
Abitur – Ein Anfang und ein Ende. Ein lachendes und ein weinendes Auge. Vergangenheit und Zukunft. Schmerz und Freude.
Die letzten zwei Jahre war ich stark in die Planung des Abiballs eingebunden. Am Wochenende hatten wir unsere Zeugnisvergabe und auch unseren Abiball. Es war ein unvergesslicher, wunderschöner Tag. Wir haben gefeiert, gelacht und getanzt.
In den Tagen danach macht sich in mir mehr und mehr ein Gefühl der Leere breit. All die Zeit, die ich in unsere Stufe investiert habe, ist nun frei. Wir werden uns nie mehr alle zusammen treffen. Nie mehr zusammen in die Schule gehen. Uns nie wieder Tag für Tag sehen. Das alles ist nun Vergangenheit.
Diese Erkenntnis trifft mich wie ein Schlag. Sie macht mich traurig und ich vermisse diese Zeit jetzt schon, denn ich habe jeden einzelnen meiner Mitschüler tief ins Herz geschlossen. Die Tatsache, dass mit dem Abitur all das vorbei ist war mir zwar bewusst, die Tragweite dessen erkenne ich aber erst jetzt.
Dieser Abschied fühlt sich für mich wie ein nie enden wollendes Loch an, wie ein ungebremster Fall, bei dem man ein ungutes Gefühl im Bauch hat. Jedes mal, wenn ich daran denke, überfällt mich eine gewisse Traurigkeit ohne Vorwarnung, meine Tränen fließen und es dauert, bis ich mich beruhigen kann. Der Schmerz ist noch zu frisch, als dass ich mich wieder auf etwas Neue freuen kann.
Für mich ist das hier einer der schwersten Abschiede meines Lebens. Das Abitur ist ein Cut in meinem Leben zwischen der Jugend und dem Erwachsensein, ein Zeitpunkt der Entscheidungen, die mein Leben grundlegend beeinflussen.
Denn andererseits steht mir jetzt so viel Neues bevor. Eine Reise nach Costa Rica, mein Bundesfreiwilligendienst und danach Umzug und Studium. Das alles sind so großartige Sachen, denen ich voll Freude, aber auch etwas ängstlich entgegenschaue.
Noch brauche ich Zeit das Vergangene zu verarbeiten, meine Trauer anzunehmen, damit ich der Zukunft mit neuer Energie entgegentreten kann.
Denn genau diese Trauer nach einem Abschluss ist wichtig, denn nur so kann ich mit der Zeit auch die schönen Dinge an meiner Schulzeit wieder sehen. Ich empfinde schon jetzt eine unfassbar große Dankbarkeit für all die Menschen, die ich kennenlernen durfte und die so Teil meines Lebens geworden sind. Ich freue mich darauf zu sehen, was meine Stufe in den nächsten Jahren aus ihrem Leben macht, denn jeder und jede hat besondere Begabungen, die ganz sicher zu einem besonderen Lebensweg führen. Unser Leben fängt gerade erst an und wir können noch so viel daraus machen.
Und genau auf diese Herausforderung freue ich mich. Ich möchte Erfüllung finden, schauen, was das Leben zu bieten hat und mein Leben in vollen Zügen genießen.
Ich möchte die Welt erkunden, mich vernetzten, andere unterstützten und die Welt ein kleines bisschen besser machen.
Trotz allem Schmerz nach unserem Abschied kann ich so voller Hoffnung in die Zukunft schauen. Eine Zukunft, über die ich selbst entscheiden kann und die wie ein unbeschriebenes Blatt Papier vor mir liegt, sodass ich jetzt einen Neuanfang wagen kann.
Und zum Glück ist ja mit dem Abitur auch nicht alles weg. Es bleiben tolle Freundschaften, meine Familie und viele wertvolle Erfahrungen, die mich bereichern und auf die ich gerne zurückblicke. Und natürlich der Schulabschluss, der mir die Türen der Welt öffnet und mir Zugang zu Privilegien wie Bildung und Wohlstand verschaffen kann.
Ich möchte meinen Abschluss gerne nutzten, um etwas zurückzugeben und es anderen Menschen ermöglichen, ebenfalls daran teilzuhaben zu können. Denn Bildung ist meiner Meinung nach der Schlüssel zu Gesundheit, Friede, Gleichberechtigung und einer vitalen Erde, Dinge, die für jeden Menschen wichtig sind.


