
Einen Millionär – das ist das, was sich eine Kollegin von mir oft scherzhaft zu Weihnachten wünscht. Alternativ wäre auch ein Lottogewinn ganz nett
Als sie das zum wiederholten Male sagt, erwidert einer unserer Gäste in der Tagespflege nur, dass das ganze Geld auch nicht glücklich macht. Diese gegenteiligen Ansichten haben mich irgendwie nachdenklich gemacht. Tief im Herzen weiß ich, dass Geld allein ganz sicher nicht glücklich macht. Andererseits wird momentan vieles teurer und immer mehr Menschen können sich ihren Lebensstandard nicht mehr leisten. Das ist ganz sicher kein schönes Gefühl. Braucht man Geld also heutzutage wirklich zum Glücklichsein?
Wenn meine Kollegin so davon spricht, dass sie gern wohlhabend wäre, finde auch ich es durchaus verlockend, so viel Geld zu besitzen. Ich müsste mir nie wieder Sorgen um Geld machen, ich wäre abgesichert. Ich könnte die Welt entdecken und alles tun, was ich gern möchte. Ich könnte den Job machen, der mir Spaß macht, ohne darauf zu achten, dass ich damit auch genug verdiene. Ich bräuchte mir keine Sorgen zu machen, ob ich meine laufenden Kosten bezahlen kann und ob ich im Alter überhaupt genug zum Leben habe. Ich könnte etwas unternehmen, ohne Sorge zu haben, dass das Geld dann anderswo fehlt. Denn obwohl es mir definitiv nicht schlecht geht und ich alles zum Leben habe, spare ich meinen ganzen Lohn während meines Bundesfreiwilligendienstes für mein Studium, aus Angst, dass es sonst nicht reicht. Da bleibt dann am Ende nicht viel für Unternehmungen über.
Obwohl Geld wohl so einiges leichter macht, würde ich trotzdem sagen, dass das Geld allein auch nicht glücklich macht, es schenkt nur gewisse Möglichkeiten. Auch wer wenig hat, kann durchaus glücklich werden, denn das, was mich persönlich wirklich glücklich macht, ist Zeit in Gemeinschaft, mit meiner Familie und meinen Freunden. Mich erfüllt es, die kleinen Momente zu erleben. Ob es dann das Meeresrauschen vorm Sonnenuntergang in Costa Rica ist oder ein gemütlicher Filmabend Zuhause spielt dabei keine so große Rolle. Die Atmosphäre muss stimmen und es muss nicht unbedingt teuer sein.
Außerdem kann ich mir von keinem Geld der Welt Zufriedenheit kaufen. So manch einer kann sich auch an den schönsten Dingen nicht mehr erfreuen, da sie so alltäglich geworden sind. Dann ist dann auch ein Konzertbesuch oder eine teure Reise nichts besonderes mehr.
Wenn ich aber etwas dafür sparen muss, dann weiß ich viel mehr zu schätzen, was ich habe.
Ich finde es insgesamt schwer zu sagen, was ich von der Vorstellung, wohlhabend zu sein, halten soll. Es beschert ein sorgenfreieres Leben und man ist besser abgesichert in unserer Gesellschaft. Andererseits ist es ganz sicher nicht das, was erfüllend ist, sondern nur einer von vielen Bausteinen, der zu Erfüllung führen kann. Denn solange ich genug zum Leben habe, zwar nicht so viel, dass ich alles machen kann, was ich möchte, aber soviel, dass es sich gut überleben lässt, brauche ich keinen Reichtum, um glücklich zu sein.
Manchmal denke ich zwar, wie schön es wäre, viel Geld zu besitzen , aber dann fällt mir ein, dass ich alles habe, was mich zu einem wirklich reichen Menschen macht, denn nicht jeder, den wir reich nennen, ist auch wirklich reich. Ich bin gesund, ich habe ein tolles soziales Umfeld und eine liebevolle Familie. Das ist eine Art von Reichtum, der sich nicht durch Geld herstellen lässt. Und auch wenn jedes Geld der Welt noch so schön erscheint, würde ich meinen Reichtum an Leben nie dagegen tauschen wollen.