
Nach dem Abschluss geht jeder seinen eigenen Weg. So war es auch bei mir und meiner engsten Schulfreundin. Wir sind bereits seit der siebten Klasse so etwas wie beste Freunde gewesen und haben mal mehr und mal weniger alles miteinander geteilt. Nach unserem Abiball haben sich unsere Wege dann vorerst getrennt. Sie ist studieren gegangen und ist umgezogen und ich bin eben Zuhause geblieben für einen Freiwilligendienst. Dadurch haben wir uns die letzten Monate nur sporadisch gesehen. Oft liegen Monate zwischen den Treffen, einfach weil so viel anderes ansteht und die Entfernung dann doch weiter ist als nur mal eben zehn Minuten.
Im Alltag fällt es oft gar nicht so auf, wenn wir uns länger nicht sehen, aber jedes Mal, wenn es dann doch mal klappt, merke ich, wie sehr mir das eigentlich gefehlt hat. Jeder von uns hat mittlerweile sein eigenes Leben und es gibt Dinge aus dem Leben des anderen, die man einfach nicht mehr so verstehen kann. Aber die grundlegenden Chemie stimmt. Denn so sehr kann sich ein Mensch dann doch nicht verändern. Sie kennt meine tiefsten Geheimnisse, meine dunkelsten Zeiten und andersherum. Es gibt keinen Menschen, der mich so gut kennt, dem ich so sehr vertrauen kann. Jedes Mal, wenn wir uns sehen, dauert es eine Weile, bis wir in tiefere Themen einsteigen können, aber dennoch fühle ich mich verstanden, gewollt und nicht so, als müsste ich irgendwas verstecken. Bei jedem Treffen fühle ich mich aufgetaut und irgendwie ganz anders.
Auch wenn ich mich bei meinen anderen Freunden wirklich wohl fühle, ist es mit ihr irgendwie nochmal anders. Einfach tiefer. Vielleicht liegt es daran, dass wir in der Schule so viel Zeit miteinander verbracht haben oder daran, dass wir einige der prägensten Momente gemeinsam erlebt haben, aber so eine Vertrautheit habe ich nur selten erlebt.
Mir war nie bewusst, wie sehr die Freundschaft mich und mein Leben geprägt hat, aber es hat bis heute definitiv einen riesigen Einfluss auf mich. Irgendwie finde ich das schön. Ich mag diese tiefe Verbundenheit, auch wenn ich sie nicht immer haben kann, denn sie bedeutet mehr als zig lose Verbindungen zu anderen. Ich bin dankbar, dass ich solche Menschen in meinem Leben habe. Das macht es erst besonders.