Ab in die Natur

Neben einigen Städten in Spanien durfte natürlich auch die Natur nicht zu kurz kommen. Schnell haben wir gemerkt, dass das mit dem Zug und so ganz ohne Auto nicht so leicht ist . Deshalb haben wir uns für drei Stopps entschieden, die zumindest mit dem Bus und einigen Umstiegen irgendwie zu erreichen sind.



Als erstes ging es deshalb für uns nach Villanueva de la Conception, wahrhaftig ins Nichts. In der Nähe dieses kleinen Ortes befindet sich eine große Felswand mit einem Plateau oben drauf, von dem man einen tollen Blick hat und auf dem man super wandern kann. So heißt es zumindest im Internet. Denn auf dem Plateau waren wir tatsächlich nicht. Eigentlich hatten wir eine schöne Wanderung dort hoch geplant, aber angesichts der prallen Sonne und 35 Grad, haben wir uns gegen diese dreißig Kilometer entschieden. Anstatt dessen haben wir uns dann etwas erholt, mal einen Film geschaut und einfach den Ausblick von weiter unten genossen. Das war, um ehrlich zu sein, auch nicht schlecht.


Danach sind wir weiter an die Südküste Spaniens gefahren, in den Naturpark Cabo de Gata. In der Hitze dort haben wir viel Zeit in den Wellen und in verschiedenen Buchten verbracht. Wir haben in den Tag hinein gelebt und uns treiben lassen. Ein besonderes Highlight war ein Schnorcheltrip an der Küste. Wir konnten viele Fische, Seesterne und sogar einen Rochen sehen. Das war ziemlich faszinierend, obwohl ich zugeben muss, dass ich ohne meine Brille tatsächlich vieles nicht so erkennen konnte, was sehr schade war. Trotzdem war die Zeit dort ein echtes Highlight, auch um die Batterien wieder aufzuladen.


Unser letzter Halt in der Natur waren die Pyrenäen. Unser Zelt stand dort auf einem Campingplatz mitten in den Bergen mit einem wirklich schönen Blick. Nachts konnten wir die Kuhglocken im Zelt hören und tagsüber die Sicht auf die Berge genießen. Während unserer Zeit dort haben wir dann noch zwei Ausflüge unternommen, sind ein bisschen gewandert und haben die Natur genossen. Leider waren wir in den paar Tagen dort, in denen es im Norden Spaniens deutlich abgekühlt ist. So hatten wir nachts anstatt der erwarteten 15 Grad nur noch 8 Grad und hoch in den Bergen war es sogar noch kälter. Dafür waren wir nicht ausgestattet und haben ordentlich gefroren. Nichtsdestotrotz hat uns der Aufenthalt echt gut gefallen, denn es hat noch eine ganz andere Seite Spaniens gezeigt.
Und obwohl wir so nur wenige Stopps in der Natur hatten, bin ich trotzdem froh, dass wir sie gemacht haben. Die Anreise, die Schlepperei der Rucksäcke in die letzten Winkel Spaniens und jeder Schweiß hat sich definitiv gelohnt. Viele tolle Erlebnisse hätten wir sonst nie erlebt, deshalb bin ich sehr dankbar, für die tolle Zeit, die wir dort hatten.

Spaniens Städte

Die nächsten Stopps unserer Reise waren drei verschiedene Städte in Spanien, Madrid, Sevilla und Ronda.



Zuerst waren wir für zwei Tage in der Hauptstadt Spaniens und haben uns bei über vierzig Grad die wichtigsten Sehenswürdigkeiten angeschaut. Angefangen beim Königspalast bis hin zum Retiro Park, gibt es in Madrid viele schöne Ecken zu entdecken. Dabei kam uns besonders die zentrale Lage unseres Hostels mitten in der Einkaufsstraße zugute. Wir konnten bis spät abends auf einem belebten Platz sitzen, waren nah an allen Orten, die wir besuchen wollten und konnten uns zwischendurch mal ausruhen. So konnten wir die Zeit dort selbst bei der Hitze genießen, die sich selbst in den Abendstunden noch wie ein heißer Schwimmbadföhn angefühlt hat. Insgesamt war Madrid wirklich schön und bunt, mit viel Kultur, Architektur und Trubel. Definitiv einen Besuch wert.



Danach ging es weiter nach Sevilla, einer Stadt im Südwesten des Landes. Obwohl Sevilla über 600.000 Einwohner hat, wirkt die Stadt irgendwie gesellig und hat ein schönes Flair. Alles ist irgendwie gemütlich dort. Abends kann man sich gut durch die Gassen treiben lassen und all die Menschen dort beobachten. Neben den Setas de Sevilla, der Kathedrale und den vielen Parks, war besonders der Plaza der España ein Highlight, auf das wir uns sehr gefreut haben, da dort ein Ausschnitt aus Star Wars gedreht wurde. Leider war der Platz allerdings wegen eines Konzerts gesperrt, sodass ich nach wie vor etwas enttäuscht bin, den Platz nur von Weitem gesehen zu haben. Nichtsdestotrotz war der Besuch in der Stadt toll und wer weiß, vielleicht sehe ich den Platz ja irgendwann mal ohne Absperrungen.


Als nächstes ging es nach Ronda, einer Kleinstadt ebenfalls im Süden Spaniens, gelegen an einer steilen Felskante. Bekannt ist die Stadt vor allem wegen einer Schlucht, die die Stadt in zwei Teile spaltet, die nur über einige Brücken verbunden sind. Neben den Brücken und den engen Gassen war ich auch hier mal wieder überrascht von der Natur. Ronda liegt in einer hügeligen, trockenen Landschaft, welche irgendwie einfach malerisch aussieht. Insbesondere bei Sonnenuntergang hat sich die Aussicht auf die Berge, die Olivenbäume und die Schafe wie ein Traum angefühlt.


Nachdem wir jetzt schon so einige Orte in Spanien angeschaut haben, muss ich sagen, dass tatsächlich jeder Ort für sich ein Highlight war. Deshalb freue ich mich nach dem Schwall an Eindrücken trotzdem noch sehr auf die verbleibende Zeit und alles, was kommt. Mal sehen, was die Reise noch für uns bereithält.

Nicht so wie geplant

Eigentlich mag ich es gerne, wenn alles vorher organisiert ist. Deshalb habe ich auch für unsere Reise nach Spanien viel recherchiert und mich wirklich lange auf die Zeit hier vorbereitet. Und trotzdem kann ich natürlich nicht alles kontrollieren und vorher organisieren, weshalb immer unsicher ist, ob wirklich alles funktioniert.


Bis Bilbao hat das meiste gut geklappt. Danach wollten wir eigentlich über Madrid weiter nach Santiago de Compostela. Das Problem ist nur, dass es mit den verpflichtenden Zugreservierungen in Spanien so eine Sache ist. Mit einem Interrailticket kann man nämlich nur am Schalter oder telefonisch eine Reservierung bestellen. Und so standen wir dann in Madrid ohne Reservierung nach Santiago de Compostela in der Warteschlange zum Schalter. Nach 45 Minuten Wartezeit kam dann die ernüchternde Nachricht: Alle Züge für die nächsten vier Tage sind voll. Auch alle anderen Züge, die irgendwie in diese Richtung gingen.


Ziemlich ratlos und verzweifelt standen wir dann dort, ohne Unterkunft und Ziel. Wir wussten nicht wohin mit uns, wir wollten nur gern weg aus Madrid. Am liebsten irgendwo ans Meer. Und so haben wir dann am Automaten alle Zugverbindung angeschaut, die noch verfügbar waren. Neben vielen kleineren Städten im Inland kam nur Malaga in Frage. Also sind wir zum zweiten Bahnhof am anderen Ende von Madrid gefahren, um uns dort am Schalter anzustellen. Nach viel hin und her, drei Stunden Wartezeit und endlos vielen Nerven haben wir dann aufgegeben und das Ticket für satte 200€ online gekauft, anstatt nur 13€ für eine Reservierung zu bezahlen. Denn ansonsten wären wir an diesem Tag nirgends mehr hingefahren.


Erschöpft und entnervt ging es dann also endlich nach Malaga ans Meer. Um ehrlich zu sein, war es kein guter Ersatz für Santiago de Compostela. Wir hatten uns so sehr darauf gefreut, dass es schwer war, jetzt bei 40 Grad an einem völlig überfüllten Strand zu sitzen, bei viel zu heißen Temperaturen im Zelt zu schlafen und von Moskitos verfolgt zu werden. Trotzdem haben wir das Beste daraus gemacht, uns die Stadt angeschaut, am Strand gesessen und entspannt. Wir haben sogar echt schöne Orte, wie das Castillo der Colomares entdeckt, die wir sonst wahrscheinlich nie gesehen hätten.


Insgesamt war es trotz allen Umständen ganz schön in Malaga. Natürlich war es nicht das, was wir uns vorgestellt hatten, aber es war irgendwie doch ein Erlebnis, an dem wir gewachsen sind und bei dem ich gemerkt habe, dass etwas Spontanität manchmal gar nicht so schlecht ist. Denn trotz aller Organisation, passieren die schönsten Dinge oft einfach so.

Castillo der Colomares

Ab nach Spanien

Nächster Stopp unserer Interrailreise: Die Nordküste Spaniens. Als wir die Reise geplant haben, war ich um ehrlich zu sein nicht gerade ein Fan der Nordküste. Wenn es nach mir gegangen wären, hätten wir sie einfach weggelassen. Mittlerweile bin ich froh, dass sich mein Freund in dieser Hinsicht durchgesetzt hat.



Die Natur im Norden Spaniens hat mich total überrascht. Hier ist alles grün und bergig, es gibt viele kleine Dörfer, eine tolle Steilküste, aber auch Strände zum Baden mit kristallklarem Wasser – der totale Kontrast zu Paris. Unsere erste Unterkunft war ein Campingplatz nahe Mutriku. Von dort aus hatte man einen richtig tollen Blick auf das Meer und konnte nach einem kurzen Fußmarsch entlang der Steilküste an einem wunderschönen Strand entspannen. Wir haben die Zeit dort wirklich genossen und unsere Batterien wieder aufgeladen.



Als nächstes sind wir dann Bilbao gefahren, einer Großstadt, ebenfalls an der Nordküste gelegen. Besonders beeindruckend fand ich die Architektur dort. Neben vielen alten Häusern gibt es ein paar moderne Gebäude, wie das Guggenheim Museum oder die Zubizuri Brücke, die das Stadtbild wirklich besonders machen. Die vielen Parks, der Hafen und die Lage am Meer bilden den perfekten Kontrast zur Stadt zum Ausruhen und Entspannen.



Von Bilbao aus ging es dann noch für einen Tag nach Gaztelugatxe, einem ehemaligen Kloster auf einer Insel an der Küste, das man über einen gewundenen Aufgang erreichen kann. Bekannt ist die Insel vor allem durch Game of Thrones geworden, hier wurden die Szenen für die Insel Dragonstone gedreht. Aber auch ohne diesen Hintergrund war die Insel wirklich schön und man hatte nach einem ziemlich steilen Auf- und Abgang einen tollen Blick auf das Meer und die Küste. Zur Abkühlung ging es für uns danach noch an den Strand von Bakio, einem kleinen Küstenort ganz in der Nähe, wo wir das klare Wasser und den Strand noch einmal richtig genießen konnten.



Abschließend kann ich nach nur ein paar Tagen an der Nordküste sagen, dass ich echt angetan bin von der Region. Die Natur dort ist einfach beeindruckend und die vielen kleinen Orte nicht ganz so überfüllt. Für mich steht schon jetzt fest, dass ich noch einmal wiederkommen werde, um noch mehr von dort zu sehen.

Erster Halt

Brüssel. Paris. Unsere beiden ersten Stopps während unserer Interrail Reise. Zwei durchaus bedeutende Städte, die wohl doch sehr unterschiedlich sind.


Zuerst einmal zu Brüssel. Erster Eindruck: Es ist windig, die Straßen sind irgendwie rutschig und die alles ist eher klein und übersichtlich. Eine hübsche Stadt, die doch einiges zu bieten hat. Eine schöne Altstadt, Kultur, Politik, Menschen aus aller Welt und natürlich belgische Waffeln.


Was bei mir aus Brüssel nachhaltig hängen geblieben ist, ist das Europaviertel. Dort ist alles schön und glamourös, aber wenn man so hinter die Fassaden schaut, merkt man, wie sehr dieser Ort und die Menschen dort uns als Europäer eigentlich beeinflusst. Es ist spannend in diese Welt einzutauchen, zu verstehen, wie die Politik dort funktioniert und sich irgendwie als ein Teil dieses europäischen Gedankens zu fühlen. Ich habe von dort mitgenommen, wie wichtig es für uns als Bürger der EU ist, sich zu beteiligen und zu verstehen, worum es beim europäischen Gedanken eigentlich geht. Die Geschichte zu verstehen und teilzunehmen.


Insgesamt hat mir Brüssel als Start gut gefallen. Es war eine besucherfreundliche Stadt, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe und die ich gerne noch einmal besuchen möchte.


Nach zwei Tagen Brüssel ging’s dann weiter nach Paris. Erster Eindruck: einfach riesig, an jeder Ecke steht ein imposantes Gebäude und in vielen Orten stinkt es. Paris hat mich persönlich einfach überwältigt. Die Fülle an Kultur und Menschen dort war der Wahnsinn. Wir haben uns vieles angeschaut und doch habe ich das Gefühl, nur einen Bruchteil der Stadt gesehen zu haben. An vielen Orten dort war es echt schön, während andere bekannte Orte eher langweilig waren. Besonders gut gefallen hat es mir, einfach diese ganzen verschiedenen Menschen zu beobachten, zu schauen, was sie so machen. Und dabei ganz nebenbei die ganzen Orte zu besuchen, die man aus den Medien kennt. Den Eiffelturm, Versailles, Montmartre…


Auch Paris fand ich alles in allem toll. Die Stadt hat unglaublich viel zu bieten und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Wir haben dort unglaublich viel gesehen und erlebt und mein Kopf ist voller neuer Eindrücke. Ich freue mich schon auf das, was die nächsten Wochen noch bereithalten.

Gefühle im Umbruch

Momentan ist irgendwie eine seltsame Zeit. Mein Bundesfreiwilligendienst ist vorbei, die nächsten Wochen reise ich mit meinem Freund durch Spanien, wir ziehen um und mein Studium fängt an. So viele Dinge passieren in so kurzer Zeit und ich kann nicht fassen, was gerade eigentlich alles in meinem Leben passiert.



Der Abschied von meinem Bundesfreiwilligendienst, von meinen Kollegen und allen, die mir dort ans Herz gewachsen sind, ist noch nicht so wirklich bei mir angekommen. Ich habe mich dort richtig gut eingelebt und mein Kopf versteht noch nicht so ganz, dass ich dort nicht wieder zurückkehren werde.



Und dennoch geht es schon sehr bald weiter. Ich weiß, dass sich mein Leben in den nächsten Monaten komplett verändern wird und ich weiß ehrlich nicht, ob ich dafür bereit bin. Ich fühle mich noch so jung, als wäre es noch gar nicht an der Zeit auszuziehen und mein Leben zu leben. Verantwortung zu tragen. Oft denke ich, dass ich einfach gern Zuhause bleiben würde, denn dort fühle ich mich wohl. Ich kenne meine Menschen, habe meinen Alltag hier.


Das alles lasse ich gewissermaßen zurück. Dazu muss ich vielleicht noch ergänzen, dass ich aus dem Sauerland in die Nähe von München ziehe und so zwar natürlich immer noch nicht aus der Welt bin, aber trotzdem irgendwie weit weg von Zuhause. Das macht mir Angst. Ich weiß, dass mir der Abschied von meiner Familie sehr schwer fallen wird und eigentlich möchte ich nicht mit diesen Gefühlen konfrontiert werden.


Deshalb fühlt es sich für mich gerade noch sehr seltsam an, diesen Weg zu gehen, obwohl ich weiß, dass es mir wahrscheinlich im Endeffekt gut tun wird, mal etwas anderes zu sehen und andere Menschen kennenzulernen. Es wird nicht so schlimm sein, wie ich es mir momentan noch ausmale. Es wird irgendwie gehen. Vermutlich sogar ganz gut. Das schenkt mir Zuversicht in dieser Schwebe, in der ich mich in der Zeit dazwischen so befinde. Ich weiß, dass es am Ende gut sein wird. Ich weiß, dass die nächste Zeit zwar herausfordernd sein wird, aber trotzdem wunderschön. Darauf freue ich mich.

Musik verbindet

Seit ich fünf Jahre alt bin, spiele ich Geige. Meine Eltern wollten gerne, dass ich ein Instrument lerne und so bin ich dann mit meinem Papa zum Musikschultag gegangen. Dort habe ich eine Menge Instrumente ausprobiert, von der Oboe bis zum Schlagzeug. Aber als ich die Geige in der Hand hatte, war ich nicht mehr davon anzubringen. Egal wie quietschig es sich angehört hatte, ich wollte Geige spielen. Unbedingt.


Und so habe ich dann mit fünf Jahren angefangen, Geige zu spielen. Mein erster Lehrer war eher mürrisch und streng. Gar nicht der Typ für ein so kleines Kind, dass einfach gerne Musik machen wollte. Schnell habe ich bei ihm gemerkt, dass Musik eben nicht Spaß, sondern am Anfang vor allem Üben bedeutet. Und so motiviert ich am Anfang auch war, nach einigen Jahren hatte ich den Spaß am Geigenspielen endgültig verloren.
Erst im Kinderorchester ging es mir dann etwas besser. Die Lehrerin dort war einfach toll und ist auf uns Kinder eingegangen.


Da wusste ich, dass eben doch nicht alle Lehrer so sind wie meiner und dass musizieren auch schön sein kann.


Deshalb war für mich nach einer gewissen Zeit klar, dass ich gerne meinen Lehrer wechseln möchte. So kam es, dass ich nach einigen Gesprächen mit einer Mitschülerin zusammen Partnerunterricht bei genau dieser Lehrerin aus dem Orchester hatte. Später hörte meine Mitschülerin auf, ich hingegen spielte weiter.


Seitdem hat sich einiges verändert. Ich spiele nun seit etwa vierzehn Jahren Geige, seit zwei Jahren Klavier, in verschiedenen Orchestern und mit anderen zusammen.
Jetzt, acht Jahre nachdem ich meinen Lehrer gewechselt habe, weiß ich, dass ich ohne meine Lehrerin wohl nie wieder Geige gespielt hätte. Dass ich nie die Gemeinschaft erfahren hätte, die in einem Orchester so wichtig ist. Dass ich wohl einige Freunde und Bekannte nie kennengelernt hätte. Dass ich einen wichtigen Bestandteil meines Lebens fast verloren habe.


Deshalb bin ich ihr sehr dankbar für das, was sie für mich getan hat. Das Musizieren begeistert mich wieder, wie als ich fünf Jahre alt war. Ich bin glücklich und kann andere Menschen mit meiner Musik bewegen. Denn Musik verbindet und das werde ich Dank ihr niemals vergessen.

Alt werden

Das Älterwerden – das ist wohl eine Sache, über die die wenigsten jungen Menschen gerne ernsthaft nachdenken. Und doch betrifft sie uns alle. Um ehrlich zu sein, denke ich auch selbst nicht gern darüber nach. Denn auch ich habe eine schöne Illusion dazu im Kopf, dass ich bis zum Ende fit bin, mit Freunden und Familie alt werde und einfach ein tolles Leben habe. Dass das natürlich nicht immer so der Fall ist, ist mir eigentlich auch klar, aber so richtig glauben will ich das einfach nicht.


Trotzdem finde ich es wichtig, sich auch mal damit zu beschäftigen, was eigentlich passiert, wenn man älter wird. Bei mir persönlich kommen dann oft Ängste und Unsicherheit auf. Ich habe Angst vor dem, was sein könnte, Angst, dass es mir nicht gut ergeht. Denn ich weiß, dass das nicht in meiner Hand liegt. Zumindest nicht ganz. Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Ängste auch mit meinen Erfahrungen während meines Bufdis zusammenhängen. Hier sehe ich natürlich oft kranke Menschen, Menschen, die das Schicksal hart getroffen hat. Und da habe ich Angst, dass es mir auch mal so ergeht.


Auf den zweiten Blick kann man aber sehen, dass diese Menschen nicht alle gebrochen sind. Sie sind trotzdem dankbar und auf gewisse Art auch zufrieden. Vielleicht ist ihre jetzige Situation zwar nicht rosig und in ihrem Leben ist nicht immer alles gut verlaufen, aber sie haben es trotzdem geschafft. Sie haben ihr Leben bis zu diesem Punkt gemeistert, das Beste daraus gemacht und darauf sind sie zurecht stolz.

Für mich war es schwer anzunehmen, dass sich auch mein Leben irgendwann verändern wird. Dass ich irgendwann nicht mehr so unbeschwert sein kann. Dass ich irgendwann Abschied nehmen muss, von so vielem. Von verschiedenen Lebensabschnitten, von einem fitten Körper, von geliebten Menschen und vielleicht auch einmal von meiner Freiheit.
Natürlich weiß man nie genau, was das Leben bringt, aber ein Teil dieser Dinge wird vermutlich auch auf mich zukommen.


Wie schon gesagt, hatte ich zuerst Angst davor. Aber mittlerweile weiß ich, dass ich es einfach auf mich zukommen lassen kann. Vieles kann ich nicht beeinflussen. Ich kann nur mein Bestes geben, damit ich am Ende nicht unzufrieden bin mit dem, wie ich mein Leben gestaltet habe. Ein gehörige Portion Respekt werde ich vor dem Altwerden wohl immer haben, aber ich bin zuversichtlich. Die Menschen aus meinem Bufdi schenken mir Hoffnung, dass auch ich schwere Situationen meistern kann. Sie haben mir gezeigt, dass das Alter zwar schmerzhaft sein kann, aber dass es auch nicht hilft, in tiefer Trauer zu versinken. Und auch wenn ich ganz sicher nicht ständig darüber nachdenke, wie es ist alt zu werden, so bin ich nun doch ein bisschen beruhigter, wenn ich mal damit konfrontiert werde. Ich weiß es gehört zum Leben dazu, aber ich weiß auch, dass es deswegen umso wichtiger ist, jeden Lebensabschnitt in vollen Zügen zu genießen. Alles hat seine Zeit und endet einmal. Und nun weiß ich auch, dass ich davor keine Angst mehr haben brauche.

Verbundenheit

Momentan bin ich auf meinem letzten Seminar während meines Bundesfreiwilligendienstes, dem Abschlussseminar. Das Seminar ist das letzte von fünf und dient vor allem zur Reflexion und dazu einmal Danke zu sagen an uns Freiwillige. Das wirkt sich auch auf unsere Atmosphäre aus. Alle sind ziemlich entspannt und locker.



Außerdem ist es mein erstes Seminar, bei dem ich echt viele andere Freiwillige von anderen Seminaren kenne. Und ganz ehrlich, es fühlt sich an wie nach Hause kommen. Normalerweise brauche ich immer etwas Zeit um aufzutauen, aber das fällt dieses Mal einfach weg.


Wir sind eine richtig schöne Truppe und es ist einfach toll, von allen anderen Seminaren noch einmal Freunde und Bekannte wiederzutreffen und zu sehen, wie sich alle so in diesem Jahr entwickelt haben. Als ich heute morgen in den Raum gekommen bin und so viele bekannte Gesichter gesehen habe, wusste ich sofort, dass die Woche schön wird. Auch wenn das Seminar gerade erst angefangen hat, fühlt es sich jetzt schon nach Urlaub an, einfach vertraut und entspannt.


Gleichzeitig ist es irgendwie schade, da ich weiß, dass ich nach diesem Seminar wahrscheinlich keinen der anderen je wieder sehen werde. Dafür sind wir zu viele und wohnen zu weit auseinander. Trotzdem werde ich viele von ihnen in meinem Herzen behalten. Denn auch wenn wir uns alle nur so kurz kennen, so ist unsere Verbindung zueinander doch besonders. Die freiwillige Arbeit verbindet uns alle einfach, die gemeinsame Erfahrung, aber vor allem die ähnliche Werte, die die meisten vertreten, so unterschiedlich wir alle auch sind.


Und trotz der Trauer bin ich auch dankbar, dass ich sie alle kennenlernen durfte, denn sie haben mich sehr bereichert. Mit ihnen konnte ich mich über meine Erfahrungen austauschen und gleichzeitig wundervolle Menschen kennenlernen. Die einzelnen Menschen mit ihren Lebensgeschichten und ihrem zukünftigen Weg kennenzulernen, war einfach einzigartig. Und auch wenn ganz sicher nicht jedes Seminar immer schön war, so bin ich insgesamt doch froh, dass es sie gibt. Die Menschen, die ich hier getroffen habe, haben dieses Jahr geprägt und das Leben irgendwie bunt gemacht und das ist ganz ehrlich wunderschön.

Oder doch ein Pflichtjahr

Freiwilligendienst als Pflicht? Ganz bestimmt nicht. Oder etwa doch? Eigentlich dachte ich, das Thema sei für mich durch. Ich war fest entschlossen, dass es zwar schön wäre, wenn mehr Leute einen Freiwilligendienst machen, aber Pflicht sollte es niemals sein.



In einem Gespräch mit meiner Chefin ging es zufällig um genau die Frage und sie war da ganz anderer Meinung. Sie meint, dass es in ein paar Jahren vielleicht gar nicht mehr anders geht. Pflegekräfte werden weniger und das System scheint schon heute zu ausgelastet zu sein. Die Angestellten im sozialen Bereich laufen vielerorts auf dem Zahnfleisch, sind erschöpft und verlieren durch den Stress den Spaß an ihrer Arbeit. Ohne viele helfende Hände kann es auf kurz oder lang nicht funktionieren. Müsste sich jeder junge Mensch ein Jahr lang in der Gesellschaft engagieren, könnte das System wenigstens etwas entlastet werden.


Aber ist es fair, die Mängel eines Systems an einer Generation rauszulassen, die das System nicht einmal gemacht hat? Ist es fair, dass sie die Fehler der Gesundheitspolitik ausbügeln sollen? Nein! Fair ist das wohl nicht.


Aber manchmal frage ich mich, ob es nicht trotzdem ein richtiger Weg wäre. Wir sind zwar nicht für die Fehler verantwortlich und es scheint fast dreist, unsere Generation zu verpflichten, ein ganzes System zu retten, aber gleichzeitig liegt es auch in unserer Verantwortung es besser zu machen. Zu zeigen, dass es auch anders sein kann.


Und selbst wenn ein solcher Dienst vorgeschrieben wird, besteht er ja nicht ausschließlich aus Verpflichtungen, sondern junge Menschen, wie auch ich selbst, können viel aus der Arbeit mitnehmen und für ihr Leben lernen. Auch wenn nicht alle Tage schön sind, macht es mir persönlich doch meistens Spaß. Es ist einfach schön, etwas Sinnvolles zu tun. Das Jahr wird mich vermutlich für immer prägen. So wird es auch anderen gehen. Dem ein oder anderen gefällt es vielleicht sogar so gut, dass er weiterhin in dem Bereich tätig sein möchte. Das wäre dann für alle Seiten schön.


Trotzdem wäre es eine Lüge zu behaupten, dass das die perfekte Lösung ist. Am System selbst muss in den nächsten Jahren viel gemacht werden. Angefangen bei mehr Bezahlung bis hin zu einer flächendeckenden Infrastruktur. Aber dennoch könnte ein solcher Dienst jungen Menschen zeigen, wie schön es ist, in einem solchen Beruf zu arbeiten. Wie schön es ist, Teil des Lebens anderer Menschen zu sein.


Und auch wenn dieses Gedankenspiel immer wieder für viel Aufregung und Empörung bei meiner Generation sorgt, so glaube ich trotzdem, dass wir uns daran gewöhnen könnten. Nach ein paar Jahren wäre es selbstverständlich, dass jeder einen Beitrag leisten muss. Es wäre normal. Und jeder Mensch hätte auch die Möglichkeit, mal einen Einblick in einen Bereich zu bekommen, den er sonst vielleicht nie gesehen hätte. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ein freiwilliger Dienst freiwillig bleiben soll. Ich weiß es einfach nicht, wie so viele andere auch. Aber gerade deshalb wäre es schön, offen darüber zu diskutieren. Bewusstsein zu schaffen. Denn nur so können auch die betroffenen Menschen sich eine Meinung bilden und mitentscheiden.