Gemeinsam Auseinanderleben

Am Wochenende habe ich meinen Geburtstag gefeiert. Diesmal nur im kleinen Kreis mit den engsten Freunden. Es war eine große Herausforderung, einen geeigneten Termin zu finden, da die meisten meiner Freunde nicht mehr in meiner Nähe wohnen, sondern zum Studieren umgezogen sind.



Aus diesem Grund haben auch einige abgesagt. Studienstress oder eine zu weite Entfernung, sodass es sich nicht mal lohnt für einen Abend nach Hause zu fahren. Ich selbst wohne während meines Freiwilligendienstes noch Zuhause und manchmal ist es schwer, dass meine engsten Freunde so weit weg wohnen und nicht mal eben vorbeikommen können. Sie alle haben das Abenteuer Auszug schon gemeistert und einen neuen Lebensabschnitt begonnen, während ich noch Zuhause bin.



Oft gibt mir das das Gefühl, nicht mitreden zu können. Wenn die anderen sich über ihr Studium, neue Studentenpartys oder ihre Wohnung austauschen, dann kann ich nur stumm daneben sitzen und oft wenig beitragen.



Dabei bin ich mit dem, was ich mache, sehr zufrieden und gehe gerne arbeiten. Ich mache tolle Erfahrungen und studieren und ausziehen kann ich auch nächstes Jahr noch. Und trotzdem beschleichen mich in solchen Situationen Zweifel, ob meine Entscheidung hier zu bleiben richtig war.



Wenn ich sehe, was die anderen alles lernen, kommt bei mir eine innere Unruhe auf. Ich selbst liebe es, neue Dinge zu lernen und alles über komplizierte Sachverhalte zu erfahren, mich in Situationen einzudenken und gefordert zu sein.
Das alles fehlt mir sehr und ich fühle mich, als würde ich auf der Stelle treten und meine Zeit vergeuden. Während die anderen sich weiterentwickeln, bleibe ich stehen.



An meinem Geburtstag hatte ich oft das Gefühl, dass wir völlig aneinander vorbei leben. Mein Alltag dreht sich um meine Familie und meine Arbeit. Meine Freunde denken eher an die nächsten Vorlesungen und die Veranstaltungen, die noch anstehen. Oft bin ich dann unterschwellig die mit dem Bufdi, die sowieso nicht versteht, worum es gerade gehen soll.



Manchmal macht mich das traurig, weil ich weiß, wie wichtig mein Dienst für die Menschen hier ist. Ich lerne dabei nur eben andere Dinge als meine Freunde und gebe ein Stück meiner Lebenszeit für die Gesellschaft her. Gleichzeitig weiß ich auch, dass es den anderen womöglich schwer fällt, sich in meine Lage und Erfahrungen zu versetzen, weswegen ich sehr dankbar bin, dass sie mir trotzdem zuhören und mich aufnehmen. Besonders toll finde ich, dass sie sich die Zeit nehmen und den Weg nach Hause fahren, um zu meinem Geburtstag zu kommen.
Denn trotz unterschiedlicher Lebenslagen kann ich mich immer auf sie verlassen. Ich weiß, was wir uns gegenseitig bedeuten und das macht mich froh.

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