Zwischen Klassenfahrt und Begegnung

Erwachsenenbildung. Wie oft ich dieses Wort in den letzten 24 Stunden gehört habe, kann ich gar nicht mehr zählen. Ich bin diese Woche wieder auf einem Seminar für meinen Bundesfreiwilligendienst – und fühle mich, um ehrlich zu sein, etwas wie auf Klassenfahrt. 6-Bett Zimmer , strenge Ermahnung bei Unpünktlichkeit von einer Minute und vom Gelände dürfen wir nur zu dritt und vor 22 Uhr.



Obwohl ich es super interessant finde, mich mit den anderen auszutauschen, hat es einen seltsamen Beigeschmack. Auch wenn es mir persönlich nicht so viel ausmacht, mein Zimmer zu teilen, da man so in viel näheren Kontakt kommt, ist es mit so vielen Leuten auf Dauer sehr anstrengend, insbesondere, wenn man schon den ganzen Tag gemeinsam verbracht hat. Morgens müssen insgesamt alle früher raus und nachts ist es immer unruhig, sodass ich nicht so gut einschlafen kann. Das macht mich noch erschöpfter und ich kann meine soziale Batterie kaum aufladen.


Besonders unangenehm ist es aber, wie unentspannt die Gruppenleiter sind. Es geht hier nicht darum, dass es für uns bestimmte Regeln gibt. Das ist verständlich und auch sinnvoll, damit alle Spaß am Seminar haben. Aber hier macht eindeutig der Ton die Musik. Auch Regeln kann man gescheit vermitteln, wir sind alle volljährig und können nachvollziehen, wenn jemand seine Beweggründe erläutert. Aber stumpfes Verbieten von Dingen von jemandem, der kaum älter ist als wir selbst, wirkt irgendwie unangemessen.


In diesem Zusammenhang haben sich gestern auch einige Teilnehmer beschwert. Das Wort Erwachsenenbildung fiel dabei sehr oft und auch wenn es mir mittlerweile zu den Ohren raushängt, habe ich mich gefragt, was uns eigentlich als jungen Erwachsenen zusteht auf so einem Seminar. Denn auch wenn so manche Kritik vielleicht übertrieben ist, ist auch ein bisschen was dran.


Geht man auf Dienstreise, so bekommt jeder ein Einzelzimmer oder Doppelzimmer. Das ist in vielen Bildungshäusern fast unmöglich und auch nicht unbedingt sinnvoll, da so kaum Austausch stattfindet. Andererseits wäre es schön, wenn die Zimmergrößen etwas kleiner wären. Zwei Mitbewohner hätten auch gereicht, ich bin ja nicht im Abenteuer- und Backpacking-Urlaub.


Außerdem finde ich einen Kontakt und eine Kommunikation auf Augenhöhe mit den Kursleitern wichtig. Klar, sie planen das Ganze und tragen eine große Verantwortung, andererseits sind wir auch alle eigenständige Menschen, die sich gerne einbringen möchten, wenn man sie nur lässt.


Insgesamt muss ich sagen, dass ich bisher eher gemischte Gefühle habe. Die Leute sind einerseits total nett und ich mag den Austausch, andererseits ist es anstrengend und kräfteraubend und das finde ich schade.
Meiner Meinung nach wird die Freude, die es mir beschert, mit tollen Menschen zusammen zu sein, von all dem Stress überschattet. Trotzdem versuche ich, das Beste daraus zu machen. Ich bin jetzt nunmal hier, das gehört dazu. Menschen werden sich innerhalb von einer Woche wohl kaum ändern. Aber deprimiert dazusitzen und vor sich hin zu schmollen, nützt ja eben auch nichts.

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