Das erste Praktikum

Nachdem die Klausuren endlich geschafft sind, haben endlich die Semesterferien begonnen. Bereits am Anfang meines Psychologiestudiums war mir klar, dass ich diese ersten Semesterferien dazu nutzen möchte, ein Praktikum zu machen. Die fachlichen Inhalte im Semester haben mir zwar wirklich Spaß gemacht, aber ich war mir unsicher, wie der Kontakt zu psychisch erkrankten Menschen tatsächlich für mich sein würde. Ich hatte Angst, dass mir diese Arbeit zu nahe geht und ich mich nicht abgrenzen kann. Dass ich dem Druck nicht gewachsen bin. Dementsprechend habe ich mich direkt nach Studienbeginn für ein Praktikum in einer psychiatrischen Klinik beworben und auch ziemlich schnell einen Platz in der Nähe meines Wohnortes bekommen.


Letzte Woche war es dann soweit. Mein erster Arbeitstag stand bevor. Ich war unfassbar aufgeregt, ich war vorher noch nie in der Klinik gewesen und hatte kaum Informationen über die nächsten vier Wochen, die ich hier verbringen sollte. Nicht einmal meine Arbeitszeiten hatte man mir vorher sagen können. Deshalb war ich nervös, wie sich alles entwickeln würde, wie die Zeit werden würde, ob es mir wohl gefällt.

Dort angekommen, war es zum Glück überhaupt nicht schlimm. Das Personal war sehr freundlich und ich habe mich auch im Team direkt wohl und willkommen gefühlt, sodass die erste Zeit wie im Flug vergangen ist. In den ersten zwei Wochen durfte ich bereits sehr viel erleben und würde sagen, dass ich schon einen guten Einblick bekommen habe, was es heißen kann, ein Psychotherapeut zu sein. Ich durfte Gespräche begleiten, Therapien anschauen, mit den Patienten in Kontakt treten, was wirklich spannend war.

Dabei konnte ich ziemlich schnell einige Dinge lernen, die ich so nicht erwartet hätte. Selbst heutzutage weiß man nur wenig über viele psychische Erkrankungen. Bei vielen kennt man nicht die genaue Ursache, es ist meistens sehr kompliziert. Eine Erklärung allein ist nicht ausreichend, um eine Erkrankung zu verstehen, denn es gibt meistens vielen Einflussfaktoren, die eine Rolle spielen. Dementsprechend komplex sind auch die Geschichten der einzelnen Patienten, die in die Klinik kommen, sodass es oft schwierig ist, während eines kurzen Aufenthaltes die Dinge so zu verändern, wie sich der Patient das wünschen würde. Eine weitere Erkenntnis ist, dass man nicht jedem Patienten helfen kann. Die Verbesserung hängt stark davon ab, wie sehr der Patient seine eigene Erkrankung annehmen kann, ob er auch an sich arbeiten möchte. Ist das nicht gegeben, ist es sehr schwierig, dem Patienten langfristig zu helfen, was mich immer wieder betroffen macht. Es ist wirklich kein schönes Gefühl, manche Patienten zu sehen und zu wissen, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit bis zum Lebensende an ihrer Erkrankung leiden werden mit wenig Hoffnung auf Heilung oder Verbesserung. Denn da die Ursachen der Erkrankungen oft nicht ganz geklärt sind, gibt es auch nicht immer Behandlungsmethoden, die einhundertprozentig zu dem Fall passen und manchmal ist eine langfristige Verbesserung leider so gut wie ausgeschlossen.

Nichtsdestotrotz macht die Arbeit Spaß. Es macht mir Spaß zu sehen, dass es Menschen gibt, die Fortschritte machen, ihr Leben in die Hand nehmen wollen. Es freut mich jedes Mal, wenn diese Menschen die Hoffnung in ihrem Leben wiederfinden können. Wieder etwas Lebenswertes darin sehen. Und auch wenn es nicht schön ist, muss ich lernen, zu akzeptieren, dass es eben auch Menschen gibt, die sich ihrer Krankheit nicht stellen wollen oder können, aus welchen Gründen auch immer. Das liegt nicht immer in der Hand des Behandelnden.


Nach den ersten zwei Wochen konnte ich also erleichtert feststellen, dass ich zumindest bisher nicht abgeschreckt bin, sondern dass es mir Spaß macht. Ich habe gemerkt, dass ich mich abgrenzen kann, dass ich der Aufgabe grundsätzlich gewachsen bin, auch wenn es noch sehr viel zu lernen gibt, weshalb ich mich umso mehr auf die nächsten Semester freue. Deshalb bin ich froh, dass ich mich getraut habe, so früh schon ein Praktikum zu machen, ohne Vorwissen, denn so habe ich nun ein bisschen mehr Sicherheit, das Richtige gewählt zu haben und gleichzeitig umso mehr Vorfreude, auf das, was da noch kommt.

Auf die Semesterferien

Es ist fast ein bisschen unwirklich, aber jetzt ist es tatsächlich geschafft, jetzt starten wirklich die Semesterferien. Nach den letzten Wochen, in denen ich so viel Zeit am Schreibtisch verbracht habe, wirkt das für mich noch ein bisschen wie ein Traum. So viel Zeit, in der ich versucht habe, den Inhalt zu verstehen, so viel Zeit, in der ich geübt habe und manchmal ein bisschen verzweifelt war. Erst nachdem ich die Bögen der letzten Klausur abgegeben habe, habe ich gemerkt, wie viel Druck da eigentlich auf mir gelastet hat, wie viel Druck ich mir selbst gemacht habe. Irgendwie fühlt es sich sehr befreiend an, dass diese Phase jetzt wieder vorbei ist, dass ich weiß, dass ich es erst einmal geschafft habe.



Gleichzeitig bedeutet das auch, dass es jetzt bald nach Hause geht. Das ist für mich irgendwie noch ein komischer Gedanke, denn die letzten Wochen sind so schnell verflogen, dass ich das Gefühl habe, ich bin gar nicht lang hier gewesen. Es bedeutet gewissermaßen Abschied nehmen, wenn auch nur für anderthalb Monate. Abschied von meinem Zuhause hier, Abschied von all den vertrauten Dingen, Abschied von München und von meinen Freunden hier. Mein Kopf hat irgendwie noch nicht so recht verstanden, was das genau bedeutet. Dass ich die anderen nicht nächste Woche in der Uni wiedersehe, sondern erst nach Ostern. Dass es danach nicht einfach mit denselben Vorlesungen weitergeht, sondern dass dann etwas Neues beginnt. Dass jetzt erstmal eine ganz andere Zeit beginnt.


Denn jetzt in den Semesterferien geht es für mich ziemlich bald los mit meinem ersten Praktikum. Das schien die ganze Zeit noch so weit weg und jetzt ist es nächste Woche schon soweit. Und irgendwie fühle ich mich noch nicht so richtig vorbereitet. Ich bin aufgeregt, weiß nicht, was mich erwartet. Ob die Kollegen wohl nett sind? Und ob ich wirklich in der Lage bin, mit psychisch erkrankten Menschen zu arbeiten? Ob ich das aushalte? Ob es mir irgendwie Spaß macht? Es sind einfach so viele offene Fragen in meinem Kopf, so viel Ungewissheit.


Gleichzeitig freue ich mich auch, endlich einen praktischen Bezug zu meinem Studienfach zu bekommen. So viel Spaß, wie mir das Studium macht, manchmal fehlt mir einfach, zu sehen, wo ich das Wissen einmal gebrauchen kann. Deshalb liegt in all der Ungewissheit auch ein Funken Vorfreude. Ich freue mich auf die neue Herausforderung und darauf, etwas Neues zu lernen. Und ich bin gespannt, was diese Semesterferien wohl alles bringen.

Die dunkel Jahreszeit

Die dunkle Jahreszeit, Anfang Januar. Spät hell, früh dunkel. Bewölkt. Nass. Kalt. Viel Zeit, die man drinnen verbringt und wenig Zeit draußen. Der Zauber der Weihnachtszeit ist vorbei. Die Lichter verschwunden. Und mit Ihnen auch das Schöne am Winter.



Das waren meine Gedanken, als ich im Januar aus den Ferien zurückgekommen bin. Alles in meiner Wohnung hier hat sich so fremd angefühlt, es war irgendwie dunkel und kalt. Zweiteres nach zwei Wochen Zuhause so oder so. Es hat sich so angefühlt, als ob eine ewig lange, dunkle Zeit vor mir liegt, in der Zuhause so weit weg ist. Eine Zeit, die aus Lernen besteht und nicht aus Spaß. Eine Zeit, die herausfordernd ist, ohne mir etwas zurückzugeben.


Dementsprechend war ich die ersten Tage nach den Ferien etwas niedergeschlagen, auch, weil wegen der Bahnstreiks in der ersten Woche kaum Uni war. Deshalb habe ich meine Freunde hier nur sehr sporadisch gesehen und in der ersten Woche viel Zeit Zuhause verbracht. In dieser Woche hat sich irgendwie alles so düster angefühlt, fast schon ein wenig hoffnungslos, nach der schönen festlichen Weihnachtszeit Zuhause.


Mittlerweile geht es aber zum Glück wieder bergauf. Ich habe angefangen, die kleinen besonderen Momente, die im sonst eher grauen Alltag untergehen, in mein Herz zu schließen. Mich eben einfach über die Dinge zu freuen, die zurzeit möglich sind. Wie die Sonne, die ab und zu herauskommt, die kleinen lustigen Momente zwischen den Vorlesungen, meine Lieblingskleidung, selbst gekochtes Essen oder das erste Grün in der Natur. Und zwischendurch ereignen sich dann fast von selbst auch größere bewegenden Momente. Ein Spaziergang in der Sonne. Ein Spieleabend mit Freunden. Eine Großdemo und bei der so viele Menschen für demokratische Werte einstehen.
Das sind die Momente, die mein Leben gerade schön machen und mich kurz vergessen lassen, wie dunkel der Winter eigentlich ist. Sie mögen klein erscheinen, aber für mich sind sie wie Spalt einer Tür, durch den etwas Sonnenlicht scheint und der mich daran erinnert, wie schön das Leben eigentlich ist.

Auswahlseminar – anders als erwartet

Am letzten Wochenende war ich für ein Auswahlseminar für ein Stipendium eingeladen. Dort wollte die Stiftung, bei der ich mich beworben hatte, uns Bewerber näher kennenlernen, um besser entscheiden zu können, wer für eine Förderung geeignet ist. Am Freitagabend sollten wir alle am Seminarort sein, damit wir noch ausreichend Zeit haben, in Ruhe anzukommen, bevor Samstag dann das Auswahlverfahren losging.


Dementsprechend habe ich Freitag meine Sachen gepackt und versucht, mich noch ein bisschen zu entspannen. Irgendwie war ich ziemlich aufgeregt und hatte große Angst vor dem Seminar. Im Vorhinein habe ich einige nicht so schöne Geschichten gelesen, von Konkurrenzkampf unter den Bewerbern und unfreundlichen Kommissionsmitgliedern, weshalb ich keine große Lust auf das Wochenende hatte.


Außerdem gab es ausgerechnet an diesem Wochenende einen starken Wintereinbruch in Bayern, sodass schon am Freitagnachmittag die ganze Landschaft mit Schnee bedeckt war und die Autofahrt beschwerlich und langsam voran ging.


Deshalb war ich dann doch ziemlich froh, als ich endlich die Einfahrt zur Jugendherberge heruntergerutscht war und es losgehen konnte. Ziemlich nervös bin ich ins Haus gegangen, unsicher, was mich erwartet, allein mit dem Gedanken, mein Bestes zu geben, aber dabei trotzdem andere Menschen kennenzulernen, ihnen eine Chance zu geben.


Drinnen angekommen, haben sich meine Befürchtungen glücklicherweise überhaupt nicht bestätigt. Natürlich hat sich jeder die Hoffnung gemacht, derjenige sein zu können, der gefördert wird, aber trotzdem war niemand unfreundlich und es gab keinen offenen Konkurrenzkampf. Stattdessen habe ich mich am ganzen Wochenende mit vielen Mitbewerbern unterhalten können, was unfassbar spannend war. Jeder dort ist irgendwie auf seine Art und Weise besonders. Viele sind sehr engagiert, bunt interessiert und aus sehr vielen verschiedenen Fachbereichen. Jeder hat eine tolle einzigartige Geschichte, sodass ich im Laufe des Wochenendes sehr froh war, dass ich die Entscheidung, wer gefördert werden kann, nicht treffen muss. Denn jeder einzelne dort hätte es verdient, davon bin ich überzeugt.


Am Freitagabend ging es dann mit einer Vorstellungsrunde der Auswahlkommission und ein bisschen Kennenlernen los. Außerdem wurden wir schon in Gruppen von sechs Personen unterteilt.

Am Samstag musste jeder von uns ein kurzes Referat in seiner Gruppe über ein beliebiges kontroverses Thema halten und anschließend eine Diskussion darüber anleiten. Die Diskussionsrunden waren, obwohl wir beobachtet wurden, immer interessant. Viele der Themen, die wir diskutiert haben, zum Beispiel Noten im Schulsystem und Ernährung und Klima, sind in der Gesellschaft immer wieder präsent und doch setzt man sich viel zu selten zusammen, um darüber zu sprechen, um mal eine andere Sichtweise kennenzulernen. Jedes Mal aufs Neue war ich überrascht, wie viel über ein Thema mir noch unbekannt war und wie viele Gesichtspunkte es dazu gibt. Deshalb habe ich mich am Ende sogar auf die Diskussionsrunden gefreut, auch wenn der Druck natürlich nie ganz weg war.


Neben den Diskussionen hatte jeder von uns noch zwei Gespräche mit je einem Mitglied der Auswahlkommission. Dort wurden Fragen zur Bewerbung und zu mir als Person gestellt. Vor den Gesprächen war ich total aufgeregt, aber die beiden Kommissionsmitglieder waren zum Glück sehr freundlich. Ich hatte das Gefühl, dass sie zum Teil sogar tatsächlich an mir interessiert waren. Das heißt natürlich nichts, hat mir aber vermittelt, dass ich sein darf, wer ich bin, was wirklich schön war.


Im Nachhinein weiß ich natürlich nicht, wie ich angekommen bin, was bewertet worden ist, ob ich genommen werde oder nicht. Oft habe ich schon gedacht, dass ich dieses oder jenes hätte anders machen können, aber im Endeffekt kann ich es so oder so nicht ändern. Ich habe mein Bestes gegeben und darauf bin ich auch ein bisschen stolz. Und deshalb bin ich irgendwie mit einem guten Gefühl aus dem Wochenende gegangen. Ich habe dort unfassbar nette Menschen kennengelernt, wir haben viel zusammen erlebt und manchmal auch zusammen die Aufregung und den Druck ausgehalten und uns unterstützt. Wir waren viel draußen im Schnee, haben erzählt und gelacht, voneinander gelernt. Und zuletzt auch dafür gesorgt, dass jeder irgendwie durch das Schneechaos nach Hause gekommen ist. Das Wochenende war definitiv herausfordernd. Noch jetzt bin ich müde davon. Und trotzdem hat es sich gelohnt, egal, ob ich gefördert werde oder nicht.

Zuhause

Am Wochenende sind wir nach unserem Umzug nach Bayern das erste Mal nach Hause gefahren. Auf das Wochenende habe ich mich schon lange gefreut, denn auch, wenn ich mich hier mehr oder weniger eingelebt habe, fehlt mir mein Zuhause doch ein bisschen, vor allem, weil ich nicht mal eben schnell dort sein kann.



Dementsprechend froh war ich dann, als wir endlich auf dem Weg waren. Je näher wir kamen, desto seltsamer hat es sich angefühlt, bekannte Orte zu sehen und langsam immer mehr zu erkennen. In den letzten Wochen gab es irgendwie nichts, was sich vertraut anfühlt hat, nur stets Neues und Unbekanntes, weshalb sich das alles nun total komisch angefühlt hat, fast wie ein Traum.
Mein Kopf bekommt einfach nicht zusammen, dass ich an einem Tag in München in der Uni sitze und später zurück in der Heimat bin.


Als wir dann Zuhause waren, hat sich alles wie immer angefühlt, als wäre ich nie weg gewesen. Als hätte ich im September auf Stopp gedrückt und anderthalb Monate später wieder auf Play.


Natürlich ist das Wochenende sehr schnell vergangen, wir haben viele Leute getroffen und Zeit mit Freunden und Familie verbracht. Es war wirklich richtig schön.
Doch schon während des Wochenendes hat mich eine Art vorgezogenes Heimweh ergriffen, weil ich wusste, wie schnell das Wochenende vorbeigehen wird, wie weit weg das alles bald schon wieder ist, wie unerreichbar.


Das hat mich auch noch einige Tage nach unserer Rückfahrt deutlich mitgenommen, obwohl ich dachte, dass das Heimweh längst verflogen wäre. Aber natürlich wird man an so einem Wochenende Zuhause wieder an das erinnert, was man sich davor so weit von sich weggeschoben hat, es werden Erinnerungen wach, die das Heimweh erst so richtig entfachen.


Gleichzeitig ist mir auch bewusst, dass ich mich selbst für den Umzug entschieden habe und das auch aus guten Gründen. Zuhause erschien das alles nur etwas leichter, als wäre ich auf jeden Fall bereit dafür. Erst jetzt merke ich, dass die Herausforderung deutlich anspruchsvoller ist, als ich es angenommen habe. Alles hier fordert einfach so viel Kraft von mir, die Uni, der Haushalt, die neuen Leute und Orte, die neue Verantwortung, das Allein sein. Jeden Tag empfinde ich so viele Emotionen wie selten zuvor, sodass ich oft überwältigt und überfordert bin.


Umso mehr habe ich aber auch gemerkt, wie sehr ich Zuhause, in meinem gewohnten Umfeld, herunterfahren kann, mich wieder erholen kann. Und deshalb lohnt sich jeder Besuch, denn das ermutigt mich, die neuen Möglichkeiten zu sehen, die ich habe. Ich weiß mein Zuhause heute viel mehr zu schätzen und gleichzeitig weiß ich, wie schön auch mein neues Zuhause ist, auch wenn ich manchmal Heimweh habe. Denn das gehört, denke ich, irgendwie dazu, zu so einem einschneidenden Erlebnis und zeigt eben auch, wie wohl ich mich Zuhause fühle.


Deshalb freue ich mich auch schon auf den nächsten Besuch, aber bis dahin genieße ich meine Zeit hier.

Unverbunden

Nach der ersten Woche in der Uni hatte ich eigentlich das Gefühl, mich ganz gut eingelebt zu haben, alles ein bisschen unter Kontrolle zu haben. Ich habe mich mit einigen Leuten unterhalten, alles geschafft, was ich gern wollte, und mich sogar getraut, allein zu einer Fachschaftssitzung zu gehen. 

Und doch wurde ich am Wochenende von einer Welle an Gefühlen umgehauen, die ich so nicht erwartet hatte. Denn trotz der eigentlich erfolgreichen Woche habe ich mich plötzlich einfach so unwohl gefühlt, so einsam. 

Es bedrückt mich ziemlich, dass ich merke, dass ich die Verbindung mit meinen Freunden Zuhause verliere, dass ich aufgrund der Entfernung, die uns trennt, so gut wie nie dabei sein kann. Gleichzeitig habe ich hier so viele nette Leute kennengelernt und doch zu keinem eine tiefere Verbindung. Ich bin tagtäglich mit so vielen Menschen in Kontakt, in einer so großen Menge an Menschen unterwegs und trotzdem fühle ich mich unverstanden und einsam. Es fühlt sich für mich einfach so an, als wäre ich völlig allein, als wäre da niemand, den ich einfach mal anrufen kann, den es wirklich kümmert, wie es mir geht. Das ganze Wochenende und auch bis jetzt begleitet mich deshalb eine immer wiederkehrende Traurigkeit, ein bedrücktes Gefühl. Als wollte ich in die Welt rausschreien, wie ich mich fühle, aber niemand kann mich hören, niemand ist da, dem ich erzählen könnte, wie’s mir geht, der mich versteht.

Und ganz ehrlich, das fühlt sich einfach beschissen an, weil ich einfach nichts dagegen tun kann. Ich fühle mich hilflos, kann nicht zurück nach Hause, in mein altes Leben, wo ich ein sicheres soziales Netzwerk hatte. Stattdessen muss ich jetzt Energie in neue Kontakte investieren, neue Bindung aufbauen. Davon fühle ich mich zutiefst erschöpft, als könnte ich wochenlang nur schlafen.

Trotzdem habe ich Hoffnung. Hoffnung, durch all die tollen Leute hier, mit denen durchaus eine Freundschaft entstehen könnte. Das gibt mir Energie, wenigstens ein bisschen und ich bin guter Dinge, dass es demnächst besser geht.

Neustart

Die erste Uniwoche ist gestartet. Noch ist alles spannend und neu. Bei jeder Vorlesung, jeder Veranstaltung, frage ich mich, was mich wohl erwartet, wie es wohl sein wird. Manche Dinge klingen wirklich spannend und ich freue mich schon darauf, mehr darüber zu lernen. Manches ist eher langweilig und ich weiß nicht, wie ich da allein die Vorlesungen durchhalten, geschweige denn eine Klausur schreiben soll.

Aber das ist ja zum Glück alles noch ein bisschen entfernt, auch wenn ich es nicht allzu weit wegschieben möchte. Doch zuallererst versuche ich erstmal mich einzuleben, neue Leute kennenzulernen, auszuprobieren, was mir eigentlich Spaß macht. Neben der Uni habe ich mich für zwei Sportkurse angemeldet und war bei einem Fachschaftstreffen. Eigentlich würde ich auch gern im Orchester spielen, aber das ist momentan einfach nicht mehr drin.

Natürlich ist das ganze Ausprobieren auch ziemlich anstrengend, jedes Mal treffe ich auf neue Leute, muss mich vorstellen und versuchen mir zu merken, wer die anderen sind. Deshalb ist meine soziale Batterie momentan sehr erschöpft. Trotzdem macht es irgendwie auch Spaß und ich weiß, dass es, nachdem man etwas ein paar Mal gemacht hat, auch entspannter wird. Es wird nicht lange dauern, bis das alles normal für mich wird, bis ich einige Menschen kennengelernt habe, vielleicht sogar irgendwo dazu gehöre, auch wenn ich mir das gerade nun wirklich nur schwer vorstellen kann.

Aber genau deshalb machen diese ersten Wochen auch Spaß. Ich bin sehr flexibel, an niemanden gebunden, kann mir aussuchen, wen ich in meinem Leben möchte und wen eben nicht. Ich kann mir aussuchen, wer ich sein möchte, bin nicht in eine feste Rolle gedrängt, denn all die Menschen hier kennen mich nicht. Klar ist das anspruchsvoll, ich muss mir ja erstmal überlegen, was ich überhaupt selbst möchte. Aber es birgt eben auch viele Möglichkeiten und das macht wirklich Spaß.

Nach den ersten Tagen bin ich jedenfalls sehr neugierig, wie sich alles entwickeln wird, wie ich die Herausforderungen hier meistern kann, wer mich wohl hier begleiten wird, wie ich mich weiterentwickeln kann. Und ich freue mich auf die nächste Zeit, mit allen schönen und weniger schönen Tagen, die nun kommen.

Die Ruhe vor dem Sturm


Die Zeit zwischen Freiwilligendienst und Studium fühlt sich für mich irgendwie seltsam an, so ein bisschen wie eine Schwebe, in der ich nirgends so richtig dazugehöre, nicht so recht weiß wohin mit mir. Ich gehöre nicht mehr in meine Einsatzstelle meines Freiwilligendienstes, denn dort geht das Leben ohne mich natürlich normal weiter. Eine Studentin bin ich aber auch nicht so wirklich, wenngleich sich viele meiner Gedanken um mein neues Studentenleben drehen. Denn obwohl ich momentan eigentlich keine wirkliche Aufgabe habe, denke ich oft an Herausforderungen, die mir in den nächsten Wochen und Monaten begegnen werden.


In meinem Kopf sind einfach unendlich viele Fragen und eine Mischung aus Unsicherheit, Angst und Vorfreude. Auch wenn ich weiß, dass es bestimmt vielen anderen auch so geht, so habe ich doch Angst, all die Menschen zu treffen und mich doch nirgends zugehörig zu fühlen, ausgeschlossen zu sein. Ich habe Angst, dass mir mein Studienfach nicht gefällt, dass ich es vielleicht nicht schaffe, nicht gut genug bin. Ich habe Angst, dass ich die Herausforderungen von Studium und Alltag nicht bewältigen kann, dass ich mich allein und verloren fühle in einer so großen neuen Stadt.


Gleichzeitig freue ich mich aber auch auf die neuen Herausforderungen, darauf, etwas Neues zu lernen, denn das macht mir wirklich Spaß. Ich freue mich auf neue Menschen und neue Freunde in meinem Leben, auf neue Abenteuer und Geschichten. Auf das Leben allein und auch auf die Möglichkeit eines neuen Ortes. Ich freue mich, meine Zukunft weiter bestimmen zu können und auf die Freiheit, die ein Studium bringt. Und eigentlich weiß ich auch tief in meinem Herzen, dass irgendwie schon alles gut werden wird. Dass es Menschen geben wird, mit denen ich mich gut verstehe. Dass ich Herausforderungen bewältigen kann. Dass es zwar auch Zeiten gibt, in denen nicht alles so gut verläuft, aber dass auch wieder andere Zeiten kommen. Dass ich mich auf mich und mein Bauchgefühl verlassen kann. Das alles sorgt dafür, dass dieses Kribbeln in meinem Bauch zumindest zum größten Teil aus Vorfreude und Neugierde besteht und nicht zu sehr auch Angst oder Ungewissheit. Und gewissermaßen gehört ein wenig Aufregung ja auch zu einem neuen Abschnitt dazu und macht ihn erst so spannend.

Interrail – The End

Interrail. Viereinhalb Wochen Abenteuer. Über 5000 Kilometer nur im Zug. Etliche Busfahrten. Viele neue Orte und Erfahrungen. Freude. Mut. Erfüllung. Das alles haben wir auf unserer Reise erlebt. Die Zeit war unfassbar wertvoll, einfach magisch und trotzdem ist das nicht alles.


Denn zu so einer Reise gehören auch nicht so schöne Erfahrungen dazu. Das Gefühl, nicht willkommen zu sein. Erschöpfung von all dem Reisen. Streit als Paar über scheinbar belanglose Dinge. Genervt sein voneinander, da man jede Minute zusammen ist. Stundenlanges Warten an Bahnhöfen. Ewig weite Fußwege mit dem Rucksack. Viel zu warmes Wetter. Ungewissheit. Zweifel. Unruhige Nächte. Ekelhafte Badezimmer. Laute Mitbewohner. Zu wenig Schlaf. Krankheit. Stress. Ärger…
Es gab Momente, da habe ich mich gefragt, was das alles soll. Wenn es nachts 27 Grad im Zelt sind, man von einem ziemlich kleinen billigen Ventilator angepustet wird, bloß darauf bedacht, den Partner nicht zu berühren, weil es sonst zu heiß ist. Wenn der Mitbewohner im Hostel bei jedem Toilettengang nachts die Deckenlampe anmacht, anstatt einfach die Handytaschenlampe zu benutzen. Wenn es mal wieder über 40 Grad ist und man sich trotz der vielen Litern Wasser, die man trinkt, dauerhaft so fühlt, als würde man verdursten. Wenn man nach stundenlangem Warten am Bahnhof doch nicht am Ziel ankommt. Dann macht Reisen keinen Spaß. Überhaupt nicht.


Aber zum Glück ist das bei weitem nicht alles. Die Reise hatte so viele schöne Dinge zu bieten. Wunderschöne Städte und tolle Natur. Baden im klaren Meer und wandern über hohe Berge. Entspannen in Parks und das Bestaunen architektonischer Meisterwerke. Das Schlendern durch enge Gassen und weite Ausblicke über viele Orte. Viel Kultur und Geschichte. Pures Wissen und Erkenntnisse.
So viele schöne Sonnenuntergänge. Malerische Kulissen. Nette, hilfsbereite Menschen. Gutes Essen. Erfüllte Momente. Das Gefühl des vollkommenen Glücks…
Das alles und so viel mehr durften wir erleben. In unseren vierunddreißig Tagen unterwegs, haben wir unfassbar viel gesehen. Wir sind gewachsen, alleine und als Paar. Gewachsen an jeder Herausforderung, durch Gespräche und die Zeit zu zweit. Wir haben weniger Geld als vorher und doch sind wir so viel reicher, reicher an märchenhaften Bildern in unserem Kopf. Es war eine unvergessliche Zeit, für die ich endlos dankbar bin. Dankbar, dass es mir möglich war, die Reise zu machen. Dankbar, dass ich mich getraut habe. Dankbar für meinen Partner, für die schönen Momente, dass er mich gehalten, meine Sachen getragen und mich manchmal auch ertragen hat. Dankbar für meine Familie und all die, die mich unterstützen.
Danke, dass ich diese Zeit erleben durfte. Es war wunderschön.

Letzter Halt

Nach fast vier Wochen unterwegs ist es schwer zu glauben, dass unsere Reise auch irgendwann vorbei ist. Trotzdem nähern wir uns mit großen Schritten dem Ende. Unsere letzten Stopps während unserer Interrailreise sind Barcelona und Lyon.



Erst einmal zu Barcelona. Barcelona ist wirklich eine tolle Stadt mit total vielen Facetten. Angefangen bei den vielen historischen Gebäuden und Vierteln bis hin zum Stadtstrand, hat die Stadt viel zu bieten. Eines unserer absoluten Highlights sind die Gebäude des spanischen Architekten Antoni Gaudi. Dazu zählen die Sagrada Familia, das Casa Battló, der Park Güell und einige weitere Gebäude. Alle sind geprägt von natürlichen runden Formen, bunten Farben und sehr viel Liebe zum Detail. Die Gebäude wirken wie aus einer Fantasiewelt, irgendwie fremd und doch unfassbar schön.
Ein weiteres Highlight ist der Strand von Barcelona am Morgen. Ist man früh dran, ist der Strand fast leer und man kann die Wellen und den Strand fast für sich genießen, ohne zu viele Touristen und Strandverkäufer. Neben all den Sehenswürdigkeiten war aber besonders die Stimmung in der Stadt toll. Es war viel los, alle waren freundlich, wir haben uns überall willkommen gefühlt, was leider nicht selbstverständlich ist. Deshalb wird uns Barcelona wohl noch länger in guter Erinnerung bleiben.



Von Barcelona aus sind wir dann nach Lyon gefahren, der drittgrößten Stadt in Frankreich. Ehrlich gesagt haben wir dort nur angehalten, weil die Fahrt von Barcelona nach Hause zu lang gewesen wäre. Deshalb haben wir uns nicht auf die Stadt vorbereitet, nichts recherchiert. Wir sind ohne jegliche Erwartungen dort angekommen, etwas traurig, dass es jetzt schon nach Hause geht.
Und mal wieder wurden wir positiv überrascht. Lyon war ein malerischer letzter Stopp, mit so vielen verschiedenen Gesichtern. Die Altstadt mit den engen Gassen und den bunten Häusern, die Ufer der beiden Flüsse, der Ausblick vom Viertel Fourvière aus, die römischen Theater, die großen Kirchen… Wir waren erstaunt, was es alles zu entdecken gibt und haben den letzten Tag unserer Reise noch einmal richtig genossen. Im Nachhinein bin ich froh, hier noch einmal angehalten zu haben, denn so haben wir Frankreich aus einer völlig anderen Perspektive kennengelernt. Frankreich ist nämlich so viel mehr als nur Paris und das hätten wir sonst nie gesehen.