
Während meines Bundesfreiwilligendienstes muss ich mehrere Seminare belegen, in denen ich verschiedene Dinge für meinen Dienst, wie zum Beispiel rechtliche Grundlagen lerne. Über das Jahr verteilt brauche ich fünfundzwanzig Seminartage, die meistens in fünftägigen Blöcken stattfinden.
Letzte Woche war mein erstes Seminar zum Thema Psychische und Suchterkrankungen. Während der Zugfahrt dorthin war ich ziemlich aufgeregt. Ich wusste nicht, was mich erwartet und wie die Woche verlaufen würde. Ich kannte bisher niemanden und war gespannt, wie die anderen wohl so sein würden.
Zu meinem großen Glück wurde ich gemeinsam mit einem anderen Mädchen vom Bahnhof abgeholt. Sie war direkt sehr offen zu mir und hat sich mit mir unterhalten. Als wir dann angekommen sind, hat sie mich einfach mitgenommen und ihrer Freundin vorgestellt, die sie von anderen Seminaren kannte.
Die nächsten Tage haben wir viel zu dritt unternommen und ich habe mich zunehmend wohl gefühlt. Am Anfang hatte ich Angst, das dritte Rad am Wagen zu sein, aber die beiden haben mich super integriert. Dadurch konnte ich mich auch in der Gruppe schnell einfinden und ich war froh, Anschluss gefunden zu haben und nicht allein zu sein. So konnte ich unser gemeinsamen Abende genießen und es fiel mir leichter, Kontakt zu den anderen Teilnehmern aufzubauen.
Für mich selbst ist es oft schwer, mit neuen Leuten zusammen zu sein. Ich bin meistens eher ruhig und höre den anderen zu, was oft den Eindruck vermittelt, ich hätte kein Interesse an den anderen. Erst nach einigen Tagen werde ich warm und erzähle auch von mir selbst. Außerdem ist der soziale Kontakt, so viel Spaß er mir dann auch macht, ziemlich kräftezehrend und ich brauche öfter Zeit für mich.
Bezogen auf die Seminare fällt es mir daher nicht so leicht, Anschluss zu finden, wenn niemand auf mich zugeht. Zudem sind jedem meiner Seminar sind andere Leute, sodass ich jedes Mal aufs Neue auf andere zugehen muss. Einerseits ist das toll, weil ich mich so mit vielen Freiwilligen austauschen und neue Leute kennenlernen kann. Andererseits ist es sehr anstrengend, besonders dann, wenn ich das Gefühl habe, dass ich mich verstellen muss, um Teil der Gruppe zu sein. Erst wenn das Seminar fast vorbei ist, fühle ich mich wohl genug, um aus mir herauszukommen und mich wirklich zu unterhalten.
Nach meinem ersten Seminar war ich dementsprechend erleichtert, jemanden gefunden zu haben, bei dem ich mich wohlfühle und der mich mitnimmt. Trotzdem war ich ziemlich ausgelaugt von den vielen Eindrücken und den sozialen Interaktionen.
Für die kommenden Seminare bin ich aber nun etwas zuversichtlicher gestimmt und freue mich auf den Spaß, den die gemeinsame Erfahrung mit sich bringt. Denn trotz der Anstrengungen und Aufregung hatte ich eine tolle Woche mit netten neuen Kontakten und vielen Erfahrungen.