz geschrieben wurde, mal, um alles nachzubesprechen, mal um mit unseren Helfis zu nachzufeiern und zuletzt sind wir mit einer Gruppe auch nach Greifswald gefahren, um der kommenden AFS zu helfen. Alle diese Treffen hatten gemein, dass wir ewig viele Geschichten erzählten, gemeinsam lachten, uns erinnerten an das was war, ausnahmslos leckeres Essen bestellten und dabei jedes Mal auch ein wenig nostalgisch wurden – denn eins war klar: unsere gemeinsame Zeit neigt sich dem Ende zu – und dazu war ich noch nicht bereit.

Was das Leben noch so gebracht hat

Zum Glück hatte ich damals aber auch nicht besonders viel Zeit, über diesen Abschied nachzudenken. Denn in der Zeit ist neben den ganzen PsyFaKo-Events noch so viel anderes passiert, dass ich nie so ganz zur Ruhe kommen konnte und all das verarbeiten konnte. So ging es für einen Teil der Fachschaft Ende Juni zur Psycholympia – einem Festival für Psychologie-Studis, auf dem wir ein Wochenende lang Spaß hatten – und endlich frei von Verpflichtung die Zeit genießen konnten. Und zwischen Geburtstagen, vielen langen Abenden im Fachschaftszimmer mit Snacks und Döner, Mimis Verabschiedung aus München, Gedanken über die Liebe, einem spontanen Piercing und einem Besuch von Freunden aus der PsyFaKo gab es schließlich auch noch den Ernst des Lebens – mit Sorgen um meine Beziehung, Klausuren, Abgaben und dem Antrag auf Weiterförderung bei meinem Stipendium, für den ich dringend gute Noten brauchte. Rückblickend betrachtet, grenzt es an ein Wunder, dass das alles so gut geklappt hat – bis auf die Beziehung, aber das ist ein Thema für ein anderes Mal – denn auch das ist eine Geschichte mit Happy End, wenn auch der etwas anderen Art. Wie auch immer – viel für die Klausuren gelernt habe ich in der Zeit ganz sicher nicht – dafür war ich viel zu sehr damit beschäftigt, mein Leben zu leben. Die Zeit hat sich einfach so intensiv angefühlt – meine Erinnerungen daran sind noch heute so bunt und lebhaft wie für kaum eine andere Zeit – da war für langweilige Karteikarten kein Platz in meinem Kopf. Und doch hat am Ende alles geklappt – auch wenn ich gemerkt habe, dass das nicht immer zwingend das ist, was wirklich zählt.

Was wirklich zählt

Die PsyFaKo hat mein Leben ins Wanken gebracht. Was als kleine, naive Idee in unserer Fachschaft angefangen hat und aus der Ferne aussehen mag, wie eine blöde kleine Tagung, hat mein Leben sehr bewegt – und das hätte ich in dem Ausmaß nie erwartet. In der ganzen Zeit konnte ich eine Menge lernen, einerseits offensichtlich etwas über die Organisation von Konferenzen (und darüber wie ich mit absoluter Überforderung umgehen kann), andererseits aber auch eine Menge über uns Menschen und über mich. Ich habe gelernt, wie wichtig Teamarbeit ist, wie viel man gemeinsam schaffen kann und wie schön es ist, an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten und an Herausforderungen zu wachsen. Ich habe gelernt, dass ich deutlich belastbarer bin, als ich gedacht habe, dass ich auf mich selbst vertrauen kann und dass es wichtig ist, auf mich zu hören, auch wenn das manchmal schmerzhaft ist. Außerdem habe ich germerkt, wie wichtig es ist, nicht alles im Leben immer so ernst zu nehmen und die Dinge so zu nehmen, wie sie eben kommen. Vieles kann ich sowieso nicht beeinflussen und muss das vielleicht auch gar nicht. Denn ganz oft kommen die schönsten Momente im Leben erst dann, wenn ich es schaffe, ein Stück weit loszulassen und mich auf das Leben einzulassen, anstatt alles kontrollieren zu wollen. 

Zu guter Letzt habe ich aber vor allem eines mitgenommen: Erinnerungen an eine unvergessliche Zeit und tolle neue Menschen, die mein Leben bis heute bereichern und die mittlerweile zu Freunden geworden sind, ohne die ich mir mein Leben hier gar nicht mehr vorstellen möchte. Und gerade deshalb bin ich mir so sicher, dass ich mich ohne die Konferenz heute hier in München nur halb so sehr Zuhause fühlen würde. Und dieses Gefühl, hier Zuhause zu sein und so tolle Menschen um mich herum zu haben, die mein Leben bunt machen, auf die ich mich verlassen kann und bei denen ich ganz ich selbst sein kann, das ist wirklich das allergrößte Geschenk.

DIE PsyFaKo (4/5)

Ein Jahr Planung. Tausende Stunden Vorbereitung. Endlos viele Gedanken darüber, wie alles werden würde. Und jetzt war es soweit. Die PsyFaKo – unsere PsyFaKo in München konnte starten.

Aber bevor ich jetzt alles raushaue, ein kurzer Disclaimer. Das PsyFaKo-Wochenende war wohl eines der ereignisreichsten Wochenenden in meinem Leben & ich könnte tagelang Geschichten erzählen über all das, was passiert ist. Wirklich tagelang, ich verspreche, das ist keine Übertreibung. Noch nie in meinem Leben ist so viel auf einmal passiert, war ich so dermaßen unter Strom, selten habe ich so viele intensive Gefühle erlebt wie dort. Das Wochenende war wie in einer anderen Welt, wie ein Film. Und in diesem Artikel möchte ich gern zurückblicken auf das, was war – denn es ist einer der liebsten Filme meines Lebens.

Alles begann am Donnerstagnachmittag. Als nach monatelanger Vorbereitung und ewig langem Aufbau endlich der bis zu dem Zeitpunkt völlig surreale Moment eingetreten ist – und die ersten Teilnehmer an der Uni angekommen sind – die Menschen, für die wir all die Arbeit auf uns genommen haben. Und obwohl die Menschen nun wirklich physisch direkt vor mir standen, konnte ich einfach nicht glauben, dass es jetzt wirklich losgeht, dass es jetzt wirklich passiert. Denn obwohl ich mich jetzt monatelang so viel mit der Konferenz beschäftigt hatte, hat ein Teil meines Kopfes einfach nie richtig glauben können, dass das so wirklich richtig und ganz im Ernst genauso passieren wird. Und genau deshalb war es ein total surreales Gefühl, jetzt all die Menschen dort zu sehen. 

Lange Zeit über die Reichweite dessen nachzudenken hatte ich nicht. Denn obwohl ich mich im Nachhinein nicht so richtig erinnern kann, was ich ganz genau gemacht habe, so weiß ich doch, dass ich den gesamten Donnerstag-Nachmittag damit beschäftigt war, irgendetwas zu erledigen und ewig oft hin und herzurennen – irgendwas gab es immer zu tun. Das Einzige, woran ich mich noch gut erinnern kann, ist ein kurzen Abstecher zum Rooftop der Uni (& ja das ist irgendwie auf dem Dach der Uni, aber nein, man hat KEINEN schönen Ausblick von dort), auf dem ein Fachschaftler von uns ein Biertasting mit allen Münchener Biersorten vorbereitet hatte. Zu sehen, wie dort nach und nach alle eingetrudelt sind, sich alte Bekannte getroffen und zusammen gelacht haben war richtig schön. Es war das erste Mal, dass ich realisiert habe, was es für einige dieser Menschen wirklich bedeutet, hier sein zu können. Und dass es sich allein deshalb schon gelohnt hat.

Am Abend begann dann unser offizielles Programm – mit einem Plenum mit allen Teilnehmenden. Dort konnten wir zum allerersten Mal die Ausmaße unserer Konferenz sehen – und obwohl mir ja eigentlich klar war, dass in etwa 250 Menschen kommen werden, war es trotzdem ein seltsames Gefühl, all die erwartungsvollen Gesichter nun in echt zu sehen. 250 Menschen face to face. Und als wir dann als Team vorne standen, um uns vorzustellen, war ich richtig aufgeregt. Wer das wohl alles sein mochte? Woher all die Menschen wohl kommen? Wie viele von ihnen ich wohl noch kennenlernen würde? Ob es ihnen Spaß machen würde? So viele Fragen kamen mir in den Kopf und ich war einfach total gespannt, was das ganze Wochenende bringen würde.

Vorstellung im Plenum

Nach unseren ersten Programmpunkten (& einem viel zu späten Abendessen) war ich dann ziemlich müde. Meine Aufgaben für den Tag waren erledigt und am liebsten wäre ich einfach nur ins Bett gefallen und hätte das Freizeitprogramm geskippt. Aber meine Neugier (und meine FOMO) waren dann doch größer als die Müdigkeit. Und so ging es gegen 20 Uhr mit einer großen Musikbox, lauter Musik, Picknickdecken, Getränken und 200 Menschen im Schlepptau ab in den Englischen Garten für ein Pubquiz. Und es hat sich gelohnt, trotz Müdigkeit noch mitzukommen – denn es war wirklich lustig und das erste Mal an diesem Tag entspannt. Nach dem trubeligen Tag konnte ich dort in Ruhe all die Menschen beobachten, mit einigen Helfenden und Orga-Mitgliedern quatschen und einfach nur die Zeit genießen. In dem Moment habe ich mich unfassbar wohlgefühlt und daran gedacht, wie schön es eigentlich ist, ein Teil von all dem hier zu sein und dass ich mich auf all das freue, was die nächsten Tage noch ansteht. Und mit diesen Gedanken endete dann einige Stunden später auch der erste Tag der PsyFaKo in einem Hotelzimmer in der Nähe des Münchener Hauptbahnhofs – ziemlich müde, aber zufrieden.

Pubquiz im Englischen Garten

Nach einer kurzen Nacht startete dann der zweite Tag der Psyfako. An diesem Tag war bei mir nichts besonderes geplant und ich hatte mir vorgenommen, einfach zu schauen, wo gerade Hilfe benötigt wurde. Und so war von Vorstellen im Plenum, Materialien hin und herräumen für den Markt der Möglichkeiten (eine Art “Markt” mit verschiedenen Ständen, an denen sich Vereinsgremien, AGs und Sponsoren vorstellen konnten), neuer Getränke- und Essensplanung (nachdem wir direkt an Tag 2 keine antialkoholischen Getränke und Frühstückssachen mehr hatten – kurze Krise), dem Einkauf der wildesten Preise für unsere Stadtrallye und gossipen im Lagerraum wirklich alles dabei. Besonders viel Spaß gemacht hat der besagte Einkauf von Preisen für die Stadtrallye – denn wenn man noch Geld über hat, kann man das für die witzigen Dinge ausgeben, die man im Alltag niemals kaufen würde. Und so haben wir neben tausend Preisen auch noch ein paar Wasserpistolen für das Orgateam gekauft –  gegen die Hitze und für die gute Stimmung. Und kurz gesagt: Wenn man völlig übermüdeten, gestressten Menschen eine Wasserpistole gibt, dann haben diese Menschen sehr viel Spaß – und das Umfeld ist plötzlich deutlich nasser. Ein weiterer Moment an dem Tag, der mir in Erinnerung geblieben ist, ist das Gruppenfoto, das auf jeder PsyFaKo gemacht wird und auf dem sich alle in Form eines Psis aufstellen. Turns out: München hat nicht besonders viele (realistisch) erreichbare Orte, an denen man ohne Drohne ein Bild von oben machen kann, bei dem auch alle 250 Menschen zu sehen sind. Deshalb haben wir mitten in der Mittagszeit alle Menschen vor der Hauptmensa der LMU – ganz pragmatisch – mit einem Megaphone verscheucht und hatten dabei eine Menge Spaß. 

Das Gruppenfoto

Und so verging der Tag wie im Flug – viel schneller als gedacht war es abends. Nach einigen letzten Aufräumarbeiten, kurzer Pause zum Abendessen und ein paar (Krisen-) Gesprächen war es dann Zeit für unseren letzten Programmpunkt für den Abend – der Stadtrallye. Ich hatte zwar weder eine eigene Station, noch war ich Teil einer Gruppe, aber ich hatte Mimi, die das alles organisiert hatte, versprochen kurz vorbeizuschauen und so ganz entgehen lassen wollte ich es mir auch nicht. Also habe ich mich an die Station an der Frauenkirche gesetzt, den Gruppen beim Spielen zugeschaut und war für einen Moment froh, einfach dort zu sitzen und von niemandem angesprochen zu werden. Nach einiger Zeit wurde es mir so ganz allein mit meinen Gedanken aber dann doch zu langweilig und ich wollte mich gerne mit einigen der Teilnehmenden unterhalten, um zu hören, wie es gerade so für sie ist. Das war aber nicht ganz so einfach, wie es klingt. Obwohl ich die PsyFaKo organisiert habe, kannte ich nur wenige der Teilnehmenden persönlich und ich wusste nicht so recht, wen ich am besten ansprechen kann. Außerdem war meine soziale Batterie nach den letzten Tagen leer und ich fühlte mich erschöpft. Aber weil den ganzen Abend allein herumsitzen auch keine Lösung ist, habe ich mich dann doch überwunden und immer wieder Teilnehmende aus den verschiedenen Gruppen angesprochen. Und das war sogar richtig schön. Alle, mit denen ich gesprochen habe, waren freundlich und ich konnte das ein oder andere (überraschend) tolle Gespräch führen, Geschichten von vergangenen PsyFaKos und aus anderen Fachschaften hören und habe mich so direkt viel verbundener mit all den Menschen dort gefühlt. Und so habe ich während der Stadtrallye zwar kein einziges Spiel gespielt, aber viele neue Bekanntschaften geschlossen und das PsyFaKo-Gefühl von Offenheit, Spontanität und Verbundenheit noch viel mehr in mein Herz aufgenommen. Dennoch habe ich nicht ganz bis zum Schluss durchgehalten – die Müdigkeit der letzten Tage war überwältigend und so bin ich gegen halb 1 alleine Richtung Uni gefahren – und ja richtig gelesen, zur Uni, nicht zu meinem Hostel. Am Nachmittag bin ich nämlich kurzfristig für einen kranken Teilnehmenden aus meinem Hostel ausgezogen und habe kurze Hand mein Schlaflager in einem der Räume der Studierendenvertretung aufgebaut, in der schon zwei andere von uns geschlafen haben. Dort angekommen habe ich mir noch schnell eine Matratze aus dem Ruheraum geklaut und bin dann zwischen Schreibtisch, Drucker und Aktenordnern auf einer etwas quietschenden, aber bequemen Matratze eingeschlafen. 

Schlaflager im Druckerraum

Nach einer kurzen Nacht, dieses Mal mit Unterbrechung – Mimi hat nachts ihre Schlappen aus dem Raum geholt, in dem ich geschlafen habe, sich kurz über meine Matratze gebeugt und uns beiden einen riesen Schreck eingejagt – stand am nächsten Morgen die Mitgliederversammlung (MV) des PsyFaKo e.V. an. Weil dort aus jeder Fachschaft mindestens ein Mitglied anwesend sein sollte, habe ich mich bereit erklärt, die nächsten Stunden dort zu sitzen, meinen Finanzkram zu sortieren und wenn es nötig war, unsere Stimme abzugeben. Das war kurz gesagt nicht besonders erfolgreich – also der Teil mit den Finanzen. Denn die MV startete schon damit, dass der Sitzplan Fehler hatte und wir zu zweit mit Mühe versucht haben, all die Menschen, die keinen Platz gefunden haben, auf neue Plätze zu verteilen. Und so kam es, dass ich neben einem Teil der AFS nach uns – dem L‘Ostblock  – gesessen habe. Um ehrlich zu sein, war ich nicht ganz überzeugt von der Idee. Ich hatte ihnen zwar angeboten, sich neben mich zu setzen, aber meine bisherigen Begegnungen mit dem L‘Ostblock waren nicht besonders positiv. Für mich waren das Menschen, die mir schon mehrfach das Gefühl gegeben haben, dass sie etwas besseres sind als wir – also in meinen Augen nicht besonders sympathisch. Zum Glück war die MV an sich dann aber erstaunlich entspannt – alles verlief nach Plan und meine Sitznachbarn waren deutlich lustiger als gedacht – und so hatte ich am Ende der MV zwar gefühlt nur drei Rechnungen sortiert, ein Ausmalbild ausgemalt und einen sehr fragwürdigen Wrap mit Essiggurken gegessen, aber dafür immerhin Spaß gehabt. Der Tag war also schon einmal erfolgreich gestartet.

Aber das sollte sich bald ändern. Nach der MV stand an sich ein entspanntes Programm an. Wir haben noch ein wenig Material für Sonntag sortiert, die Preise für die Stadtrallye vorbereitet und Kisten für die Party am Abend gepackt. Mit der Zeit haben sich dabei immer mehr Mitglieder unseres Orgateam im Lagerraum gesammelt. Eigentlich wollte jeder nur kurz etwas holen, aber am Ende erzählte jeder, was ihm bisher so widerfahren war – von verschwunden Bollerwägen, weiteren Großeinkäufen, riesen Teddybären im Lagerraum und einem Helfi, der alles andere als hilfreich war. Es war richtig schön, dort mit allen zu sitzen und den Moment der Ruhe zu genießen – bis das Drama losging. Denn dann kam ein weiteres Mitglied unserer Orga dazu & verkündete uns, dass es Ärger gab. Zu dem Zeitpunkt war noch nicht klar, was das für uns bedeuten würde, retrospektiv betrachtet war das jedoch die größte Herausforderung unserer Konferenz. An der Stelle möchte ich nicht zu sehr ins Detail gehen – das sind Probleme anderer Menschen – aber aus einer Geschichte, die vermeintlich klein angefangen hat, hat sich über das Wochenende (und die nächsten Wochen) hinweg ein Problemfall des allerfeinsten entwickelt, der unsere letzten Nerven und Kapazitäten geraubt hat und mich persönlich auch heute noch nachhaltig beschäftigt. Zum Glück soll es hier aber nicht darum gehen – auch wenn man mit diesem Fall zweifellos eine Serie mit mehreren Staffel füllen könnte.

Am Nachmittag und Abend hieß es für uns dann Umziehen in ein anderes Unigebäude, da das Gebäude unseres Departments am Sonntag geschlossen war. Und da unser Team durch die Vorbereitungen der Party am Abend und dem Fall vom Nachmittag noch recht dezimiert war, mussten wir über gebliebene uns alle noch ein wenig mehr reinhängen, alles abbauen, herumtragen, sauber machen und für den nächsten Tag organisieren. Als dann um 22 Uhr alles abgebaut war, war ich absolut fertig. Der Tag hatte so entspannt angefangen, bis nachmittags war es richtig schön und eigentlich hatte ich mich so sehr auf die Party am Abend gefreut. Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich absolut keine Lust mehr irgendwo hinzugehen, geschweige denn mich fertig zu machen und zu feiern. In all dem Chaos hatte ich es nicht mal geschafft, etwas zu Essen, sondern lediglich drei Mal auf dem Weg irgendwohin einen Wasserkocher angemacht, es aber nie geschafft, das heiße Wasser auch in meine Fünf-Minuten-Terrine zu schütten. Als mir dann auch noch das Awareness-Handy in die Hand gedrückt wurde, mit der Aussicht auf baldige Anrufe, war ich wirklich durch. 

Gute Laune trotz Abbau-Stress

Und so ging es nicht nur mir. Der Tag hat uns als Orgateam wirklich herausgefordert, sodass sich einige entschlossen haben, direkt ins Bett zu gehen und nicht mehr mit auf unsere Party zu gehen – was total schade ist, denn das sollte doch unser großer Abschluss werden. Und egal wie müde ich war – das wollte ich mir eigentlich nicht nehmen lassen, von keinem Ärger der Welt. Wir haben so lange auf diese Konferenz hingearbeitet und trotz des ein oder anderen Zwischenfalls haben wir das Ganze als Team bis hierher so gut gemeistert – wir hatten allen Grund zum Feiern. 

Bei dem Gedanken, hatte ich dann doch wieder ein wenig Lust mich fertig zu machen und doch noch loszuziehen – zumindest kurz. Nachdem mir irgendjemand meine Fünf-Minuten-Terrine gekocht hat und mir zumindest schon mal zwei Löffel davon in den Mund geschoben hat, ging es mir auch schon etwas besser. Und so schlüpfte ich in mein pink glitzerndes Partyoutfit, ganz nach unserem Partymotto: „Wir lassen die Sau raus! Schau in den Spiegel und werde ein Schwein – Das Motto ist rosa, sonst kommst du nicht rein!“ und es konnte endlich losgehen. Dort angekommen, war ich erstaunt. Irgendwie hatte Mimi es geschafft, das Backstage in München zu mieten. Und das Beste war, dass wir den gesamten Bereich oberhalb nur für uns hatten. Vor Ort hat Mimi uns direkt alles gezeigt, wir haben ein paar Fotos gemacht und uns dann oben erstmal entspannt auf die Sofas gesetzt, während unten nach und nach alle eingetrudelt sind und die Party losging. Die Nachricht, dass unser Transporter liegen geblieben ist, kam nur noch halb bei mir an. Darum konnte sich jetzt jemand anders kümmern, mir hat es nach dem ganzen Tag mehr als gereicht. Das mag egoistisch sein, aber ich wollte jetzt einfach nur noch einen schönen Abend haben nach all dem Stress (& es hat sich zum Glück jemand gekümmert). Und einen schönen Abend hatten wir dann auch. Wir haben gemeinsam gefeiert, getrunken, getanzt, gequatscht und gelacht. All der Stress der letzten Tage und Wochen war für einen Moment vergessen. Es war einfach nur richtig richtig toll. Und so verging die Zeit wie im Flug – viel zu schnell waren all die schönen Stunden vorbei und es war Zeit für den Abschluss – das Ende der Party. Gegen kurz vor vier stimmte der DJ die letzten zwei Lieder an. Zuerst ab in den Süden – das Lied aus unserem Bewerbungsvideo. Das Lied jetzt nach so langer Zeit zu hören, es mit allen gemeinsam zu singen, noch ein letztes Mal zu tanzen und dabei daran zu denken, wie alles angefangen hat und wie weit wir schon gekommen waren, war einfach ein überwältigendes Gefühl. Und dann kam die PsyFaKo-Hymne: Hero. Um ehrlich zu sein hat mir das Lied vor meiner ersten PsyFaKo in Bonn nicht viel gesagt, aber es ist das Lied, das auf jeder Party am Ende gespielt wird und am Abschluss des letzten Plenums, bevor alle gehen. Jeder kennt den Text – und es bedeutet Abschied nehmen. Nach einer langen Partynacht standen wir mit allen, die noch da waren, in einem großen Kreis und haben gemeinsam gesungen. Und als das Lied zuende war, gab es eine große (wirklich große) Gruppenumarmung, mit uns als Orga in der Mitte. Und dieses Gefühl der Verbundenheit, das ich dort gespürt habe, in Kombination mit so vielen anderen Emotionen, der Erschöpfung und der Erinnerung, an all das, was war, war noch viel intensiver als das davor. Es war wirklich besonders. Immer wenn ich an diesen Moment denke, werde ich emotional. Selten in meinem Leben habe ich so viel auf einmal gefühlt. Dieser Moment ist ein wunderbares Bild für all das, was die PsyFaKo und all die Menschen, die ich dort kennengelernt habe, bedeuten. Und ich glaube, das werde ich nie vergessen. 

Am nächsten Morgen war es dann soweit: Der letzte Tag startete – der allerletzte. Nach der langen Partynacht und zwei Stunden Schlaf war ich wirklich einfach nur todmüde, so sehr, dass mir den ganzen Tag schlecht vor Müdigkeit war. Nach vier Tagen, insgesamt nicht mal 15 Stunden Schlaf  und Fünf-Minuten-Terrinen und Keksen als Dauerverpflegung kein Wunder, aber diesen letzten Tag würde ich auf keinen Fall verpassen. Und so machte ich mich noch mit Glitzer von der Party im Gesicht auf den Weg Richtung Abschlussplenum. Das Plenum an sich war nicht besonders spektakulär. Wir Müncherer waren alle durch und haben mit unserem lauten Gelächter rund um unseren „Bananenstapel“ bestehend aus viel zu vielen Bananenschalen von unserem Frühstück (und den Bananenschalen der Reihen um uns herum) nicht mehr besonders produktiv am Plenum teilgenommen. Außerdem war ich wunderbar abgelenkt von ein paar Nachrichten aus dem L‘Ostblock, einem kalten Matcha und dem Drama vom Vortag. Schneller als gedacht ging so das Plenum vorbei – wir näherten uns nun tatsächlich dem Ende unserer Konferenz. 

Der „Bananenstapel“

Ein geklautes Pizzastück später war es dann tatsächlich soweit. Nach einem Dankeschön an den Konrat und Vorstand des Vereins standen wir als gesamte AFS vor dem Plenum, so wie ganz am Anfang der Konferenz. Nur dieses Mal nicht, um uns vorzustellen, sondern um uns zu verabschieden und Danke zu sagen für die tolle Zeit. Die lieben Worte aus dem Vorstand, die Geschenke und der Applaus vom Plenum sind nur so an mir vorbeigerauscht. Es hat sich alles angefühlt wie im Film, völlig surreal. Das einzige, an das ich mich erinnern kann, ist unser Team, wie wir dort standen, Arm in Arm und gemeinsam unser Bewerbungsvideo angeschaut haben, das über den Beamer abgespielt wurde. Und mit diesem Video kamen dann endgültig die Tränen. Zu sehen, wo wir gestartet waren – naiv, verunsichert, voller Erwartungen – und zu realisieren, dass all das nun vorbei war, war überwältigend. Wir haben so viele Stunden gemeinsam verbracht, haben diskutiert, geplant, uns geärgert & gefreut – und es trotz aller Herausforderungen gemeistert, richtig gut sogar. Wir konnten wirklich stolz auf uns sein. Dennoch hat es mir ein Stück weit das Herz gebrochen – die Konferenz war am Ende wirklich ein Herzensprojekt und die Menschen in unserem Team sind mir mit der Zeit so sehr ans Herz gewachsen, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte, dass das alles nun vorbei sein sollte. Und so standen wir dort gemeinsam und haben geweint, vor Freude, Erleichterung und Erschöpfung – aber vor allem, weil so eine unfassbar schöne Zeit zu Ende ging – eine Zeit, von der ich nie gedacht hätte, dass sie so unfassbar prägend und wunderbar sein würde – eben einer der Lieblingsfilme meines Lebens. Aber leider haben auch die schönsten Filme ein Ende – so auch dieser. Und so sehe ich uns dort vor meinem inneren Auge Arm in Arm stehen und Abspann dieses Films läuft Hero, wie wir es alle gemeinsam noch ein letztes Mal singen.  

PsyFaKo – die heiße Phase (3/5)

Die Konferenz in Bonn war vorbei – das heißt, wir sind die nächsten. Die nächsten, die die PsyFaKo ausrichten werden. Das heißt, jetzt geht es wirklich richtig los.

Und das ging es auch. Ab Januar haben wir uns jede Woche getroffen und besprochen was ansteht. Und da war zwischen verworrenen Ablaufplänen, Veranstaltungsgenehmigungen, Ärger mit der Raumverwaltung, Koordination des Grußwortes, der verzweifelten Suche nach Schlafplätzen und natürlich auch etwas Gossip wirklich alles dabei. Neben den wöchentlichen Treffen kamen noch monatliche Meetings mit Vereinsvertretern dazu sowie regelmäßige Treffen mit der Vereinsfinanzerin, mit der wir abstimmmen mussten, wie wir finanzielle Entscheidungen treffen können und wie wir das Geld am besten mit dem Verein abrechnen können. Denn Konferenzfinanzen sind vieles – aber nicht unabhängig. Alle Konten, die wir nutzen konnte, liefen über den Verein und so mussten wir uns immer wieder abstimmen, wie das am besten für alle Beteiligten funktionieren kann. Das war am Anfang nervig, aber irgendwann fand ich die Zusammenarbeit und den Austausch auch schön – so musste ich nicht alle finanzielle ganz allein überlegen und entscheiden.

Neben all den regelmäßigen Treffen haben wir bis zum Sommersemester auch drei Mal am Wochenende getroffen, um gemeinsam auch mit anderen Vereinsgremien an Konzepten für unsere Konferenz zu arbeiten. So hatten wir in Februar zum Beispiel Besuch von den anderen AFSen. Sowohl die Bonnies, die die letzte Konferenz ausgerichtet haben, als auch der L‘Ostblock, der die Konferenz nach uns ausrichtet waren da (& ja die hießen wirklich so), um mit uns noch einmal das Raumkonzept und den Ablauf durchzusprechen und alle offenen Fragen zu beantworten. Im März waren dann der Vereinsvorstand und der KonRat, die Außenvertretung des Vereins, da um die wichtigen Abläufe von ihrer Seite zu besprechen und auch nochmal über grundlegende Fragen zu klären, die zum Beispiel die Geschäftsordnung des Vereins betrafen. Bei einem weiteren Treffen nur unter uns haben wir dann noch eine Videoreihe für Social Media gedreht.

Kurz gesagt – wir haben uns in der Zeit wirklich oft getroffen und das war manchmal auch anstrengend. Aber je länger ich dabei war und je länger wir alle zusammenarbeiten konnten, desto mehr sind mir die Menschen auch ans Herz gewachsen und ich habe die gemeinsame Zeit sehr genossen. Es gab immer etws zum Lachen und die Arbeit an der Konferenz hat uns als Gruppe echt zusammengeschweißt. Und so verging die Zeit & viel schneller als gedacht stand schon das Sommersemester vor der Tür – und damit war auch unsere Konferenz nicht mehr weit.

Zum Glück hatten wir die Semesterferien genutzt und endlich unseren Sponsorenbrief verschickt, was bedeutet, dass wir pünktlich zu Semesterstart endlich nicht nur einen Finanzplan hatten, sondern auch erstes Geld, um all die Pläne umzusetzen. Aber Geld haben bedeutet eben auch, Geld zu verwalten und auszugeben. Und so schön das klingt, Spaß macht das ganz sicher nicht immer. Denn das bedeutet auch das man überlegen muss, was gerade am wichtigsten ist, wer für was als erstes Geld bekommt. Es bedeutet, dass man coole Ideen vertrösten muss, darauf achten muss, dass alles ins Budget passt. Dass man Rechnungen verwalten und dokumentieren muss (und das dauert deeeutlich länger als man denkt). Und dass man entscheiden muss, welches Material bestellt werden kann, welche Produkte gut sind und wenn man sie dann bestellt auch wo man sie die nächsten Monate lagern kann. Weil München bleibt leider München – fast niemand hat Platz Material für eine Konferenz mit 250 Teilnehmenden einzulagern. 

Mein Mood während der Planung von Bestellungen

Und spätestens an dem Zeitpunkt, als ich nach viel hin und her zu dem Schluss gekommen bin, dass es am einfachsten ist, vieles erstmal bei mir zu lagern (ich habe Platz, ein Auto, um alles in die Uni zu transportieren und Zugang zu Geld), wusste ich, dass das kein Spaß wird. Es ist zwar (zum Glück) nicht alles bei mir gelandet, aber eben doch ein beträchtlicher Teil. Und so war es immer wieder schön die Pakete alle die 60 Stufen zu meiner Wohnung hochzuschleppen, mich mit Online-Händlern über fehlende Rechnungen und gesperrte Konten zu streiten (& da hat Amazon leider einen äußerst inkompenten Kundendienst, die haben mir den allerletzten Nerv geraubt) und dann auch nach alle Materialien auf die wildesten Arten vor der Konferenz nach München zu bringen. Ich habe stundenlang im Auto gesessen, Material bei den anderen abgeholt und bin durch München gekurvt (aber hei – ich weiß jetzt, warum ÖPNV so sinnvoll ist). An anderen Tagen ging es bewaffnet mit einem Rollbrett in die S-Bahn und U-Bahn nur um festzustellen, dass es alles andere als einfach ist, den riesigen Berg an Kisten den man da so draufstapeln kann auch alleine bei allen Umstiegen zu manövrieren. Außerdem kam es immer wieder zu unschönen Überraschungen – mal kam die Slushmaschine um 9 Uhr morgens an der Uni an, während ich noch im Bett lag, mal wurden die Pakte an falsche Adressen geliefert (nach fucking Lübeck zum Geschäftssitz vom Verein), mal kamen Pakete beschädigt oder in der allerletzten Paketbox in ganz München an.

Regelmäßiges Workout beim Materialtransport

Und trotzdem war es irgendwie cool. Es hat Spaß gemacht, all das Material herauszusuchen, die Materialliste zu verwalten und mit den anderen zu überlegen, was wir alles mit dem Geld anstellen können – und dann die Pakete zu öffnen, als wäre es jeden Tag Weihnachten. Es war richtig schön, Geld für coole Sachen auszugeben, an denen wir und die Teilnehmenden Spaß haben würden. Und durch so mach einen Materialtranport habe ich sogar nette Begegnungen gehabt. Immer wieder haben mir wildfremde Menschen geholfen. Beim Einladen und Tragen, der SEV hat auf mich gewartet – und der Busfahrer hat mit mir mein Rollbrett entladen – und einmal wurde ich sogar mit meinem ganzen Krempel ein Stück im Auto mitgenommen. Richtig cool war auch unser Einkauf im Ikea, bei dem wir endlich Geld für Zeug ausgeben konnten, das wir uns so nie selbst kaufen würden und dann mit einem Auto voller Lagerkisten, Deko und vorallem Pflanzen (für Dankesgeschenke) zurückgefahren sind. 

Unser Ikea-Einkauf

Und so stand ich eine Woche vor der Konferenz „nur noch“ zwei Aufgaben gegenüber: der Metroeinkauf und das Sortieren aller Materialien in der Uni. Und das war beides – oh Wunder – ein absoluter Pain. Aber erstmal zum Metroeinkauf. Am Mittwoch vor der Konferenz ging es zu dritt ganz früh am Morgen los. „Das wird bestimmt cool und sooo lang dauert es bestimmt nicht“ – so unsere Einstellung zu Beginn. Turns out wenn man Material UND Früstückssachen UND Snacks für 250 Menschen für vier Tage kauft, ist das alles, aber NICHT entspannt. Die ersten zwei Stunden waren noch cool. Wir sind durch die Gänge gefahren und haben philosophiert, welches Zeug wir brauchen könnten und jede Menge nice Sachen in den Einkaufswagen eingeladen. Die nächsten zwei Stunden waren auch noch okay. Wir haben Snacks für unsere Helfenden gekauft und Alkohol für das Freizeitprogramm – das hat noch Spaß gemacht. Die letzten zwei Stunden aber waren die Hölle. Wir mussten OHNE Einkaufsliste Snacks für 250 Menschen einkaufen. Wir waren alle schon völlig durch. Gleichzeitig hatten wir mittlerweile VIER Einkaufswägen für DREI Personen, die alle völlig überladen waren und waren zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal fertig. Und so mussten wir erstmal bezahlen. An der Kasse hat es ewig gedauert – wir mussten alles ausladen und wieder einladen – aber immerhin war die Kassiererin freundlich und geduldig. Und als wir endlich fertig waren und ich zu dem Zeitpunkt schon mehrere tausend Euro ärmer – ging es nochmal rein für 80kg Bananen und viel zu viele Liter Hafermilcv. Nachdem auch das geschafft war kam die nächste Herausforderung – denn so viel Material, wie auf fünf große Metroeinkaufswägen passt, passt auch mit den besten Tetris-Fähigkeiten nicht in einen Ford Kuga. Und so sind wir mit einem völlig überladenen Auto (Egal was man aufgemacht hat, es ist erwas herausgefallen) Richtung Uni gefahren – und haben eine von uns zurückgelassen, um mit den restlichen Einkäufen auf unseren Transporter zu warten. 

Nach ewigem Hin und Her war aber immerhin eines klar – ich darf in der Prof-Tiefgarage direkt an der Uni parken. Dort angekommen waren wir nur noch genervt, eigentlich wollten wir längst in der Uni sein, wir hatten noch Veranstaltungen, in die wir gehen wollten, aber es hatte ja niemand ahnen können, dass der Einkauf geschlagene SECHS Stunden dauern würde – und so haben wir das Auto vollbeladen in der Tiefgarage stehen lassen und sind erstmal in unsere Vorlesungen gegangen. 

Einkaufswagen 1/5

Und nach der Vorlesung war es (leider) noch lange nicht vorbei. Immerhin hatte in der Zwischenzeit jemand das Auto ausgeladen, das war eine Erleichterung. Aber jetzt stand ein kompletter Raum voller Essen und Material – und das war völlig unsortiert und das reinste Chaos. Die nächsten anderthalb Tage habe ich also in unserem Lagerraum verbracht, bis alles umgeräumt, sortiert und beschriftet war. Das war mit Abstand die überfordernste Aufgabe in der gesamten Vorbereitung der Konferenz, denn man konnte sich in dem kleinen Raum so oder so kaum bewegen, musste ständig über Kisten steigen und alles hin – und herschieben. Umso stolzer war ich, als der Raum am Vormittag vor der Konferenz dann endlich fertig sortiert war. Währenddessen waren die Vorbereitungen und der Aufbau schon in vollem Gange. Denn in wenigen Stunden war es soweit – die ersten Teilnehmenden würden kommen.

PsyFaKo – die ersten Vorbereitungen (2/5)

Nachdem wir in Bochum als nächste AFS gewählt wurden – mehr dazu im letzten Beitrag – wurde mir erst so richtig bewusst, was das eigentlich bedeutet. Wir – eine Gruppe aus 10 Psychologie-Studis – würden eine Konferenz in München organisieren, auf der sich vier Tage lang 250 Fachschaftler treffen werden. Und eine Konferenz organisieren bedeutet eben viel mehr als nur einen Konferenzplan erstellen. Es bedeutet auch Sponsoren finden, Schlafplätze suchen, Essen und Getränke organisieren, Helfer anwerben, Räume buchen, ein Freizeitprogramm gestalten, sich auf ein Logo einigen, tausende Materialien bestellen, einen Antrag beim BMBF (damals noch Bundesministerium für Bildung und Forschung) betreuen, sich im dahinterstehenden Verein zu engagieren, Mails zu beantworten und und und… Kurz gesagt – es ist seeeehr viel Arbeit. Aber das Gute ist: es haben schon andere vor uns geschafft – also ist es nicht unmöglich.

Um nicht völlig den Überblick zu verlieren, haben wir uns schon ganz zu Beginn nach Themengebieten in Ressorts aufgeteilt und uns damit an vergangenen Konferenzen organisiert. Ich selbst war zuständig für „Ressourcen“ – also Finanzplanung, BMBF und Materialien, gemeinsam mit Mimi, die sich um Sponsoren gekümmert hat. Daneben gab es noch sechs andere Ressorts: Konferenzstruktur (für den Ablauf, Vortragende und Räume), Kost & Logis (für Verpflegung und Unterkünfte), Freizeit (für das Freizeitprogramm und die Party), Kommunikation (für Social Media, die Website, alle Dokumente, Mails und die Anmeldung), Vor Ort (für die Helfenden und jeglichen Kleinkram für die Konferenz) und den Konrat (für die Kommunikation mit dem Verein). 

Da unsere Wahl zur AFS kurz vor den Semesterferien und den Klausuren stattfand, haben wir uns darauf geeinigt, dass sich über die Semesterferien über seinen Bereich informiert und wir mit unserer Arbeit erst im Wintersemester so richtig loslegen. Und so war eines unserer ersten Treffen das AFS-Vernetzungstreffen in Bonn. Neben der Konferenz richtet nämlich jede AFS auch ein sogenanntes Vernetzungstreffen aus, bei dem die vorherige AFS, die aktuelle AFS und die darauffolgende AFS sich treffen, um Fragen zu klären und gemeinsam an Bereichen zu arbeiten, die aktuell noch problematisch sind. 

Vor Bonn war es nun also meine Aufgabe, alle Vereinsdokumente (des PsyFaKo e.V.s, der Verein, der hinter der Ausrichtung der Konferenz steht) zu durchstöbern, die ich zu AFS-Finanzen finden konnte. Leider sind viele Dokumente maßlos veraltet, sodass ich am Ende fast noch mehr verwirrt war als vorher. Das hat in mir ein ungutes Gefühl des Kontrollverlustes ausgelöst. Ich hatte eine Aufgabe – unsere Finanzen verwalten – und gleichzeitig keine Ahnung, was ich dafür genau tun sollte. Zum Glück konnte ich in Bonn jede Menge meiner Fragen stellen. Die Studis aus den anderen AFSen auf Bochum und Bonn waren total freundlich und ich habe mich sofort viel besser aufgehoben gefühlt, als ein Teil eines größeren Ganzen. Das hat mir für den Moment ein wenig die Sorge genommen und das Wochenende hat sogar richtig Spaß gemacht. Wir konnten eine Menge von den anderen lernen und gleichzeitig das allererste Mal ein Gefühl für den Zusammenhalt bekommen, der hinter den ganzen Konferenzen steht. Das war das erste Mal seit langem richtig schön.

Im neuen Semester ging es dann langsam „so richtig los“. Nachdem ich in den Ferien wegen Unklarheiten in unserem BMBF-Antrag schon erste sehr große Zweifel an meiner Entscheidung hatte – ich hatte bis dato kaum Ahnung von BMBF-Anträgen und Amtssprache und da wurde mir mit Zeitdruck alles auf einmal um die Ohren gehauen – es ging schließlich um über 20000€ – habe ich mich gefreut endlich wieder mit den anderen zusammenzuarbeiten. Und so sind wir dann tatsächlich in unsere eigenen Konferenzplanung gestartet. Jeder hat sich zunehmend mit den eigenen Aufgaben vertraut gemacht, wir haben stundenlang über unser Logo diskutiert (& jaaaa das ist für alles seeehr relevant), versucht, einen Termin zu finden und gemeinsame Pläne geschmiedet. Ich habe unseren Finanzplan erstellt – das war sogar richtig cool – und mich informiert, wann ich was am besten mache. So langsam hatte ich das Gefühl, besser in meiner Aufgabe anzukommen und wenigstens nicht die ganze Zeit überfordert zu sein, sondern nur zwischendurch, wenn ich wieder auf etwas gestoßen bin, was ich noch nie gehört habe, was aber unfassbar wichtig sein musste. Aber obwohl ich langsam besser wusste, was ich genau machen muss, habe ich mich immer mehr gefragt, wofür ich das alles eigentlich mache. Ich war selbst nie auf einer Konferenz und konnte mir nicht so richtig vorstellen, dass das wirklich richtig cool wird und dass sich all der Aufwand lohnen würde. Denn aufwendig war es auf jeden Fall – und ich war mir nicht hundertprozentig sicher, ob das nicht alles eine massive Zeitverschwendung war. 

Um diese Frage zu beantworten (& auch weil sieben von zehn Menschen aus unserer AFS noch nie auf einer Konferenz waren – wir also die ganze Zeit Ideen aus dem leeren Raum sammeln) ging es im November 2024 dann los zu meiner allerersten PsyFaKo nach Bonn – der letzten Konferenz vor unserer eigenen im Juni 2025. Und um es kurz zu sagen: es war richtig richtig toll. Wir konnten dort eine Menge darüber lernen, wie eine Konferenz abläuft. Wir konnten uns als Team nochmal besser finden und Fragen klären. Wir konnten Kontakte zu anderen Fachschaften knüpfen. Und vor allem habe ich so richtig gemerkt, was für eine tolle Gemeinschaft auf einer Konferenz eigentlich entstehen kann und wie schön es sich anfühlen kann, ein Teil davon zu sein. Natürlich besteht eine solche Konferenz zu großen Teilen aus Plenas, Fachvorträgen oder anderen inhaltlichen Angeboten. Aber es ist für viele Menschen dort eben noch so viel mehr als nur eine inhaltliche Veranstaltung. Es bedeutet Freundschaften knüpfen und einander wiedersehen und vor allem Gemeinschaft – und das hat mir wirklich gut gefallen. 

Und wenn ich eins aus Bonn mitgenommen habe, dann ist es das folgende: uns wird im nächsten halben Jahr vor unserer Konferenz scheiße viel Arbeit erwarten – das kann man nicht schöner sagen – aber es wird sich lohnen, für all die Menschen, die dorthin kommen und sich darauf freuen – für das Gefühl dahinter. Und das allererste Mal habe ich mich tatsächlich und aus vollem Herzen auf die Konferenz gefreut.

Abschluss auf der PsyFaKo in Bonn

PsyFaKo – Die Bewerbung (1/5)

PsyFaKo – Hääää was ist denn das? Das ist so ungefähr das, was ich gedacht habe, als die PsyFaKo in meinem ersten Semester das erste Mal bei uns in der Fachschaft erwähnt wurde. Kurz gesagt – die PsyFaKo ist die Psychologie Fachschaften Konferenz, bei der sich einmal im Semester Vertreter aller Fachschaften aus dem Deutschsprachigen Raum für vier Tage treffen und über verschiedenste hochschulpolitische Themen sprechen und sich miteinander vernetzen. So kurz, so gut – aber was soll ich denn bitte da? Das war so ziemlich die nächste Frage, die ich mir nach der kurzen Erklärung gestellt habe. Ich konnte mir sehr viel Schöneres vorstellen, als ein Wochenende mit mir komplett fremden Fachschaftlern zu chillen und über irgendwelche Dinge zu sprechen, von denen ich überhaupt keine Ahnung hatte – die Entscheidung war schnell klar – da will ich nicht hin. 

Und so vergingen ein paar Wochen, die PsyFaKo hatte ich schon längst wieder vergessen, bis zu der Fachschaftsitzung, in der ein -„ ja, wenn sich niemand anderes findet“ – einen deutlich größeren Einfluss auf mein Leben hatte, als ich es jemals für möglich gehalten hätte. Es war die Woche vor der PsyFaKo im Wintersemester 2023 in Ulm in der ein Fachschaftler – offensichtlich großer Fan der Konferenz – gefragt hat, ob wir uns nicht in dem Fall, dass sich keine Fachschaft findet, die die nächste Konferenz ausrichtet, dazu bereit erklären würden, die Konferenz zu organisieren. Es ist nämlich so: die PsyFaKo findet jedes Mal an einem anderen Ort statt und wird dort von einer ausrichtenden Fachschaft (AFS) organisiert. Aber dafür muss sich eben immer auch eine Fachschaft finden, die dazu bereit ist. Und so sagte ich (& noch einige andere): ja, wenn sich niemand anders findet, machen wir das zur Not. 

Zum Glück hat sich damals auf der PsyFaKo in Ulm eine andere Fachschaft, die Bonner, gefunden, die die Konferenz ausrichten würde. Aber nachdem sich unsere Fachschaft mit so vielen Menschen bereit erklärt hatte, die Konferenz „zur Not“ auszurichten, kam bei dem besagten Fachschaftler die Idee auf, uns auf die Ausrichtung der Konferenz für den Sommer 2025 zu bewerben. Und so hat er eine Gruppe für ein erstes „ganz unverbindliches Treffen“ erstellt, in der jeder gelandet ist, der gesagt hat „ja, wenn sich kein anderer findet, bin ich dabei“. Und als ahnungslose und Kontakte suchende Ersti war es damit um mich geschehen. Ehe ich mich versah, war ich Teil einer Gruppe, die sich tatsächlich freiwillig darauf bewirbt eine Konferenz in München auszurichten. Wie weitreichend diese Entscheidung sein würde, war mir damals noch nicht klar, denn was die PsyFaKo überhaupt ist, wusste ich nur aus Erzählungen, gesehen hatte ich das selbst noch nie. 

Trotzdem war es vor der Bewerbung irgendwie eine lustige Gruppe – wir bekamen erste Zahlen und Fakten (eine Konferenz hat 250 Teilnehmer, geht vier Tage lang, findet seit 20 Jahren statt und wird getragen vom PsyFaKo e.V.), haben uns hin und wieder getroffen und ein Bewerbungsvideo vorbereitet, mit dem wir uns dann auf der nächsten Sommerkonferenz in Bochum im Juni 2024 bewerben wollten. Der Videodreh war sogar richtig cool, wir haben uns mehrfach getroffen, an verschiedenen Orten in München gedreht und Pläne geschmiedet, wie das dann wohl sein würde. Ich habe tolle neue Kontakte geknüpft – das Leben war gut. Je näher die Konferenz in Bochum dann aber rückte, desto unsicherer wurde ich mir – mir graute zunehmend, wie aufwendig dieses ganze Unterfangen eigentlich werden würde und ich war mir nicht sicher, ob ich das wirklich wollte.

Am Tag der Abstimmung war ich dann Zuhause – ich war nicht mit nach Bochum auf die PsyFaKo gefahren, weil ich an dem Wochenende bereits verplant war. Je näher die Abstimmung kam, desto nervöser wurde ich. So schön die Zeit der Bewerbung auch war, hoffte doch ein zunehmend großer Teil von mir, dass wir einfach nicht gewählt werden. Und dann gegen Nachmittag kam ein Bild in unsere Gruppe: Vorne steht meine Fachschaft in Tracht, darüber die Abstimmung, auf der man klar erkennen konnte, dass wir gegen die Fachschaft aus Bamberg gewonnen hatten. Und so sehr sich die Menschen auf dem Foto darüber freuten, konnte ich diese Freude nicht mitempfinden. In mir war ein großes Unwohlsein und eine Stimme, die sich fragte, wie eine Gruppe, wie wir – bestehende aus fast nur Erstis und noch mehr Menschen, die noch nie eine PsyFaKo gesehen haben – es jemals schaffen soll, auch nur ansatzweise eine Konferenz zu organisieren.

Sechs Wochen Sucht

Im März habe ich mich kurzfristig entschlossen, mein zweites Praktikum schon in den Semesterferien im Sommer zu machen, damit ich im Winter genug Zeit für meine Bachelorarbeit habe. Als ich dann nach Praktikumsplätzen geschaut habe, war mir der Schwerpunkt der Klinik egal, da ich so spät dran war und froh sein konnte, wenn ich überhaupt noch einen Platz finden würde. Dementsprechend habe ich mich bei jeder Klinik im Sauerland, meiner Heimat, beworben und dabei wenig darauf geachtet, was für eine Art von Klinik es eigentlich ist. Als ich dann im April die Zusage für einen Praktikumsplatz in einer Rehaklinik für Suchterkrankte bekommen habe, war ich erstmal erleichtert, einen Platz gefunden zu haben.

Als das Praktikum dann im August losging und ich der Station für „Drogenabhängige“ zugeteilt wurde, merkte ich aber schnell, dass ich an einem besonderen Ort gelandet war. Zum einen werden Suchtpatienten in der Reha relativ lange behandelt, zwischen 12 und 22 Wochen, was bedeutet, dass man die Möglichkeit hat, die Patienten und ihre Geschichte in dieser Zeit sehr intensiv kennenzulernen und gleichzeitig auch ihre Entwicklung beobachten kann. Andererseits sind Suchtpatienten, besonders bei Drogensucht, auch Menschen mit einem vielfältigen Hintergrund. Viele leiden zusätzlich an anderen psychischen Erkrankungen, haben eine bewegende Vergangenheit, einige stammen schon aus Familien mit Suchterkrankungen, manche kämpfen schon sehr lange mit ihrer Erkrankung, andere erkennen sie noch nicht richtig an und wieder anderen fehlt die Motivation, tatsächlich etwas bei sich zu verändern. Kurz gesagt: obwohl all diese Menschen eines verbindet – ihre Suchterkrankung – könnten sie oft nicht verschiedener sein. Das hat die Arbeit dort spannend gemacht, da man sehr individuell auf die einzelnen Patienten schauen musste und so gut wie jeder eine bewegende Lebensgeschichte mitgebracht hat.

Gleichzeitig war ich am Anfang sehr verunsichert. Mit den meisten Drogen war ich in meinem Leben noch nie in Kontakt gekommen. Außer Alkohol habe ich selbst keine Substanzen konsumiert und selbst den Konsum von Tabak und Cannabis habe ich nur bei anderen beobachtet. Wenn ich an Drogenabhängige gedacht habe, waren das für mich irgendwelche finsteren, zum Teil auch gefährlichen Typen, die am Bahnhof in der Ecke lauern und dabei vielleicht sogar noch kriminell sind. Und einige dieser Klischees haben sich zumindest nicht als komplett unbegründet erwiesen. Der Großteil der Patienten war männlich und zwischen 20 und 40 Jahre alt. Einige von ihnen waren sehr impulsiv, unter Drogenkonsum auch aggressiv und sind durch ihre Abhängigkeit auch in die kriminelle Szene gerutscht. Aber etwas, was ich hinter all meinem Klischee-Denken davor oft vergessen habe und in meiner Zeit dort lernen konnte, ist, dass all das auch Menschen sind. Menschen mit einer Geschichte, mit Gefühlen, Gedanken und Sorgen. Menschen, denen schlechte Dinge widerfahren sind, die Entscheidungen getroffen haben, die im Nachhinein verheerende Konsequenzen gehabt haben, in dem Moment selbst aber vielleicht als der einzige Ausweg erschienen sind. Und vor allem sind das Menschen, die noch so viel mehr sind als „nur“ ihre Erkrankung. Natürlich wird die Erkrankung immer ein Teil von ihnen bleiben. Das Tragische an Suchterkrankungen ist nunmal, dass sie chronisch sind und nie vollends verschwinden. Gleichzeitig sind sie aber nicht das einzige, was diese Menschen ausmacht. Das war eine wirklich wertvolle Erkenntnis. In den sechs Wochen, in denen ich da war, konnte ich viele spannende Menschen kennenlernen. Ich konnte auch von den Patienten noch eine Menge lernen und mitnehmen und bin dankbar, dass sie mich an ihrer Geschichte und ihrem Leben haben teilhaben lassen und mir eindrucksvoll gezeigt haben, dass noch so viel mehr in ihnen stecken kann. 

Eine Sache, die ich allerdings auch gelernt habe, ist es, wie wichtig es ist, die Patienten ihren eigenen Weg gehen zu lassen. Oft ist es von außen (& aus therapeutischer Sicht) scheinbar einfach, den vermeintlich richtigen Weg – in diesem Fall ohne Drogen – zu sehen, den die Patienten gehen können. Allerdings können Therapeuten diese Entscheidungen nicht treffen, sondern die Patienten lediglich auf ihrem Weg begleiten. Denn welchen Weg sie gehen möchten, das liegt allein bei ihnen. Es mag von außen betrachtet dann nicht immer „der beste Weg“ sein, aber es liegt nicht nur in meiner Macht, Entscheidungen gegen den Willen dieser Erwachsenen zu treffen und sie zu bevormunden, solange sie noch in der Lage sind, eigene Entscheidungen zu treffen. Sie sind ein Stück weit verantwortlich dafür, was mit ihrem Leben passiert und wenn sie Hilfe benötigen und auch annehmen wollen, dann gebe ich mein Bestes, sie dabei zu unterstützen. Möchten sie das allerdings nicht, so ist das auch in Ordnung und sogar ihr gutes Recht. Es ist ihre Entscheidung und vielleicht ist der ein oder andere einfach noch nicht so weit, die Hilfe wirklich anzunehmen und das Leben zu verändern. Ich kann ihnen dann meinen Rat und meine Unterstützung anbieten und muss lernen zu akzeptieren, dass es auch Menschen geben wird, die sich nie für einen Weg aus der Suchterkrankung entscheiden werden. Das ist mir immer wieder schwer gefallen, weil ich in diesen oft noch jungen Menschen so viel Potential für ein „normales“ und glücklicheres Leben gesehen habe, sich diese Menschen aber nicht immer für ein Leben ohne Drogen entscheiden konnten und wollten. Das zu sehen, war manchmal sehr schmerzhaft.

Trotzdem hat mich das Praktikum viel weiter gebracht. Es hat mir eine wirkliche Freude bereitet mich den Patienten dort zusammenzuarbeiten. Viele von ihnen sind ganz sicher nicht das, was man als „leichte Patienten“ bezeichnen würde und das kann frustrierend sein. Auf der anderen Seite ist es dann umso schöner zu sehen, wenn die Menschen dort Fortschritte machen und das, obwohl sie zum Teil wirklich ziemlich unvorteilhafte Startbedingungen hatten und zu Beginn nicht motiviert waren, ihr Leben zu verändern. Besonders schön fand ich es auch, so viele Menschen und ihre oft auch berührenden Geschichten kennenzulernen und sie ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten zu dürfen. Dadurch durfte ich mal wieder lernen, dass diese Menschen so viel mehr sind als ihre Erkrankungen und das dahinter so viel mehr steht als einfach nur „Schwäche“ und „Faulheit“.

Wenn ich heute an Menschen mit Suchterkrankungen denke, denke ich nicht mehr nur an finstere Typen am Bahnhof. Vielmehr denke ich an all die Menschen, mit ihren verschiedenen Schicksalen und frage mich, was bei dem einzelnen wohl der ausschlaggebende Punkt war, zu einem Suchtmittel zu greifen. Neben meiner Vorsicht ist da nun auch eine stärker werdende Neugier und der Wunsch, diesen Menschen eine helfende Hand zu reichen, wenn sie dafür bereit sind. & damit meine ich nicht nur Hilfe im Sinne von therapeutischer Hilfe zur Abstinenz, sondern auch für die Menschen, die dafür noch nicht bereit sind. Dieses Gefühl, dass ich dann empfinde, zeigt mir auch wieder, dass ich vielleicht doch den klinischen Weg in meinem Master einschlagen möchte, um irgendwann wirklich eine Person zu sein, die Menschen wie diesen auch therapeutisch helfen kann. Und das ist ein Gefühl, was mir Kraft und Mut für meinen weiteren (noch sehr langen) Weg bis dahin gibt.

Frei der Intuition folgen

Mein erster Tag in Göreme war schön. Bei Nieselregen habe ich mich auf den Weg gemacht ohne ein bestimmtes Ziel zu haben. Ich bin einfach dorthin gegangen, wo es schön oder interessant aussah. An den bekannteren Sehenswürdigkeiten, wie dem Göreme Open Air, war es etwas voller, aber ansonsten war es echt leer. Deshalb habe ich mir einige der Feenkamine und der Höhlen angeschaut, bin in der Landschaft rumgestreift und habe mich einfach treiben lassen. Dabei konnte ich einige schöne Dinge und Ausblicke entdecken, die hinter jeder Ecke versteckt sind.


Auch am zweiten Tag bin ich wieder gewandert, zum Uchisar Castle und dem Pigeon Valley. Auch hier gab es hinter jeder Ecke einen schönen Ausblick und etwas Neues zu entdecken. Trotzdem war es manchmal etwas gruselig, alleine durch die Landschaft zu wandern, nur begleitet von ein paar streunernden Hunden. Denn trotz der traumhaften Wanderwege nehmen die meisten lieber das Auto, insbesondere weil es momentan recht kühl ist. Dafür hatte ich aber die schönsten Schluchten ganz für mich allein, was irgendwie magisch ist. Ich habe mir alle Zeit der Welt genommen, um alles zu entdecken und zu bewundern. Ich hatte Zeit. Niemand hat mich gehetzt. Ich konnte alles so lange bestaunen wie ich wollte.


Auf dem Rückweg ging es dann an der Straße entlang zurück, aber ich konnte mich nicht zurückhalten, auch hier einige Abstecher zu machen, an die Ränder der Täler. Auch wenn mich das ganz sicher einige Kilometer extra gekostet hat, war es einfach wunderschön, so allein herumzuziehen.


Nur manchmal fehlt mir jemand, mit dem ich meine Gefühle teilen kann. Jemand, mit dem ich singen kann, die Nase in die Sonne halten und vor Freude und Überwältigung weinen kann. Mit dem ich mein Staunen teilen kann. Insbesondere weil hier nur wenige allein unterwegs sind, ist es schwer, Kontakte zu knüpfen und Anschluss zu finden.


Und trotzdem bin ich positiv überrascht davon, wieviel Spaß es mir macht, alleine zu verreisen. Dieses Gefühl der Freiheit ist einfach unbeschreiblich. Jeden Tag auf’s Neue kann ich entscheiden, was ich aus dem Tag machen möchte. Und auch wenn ich nicht mein Leben lang alleine verreisen möchte, so würde ich es doch hin und wieder mal machen, einfach weil es mir gut tut, Zeit mit mir selbst zu verbringen. Die Freiheit zu genießen. Das ist sicher nicht Jedermanns Sache, aber für mich ist es eine große Bereicherung.

Auf einem anderen Planeten

Puerto Viejo, Dienstag der 02.08.2022, 06:59 Uhr.
Je länger ich vom Zuhause fort bin, desto mehr kann ich mein eigenes Leben von außen betrachten. Nach fünf Wochen Costa Rica sehen ich mein Leben Zuhause anders und es kommt mir fast unmöglich vor, dieses Leben je wieder zu leben wie vorher.

Wenn ich mit meiner Familie Zuhause rede, kommt es mir vor wie auf einem anderen Planeten. Einem Ort, den ich mal gekannt habe, aber der jetzt so unfassbar weit weg ist, dass er unerreichbar scheint.

Wenn ich so darüber nachdenke, was ich aus meinem Leben machen möchte, weiß ich, dass es so viel mehr ist, als das was ich Zuhause mache. Ich möchte Vielfalt erleben und neue Orte sehen, ich möchte die Natur jeden einzelnen Tag neu entdecken, ich möchte tief eintauchen in alles, was die Welt zu bieten hat. Mir ist es wichtig meinen Horizont zu erweitern, nie nur von einer Seite zu schauen, um das Beste rauszuholen.

Eine der wichtigsten Lektionen, die ich hier gelernt habe ist, dass alles eine Frage der Perspektive ist. Nicht alles läuft so, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber ich kann versuchen aus jeder Situation das Beste zu machen und sie hinzunehmen wie sie ist.
Als wir zum Beispiel im Tortuguero Nationalpark waren, haben wir morgens um 5:30 Uhr eine Bootstour gemacht. Es hat natürlich in Strömen geregnet und wir waren klatschnass, aber trotzdem haben wir unfassbar viele Tiere gesehen und der Blick von den Mangroven auf den Wald war einfach der absolute Wahnsinn. Eines der Mädels, die mit mir da war hatte wegen dem Regen und dadurch, dass wir vorher nicht gefrühstückt hatten extrem schlechte Laune und wollte die ganze Zeit nur zurück. Anstatt den Ausblick zu genießen, hat sie nur noch von ihren warmen Klamotten Zuhause geredet. Dabei hatten wir trotz Regen einen umfassbaren Blick auf den Regenwald. Wir haben Affen in den Bäumen und Kaimane im Fluss gesehen. Das ist eine einzigartige Chance, die wir hier haben
Es gibt so viele Menschen, die gern in unserer Situation wären und ich bin immer wieder dankbar, das hier alles erleben zu dürfen.

Auch mir fällt es nicht immer leicht, das alles so zu sehen. Nach einer Zeit wird der Urwald zum Alltag und ich ärgere mich über die Affen, die Mandeln auf mich und meine Sachen werfen.
Und ja es gibt manchmal Situationen, die nicht angenehm oder schön sind. Es wäre eine Lüge zu behaupten, dass ich beispielsweise arbeiten im strömenden Regen toll finde. Es ändert aber nichts an der Situation, wenn ich mich ärgere. Das zieht die Stimmung nur noch mehr herunter. Der Regen hört ja schließlich nicht auf, nur weil ich es kacke finde, dass alles nass ist.
Deshalb kann ich entweder versuchen, meine Situation zu ändern  oder sie hinzunehmen wie sie ist. Entweder ich bleibe an dem Tag Zuhause im Bett und bleibe trocken oder gehe eben in Regenjacke arbeiten. Ich muss mir nicht von einer Sache alles andere vermiesen lassen. Denn sonst gerät am Ende der schönste Anblick in Vergessenheit.

Wenn ich meine Zeit hier rückblickend betrachte, habe ich viel zu oft vergessen, wie einmalig mein Aufenthalt hier ist. Am Anfang habe ich mir oft gewünscht, nach Hause zu können. Heute bin ich mir nicht sicher, ob ich mich auf Zuhause freue. Klar, ich vermisse meine Freunde und meine Familie und auch einige Dinge, wie trockene Klamotten, Musik machen, jegliche Hygiene und Privatsphäre und natürlich mein Bett, aber ich werde auch so viel von hier vermissen.
Das unbeschwerte Lebensgefühl, das Abenteuer, die Offenheit der Menschen, das warme Wetter, die Vielfalt der Natur, die Nähe zum Meer und einfach all die exotischen Erlebnisse, die jetzt mein Alltag sind. Jeden Tag Action, jeden Tag so viel Neues. Die neuen Perspektiven, fremde Lebensgeschichten und die unendlich scheinenden Möglichkeiten.

Für mich war es eine der besten Entscheidungen hierher zu kommen. Dieses vollkommen andere Leben hat mich nachdenklich gemacht. Ich bin dankbarer und bewusster geworden. Ich weiß zwar noch nicht, wo mein Weg danach genau hingeht, ich weiß aber in welche Richtung ich gehen möchte. Die ewige Schleife aus was wäre wenns und was will ich mit meinem Leben machen ist hier etwas in den Hintergrund gerückt. Ich konnte neue Kraft tanken, um mich auf die vielen Entscheidungen und Aufgaben vorzubereiten, die Zuhause anstehen. Die Frage nach der Zukunft, nach dem was will ich machen, scheint nicht mehr so kompliziert. Mittlerweile freue ich mich sogar schon, eine der vielen Möglichkeiten zu wählen, etwas Neues zu lernen und endlich meinen Weg Richtung erwachsen werden einzuschlagen.

Über Haareschnitte und Selbstzweifel


Nach meinem Abi rasiere ich die Haare ab – Mein Plan seid etwa einem Jahr.


Was daraus geworden ist? Bisher nichts, der Rasierer liegt hier, die Rasur steht auf meiner To-do Liste und ich sitze hier, mit langen Haaren und schreibe diesen Text, weil ich mich nicht traue.


Aber jetzt erstmal ganz von vorne. Die meisten würden mich wahrscheinlich für verrückt erklären, weil ich aus meiner Frisur so ein Drama mache. Es sind ja nur Haare, die wachsen ja nach. Hab ich auch gedacht, aber dann kamen die Zweifel aus meinem Umfeld und auch von mir selbst.


Auf Social Media gibt es einige Menschen, die sich die Haare abrasieren, darunter eine meiner liebsten Youtuberinnen – Jana von Janaklar. Sie ist einer der Gründe dafür, warum ich meine Haare unbedingt mal abschneiden möchte.


Zum andern passt eine neue Frisur zum neuen Lebensabschnitt. Nach meinem Abi fühlt es sich so an, als ob auch ich anders sein sollte und nicht nur mein Leben. Dafür ist ein neuer Haarschnitt die perfekte Veränderung, die den Abschied deutlich macht.


Außerdem könnte es mir helfen, mehr an meinem Inneren zu arbeiten. Mein ganzes Leben war ich so auf mein Äußeres fokussiert, dass der Kern meiner selbst in Vergessenheit geraten ist. Wenn ich mir meine Haare abrasiere sehe ich nicht mehr aus wie die Frau, die uns die Gesellschaft als Vorzeigefrau aufzwängt. Auch wenn mein Frisur meine Persönlichkeit und meinen Wert als Mensch nicht ändert, sondern lediglich einen kleinen Teil meines Körpers und meines Aussehens, wird es Menschen geben die das anders sehen.


Dann habe ich nicht die Möglichkeit mich hinter meinem Aussehen und meinen Haaren zu verstecken, sondern muss meine Persönlichkeit nutzen, um von innen heraus zu strahlen.


Trotz all dieser positiven Aspekte habe ich Angst.


Ich habe Angst davor ausgegrenzt und nicht länger geliebt zu werden. Ich habe Angst davor, dass man meine Persönlichkeit aufgrund meiner Haare nicht mehr sieht. Ich habe Angst davor herauszustechen und verurteilt zu werden.
Ich habe Angst vor den Tagen, an denen ich an meiner Entscheidung zweifle und meinen Selbstwert herabstufe, denn solche Tage wird es ohne Zweifel auch geben.


Besonders schlimm sind diese Zweifel, seit ich meinem Umfeld von der Idee erzählt habe. Meine Mama war sehr geschockt, da sie abrasierte Haare mit der Krebskrankheit meines Vaters in Verbindung bringt. Meine Schwester sagt mir, sie würde es nicht machen und ich werde es bereuen, weil die Haare mein Aussehen beeinflussen und auch meinen Selbstwert. Mein Freund hat aus unerklärlichen Gründen ein schlechtes Gefühl bei der Sache. Die drei haben alle ihre Gründe, mir von der Entscheidung abzuraten und ich möchte sie nicht dafür verurteilen Tief in meinem Inneren verspüre ich aber trotzdem eine tiefe Traurigkeit.


Besonders von meiner Familie habe ich mir Unterstützung gewünscht, damit ich die Kraft finde, meinen Wunsch zu verwirklichen und auch die Tage zu überstehe, in denen ich die Entscheidung bereue und an meinem Selbstwert zweifle. Ohne diesen Rückhalt fühle ich mich alleine und kraftlos. Ich traue mich nicht, mein Vorhaben in die Tat umzusetzen, weil ich all die negativen Kommentare nicht ertrage. Deshalb bleiben die Haare jetzt erstmal.


Und um noch einmal zum Anfang zurückzukommen: Ob ich meinen Plan jemals in die Tat umsetzte steht noch in den Sternen, wenn ja werdet ihr davon hören, wenn nicht dann ist nichts daraus geworden.
Beide Optionen sind durchaus möglich und okay so, weil wie schon gesagt: Es geht nur um Haare, also eigentlich nicht weltbewegendes.