
Puerto Viejo, Freitag, der 01.07.2022, 15:54 Uhr. Während meines Aufenthaltes in Costa Rica besuche ich drei Wochen lang einen Sprachkurs, um etwas Spanisch zu lernen.
Dabei haben wir jeden Freitag die Möglichkeit, einen Ausflug zu machen. Diese Woche ging es für uns zu einer Kakaofarm, die einem indigenen Volk, den Bri Bris, gehört.
Zum ersten Mal habe ich eine Kakaopflanze, einen Kautschukbaum, einen Kukumabaum sowie eine Stabheuschrecke gesehen. Unsere Leiterin, eine Bri Bri, konnte uns viel über diese und andere Pflanzen erzählen, die ihr Stamm seid Jahrhunderten zur Herstellung von Werkzeugen, Häusern, Medizin, Schmuck und Kosmetik nutzt. Ich fand es sehr fazinierend, wieviel man aus all den Pflanzen herstellen kann und dass teilweise nur so wenig über manche Pflanzen bekannt ist.
Ziemlich fatal, wenn man bedenkt, wie viele unerforschte Arten wir jeden einzelnen Tag ausrotten ohne zu wissen, ob sie unheilbare Krankheiten heilen können. Das alleine sollte schon Grund genug sein, die Artenvielfalt zu erhalten, auch wenn es dafür natürlich eine Millionen weitere Gründe gibt.
Nach unserer Führung durften wir dann selbst Schokolade herstellen. Dafür mussten die schon getrockneten Schoten (allein das Trocknen dauert Tage) zuerst zehn Minuten geröstet werden, dann mit Steinen gemahlen und zuletzt gepresst werden. Erst dann hat man eine Kakaopaste. Wenn man diese probiert ist sie sehr bitter und mehlig und überhaupt nicht das, was ich mit Kakao verbinde. Selbst mit Wasser, Zucker und Milchpulver wird es kaum besser und kommt unserem Kakao nur sehr entfernt nahe. Besonders der bittere Geruch unterscheidet sich stark von unserer Schokolade.
Wenn man bedenkt, wie gravierend dieser Unterschied zwischen richtigem Kakao und unsere Schokolade in Deutschland ist, möchte ich gar nicht so genau wissen, was alles darin ist. Ich persönlich esse gerne Schokolade, aber wenn ich daran denke, was ihr alles hinzugefügt werden muss um so zu schmecken, finde ich das schon abschreckend.
In Zukunft werde ich zumindest öfter daran denken, dass Schokolade nicht einfach Kakaobohnen, Zucker und Milch ist, sondern dass viel mehr dazugehört. Neben sehr harter Arbeit und Zeit eben auch Zusatzstoffe und eine ganze Industrie, die nicht überall so idyllisch ist, wie das Bri Bri Dorf. Sogar eine alltägliche Sache wie Schokolade ist ein Privileg, das ich jetzt viel bewusster wahrnehmen kann.