Angst vorm Scheitern

Am Anfang dieses Jahres habe ich mich gefragt, was ich dieses Jahr gerne erleben und machen möchte. Was ich bis zum Ende des Jahres erreichen möchte. Wie ich schon im letzten Blog angesprochen habe, war es mir dabei besonders wichtig, mal über mich hinauszuwachsen. Dinge zu tun, die mich Überwindung kosten.



Neben vielen kleinen Dingen, habe ich entschieden, auch eine etwas größere neue Sache zu probieren. Ich möchte alleine verreisen. Und zwar nicht wie letztes Jahr nach Costa Rica mit einer Organisation, sondern so richtig alleine. Um das Ganze etwas leichter zu machen, habe ich mich erstmal nur für einen Zeitraum von einer Woche entschieden. Denn ganz ehrlich, ich weiß überhaupt nicht, was mich erwartet, auf was ich achten muss und was ich dann wirklich mit meiner Zeit dort mache. Ich bin völlig ahnungslos und das macht mir dann doch ziemlich Angst, auch wenn das Reiseziel echt traumhaft ist.


Als ich mit einigen meiner Bekannten darüber gesprochen habe, kam dann oft die Reaktion „wow, wie cool, das würde ich mich nie trauen“. Aber warum eigentlich nicht? So oft habe ich mich schon gefragt, warum sie so eine Reise eigentlich nicht selbst machen. Vielen würde das bestimmt ungeheurer viel Spaß machen und sie würden viel lernen.


Am Geld liegt es bei ihnen nicht, denn ganz ehrlich, besonders teuer wird mein Urlaub auch nicht, denn das könnte ich mir überhaupt nicht leisten. An der Zeit ebenfalls nicht, denn so eine Woche kann jeder von ihnen im Jahr entbehren. Und trotzdem trauen sie sich nicht.


Oft denke ich dann, dass das etwas mit dem Grundvertrauen der Menschen in sich selbst zu tun haben muss und damit wie sehr sie nur in ihrer Komfortzone leben.
Von klein auf ist mir vermittelt worden, dass mir alle Türen offen stehen. Dass ich selbst entscheiden darf, wohin mein Weg führt. Und dass, egal welche Entscheidung ich fälle, meine Familie hinter mir steht und mich, sofern es eben möglich ist, unterstützt. Daher konnte ich immer viel ausprobieren und habe ein relativ gutes Selbstvertrauen. Ich weiß, dass ich mich auf mich selbst und meine Familie verlassen kann. Ich bin nie allein. Und selbst wenn meiner Familie manche meiner Träume zunächst fremd waren, so haben sie mich doch immer unterstützt. Sie haben mir beigebracht, neugierig zu sein, die Welt sehen zu wollen. Und dass es wichtig ist, Neues auszuprobieren und seine Angst zu überwinden.


Das war für mich immer selbstverständlich. Ich kannte es nie anders. Erst viel später ist mir bewusst geworden, wie viel Glück ich damit hatte. Einige meiner Freunde haben das so nicht erfahren. Ihre Eltern waren nicht so offen für neue Ideen und haben selbst ihre Komfortzone, ihr Dorf, ihr Land, kaum verlassen. Wenn solche Menschen dann neugierig werden und gerne mal etwas anders sehen wollen, dann wissen sie oft garnicht wo sie anfangen sollen. Schon einige Male habe ich erlebt, dass Bekannte von mir daher keine Unterstützung von ihrer Familie erhalten haben. Das macht es für sie umso schwerer. Für mich wirkt es so, als würde sich die Angst ihrer Eltern auf sie selbst übertragen.


Bei meiner Arbeit mit Senioren höre ich oft, dass manche von ihnen ähnliche Träume hatten, wie wir jungen Menschen heute. Doch so manch einem von ihnen ist es passiert, dass sie in ihrer Jugend von der Welt geträumt haben, sie aber doch nie gesehen haben. Aus Angst. Weil es immer hieß, wenn ich dies oder jenes erreicht habe, dann traue ich mich. Dann ist der Moment. Und am Ende, wenn ich sie heute frage, was aus ihren Träumen geworden ist, sagen sie, es wäre nicht so wichtig gewesen. Und insgeheim ist doch so manch einer traurig darüber.


Deshalb versuche ich, meine Freunde zu ermutigen, ihre Träume zu verwirklichen. Mir ist bewusst, dass nicht alles immer sofort geht, dass manche Dinge schlicht unmöglich sind, aber irgendwann ist der Punkt gekommen, da muss man sein Glück selbst in die Hand nehmen und es nicht länger aufschieben. Denn selbst wenn man vielleicht nie im Leben ein Millionär wird oder die ganze Welt verbessert, so wird es vom Nichtstun auch nicht besser. Je länger ich selbst mit etwas warte, desto schwieriger wird es für mich. Um das zu vermeiden, versuche ich, Dinge immer direkt anzugehen, was mir auch nicht immer gelingt. Aber bis jetzt kann ich sagen, dass ich mich besser gefühlt habe, wenn ich etwas versucht habe, anstatt es ganz zu lassen. Selbst wenn es nicht funktioniert hat.
Denn Angst und Scheitern gehören dazu, wenn man wachsen will. Und das ist nicht schlimm. Und das ist etwas, was ich mir dieses Jahr nochmal bewusst machen möchte.

Die Komfortzone verlassen


Meine Komfortzone verlassen. Das ist eines der wenigen Dinge, die ich mir dieses Jahr vorgenommen habe. Meistens bin ich eher zurückgezogen und lebe in einem Rhythmus, der sich Woche für Woche, Tag für Tag wiederholt. Das funktioniert für mich wirklich gut, gibt mir Sicherheit und die Kraft, alles zu schaffen, was ich mir vorgenommen habe.



Trotz aller guten Routinen habe ich aber auch gemerkt, wie wichtig es für mich ist, diesen Rhythmus, diese Komfortzone mal zu verlassen.
Und das klingt definitiv einfacher als es ist. Es bedeutet für jeden einzelnen etwas anderes und muss nicht immer etwas Großes sein.
Bei mir ist es zum Beispiel immer schon ein großer Schritt, wenn ich auf Menschen zugehen muss. Deshalb habe ich mir zuerst vorgenommen, das öfter mal aktiv zu machen.


Mein erster Schritt war, dass ich hinterfragt habe, warum mich die verschiedenen Situationen, in denen ich mit anderen Menschen in Kontakt komme, eigentlich so nervös machen.
Interessanterweise ist mir dabei aufgefallen, dass es mir auf der Arbeit wesentlich leichter fällt, mich zu öffnen als privat. Dort fühle ich mich sicher und geschützt. Dort habe ich eine feste Rolle, die ich erfülle. Diese Rolle gibt mir Sicherheit, weshalb ich dann viel offener sein kann.

Wenn ich hingegen privat auf Leute zugehen muss, fällt es mir jedes Mal unfassbar schwer und manchmal verstehe ich gar nicht warum.


Bei längerem Nachdenken musste ich dann an etwas denken, was eine Bekannte von mir gesagt hat: In jeder Gruppe erfüllen wir eine Rolle, der bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen zugeschrieben werden. In meiner Stufe zum Beispiel habe ich viel organisiert, weshalb auch nach meinem Abi noch viele Mitschüler eher distanziert von mir sind und mich nie so richtig an sich ranlassen. Für die meisten werde ich immer die strenge Organisatorin sein, egal wie sehr ich mich auch bemühe, zu zeigen, dass ich auch anders sein kann. Sobald ich wieder in diese soziale Gruppe komme, erwarten die meisten von mir, dass ich die Rolle der Organisatorin erfülle. Und mir passiert es immer wieder, dass ich auch in genau die Rolle schlüpfe, ohne es bewusst zu wollen. Dadurch, dass sowohl meine Mitschüler als auch ich selbst davon ausgehen, dass ich eben diese bestimmte Rolle erfülle, ist es ziemlich schwierig, anders zu handeln.


Wenn ich darüber nachdenke, hat jeder von uns sehr viele verschiedene Rollen. Mal bin ich ältere Schwester, die um Rat gefragt wird, mal eine langjährige Freundin und mal eine Mitarbeiterin in einem Betrieb.

Das erklärt auch, warum es mir in neuen Gruppen besonders schwerfällt. Dort gibt es noch keine festen Rollen. Das macht mich nervös, denn ich weiß dann nicht, was mich erwartet, wie ich mich verhalten soll. Ich weiß nicht, ob mich die anderen mögen und wie sie sich mir gegenüber verhalten. Das macht mir Angst. Denn das Gefühl in einer Gruppe nicht angenommen zu werden ist einfach schlimm, obwohl es ja klar ist, dass man es nicht allen recht machen kann. Ohne eine Rolle fühle ich mich oft verloren


Da merke ich, dass diese Rollen den Vorteil haben, dass sie Sicherheit schenken und Struktur geben. Außerdem wäre es ja auch irgendwie anstrengend, immer darüber nachzudenken, wie man sich wo verhalten soll.
Der Nachteil ist eben nur, dass man schlecht aus seiner Rolle rauskommt und oft auch vergisst, sich selbst mal zu fragen, inwiefern die verschiedenen Rollen einem selbst überhaupt entsprechen.


Und genau deshalb war das mein erstes Ziel für dieses Jahr. Einerseits, mal die Komfortzone verlassen und andererseits mich auch fragen, wo ich vielleicht so sehr in meiner Komfortzone bin, dass es mir gar nicht mehr entspricht. Denn so sinnvoll die Rollen auch sind, manchmal lohnt es sich doch, sich selbst mal zu fragen, ob sie wirklich gut sind oder man sie nur aus Bequemlichkeit übernimmt. Und außerdem bringt so ein Sprung aus der Komfortzone, so viel Mut und Überwindung er auch erfordert, auch Selbstbewusstsein mit sich. Allein deshalb lohnt es sich schon.

Ein Jahr geht zuende

Das Jahr geht zuende. Ich durfte viel erleben. Habe neue Orte entdeckt. Menschen kennengelernt. Gelacht. Geweint. Gelebt.

Es war schön und trotzdem anstrengend. Nicht alles ist verlaufen, wie geplant. Und trotzdem bin ich angekommen. Nun versuche ich, neue Kraft zu tanken. Das Vergangene Revue passieren zu lassen. Mir das, was gewesen ist, noch einmal vor Augen zu führen. Alles in Ruhe zu verarbeiten. Es wertzuschätzen.

Dieses Jahr war einfach überwältigend und ich bin unglaublich dankbar, dass ich all die Erfahrungen machen durfte. Besonders dankbar bin ich für alle, die mir ihre Zeit geschenkt haben. Das ist, wie gesagt, das größte Geschenk überhaupt. Deshalb auch ein großes Dankeschön an alle, die meinen Blog mal besucht haben. Das bedeutet mir sehr viel:)

In diesem Sinne wünsche ich allen ein gutes Neues Jahr. Auf das die Welt ein klein wenig besser wird.

Das größte Geschenk

Für mich ist Weihnachten immer eine der schönsten Zeiten im Jahr. Es ist so gemütlich und einfach schön, gemeinsam Dinge mit der Familie zu unternehmen, Kekse zu backen, Filme zu schauen und Spiele zu spielen.



Seit mein Vater vor drei Jahren verstorben ist, ist alles ein wenig anders. Für mich ist die Zeit immer noch etwas ganz Besonderes, aber es ist sehr viel anstrengender, denn viele Dinge, die er bisher gemacht hat, mache ich nun. Meine Mutter kann das alles überhaupt nicht allein stemmen, sie gibt ihr Bestes und arbeitet jeden Tag hart dafür, dass wir ein tolles Leben haben. Aber einen Vater ersetzen kann sie nunmal nicht. Deshalb versuche ich meinen Geschwistern und meiner Mama trotzdem eine schöne Weihnachtszeit zu bescheren. Ich möchte einfach meinen Teil dazu beitragen, dass es uns allen gut geht.



Ein großer Teil meines Urlaubs ist dieses Jahr dafür draufgegangen. Und so toll es auch ist, wenn das Haus schön aussieht und so viel Spaß mir die einzelnen Dinge auch machen, merke ich trotzdem, dass ich müde bin. Ich bin erschöpft und manchmal wünsche ich mir, dass ich einfach mal ein Kind sein kann zu Weihnachten. Dass jemand anders das Essen an Weihnachten kocht, dass jemand anders die Bescherung vorbereitet, dass jemand anders alles aufräumt, dass jemand anders den Baum aufstellt, dass jemand anders jede Woche frische Kekse backt.



Es fühlt sich einfach alles so verdammt unfair an. Warum wir? Warum? In solchen Momenten würde ich am liebsten schreien. Das Schlimmste daran ist, dass ich nicht mal jemandem die Schuld daran geben kann. Niemand kann das Loch füllen, meinen Vater ersetzen oder mein Leben vor seinem Tod wiederherstellen. Es wird nie wieder so sein wie davor.


Manchmal fühle ich mich damit so allein gelassen. Nach drei Jahren hat so gut wie jeder vergessen, dass der Schmerz um diesen Verlust nie ganz gelindert werden kann. Dass sich das Leben für uns alle drastisch verändert hat. Dass mir ein Stück Kindheit geraubt wurde. Das alles trage ich mit mir herum. Jeden Tag. Mal ist es präsenter und mal mehr im Hintergrund, aber es ist immer da. Und besonders jetzt, wo alle so scheinbar glücklich sind, gemeinsam mit ihrer Familie, ist es schwer zu verstehen, warum es mir so ausgerechnet mir so gehen muss.


Am schlimmsten finde ich dann, wenn Freunde erzählen, wie nervig ihre Familien manchmal sind, besonders an Weihnachten. Ich meine klar, nicht jede Familie ist einfach und jeder trägt sein eigenes Päckchen, aber ganz oft habe ich das Gefühl, dass es viel zu selbstverständlich ist, dass unsere Familie, unsere Eltern, Geschwister oder Großeltern immer da sind. Die Erkenntnis, dass sich das auch schnell ändern kann, kommt bei vielen erst zu spät.


Ich habe mir fest vorgenommen, dass mir das niemals passieren wird. Genau deshalb freue ich mich auch auf das Weihnachtsfest, denn obwohl ein Platz unterm Baum immer leer sein wird, tragen wir meinen Vater im Herzen bei uns und verbringen unsere Zeit gemeinsam. Unser Vater hat uns so vieles mitgegeben, dass nun in uns weiterlebt. Den Geist meines Vaters in meiner Familie zu sehen ist einfach magisch und beschert mir Freude. Deshalb ist es nach wie vor eine schöne Zeit, auch wenn es manchmal schwer ist.


In all dem Weihnachtstrubel ist mir daher auch wieder deutlich geworden, wie wichtig es ist, dass wir uns gegenseitig mehr Zeit schenken. Im Alltag geht das oft unter, jeder muss noch dies oder jenes erledigen und eh man sich versieht, hat man seine Liebsten eine lange Zeit nicht gesehen. Dabei ist die gemeinsame Zeit zu kostbar, man weiß nie, wann es vorbei ist. Deshalb ist mein einziger Weihnachtswunsch an mich selbst dieses Jahr, dass ich mir mehr Zeit nehme. Für all die Menschen, die mir am Herzen liegen. Für gemeinsame Erinnerungen und Erlebnisse. Das ist, was ich mir selbst und jedem anderen nächstes Jahr wünsche. In diesem Sinne ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein aufregendes neues Jahr.

Ein fairer Lohn?

Während eines Bufdis wird man, wie auch bei anderen Freiwilligendiensten, nicht bezahlt, sondern bekommt ein Taschengeld. Dieses fällt je nach Einrichtung unterschiedlich hoch aus und ich liege mit meinen 420€ Taschengeld im Monat gut im Schnitt.



Um mein Studium demnächst finanzieren zu können, kann ich davon keinen Cent ausgeben, sonst wird es echt knapp, eine Wohnung mit allen Kosten zu bezahlen. Das heißt für Freizeit oder Ähnliches ist manchmal nicht viel über und das, obwohl ich vierzig Stunden in der Woche arbeite.



Natürlich bin ich keine ausgebildete Fachkraft und mache den Dienst freiwillig. Es geht ja auch darum, der Gesellschaft etwas zu geben und etwas Gutes zu tun.
Deshalb ist es auch angemessen, dass ich eben nur einen gewissen Betrag als Taschengeld bekomme. Trotzdem arbeite ich Vollzeit, bekomme dementsprechend am Tag alles mit und bin voll eingeplant . Ich bin Teil des Teams und kann die anderen gut unterstützen, da ich mittlerweile mit den Abläufen vertraut bin.



Und deshalb frage ich mich manchmal, ob es fair ist, dass ich mir vor meinem Bufdi überlegen musste, ob ich mir das überhaupt leisten kann. Kann ich ein Jahr so überhaupt überbrücken? Kann ich es mir leisten, andere zu unterstützen? Etwas für den guten Zweck zu tun? Mir ein Jahr mal etwas anderes anzuschauen? Weil wenn ich ganz ehrlich bin, wäre mein halbes Geld schon alleine für den Sprit weg, den ich jeden Tag verbrauche. Ich würde mit dem Geld zwar alles bezahlen können, aber eben nur, weil ich Zuhause wohne und Unterstützung von meiner Mutter bekomme.



Wenn ich so darüber nachdenke, fände ich es unfassbar schwer, dieses Jahr mit diesen Hintergedanken zu genießen, wenn mich die Arbeit selbst nicht entlohnen würde. Ich kann hier unfassbar viel lernen und merke, dass meine Arbeit wirklich eine Hilfe ist. Ich erfahre Wertschätzung und Dankbarkeit. Das allein ist viel mehr wert als das Geld, das ich bekomme. Ich kann hier Erfahrungen sammeln, die ich mit keinem Geld der Welt bezahlen kann, aber das eben auch nur, weil wir uns das leisten können. Denn trotzdem geht es eben auch nicht ganz ohne Geld. Von aller Dankbarkeit der Welt zahlt sich eben auch kein Sprit.


Insgesamt finde ich es schade, dass so viele von einem Freiwilligendienst abgeschreckt werden. Besonders für die interessanten Stellen muss man oft umziehen und selbst wenn man vor Ort etwas findet, bleibt am Ende nicht viel über für alles andere, was junge Menschen so machen. Deshalb rückt häufig in den Hintergrund, was so ein Freiwilliges Jahr noch alles zu bieten hat, da es so viele scheinbar attraktivere Möglichkeiten gibt, ein Jahr zu gestalten. Nach etwa vier Monaten kann ich aber sagen, dass es sich durchaus lohnt, die Zeit zu investieren. An manchen stressigen Tagen kann die Entlohnung zwar frustrierend sein, wenn man das mit dem vergleicht, was man mit einem Jahr arbeiten bekommt, aber dafür bekomme ich die Möglichkeit, wirklich fürs Leben zu lernen.



Trotzdem würde ich mir für die nächsten Jahre wünschen, dass die Freiwilligendienste etwas attraktiver werden und dass es auch jedem möglich ist, so einen Dienst überhaupt anzutreten. Denn das bietet nicht nur den jungen Menschen selbst, sondern der ganzen Gesellschaft einen großen Mehrwert.

kleine große Träume

Als Kind träumt man oft von großen Dingen. Zum Beispie vonl einem bestimmten Beruf oder etwas anderem, das man gerne erreichen möchte. Ich wollte zum Beispiel immer mal die Malediven sehen, weil das blaue, klare Wasser dort immer so schön aussah. Schon damals sagte mein Papa, dass ich mir das besser aus dem Kopf schlagen soll. So eine Reise können wir uns überhaupt nicht leisten. Obwohl ich weiß, dass mein Vater mich nur vor Enttäuschung schützen wollte, haben mich seine Worte damals sehr traurig gemacht und ich war unfassbar frustriert.



Je erwachsener ich wurde, desto weniger träumte ich. Ich hatte zwar immer wieder Momente, in denen ich dachte, dass ich eine Vision habe, von dem was ich möchte, aber schnell verblasste diese auch wieder. Die Gesellschaft vermittelte mir, dass meine Träume sowieso nie funktionieren werden.
Dabei klingen mein beiden großen Träume ganz simpel. Ich möchte die Welt entdecken, erkunden und kennenlernen. Und ich möchte sie ein kleines bisschen besser machen.


Trotzdem erscheinen mir diese beiden Ziele oft unerreichbar. Denn ich bin recht ehrgeizig und wenn ich etwas angehe, dann auch richtig. Auch wenn mir bewusst ist, dass ich nie alles erkunden kann und auch nicht alles in der Welt zum Guten wenden kann, würde ich am liebsten alles auf einmal machen und kann nur schwer akzeptieren, dass ich nicht auf alles Einfluss haben kann.


Mittlerweile habe ich das zum Glück so mehr oder weniger akzeptiert, denn in unserer Welt gibt es schon so viele tolle Menschen, die etwas verändern möchten, dass ich weiß dass ich damit nicht allein bin. Sie alle träumen von einer besseren Welt und haben Visionen, die unsere Welt verändern können.


Und obwohl ich weiß, dass es da draußen so viele Menschen gibt, die ihre großen Visionen leben, spreche ich nur sehr selten über meine eigenen. Ich habe Angst, dass ich mir selbst zu viel erhoffe und dann am Ende erklären muss, warum es nicht geklappt hat. Ich habe Angst, dass jemand versucht, mir meine Träume auszureden. Ich habe Angst, dass meine Träume nicht ernst genommen werden. Dass mir gesagt wird, dass es unmöglich sei. Dass mich keiner unterstützen wird. Und trotzdem möchte ich weiter an meine kleinen großen Träume glauben. Sie treiben mich an. Spenden meine Energie. Durch sie hat mein Leben einen Sinn.


Und es tut unfassbar gut, darüber mit jemandem zu sprechen, dem es ähnlich geht. Leider gibt es allerdings nur wenige, die mich hundertprozentig verstehen. Die mich ermutigen und mich unterstützen, genauso wie ich sie. Die mich groß träumen lassen.


Ich weiß, dass ich nicht alles verändern kann. Ich weiß, dass ich allein nicht alles bewältigen kann. Und trotzdem denke ich, dass wir alle größer träumen sollten, nicht direkt jede abwegige Idee verwerfen sollten.
Das kann zu Enttäuschung führen. Das ist gewiss. Aber daraus kann eben auch so viel mehr entstehen.
Genau aus diesem Grund finde ich es immer so toll, mit Kindern über meine Visionen zu sprechen. Sie sagen nicht, dass etwas nicht geht, sondern fragen viel mehr, wann es endlich losgehen kann. Aus erwachsener Perspektive versuche ich zwar, es etwas realistischer anzugehen, merke aber oft, dass ich zu viele Zweifel habe.


Mittlerweile habe ich gemerkt, dass es eindeutig besser ist, ein Ziel zu verfolgen und zu merken, dass es nicht klappt oder nichts für mich ist, als es nicht zu probieren und es zu bereuen. Genau deshalb finde ich große Träume so wichtig. Sie sind unser Lebenselixier. Sie können Großes mit uns machen. Sie wecken eine ungeahnte Energie und helfen mir, zu entdecken, was ich wirklich möchte

Echter Reichtum

Einen Millionär – das ist das, was sich eine Kollegin von mir oft scherzhaft zu Weihnachten wünscht. Alternativ wäre auch ein Lottogewinn ganz nett


Als sie das zum wiederholten Male sagt, erwidert einer unserer Gäste in der Tagespflege nur, dass das ganze Geld auch nicht glücklich macht. Diese gegenteiligen Ansichten haben mich irgendwie nachdenklich gemacht. Tief im Herzen weiß ich, dass Geld allein ganz sicher nicht glücklich macht. Andererseits wird momentan vieles teurer und immer mehr Menschen können sich ihren Lebensstandard nicht mehr leisten. Das ist ganz sicher kein schönes Gefühl. Braucht man Geld also heutzutage wirklich zum Glücklichsein?


Wenn meine Kollegin so davon spricht, dass sie gern wohlhabend wäre, finde auch ich es durchaus verlockend, so viel Geld zu besitzen. Ich müsste mir nie wieder Sorgen um Geld machen, ich wäre abgesichert. Ich könnte die Welt entdecken und alles tun, was ich gern möchte. Ich könnte den Job machen, der mir Spaß macht, ohne darauf zu achten, dass ich damit auch genug verdiene. Ich bräuchte mir keine Sorgen zu machen, ob ich meine laufenden Kosten bezahlen kann und ob ich im Alter überhaupt genug zum Leben habe. Ich könnte etwas unternehmen, ohne Sorge zu haben, dass das Geld dann anderswo fehlt. Denn obwohl es mir definitiv nicht schlecht geht und ich alles zum Leben habe, spare ich meinen ganzen Lohn während meines Bundesfreiwilligendienstes für mein Studium, aus Angst, dass es sonst nicht reicht. Da bleibt dann am Ende nicht viel für Unternehmungen über.


Obwohl Geld wohl so einiges leichter macht, würde ich trotzdem sagen, dass das Geld allein auch nicht glücklich macht, es schenkt nur gewisse Möglichkeiten. Auch wer wenig hat, kann durchaus glücklich werden, denn das, was mich persönlich wirklich glücklich macht, ist Zeit in Gemeinschaft, mit meiner Familie und meinen Freunden. Mich erfüllt es, die kleinen Momente zu erleben. Ob es dann das Meeresrauschen vorm Sonnenuntergang in Costa Rica ist oder ein gemütlicher Filmabend Zuhause spielt dabei keine so große Rolle. Die Atmosphäre muss stimmen und es muss nicht unbedingt teuer sein.


Außerdem kann ich mir von keinem Geld der Welt Zufriedenheit kaufen. So manch einer kann sich auch an den schönsten Dingen nicht mehr erfreuen, da sie so alltäglich geworden sind. Dann ist dann auch ein Konzertbesuch oder eine teure Reise nichts besonderes mehr.
Wenn ich aber etwas dafür sparen muss, dann weiß ich viel mehr zu schätzen, was ich habe.


Ich finde es insgesamt schwer zu sagen, was ich von der Vorstellung, wohlhabend zu sein, halten soll. Es beschert ein sorgenfreieres Leben und man ist besser abgesichert in unserer Gesellschaft. Andererseits ist es ganz sicher nicht das, was erfüllend ist, sondern nur einer von vielen Bausteinen, der zu Erfüllung führen kann. Denn solange ich genug zum Leben habe, zwar nicht so viel, dass ich alles machen kann, was ich möchte, aber soviel, dass es sich gut überleben lässt, brauche ich keinen Reichtum, um glücklich zu sein.


Manchmal denke ich zwar, wie schön es wäre, viel Geld zu besitzen , aber dann fällt mir ein, dass ich alles habe, was mich zu einem wirklich reichen Menschen macht, denn nicht jeder, den wir reich nennen, ist auch wirklich reich. Ich bin gesund, ich habe ein tolles soziales Umfeld und eine liebevolle Familie. Das ist eine Art von Reichtum, der sich nicht durch Geld herstellen lässt. Und auch wenn jedes Geld der Welt noch so schön erscheint, würde ich meinen Reichtum an Leben nie dagegen tauschen wollen.

Ein letztes Mal

Jedes Jahr machen die Kinder unserer Familie gemeinsam Weihnachtsgestecke. Auch dieses Jahr haben wir uns dafür einen Nachmittag zum Basteln getroffen und danach wie immer noch zusammen gesessen. Es war ein wunderschöner Abend, der wie im Flug verging.

Auf dem Rückweg nach Hause ist mir das erste Mal bewusst geworden, dass ich das alles zum letzten Mal mache. Nächstes Jahr bin ich ausgezogen und wohne wahrscheinlich nicht gerade in der Nähe. Dann kann ich nicht einfach für solch besondere Dinge nach Hause fahren. 

Dieser Gedanke macht mich nach wie vor traurig. Auch wenn ich mich eigentlich auf meinen Auszug und den neuen Lebensabschnitt freue, trübt das meine Vorfreude. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie das ist, die Adventszeit an einem anderen Ort zu verbringen, Familienfeiern zu verpassen und mein Zuhause so weit hinter mir zu lassen. Auch Treffen mit Freunden sind dann noch schwieriger zu organisieren, als es ohnehin schon ist.

Als ich mich für einen Studienort für nächstes Jahr entschieden habe, war mir zwar klar, dass ich weiter weg ziehe, aber ich habe nie bewusst wahrgenommen, dass ich nun alles zum letzten Mal so erlebe, wie es jetzt ist. Danach wird es unweigerlich anders sein, was ja auch nicht unbedingt schlecht ist. 

Ich weiß jetzt schon, dass mir der Abschied unfassbar schwerfallen wird, denn ich erlebe bereits dieses Jahr viele letzte Male und somit viele kleine Abschiede. 

Ein letzter Geburtstag Zuhause, das letzte Weihnachtskonzert, das letzte Mal gemeinsamen Urlaub und eben auch das letzte Mal Gestecke machen. Das sind alles Dinge, die mir Freude bereiten und die ich eigentlich nicht aufgeben möchte, obwohl ich weiß, dass es sein muss und zum Erwachsenwerden dazugehört.

Denn jede schöne Zeit hat ein Ende. Nichts ist für immer. Und trotzdem kann ein Ende auch ein neuer Anfang sein. Ein Anfang von großartigen, neuen Dingen. Neuen Traditionen und neuen Denkweisen.

Und auch wenn es mir schwerfällt, das zu glauben, bin ich doch zuversichtlich, dass auch die Neuen Dinge gut werden. Ich bin umgeben von wunderbaren Menschen, die mich unterstützen und in diesem Fall meines eigenen Glückes Schmied. Ich kann aus dem Abschied etwas Schönes machen, dafür muss ich die bisherigen Dinge nur loslassen. Ihnen nicht hinterher trauern, sondern froh darüber sein, sie erlebt zu haben und gleichzeitig das Beste aus dem Jetzt machen.

Zeitfresser Social Media

Die Tage werden kürzer und besonders nach der Zeitumstellung ist es abends schon ziemlich früh dunkel. Es ist dunkel, wenn ich morgens aus dem Haus gehe und so gut wie dunkel, wenn ich die Haustür nachmittags wieder aufschließe.



Oft fühlt es sich so an, als würde der ganze Tag nur aus arbeiten bestehen. Nichts anderes hat so richtig Platz, denn nach der Arbeit bin ich meistens müde und unkonzentriert. Und ehe ich mich versehe, ist der Tag schon wieder vorbei und ich habe nicht so richtig das geschafft, was ich eigentlich machen wollte. Am Anfang fand ich das ziemlich deprimierend und habe mich gefragt, wo all die Zeit immer hin ist.



Nachdem ich das Ganze ein paar Tage beobachtet habe, ist mir schnell klar geworden, woran das liegt. Wenn ich nach Hause komme, verbringe ich zunächst Zeit auf Social Media und scrolle durch das, was mir so angezeigt wird. Oft verbringe ich mehr Zeit als geplant dabei und schaue mir im Endeffekt Dinge an, die mich nicht wirklich interessieren. Und zugegebenermaßen ist das auch nicht gerade sonderlich entspannend. Danach fühle ich mich, als würde ich aus einer ganz anderen Welt auftauchen und merke oft erst spät, wie viel Zeit eigentlich schon vergangen ist.



Deshalb habe ich dann einige Apps gelöscht und mir vorgenommen, mir wirklich Zeit zu nehmen, mich zu erholen, wenn ich müde bin. Die nun freie Zeit zu nutzen, um mal etwas zu lesen oder mich mit meiner Familie zu unterhalten.



Und es hat erstaunlich gut funktioniert. Unter der Woche habe ich so wesentlich mehr Zeit und bin gleichzeitig noch erholter.
Nur am Wochenende schaue ich manchmal rein, um zu sehen, was so passiert ist unter der Woche. Dann mal bei den Leuten vorbeizuschauen, die mich wirklich interessieren macht einfach Spaß. Denn einfach durch alles durchzuscrollen und nichts wirklich mitzunehmen, ist auch nicht schön. Wenn ich mir bewusst die Zeit für Social Media nehme, ende ich nicht in einer ewigem Dauerschleife, sondern schaue nur das an, was ich sehen möchte. Danach kann ich wieder gut abschalten ohne das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen.



So bin ich auch motiviert, wenn ich im Dunkeln nach Hause komme. Wenn ich erst einmal nach der Arbeit online rumhänge, habe ich danach kein Lust mehr, etwas zu unternehmen. Wenn ich hingegen kurz eine Pause mache, mit meiner Familie quatsche und dann loslege, geht es viel besser und ich kann noch einige Sachen machen, die mir Spaß machen und habe wieder neue Energie. Außerdem muss ich mich nicht über verlorene Zeit ärgern und kann die dunkle Jahreszeit für das nutzen, was wirklich wichtig ist – Ruhe, Entspannung und Zeit mit meiner Familie.

Zwischen Klassenfahrt und Begegnung

Erwachsenenbildung. Wie oft ich dieses Wort in den letzten 24 Stunden gehört habe, kann ich gar nicht mehr zählen. Ich bin diese Woche wieder auf einem Seminar für meinen Bundesfreiwilligendienst – und fühle mich, um ehrlich zu sein, etwas wie auf Klassenfahrt. 6-Bett Zimmer , strenge Ermahnung bei Unpünktlichkeit von einer Minute und vom Gelände dürfen wir nur zu dritt und vor 22 Uhr.



Obwohl ich es super interessant finde, mich mit den anderen auszutauschen, hat es einen seltsamen Beigeschmack. Auch wenn es mir persönlich nicht so viel ausmacht, mein Zimmer zu teilen, da man so in viel näheren Kontakt kommt, ist es mit so vielen Leuten auf Dauer sehr anstrengend, insbesondere, wenn man schon den ganzen Tag gemeinsam verbracht hat. Morgens müssen insgesamt alle früher raus und nachts ist es immer unruhig, sodass ich nicht so gut einschlafen kann. Das macht mich noch erschöpfter und ich kann meine soziale Batterie kaum aufladen.


Besonders unangenehm ist es aber, wie unentspannt die Gruppenleiter sind. Es geht hier nicht darum, dass es für uns bestimmte Regeln gibt. Das ist verständlich und auch sinnvoll, damit alle Spaß am Seminar haben. Aber hier macht eindeutig der Ton die Musik. Auch Regeln kann man gescheit vermitteln, wir sind alle volljährig und können nachvollziehen, wenn jemand seine Beweggründe erläutert. Aber stumpfes Verbieten von Dingen von jemandem, der kaum älter ist als wir selbst, wirkt irgendwie unangemessen.


In diesem Zusammenhang haben sich gestern auch einige Teilnehmer beschwert. Das Wort Erwachsenenbildung fiel dabei sehr oft und auch wenn es mir mittlerweile zu den Ohren raushängt, habe ich mich gefragt, was uns eigentlich als jungen Erwachsenen zusteht auf so einem Seminar. Denn auch wenn so manche Kritik vielleicht übertrieben ist, ist auch ein bisschen was dran.


Geht man auf Dienstreise, so bekommt jeder ein Einzelzimmer oder Doppelzimmer. Das ist in vielen Bildungshäusern fast unmöglich und auch nicht unbedingt sinnvoll, da so kaum Austausch stattfindet. Andererseits wäre es schön, wenn die Zimmergrößen etwas kleiner wären. Zwei Mitbewohner hätten auch gereicht, ich bin ja nicht im Abenteuer- und Backpacking-Urlaub.


Außerdem finde ich einen Kontakt und eine Kommunikation auf Augenhöhe mit den Kursleitern wichtig. Klar, sie planen das Ganze und tragen eine große Verantwortung, andererseits sind wir auch alle eigenständige Menschen, die sich gerne einbringen möchten, wenn man sie nur lässt.


Insgesamt muss ich sagen, dass ich bisher eher gemischte Gefühle habe. Die Leute sind einerseits total nett und ich mag den Austausch, andererseits ist es anstrengend und kräfteraubend und das finde ich schade.
Meiner Meinung nach wird die Freude, die es mir beschert, mit tollen Menschen zusammen zu sein, von all dem Stress überschattet. Trotzdem versuche ich, das Beste daraus zu machen. Ich bin jetzt nunmal hier, das gehört dazu. Menschen werden sich innerhalb von einer Woche wohl kaum ändern. Aber deprimiert dazusitzen und vor sich hin zu schmollen, nützt ja eben auch nichts.