Zwischen Kulturschock und Liebe

Puerto Viejo, Dienstag, der 28.6.2022, 15:22 Uhr. Karibikküste – Sommer, Sonne, Sonnenschein.
Also zumindestens fast. Es ist nämlich Regenzeit, das heißt es ist unberechenbar wann es wo wieviel regnet.
Was nicht bedeutet, dass es keine Sonne gibt. Gerade liegen wir bei 25 Grad und Sonne am Strand und genießen das gute Wetter. Aber das sieht auch schonmal anders aus.

Manchmal regnet es morgens, manchmal abends und manchmal den ganzen Tag. Das ist mehr oder weniger Glückssache, denn selbst die beste Wetterapp ist hier nicht brauchbar. Egal wie das Wetter ist, angesagt ist meistens Gewitter. Ob es das dann aber auch wirklich gibt ist die andere Sache.

Die Lage und das Klima bringen zudem verschiedene Umstände mit sich. Zum einen ist es super schwül, wenn es geregnet hat, alle Klamotten werden klamm und fangen (aus Erfahrung anderer Freiwilligen) eigentlich bei jedem nach zwei bis drei Wochen an manchen Stellen an zu schimmeln. Alles nur halb so tragisch, lässt sich zumindest meistens rauswaschen. Der Gedanke, dass alles schimmeln könnte ist mir aber trotzdem unbehaglich, auch gesundheitlich gesehen. Beeinflussen kann ich es allerdings leider kaum, da es keine Möglichkeit gibt, die Sachen zu trocknen.

Durch die Lage in der Nähe des Äquators ist es abends momentan schon ab 18 Uhr stockdunkel. Da gibts keine Dämmerung, sondern es ist zack, bumm dunkel. Das ist wirklich crazy. Wenn man sich nicht beeilt davor Zuhause zu sein, kann einen das echt überrollen.

Auch die Zeitverschiebung ist verrückt. Jacklag habe ich nicht, weil ich die Nacht im Flieger durchgemacht habe, aber wenn wir abends draußen unterwegs sind und wir gegen 1 nach Hause kommen, ist meine Familie schon wieder wach. Wenn wir Mittag haben, gehen sie wieder schlafen und so weiter.

Es gibt aber auch unfassbar viele tolle Dinge.
Besonders gut gefällt mir die Landschaft und die Kultur. Der Regenwald und die Vegetation ist superschön und wirklich einmalig. Jede Nacht kann man aus dem Bett ein Konzert der Insekten und Brüllaffen hören und wenn es regnet auch das prasseln der Regentropfen auf das Blätterdach. Das Leben quasi mitten im Dschungel ist toll und unbeschreiblich schön.

Außerdem sind die Menschen hier sehr herzlich und vor allen Dingen entspannt. Die abendlichen Besuche im Johnny’s, einer Strandbar mit Tanzfläche am Meer, machen viel Spaß und man lernt immer neue Leute kennen. Besonders das Zumba im Ort, bei dem Locals und Touris aufeinander treffen, ist cool. Unser Lehrer ist hochmotiviert und macht gute Stimmung, sodass man alles andere vergessen kann. Man fühlt sich verbunden mit den Menschen und seinem Körper. Es zählt nur der Moment.

Zusätzlich können wir einmal die Woche Yoga mit einer Lehrerin machen. Es ist erstaunlich, wie die Kommunikation ohne Worte klappt, denn von den spanischen Anweisungen verstehe ich nichts. Diese Aktivitäten stärken unseren Teamgeist untereinander und machen super viel Spaß. Neben Handstand und anderen Übungen, ist die Schlussentspannung der Moment, in dem man wirklich geerdet ist.

Insgesamt gewöhne ich mich langsam ein. Es gibt Phasen mit Unwohlsein und Heimweh, die einfach schlimm sind. Gleichzeitig gibt es tolle Dinge, die ich hier sehen und erleben kann. Ich habe schnell gemerkt, dass Reisen nicht nur schön ist, sondern seine Sonnen- und Schattenseiten hat. Daran muss ich mich erst gewöhnen und lernen, auch negative Gefühle zuzulassen.

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