Aus der Vergangenheit lernen

In meinem Bufdi komme ich mit verschiedenen Themen in Kontakt. Im Gespräch erzählen unsere Gäste oft von ihrer Vergangenheit – ihrer Kindheit, ihrer Jugend und ihrer Arbeit. Und eben auch vom Krieg. So gut wie jeder hat den Zweiten Weltkrieg miterlebt und die Folgen des Ersten Weltkrieges gespührt. Die Geschichte, die sie erzählen sind für mich oft unvorstellbar – mehr wie irgendwelche uralten Quellentexte aus einem Geschichtsbuch als die Erlebnisse eines lebenden Menschens.

Flucht, das Zurücklassen von allem was sie kannten. Angst und das ewige Ausharren in Bunkern. Verlust von Familie und Freunden. Gewalt und Grausamkeit. Feindseligkeit im Kalten Krieg.



Ich bekomme oft Gänsehaut, wenn die Gäste solche Geschichten erzählen. Mir selbst macht es aber auch Angst, die Parallelen aus der Zeit vom damals und heute zu sehen. Mir vorzustellen, was diese Menschen erlebt haben in einem so jungen Alter ist für mich kaum möglich. Aber zu wissen, dass es auch heute noch Menschen gibt, die solch ein Leid ertragen müssen, ist einfach nur fürchterlich.


Wir Menschen von behaupten von uns, die intelligenteste Art der Erde zu sein, doch wenn ich von all der Gewalt höre, kann das nur eine Lüge sein. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass diese intelligenteste Art nur Macht, Habgier und Gewalt im Sinn hat. Mir ist bewusst, dass das nicht für alle Menschen gilt, sondern vielleicht nur für einen Bruchteil. Dieser Bruchteil brüllt aber so laut, dass alle anderen eingeschüchtert sind und die wenigen so ihr grausames Handeln durchsetzten können.


Auch ich habe Angst und gebe der Ungerechtigkeit in der Welt damit Platz. Ich träume nachts von Krieg und Gewalt, dass ich oft morgens nicht weiß, was Traum oder Wirklichkeit ist.
Und das alles, ohne je etwas davon wirklich erlebt zu haben. Allein die Vorstellung und das Wissen, dass es Krieg auf der Erde gibt, löst in mir die egoistische Angst aus, dass es auch mir eines Tages auch so ergehen könnte.


Wenn ich dann die Menschen sehe, die es wirklich erlebt habe, merke ich erst wie viel unser Frieden eigentlich wert ist. Ich habe es für selbstverständlich gehalten, immer in Frieden zu leben, so wie Luft zum Atmen zu haben. Aber das ist es nicht. Und auch Angst macht es nicht besser, auch wenn es die erste natürliche Reaktion ist. Aber in all der Angst und Sorge um sich selbst sollte man nicht vergessen, dass es auch andere Menschen gibt, die jetzt unsere Hilfe brauchen.
Dass das Zuhören und verstehen unserer Vergangenheit der einzige Weg ist, die Gegenwart zu verstehen und auch zu beeinflussen. Und dass wir nur als eine Einheit den Frieden bewahren können.

Dabei sind ältere Menschen, wie ich sie nun kennenlerne die besten Zeitzeugen, die uns zeigen, warum ein friedlicher Umgang miteinander so wichtig ist. Auf deren Erfahrung zu hören und zu verstehen, könnte viel Unheil bewahren.

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